30.10.2008

Laura Joh Rowland: Die rote Chrysantheme ***

Buch-CoverMit Laura Joh Rowlands neuesten Band in der Sano Ichiro-Reihe ging es für mich vom heutigen Südafrika direkt ins mittelalterliche Japan, wo Sano Ichiro diesmal bis zum Hals in Schwierigkeiten steckt, ebenso wie seine Frau Reiko. Die wird nackt und blutüberströmt neben der geschändeten Leiche eines einflußreichen Fürsten aufgefunden und alles deutet darauf hin, dass sie die Mörderin ist.

Reiko selber kann sich an die Tat nicht erinnern und alles, was sie weiß, scheint nicht der Wahrheit zu entsprechen. Während Sano Ichiro verzweifelt ermittelt und versucht Beweise für die Unschuld seiner Frau und den wahren Täter zu finden, braut sich aber auch über ihm Unheil zusammen. Plötzlich sieht es so aus, als sei er der Kopf einer Verschwörung gegen den Shogun oder zumindest darin verwickelt.

Die Zeit wird knapp und sowohl ihm als auch Reiko droht die Todesstrafe. Feinde und Neider der beiden reiben sich schon erwartungsfroh die Hände und erst in letzter Sekunde gelingt es Sano Ichiro und seinem getreuen Gefolgsmann Hirata zumindest einem Teil einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur zu kommen.

Im Prinzip hat mir der neue Roman der Serie relativ gut gefallen, wobei es Laura Joh Rowland für meinen Geschmack an einigen Punkten etwas übertrieben hat und deswegen sind es auch nicht vier Sterne geworden.

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28.10.2008

Deon Meyer: Der Atem des Jägers *****

Buch-CoverAnfang des Monats las ich den Thriller »Das Herz des Jägers« vom Südafrikaner Deon Meyer. Der Held darin ist ein Xhosa namens Thobela. Dann erfuhr ich, dass Deon Meyer noch einen weiteren Thriller geschrieben hat, in dem Thobela eine Rolle spielt und da ich gerne wissen wollte, wie es Thobela weiterergangen ist, habe ich nun »Der Atem des Jägers« gelesen.

Am Ende von »Das Herz des Jägers« trauert Thobela um seine Freundin und nimmt sich deren verwaisten Sohnes Pakamile an. Zwei Jahre nach diesem Zeitpunkt setzt »Der Atem des Jägers« ein. Inzwischen hat Thobela den kleinen Pakamile adoptiert, eine Farm gekauft und die beiden haben zusammen eine Art kleines Glück gefunden.

Doch dann schlägt das Schicksal wieder erbarmungslos zu. Bei einem Tankstop wird Pakamile auf Thobelas Rücksitz von Tankstellenräubern erschossen. Die beiden Räuber werden schnell geschnappt doch als ihnen während des Prozesses wieder die Flucht gelingt, macht sich Thobela selbst auf die Jagd aber nicht nur nach ihnen sondern nach allen, die Kinder mißbrauchen und ihnen Gewalt antun. Täter, die aus verschiedenen Gründen der Justiz entgehen, sucht er mit seinem Assegai auf und »richtet« sie.

Die südafrikanische Polizei macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Auf Seiten der Polizei ist die Hauptfigur in diesem Roman der Polizist Benny Griessel, Mitte Vierzig, verheiratet, zwei Kinder und Alkoholiker. Seine Frau setzt ihn vor die Tür und gibt ihm sechs Monate um trocken zu werden, sonst ist die Ehe vorbei. Benny Griessel wird leitender Ermittler in dem Fall und kämpft gleichzeitig mit den Dämonen seiner Alkoholsucht und um seine Familie.

Und dann ist da noch Christine, eine Prostituierte, die bei einem Pfarrer auftaucht und ihre Geschichte erzählt, die eng mit Thobela, Benny Griessel und einem der Opfer von Thobela verknüpft ist.

Aus diesen »Zutaten« hat Deon Meyer einen wirklich packenden Thriller gestrickt. Mir hat sehr gut gefallen, wie er die Charaktere, vor allem von Benny Griessel und Christine, der Hure, aufgebaut hat und schildert. Beides hat bei Meyer nicht die Oberflächlichkeit, die es häufig bei anderen Autoren hat. Vielmehr gelingt es ihm den Alkoholismus, seine Folgen und den Kampf aus der Sucht herauszufinden, überzeugend zu schildern. Gleiches gelingt ihm, was das Leben der Prostituierten angeht.

Die Hauptfrage aber die der Roman stellt ist die, ob es gerechtfertigt sein kann Selbstjustiz zu üben. Thobela greift zur Selbstjustiz und wird dabei selbst zum Mörder. Benny Griessel kann zwar verstehen, warum Thobela zur Selbstjustiz greift, verteidigt aber den Grundsatz, dass Selbstjustiz nicht akzeptabel ist, weil sie letztlich ins Chaos führt. Doch ab einem bestimmten Punkt überschlagen sich die Ereignisse im Roman und die klaren Standpunkte geraten ins Rutschen. Es kommt zu einem überraschenden Ende.

Deon Meyer greift im Roman aber auch noch andere Themen auf, z.B. die Gewalt und den Mißbrauch, dem erschreckend viele Kinder in Südafrika - teils auch aus Aberglauben bzw. Fehlinformationen (ein Kind zu vergewaltigen soll angeblich von Aids heilen!) - ausgeliefert sind und die Korruption bei der Polizei.

Mir hat »Der Atem des Jägers« noch besser gefallen als der »Das Herz des Jägers«.

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26.10.2008

Kerstin Ekman: Am schwarzen Wasser ****

Buch-CoverNachdem ich ja im Sommer bereits die berühmte Vallmsta-Tetralogie der schwedischen Schriftstellerin Kerstin Ekman gelesen habe, habe ich mich entschlossen auch ihre »Wolfspelz«-Trilogie zu lesen. Deren erster Band »Am schwarzen Wasser« erschien erstmals 1999 in Schweden und erzählt wiederum vom Schicksal einiger Frauen in Schweden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts.

Die Geschichte beginnt 1916 in einem kleinen Ort in Jämtland, einer schwedischen Provinz im Norden, die an Norwegen grenzt. Dort wird auch ein starker Dialekt gesprochen und dort lebten auch viele Lappen. Das Verhältnis zwischen den Schweden und den Lappen war immer etwas distanziert und kritisch und auch davon berichtet Kerstin Ekman.

Hauptperson des ersten Buches der Trilogie ist die Hebamme Hillevi. Sie läßt sich nach Röbäck in den Norden versetzen um ihrem heimlichen Verlobten, einem jungen Pfarrer, nahe zu sein, der dort eine Pfarrei übernehmen soll. Mit viel Enthusiasmus macht sich die junge Hillevi an die Arbeit und wird schnell mit der rauen Wirklichkeit, Pfuscherei und Aberglaube, vor allem aber dem schweren Schicksal der Frauen konfrontiert. In der Zeit bis zur Ankunft ihres Verlobten hat sie bereits Dinge erlebt, die ihre Sichtweisen verändert haben. Schnell wird klar, dass die beiden keine gemeinsame Zukunft haben werden.

Hillevi bleibt aber in Jämtland. Dort lernt sie dann Trond kennen, der lappischer Abstammung ist und als eine Art fahrender Händler tätig ist. Als ein Kind unterwegs ist, heiraten die beiden, ziehen nach Svartvattnet und bauen sich ein eigenes Heim und eine eigene Existenz auf. Trond unterhält einen Laden im Ort und so bringt es die kleine Familie, zu der inzwischen auch noch ein aufgenommenes Lappenkind gehört, zwar nicht zu Reichtum aber doch zu bescheidenem Wohlstand.
Ihr gemeinsamer Sohn Tore fällt beinahe der großen Diphtherieepidemie 1919 zum Opfer. Später verlieren sie den Laden durch Brandstiftung.

Parallel wird auch noch das Schicksal von Elis erzählt, der vor seinem gewalttätigen Vater nach Norwegen fortläuft und versucht sich durchzuschlagen. Doch Elis ist krank und leidet an Tuberkulose, die ihn fast das Leben kostet. Als er endlich als gesund gilt, wendet er sich endlich der geliebten Malerei zu. Am Ende finden wir ihn in Berlin, wo die Nazis langsam aber sicher die Macht übernehmen. Kerstin Ekman erzählt nicht nur wieder Frauenschicksale sondern liefert ebenso wieder ein Gesellschaftsbild und schwedische Zeitgeschichte.

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25.10.2008

Literatur kulinarisch: Tronds und Hillevis Hochzeitsmahl

Kerstin Ekman: Am schwarzen Wasser
Zuerst aßen sie Renzunge und gut gelagerten Ziegenkäse zum Appetitschnäpschen. Danach gab es Topinamburpüree mit gerösteten Brotscheiben. Dazu wurde Sherry gereicht. Dann kam der sogenannte erste Gang. Er bestand aus einem großen eingelegten Saibling mit Geleewürfeln. Der Fisch kam in mehreren Erscheinungsformen auf die Tische, und es gab Würzsauce und gekochte Mandelkartoffeln dazu. Der Wein stammte vom Rhein und war goldgelb.
Danach aßen sie Renbraten mit glacierten Zwiebeln und einer Sauce aus getrockneten Morcheln, die in Madeira eingeweicht worden waren. Ferner gab es Moosbeerengelee und eingemachte Hagebutten. Dazu wurde Kartoffelstampf aus einer Kartoffelsorte gereicht, die weißer als Mandeln war und sich sehr gut zum Pürieren eignete. Eine Hausdame behielt die Serviererinnen im Auge und beantwortete Hillevis Fragen zu den Gerichten. Zum Braten tranken sie Rotwein mit dunklem, erdigem Geschmack.
Auf den Renbraten folgte unvermutet Brot und Butter. Hillevi begriff, daß es wegen des zweiten Schnapses war. Danach kam das Geflügel. Am Haupttisch wurde Auerhahn serviert weiter unten Birkhahn. Zu trinken bekamen sie wieder von diesem dunklen roten Wein. Die Saucen waren von der geschabten Geflügelleber ganz grießig. Hillevi fand, daß sie sie ruhig durch ein Tuch hätten passieren können.
Zum Käse, der nach dem Gebratenen aufgetragen wurde, gab es erneut Schnaps. Es waren sowohl angemachter als auch grünschimmliger Käse, große Stücke von reifem Västerbotten und weicher Renkäse.
Zum Nachtisch gab es russische Charlotte, deren Cremefüllung nicht mit Himbeeren, sondern mit Moltebeeren gemacht war. Sie bekamen Mandelplätzchen dazu, und zum Kaffee wurde Blätterteiggebäck aufgetragen. Die Hochzeitstorte kam ganz zum Schluß, und anschneiden mußte Trond sie. Bevor er sich an die Sahneschichten machte, legte er Hillevi die rosa Marzipanrose vor und erhielt dafür Applaus und einen Tusch mit der Geige.


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Literatur kulinarisch: Fastnachtsklümper

Kerstin Ekman: Am schwarzen Wasser
8-12 Kartoffeln. Kalte gekochte oder rohe. Man kann auch mischen.
2 Kaffeetassen Gerstenmehl oder zerkrümelte Haferflocken
1 l Weizenmehl
2 Teelöffel Salz
7 Kaffeetassen Milch
Hinzu nimmt man noch:
leicht gesalzenen Speck, Molkenkäsesoße oder zerlassene Butter

Das gesiebte Mehl (oder die Haferflocken) wird zusammen mit den geriebenen Kartoffeln in eine Schüssel gegeben. Man gießt Milch dazu, so nach und nach, bis man einen ausreichend festen Teig erhält. Auf einem bemehlten Backtisch zu einer Rolle formen, die in gleich große Stücke geteilt wird. Jeden Klümper mit gewürfeltem gebratenem Speck und Molkenkäse oder nur Butter und Molkenkäse füllen und so zusammenarbeiten, daß er ganz bleibt und nicht reißt.
Die Klümper in leicht gesalzenem Wasser kochen, bis sie an der Oberfläche schwimmen, noch einige Minuten ziehen lassen.

Dazu ißt man gebratenen Speck und Molkenkäsesoße.
Fastnachtsklümper werden nur in der Fastenzeit gegessen.


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Jhumpa Lahiri: Einmal im Leben ***

Buch-CoverJhumpa Lahiris Romane haben mir bisher immer sehr gut gefallen und so habe ich, als ich erfuhr, dass ein neuer Roman von ihr auf deutsch erscheint gleich zugegriffen.

Im Vergleich zu ihren anderen Romanen, ist »Einmal im Leben« ein kürzerer Roman von nicht einmal 200 Seiten, indem sie eine Liebesgeschichte erzählt. Hauptfiguren sind Hema und Kaushik, die sich erstmals als Kinder in den USA begegnen. Ihre Eltern stammen ursprünglich aus Bengalen und sind miteinander befreundet. Kaushiks Eltern kehren für einige Jahre nach Indien zurück und dann wiederum nach Amerika, wo sie für die ersten Wochen bei Hemas Eltern unterkommen. Kaushik ist einige Jahre älter als Hema und die kleine Hema himmelt ihn heimlich an. Kaushik aber hat ganz andere Sorgen und registriert das kaum. Schließlich finden Kaushiks Eltern ein eigenes Haus und ziehen zusammen mit ihm dorthin.

Hema und Kaushik verlieren sich aus den Augen. Sie wird Altphilologin, hat heimlich jahrelang eine Beziehung mit Julian, einem verheirateten Mann - immer in der Hoffnung, dass er sich scheiden läßt und sie heiraten können. Kaushik erlebt das Sterben seiner krebskranken Mutter mit, lebt sich mit seinem Vater, der eine neue Familie gründet, auseinander, wird Kriegsfotograf und hat auch immer wieder lose Beziehungen.

Als für Hema klar wird, dass Julian sich nicht scheiden lassen wird, trennt sie sich von ihm und gibt dem Druck ihrer Eltern nach endlich zu heiraten. Navin, ebenfalls Inder, ist dazu ausersehen sie zu heiraten und sie beschließt sich darauf einzulassen »damit alles geregelt ist«. Kurz vor der Hochzeit verbringt Hema einige Wochen in Rom und dort ist es auch, wo sich Hema und Kaushik nach Jahren wiedersehen. Sofort ist eine tiefe Verbundenheit und Vertrautheit da, aus der Liebe wird. Kaushik bittet Hema seine Frau zu werden, doch Hema reagiert trotz ihrer Liebe zu Kaushik zurückhaltend und kann ihre Ängste nicht überwinden. Einen Tag später muss sie ihren Flug nach Indien zu Navin antreten. Kaushik ist kurz davor eine Stelle in Hongkong anzunehmen und macht noch einen Abstecher nach Thailand und fällt dort dem Tsunami zum Opfer. Hema wiederum heiratet Navin und trauert heimlich um Kaushik.

Jhumpa Lahiri hat eine Art Romeo und Julia-Geschichte geschrieben, wobei es bei Hema und Kaushik nicht die Familien sind, die der Liebe im Wege stehen sondern sie selber. Sie sind nicht in der Lage die entscheidenen Momente zu erkennen und auf ihre Liebe zueinander zu vertrauen und so treibt sie das Leben wieder auseinander. Sie bleiben im tiefsten Innern einsam und auch irgendwie heimatlos.

Jhumpa Lahiri erzählt die Geschichte immer abwechselnd aus Hemas und Kaushiks Perspektive, was einerseits verschiedene Aspekte zur Geschichte hinzufügt, andererseits aber auch für die Vereinzelung steht - es gibt kein wirkliches »wir«.

An die Vorgängerromane kommt »Einmal im Leben« bei weitem nicht heran auch wenn natürlich die Erzählkraft von Jhumpa Lahiri auch hier zum Tragen kommt und die Geschichte davor bewahrt kitschig zu werden.

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23.10.2008

Alexander McCall Smith: Ein Fallschirm für Mma Ramotswe ***

Buch-CoverZwischendrin wieder ein kleiner Ausflug nach Botswana, um zu sehen wie es Mma Ramotswe, ihrem Verlobten Mr. J.L.B. Matekoni, den beiden Waisenkindern, die sie aufgenommen haben und ihrer Assistentin Mma Makutsi weiter ergeht.

Der Leiterin der Waisenfarm, Mma Potokwani, gelingt es mal wieder Mr. J.L.B. Matekoni zu überrumpeln. Sie möchte, dass er mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug abspringt um so Geld für die Waisenkinder zu sammeln. Bevor der gute Mr. J.L.B. Matekoni sich tatsächlich zu einer Entscheidung über diese Idee durchgerungen hat, hat sie schon die Zeitungen informiert und er wird bereits als »Held« gefeiert. Da sind mal wieder Mma Ramotswes Klugheit und Fingerspitzengefühl gefragt, um ihn aus dieser heiklen Situation herauszulavrieren. Aber Mma Ramotswe wäre nicht Mma Ramotswe würde ihr nicht wieder eine elegante Lösung einfallen, die allen erlaubt ihr Gesicht zu wahren.

Was die No. 1 Ladies' Detective Agency angeht, so übernimmt Mma Ramotswe dort den Fall einer wohlhabenden Frau, die endlich heiraten möchte und auch jede Menge Bewerber hat, aber nicht sicher ist, ob die Männer wirklich sie lieben oder nur ihr Geld. Mma Ramotswe macht sich auch so ihre Gedanken, wie lange ihre Verlobung mit Mr. J.L.B. Matekoni wohl noch andauern wird, denn er scheint noch nicht bereit zu sein endlich zu heiraten. Aber sie weiß auch, dass man Männer besser nicht drängt und wartet klug ab um dann endlich am Ende dieses Buches doch mit ihm vor den Traualtar zu treten. Man wünscht den beiden alles Glück der Welt und ebenso ihrem geliebten Botswana.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



Ian Rankin: Die Sünden der Väter ****

Buch-CoverUnd weiter geht es mit Ian Rankins Inspector Rebus-Reihe: In »Die Sünden der Väter« bekommt es John Rebus mit dem Fall eines gesuchten Nazis zu tun und mit einem Bandenkrieg in Edinburgh. Und dann ist da noch Candice, eine Zwangsprostituierte, die ihn um Hilfe bittet um der Zwangsprostitution zu entkommen. Als seine Tochter Sammy angefahren und schwer verletzt wird und der Verursacher Fahrerflucht begeht, stellt sich die Frage, ob das ein Zufall oder eine Warnung ist. Aber wenn das so ist, wer droht ihm da?

John Rebus hat also alle Hände voll zu tun und bangt dabei auch noch um seine Tochter, die bewußtlos und schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Am Ende gelingt es zwar, den Bandenkrieg zu beenden aber John Rebus verliert einen für ihn sehr wichtigen Menschen.

Mir hat »Die Sünden der Väter« gut gefallen, eine vielseitige Geschichte mit etlichen überraschenden Wendungen und wie schon im Vorgängerband gibt es auch in »Die Sünden der Väter« wieder einen realen historischen Bezug, nämlich im Fall des alten Nazis, dem vorgeworfen wird an einem Massaker in einem französischen Dorf beteiligt gewesen zu sein und später dann über die geheimen Kanäle der sog. »Rattenlinie« nach Großbritannien gekommen zu sein. Das Massaker fand tatsächlich, wenn auch an einem anderen Ort als im Buch genannt, nämlich in Oradour-sur-Glane statt. Weder von der »Rattenlinie« noch von dem Massaker in Oradour-sur-Glane hatte ich vorher schon mal was gehört und so ganz nebenbei gleich noch etwas Neues erfahren bzw. gelernt.

# ~ 4_Sterne ~ kein Kommentar



22.10.2008

Hans Pleschinski: Ludwigshöhe *

Buch-CoverIn einem Radiobeitrag hörte ich von Hans Pleschinskis Roman »Ludwigshöhe« und was ich dort hörte, ließ mich denken, das könnte eine interessante Lektüre sein.

Drei Geschwister - Monika, Clarissa und Ulrich - erben von einem Onkel. Doch das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft: sie sollen die Villa Ludwigshöhe des Onkels am Starnberger See ein Jahr lang für Lebensmüde öffnen aber nicht, um sie ins Leben zurückzuführen, sondern um ihnen mit Rat und Tat dabei beizustehen ihr Vorhaben zu realisieren. Die Geschwister, allesamt aus meiner Perspektive keine sympathischen Charaktere, lassen sich aus Geldgier auf diese Bedingung ein. In der ganzen Stadt verteilen sie verklausulierte Flyer bzw. Karten, die Interessenten anlocken soll und bald füllt sich die Villa mit recht unterschiedlichen Menschen.

Zum Entsetzen der Geschwister geschieht jedoch etwas anderes als das Erwünschte, die Lebensmüden wagen den letzten Schritt eben doch nicht und fangen nach und nach an doch wieder Geschmack am Leben zu finden, werden aktiv, helfen sich gegenseitig und denken gar nicht daran, das zu tun, was sie ursprünglich vorhatten, nämlich sich das Leben zu nehmen.

Vor Jahren las ich das Buch »Der wunderbare Massenselbstmord« des finnischen Autors Arto Paasilinna, indem es um die gleiche Thematik geht. Aber Hans Pleschinskis Roman kann meiner Meinung nach in keiner Weise mit Arto Paasilinnas Roman mithalten. Ich habe mich durch »Ludwigshöhe« gequält und nur selten sprang mal ein kleines Fünkchen über. Am Anfang ist alles so verklausuliert angelegt, dass wenn ich nicht vorher den Beitrag zum Buch gehört hätte, ich überhaupt nicht kapiert hätte, worum es eigentlich geht. Viele Fragen bleiben offen und ich stolperte ziemlich orientierungslos durch die Seiten, immer auf erklärende bzw. erhellende Sätze hoffend. Die auftretenden Figuren vermochten es auch nicht, bei mir große Sympathien zu wecken. Ellenlange Dialoge werden ausgebreitet über bundesdeutsche Alltagsthemen von Call-Center über Ich-AGs bis hin zu Ehrenmorden ohne wirklich substantiell etwas Neues beizutragen und der Autor hat auch nicht vergessen viele Zitate aus der Weltliteratur mit einzustreuen, vielleicht um damit seinen literarischen Anspruch zu beweisen. Obwohl diese Themen ja tatsächlich den heutigen Menschen bewegen, bleiben sie in den Diskussionen blutleer und irgendwie theoretisch und plakativ.

Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, wie es Hans Pleschinski mit Ludwigshöhe allen Ernstes auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat.

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20.10.2008

Alexander McCall Smith: Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe ***

Buch-CoverAls literarischen Abschluß des Wochenendes gab es wieder einen der Detektivromane von Alexander McCall Smith.

Hauptprotagonistin Mma Ramotswe bekommt es plötzlich mit einem Konkurrenzunternehmen zu tun, was für ihr Unternehmen eine echte Gefahr darstellen könnte. Dann bittet sie ein junger Mann um ein Gespräch und legt eine Art Lebensbeichte bei ihr ab und bittet sie die Menschen zu finden, denen er Unrecht getan hat, weil er sich entschuldigen und wenn möglich das Unrecht wiedergutmachen will. Mma Ramotswe macht sich auf die Suche und ist natürlich erfolgreich dabei.

Ihre Assistentin Mma Makutsi wiederum eröffnet zusätzlich ein eigenes Unternehmen. Sie bringt Männern das Schreibmaschineschreiben bei. Als sich einer der Männer in sie verliebt, scheint ihr Leben vor eine großen Veränderung zu stehen.

Die Beziehung zwischen Mma Ramotswe und ihrem Verlobten Mr. J.L.B. Matekoni vertieft sich und erste kleinere Schwierigkeiten der beiden Waisenkinder, die sie bei sich aufgenommen haben, können auch behoben werden. Nur scheint Mr. J.L.B. Matekoni noch nicht bereit zu sein einen Hochzeitstermin festzusetzen, was Mma Ramotswe doch etwas nachdenklich stimmt.

Was soll ich über diese Serie über die Detektivin Mma Ramotswe aus Botswana noch sagen, außer dass ich die Geschichten einfach gerne lese und mich jedesmal nach Afrika zurückversetzt fühle? Ein schöner gemütlicher Abschluß des Wochenendes.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



19.10.2008

Fred Vargas: Das Zeichen des Widders ***

Buch-CoverIch bin kein ausgewiesener Comic-Kenner geschweige denn ein ständiger Comic-Leser aber gute Comics weiß ich durchaus zu schätzen. Seit einer Weile hört man nun auch im deutschsprachigen Raum von den sog. »Graphic Novels«. Ein Beispiel dafür ist z.B. die graphic novel »Die Sache mit Sorge« von Isabel Kreitz. In anderen Ländern sind diese graphic novels wesentlich verbreiteter als in Deutschland.

Nun hat der Aufbau Verlag das Experiment gewagt eine Graphic Novel zu veröffentlichen und hat für den textlichen Teil die französische Krimiautorin Fred Vargas und für den zeichnerischen Teil den französischen Comiczeichner Edmond Baudoin gewinnen können. Das Werk trägt den Titel »Das zeichen des Widders« und erzählt eine Kriminalgeschichte, mit Kommissar Adamsberg, einem bekanten Serienhelden von Fred Vargas.

Zwei junge Straßendiebe rauben einem alten Mann eine Tasche und finden neben viel Geld auch allerhand eher unheimliche Dinge in der Tasche. Am nächsten Tag ist einer der jungen Männer ermordet und gewisse Spuren am Tatort lassen Kommissar Adamsberg an andere Morde zurückdenken, die einem Serienmörder mit dem Namen »Widder« zugerechnet wurden. Es beginnt ein Wettlauf auf Leben und Tod, denn auch der zweite Straßenräuber schwebt in Lebensgefahr.

Für Fans der Fred Vargas-Krimis ist es sicher gewöhnungsbedürftig, nun plötzlich eine Comic-Geschichte von ihr zu lesen und dazu die Bilder zu haben, erst recht, sollten diese Leser sonst überhaupt keine Comic-Leser sein. Leider hat der Verlag auch nicht richtig kommuniziert, um was genau es sich bei »Das Zeichen des Widders« handelt, was bei eingefleischten Vargas-Lesern wohl schon zu reichlich Frust geführt hat. Läßt man sich aber auf das Experiment ein, so funktioniert die Graphic Novel durchaus und es gelingt Edmond Baudoin mit seinen Zeichnungen auch die typische Atmosphäre der Vargas-Romane bildlich umzusetzen und einzufangen.

Mir hat der Krimi-Comic recht gut gefallen aber auf Dauer ziehe ich doch lieber die Romane von Fred Vargas auf die gewohnte Art und Weise vor.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



Malorie Blackman: Himmel und Hölle ****

Buch-CoverMit »Himmel und Hölle« hat die britische Autorin Malorie Blackman ein wirklich eindrucksvolles Jugendbuch geschrieben, das aber auch von Erwachsenen gelesen werden kann und auch die ganz sicher sehr zum Nachdenken bringen wird.

Erzählt wird die Geschichte von Callum und Sephy, die als Kinder fast wie Geschwister aufwachsen, obwohl sie aus zwei sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen. Die Welt ist nämlich unterteilt in sogenannte Alphas und Zeros. Callum ist ein Zero, Sephy eine Alpha. Die beiden sind quasi unzertrennlich doch je älter sie werden, desto stärker sind auch sie von den geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft, in der die Zeros unterdrückt sind, ausgesetzt.

Im Prozess des Erwachsenwerdens, lernen sie auf bittere Art und Weise, welche Barrieren dieser Rassismus aufbaut und welche Schäden er allen zufügt. Ihre Freundschaft und Liebe wird auf eine harte Probe gestellt und sie müssen feststellen, dass sich auch noch so gut Gemeintes in einer solchen Gesellschaft ins Gegenteil verkehren kann. Am Ende müssen beide die schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen.

Malorie Blackman erzählt diese Geschichte immer abwechselnd aus Callums und Sephys Sicht und nimmt so die Leser unmittelbar mit hinein in das Geschehen. Die Entwicklung der Geschichte fesselt einen förmlich und läßt einen fast atemlos der Geschichte bis zum Ende folgen und das ist ein bittersüßes Ende, kein billiges happy end.

Wirklich ein gutes und empfehlenswertes Jugendbuch und absolut nachvollziehbar, warum es in Großbritannien ein starkes Echo ausgelöst hat und vermutlich auch in anderen Ländern, wenn es in andere Sprachen übersetzt wird.

# ~ 4_Sterne ~ kein Kommentar



18.10.2008

Adalet Agaoglu: Sich hinlegen und sterben ***

Buch-CoverAdalet Agaoglu gilt in der Türkei als eine der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen. »Sich hinlegen und sterben« war ihr erster Roman, den sie bereits 1973 erstmals in der Türkei veröffentlichte. Der damalige Umbruch in der türkischen Gesellschaft ausgelöst durch Kemal Atatürk beeinflußt auch stark diesen Roman.

Der Roman setzt zeitlich im Jahr 1968 ein, führt aber in der Rückerinnerung der Hauptfigur, Aysel, bis in das Todesjahr von Kemal Atatürk 1938 zurück, in dem Aysel die anatolische Dorfgrundschule zusammen mit ihren Klassenkameraden absolviert. Sie gehört damit zur ersten Generation von Mädchen, die getreu der Maxime von Atatürk danach streben eine Ausbildung zu erhalten und sich dem Staat verpflichtet fühlen. Aysel hat es nicht leicht sich mit ihrem Wunsch gegen den konservativ eingestellten Vater durchzusetzen, doch es gelingt und sie bringt es bis zur Dozentin in Ankara. Zugleich aber verwehren ihr die alten und neuen Zwänge ein selbstbestimmtes und freies Leben und bringen sie in eine ständige Zerreißprobe.

Adalet Agaoglu versteht es überaus geschickt diese Geschichte, die viele autobiographische Züge enthalten soll, zu erzählen und geschickt drei Zeitebenen miteinander zu verweben.

Trotzdem bin ich selber mit dem Roman nicht richtig warm geworden. Mit einer bestimmten Art des politischen Romans und auch das ist dieser Roman, tue ich mich eher schwer. Auch die Figur der Aysel in der Gegenwarts-Ebene des Romans bleibt mir in ihrem Verhalten fremd. So befindet sich Aysel zu Beginn des Romans in einem Hotel, wo sie sich ein Zimmer gemietet hat und sich »zum Sterben hinlegt« und quasi »auf den Tod wartet«. Das wirkt auf mich reichlich melodramatisch und für eine gebildete Dozentin irgendwie unlogisch wenn nicht geradezu absurd.

Zwar wird mir durch den Roman bewußt, mit welchen Schwierigkeiten die von ihr beschriebenen Generation zu kämpfen hatte um ihren eigenen Weg zu finden aber wirklich berührt hat mich das nicht. Alles bleibt seltsam distanziert, eben fremd oder genauer zu fremd.

Adalet Agaoglu hat ihre Protagonistin Aysel noch in zwei weiteren Romanen (»Eine Hochzeitsnacht«, erschienen 1980 und »Nein«, erschienen 1987) literarisch weiter begleitet.

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16.10.2008

Uwe Tellkamp: Der Turm *****

Buch-CoverIch hatte Uwe Tellkamps Roman »Der Turm« schon hier liegen, als ihm zu Beginn der Woche der Deutsche Buchpreis 2008 zugesprochen wurde. Nun heißt ein Buchpreis nicht automatisch, dass so ein Buch auch wirklich gut ist bzw. auf breiter Basis von der Leserschaft angenommen wird. Uwe Tellkamps Roman »Der Turm« aber ist meiner Ansicht nach ein wirklich preiswürdiger Roman. Endlich mal wieder ein richtiger »Roman« möchte man rufen, denn vieles, was uns heutzutage als »Roman« verkauft wird, sind doch eher seichte Geschichten oder wenig inhaltsreiche Erzählungen.

Ob »Der Turm« eine breite Leserschaft finden wird, wage ich nicht zu prognostizieren, denn er fordert dem Leser auch etwas ab und das sind leider viele Leser nicht mehr gewohnt. Sie ermüden schnell und legen so ein Buch vielleicht zur Seite, was aber schade wäre.

»Der Turm« ist ein richtiger Roman, der mich teilweise z.B. an »Die Buddenbrooks« von Thomas Mann denken ließ. Über den Inhalt des Romans hat man in den letzten Tagen viel lesen und hören können und da ich ja kein großer Freund davon bin schon in den Rezensionen die halbe Geschichte oder gar mehr zu verraten, sage ich hier zur Geschichte selbst nicht so viel.

Sehr sehr gut gefallen hat mir Uwe Tellkamps literarische Sprache in diesem Roman - schlicht großartig! So etwas bekommt man heutzutage nicht mehr häufig zu lesen. Da ist einer der die Sprache wirklich beherrscht, ein genauer Beobachter, einer der aus einem unerschöpflichen Wortquell zu schöpfen scheint. Schon nach wenigen Sätzen war ich absolut in die Geschichte gesogen und wanderte fasziniert durch dieses »versunkene Land«.

Wunderbare Figuren, lebendiges Gesellschaftsportrait ohne die DDR nostalgisch zu übermalen oder aber alles was sie ausmachte zu verdammen. Wer im Westen Deutschlands großgeworden ist, bekommt während der Lektüre von Tellkamps Roman eine Ahnung davon, wie das Leben im anderen Teil Deutschlands war, mit welchen Problemen die Menschen zu kämpfen hatten aber auch über den gelebten solidarischen Zusammenhalt in kleinen Zirkeln, Gruppen und Nachbarschaften und die Freuden, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen. Uwe Tellkamps Roman verschweigt auch keineswegs die Probleme, Schizophrenien und Verbiegungen zu denen der Staat die Menschen zwang oder wie es denen erging, die aufbegehrten oder gar ausreisen wollten.

Der Roman »Der Turm« endet mit einem Doppelpunkt und wie ich inzwischen einem Interview mit Uwe Tellkamp entnehmen konnte, hält er sich damit die Option offen, evt. irgendwann mal eine Fortsetzung zu schreiben, was mich - vorausgesetzt die Qualität bleibt gewahrt, wovon man aber höchstwahrscheinlich ausgehen kann - sehr freuen würde.

Für mich ist Uwe Tellkamp mit seinem Roman »Der Turm« der bisher herausragendste und würdigste Preisträger des Deutschen Buchpreises, schlicht eine andere literarische Klasse als die Vorgänger. Ich empfehle wärmstens die Lektüre dieses Romans!

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15.10.2008

Man Booker Prize für Aravind Adiga

Der indische Journalist und Schriftsteller Aravind Adiga ist für seinen Debüt-Roman »The White Tiger« (dt.: Der weisse Tiger) mit dem diesjährigen Man Booker Prize ausgezeichnet worden. Er ist erst der dritte Debütant überhaupt, dem es gelingt gleich mit dem ersten Roman diesen bedeutenden Literaturpreis zu gewinnen.

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Buchmesseblogger & Co.

Tja, nun ist es wieder so weit, die Frankfurter Buchmesse hat ihre Tore geöffnet und feiert nicht nur die Literatur der Türkei sondern auch 60jähriges Jubiläum. Und für alle, die nicht nach Frankfurt können, hier schnell wenigstens ein paar Tipps:

Die Buchmesse-Blogger von ARTE, die live von vor und hinter den Kulissen von der Buchmesse berichten und zwar in Wort und Bild im Videoblog. Sechs Videoblogger sind für ARTE unterwegs und fangen die unterschiedlichsten Eindrücke ein: Nina Cöster, Franco Foraci, Sesbastian Gehrlein, Tanja Höschele, Matthias Hundt und Valerie Ponell.
Und hier das gesamte Buchmesse-Spezial von ARTE

Das offizielle Buchmesseblog, das dieses Jahr von vier Bloggerinnen (!) befüllt wird.

Wie immer sehr umfangreich und informativ inklusive Live-Stream und Video-on-demand ist auch das Angebot des 3sat-Buchmesse-Spezials anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2008.

Klar muß auch das Blaue (Aspekte) Sofa hier genannt werden auf dem sicher auch dieses Jahr wieder interessante Gäste Platz nehmen und Rede und Antwort stehen werden. Wer es nicht im Life-Stream sehen kann, hat die Möglichkeit die Beiträge auch nachträglich noch als Video-on-demand zu sehen. Dazu gehört auch das Buchmesse-Spezial des ZDF.

Ebenfalls empfehlenswert ist der Buchmesse- und Literatur-Café-Podcast. 30 Autoren-Interviews direkt von der Frankfurter Buchmesse, von Sven Regener bis Rafik Schami sind angekündigt.

Wie gesagt, das ist nur eine Auswahl an Angeboten im Internet zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse, erhebt also nicht den Anspruch auf Vollständigkeit bietet aber jede Menge Stoff für die Augen und Ohren auch für die Daheimgebliebenen.

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13.10.2008

Alina Bronsky: Scherbenpark ***

Buch-CoverIn Alina Bronskys Roman »Scherbenpark« erzählt die Protagonistin Sascha, eine 17jährige Rußlanddeutsche, die es nach Frankfurt verschlagen hat, ihre dramatische Familiengeschichte. Ihre Mutter ist von ihrem Ex-Mann erschossen worden und ebenso der neue Freund ihrer Mutter. Übrig bleiben Sascha und ihre beiden kleinen Geschwister Anton und Alissa. Eine Tante reist aus Sibirien an und kümmert sich um die Halbwaisen. Sascha, intelligent, traumatisiert, wütend und überfordert muß vor der Zeit erwachsen werden und ihren eigenen Weg finden.

Was mich an diesem Roman gefallen hat, ist zum einen die Figur der Sascha, die zwischen großer Stärke und Verletzlichkeit schillert und zum anderen der Ton und Stil in dem sie ihre Geschichte erzählt.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



Deutscher Buchpreis für Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp hat den Deutschen Buchpreis 2008 für seinen Roman »Der Turm« erhalten.

Bei mir liegt der Roman schon zur Lektüre bereit und jetzt bin ich natürlich noch gespannter darauf.

# ~ Ausgezeichnet ~ kein Kommentar



12.10.2008

John Grisham: Berufung ***

Buch-CoverNach vielen Jahren dachte ich mir, ich könnte ja mal wieder einen Grisham lesen und griff zu seinem neuen Roman »Berufung«, ein sog. Gerichtskrimi.

In einem kleinen Städtchen ist durch ein ansässiges Industrieunternehmen das Grundwasser verseucht worden. In der Folge erkranken viele Bewohner an Krebs, viele davon sterben einen grausamen Tod. Das Anwaltspaar Wes und Mary Grace Payton klagen für eine der Hinterbliebenen und erreichen in der ersten Instanz tatsächlich einen Schuldspruch für das Unternehmen sowie die Zahlung von Schadensersatz von 41 Millionen Dollar.

Hier könnte der Roman also zuende sein, doch Grisham fängt da erst richtig an. Der Boss des Unternehmens schäumt vor Wut und geht natürlich in Berufung. Diesmal aber will er auf jeden Fall gewinnen und bekommt unverhofft Hilfe angeboten. Was dann losgeht ist eine Intrige allererster Güte, in der mit viel Geld viele Fäden im Hintergrund gezogen gezogen werden, um die Zusammensetzung des Supreme Courts in Mississippi zu verändern und so sicherzustellen, dass das Berufungsverfahren zu Gunsten des Industrieunternehmens ausgeht. Opfer werden nicht nur die Hinterbliebenen und Kranken, sondern auch das Anwaltspaar und vor allem eine Richterin des Supreme Court, deren Ruf geschädigt und die völlig demontiert wird, um einen genehmen Kandidaten bei der nächsten Wahl in den Supreme Court zu bekommen.

Auch wenn die Geschichte erfunden ist, so steckt laut Grisham doch viel Wahres darin und vor allem prangert er an, dass in einigen amerikanischen Bundesstaaten die Richter gewählt werden und so der Manipulation und Einflußnahme von Interessengruppen und entsprechenden Geldgebern Tor und Tür geöffnet ist.

Tja, das ist also die Geschichte und die erzählt Grisham ziemlich langatmig und sehr holzschnittartig, sprich im bei ihm üblichen schwarz-weiß-Schema. Spannung kam zumindest bei mir keine auf und mein Fazit ist, dass ich wohl in diesem Leben kein Grisham-Fan mehr werde.

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11.10.2008

Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte ****

Buch-CoverEs ist schon erstaunlich, wie es Wolfgang Schorlau in seiner Georg Dengler-Reihe immer wieder gelingt auf relativ wenigen Seiten spannende und dichte (Polit-)Krimis zu schreiben. Immer wieder sind es kurze Meldungen aus Zeitschriften, die seine Ideen für diese Krimis auslösen.

In seinem jüngsten Krimi der Serie, »Brennende Kälte«, geht es um Bundeswehr-Rückkehrer aus Afghanistan und eine neue »Mikrowellenwaffe«, die die USA vorgestellt und offenbar auch schon in Afghanistan zum Einsatz gebracht haben. Die Frau eines Bundeswehrsoldaten, der aus Afghanistan zurückgekehrt ist, bittet Dengler ihren völlig veränderten und offenbar am Posttraumatischen Belastungssyndrom leidenden Ehemann zu finden, als dieser spurlos verschwunden zu sein scheint. Etwa im gleichen Zeitraum gibt es in Stuttgart und Mannheim seltsame Morde, die sich zunächst niemand recht erklären kann.
Georg Dengler beginnt nachzuforschen und gerät schnell selbst in Lebensgefahr, zumal er nicht der einzige ist, der hinter dem Soldaten her ist. In einer Höhle auf der Schwäbischen Alb kommt es dann zu einem dramatischen Finale.

Mir gefällt an Schorlaus Krimis sehr, wie nah sie an der Realität sind und immer auch etwas Investigatives haben. Auch für »Brennende Kälte« stellt Wolfgang Schorlau auf seiner Website jede Menge Informationen und Material zur Verfügung. Bei der Lektüre von »Brennende Kälte« beschleicht einen unwillkürlich ein mehr als ungutes Gefühl (wenn man es nicht sowieso schon hat), was in Afghanistan eigentlich los ist und vor allem, was die deutschen Soldaten dort eigentlich tatsächlich tun. Wie schwierig es ist, selbst für verantwortliche Politiker an entsprechende Informationen zu kommen, zeigt z.B. auch der Fall Kurnaz. Gerade dieser Tage kam die Meldung, dass der eingesetzte Untersuchungsausschuß auch nach einhundert Sitzungen noch nicht wesentlich weiter gekommen ist bei dem Versuch aufzuklären, was da eigentlich wirklich vorgefallen ist und was die beiden Deutschen die Kurnaz laut seinen Angaben in Afghanistan mißhandelt haben sollen, überhaupt dort gemacht haben. Für Leser, die in Stuttgart und Umgebung leben, ist natürlich auch das Lokalkolorit interessant sowie die regionalen Themen, die Schorlau am Rande auch streift, so z.B. in diesem Krimi das umstrittene Verkehrs- und Städtebauprojekt »Stuttgart 21«.

Dengler-Fans können nur hoffen, dass Wolfgang Schorlau seinen Helden noch lange nicht in Ruhestand versetzt oder bei seinen brisanten Nachforschungen umkommen läßt.

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10.10.2008

Elif Shafak: Der Bonbonpalast ****

Buch-CoverEbenfalls rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse mit dem diesjährigen Gastland Türkei, hat auch die türkische Schriftstellerin Elif Shafak ihren neuesten Roman auf deutsch vorgelegt. »Bonbonpalast« ist der Titel und erzählt von den Bewohnern eines großen aber inzwischen ziemlich heruntergekommenen Hauses in Istanbul, eben dem Bonbonpalast, der zudem auf dem ehemaligen Grab eines Heiligen stehen soll.

Es scheint im Moment in der Literatur einen kleinen »Haus-Roman«-Trend zu geben, man denke z.B. auch an Romane wie »Der Jakubijan Bau« von Alaa al-Aswani oder »Die Eleganz des Igels« von Muriel Barbery. Wobei ich Elif Shafaks »Bonbonpalast« eher in einer Reihe mit Alaa al-Aswanis Roman sehen würde.

Es sind insgesamt zehn Wohnungen im Haus mit höchst unterschiedlichen Bewohnern, von den Zwillingen Cemal und Celal, die als Friseure dort arbeiten und wo aller Klatsch und Tratsch aus dem Haus zusammenfließt, über den verwitweten tiefgläubigen Hadschi Hadschi mit seinem Sohn, seiner Schwiegertochter und seinen Enkelkindern bis hin zur »blauen Mätresse«, der alten Madam Tantchen oder der unter einem Reinheitszwang leidenenden Hygiene-Tijene und ihrer kleinen Tochter. Daraus ergeben sich natürlich reichlich Geschichten, die Elif Shafak sehr lebendig erzählt. Einer der Bewohner des Hauses ist es, der die Geschichte erzählt und die ist angelegt wie ein Kreis, der sich am Ende auf überraschende Weise schließt und schillert auf verführerische Weise. Es ist ein Kinderspiel, das die Struktur des Romans inspiriert hat und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschränkt.

Mir hat Elif Shafaks Erzählweise wieder sehr gut gefallen auch wenn »Der Bonbonpalast« nicht ganz an ihren Vorgänger-Roman »Der Bastard von Istanbul« heranreicht, was vielleicht auch darauf zurückzuführen ist, dass ihr dieser Roman reichlich Ärger mit dem Staat eingebracht hat und sie nun vielleicht ein bisschen gehemmter war. Trotzdem hat auch »Der Bonbonpalast« eine Botschaft, nämlich ein Plädoyer für die Vielfalt und damit gegen den teilweise erstarkenden Nationalismus.

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09.10.2008

Deon Meyer: Das Herz des Jägers ****

Buch-CoverNachdem ich von der Mma Ramotswe-Reihe, die in Botswana spielt, so angetan bin, machte mich jemand auf den südafrikanischen Autor Deon Meyer aufmerksam. Ich entschied mich für sein Buch »Das Herz des Jägers«.

Hauptfigur ist der Xhosa Thobela Mpayipheli, der früher für die Befreiungsbewegung als Widerstandskämpfer und an die Stasi und den KGB »entliehen« als Killer tätig war, bis er ausstieg und ein bürgerliches Leben inklusive Freundin und deren Sohn aufnahm.

Dann steht plötzlich die Tochter eines früheren Weggefährten vor der Tür und bittet ihn um Hilfe, weil ihr Vater bedroht wird. Thobela soll eine Festplatte mit brisanten Daten binnen zwei Tagen nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias, bringen. Thobela beschließt seinem Freund zu helfen und macht sich auf den Weg, nicht ahnend, dass er damit zwischen verschiedene Geheimdienste gerät, die diese Daten haben wollen. Der südafrikanische Geheimndienst will die Daten natürlich behalten, da durch sie evtl. ein Doppelagent in hoher Position auffliegen könnte.

Es beginnt eine wilde Jagd auf Thobela, der nachdem er auf dem Flughafen in Südafrika fast abgefangen wird, versucht mit einem Motorrad sein Ziel zu erreichen. Nach und nach erwachen seine alten Instinkte und Fähigkeiten wieder zum Leben, worüber Thobela alles andere als glücklich ist.

Es gibt noch zwei weitere Personen, die im Krimi eine größere Rolle spielen und zwar die weiße Geheimdienstchefin und eine Reporterin, die sich hinter die Geschichte geklemmt hat und Details ans Tageslicht bringt, die er Geheimdienst lieber nicht dort hätte. Auch innerhalb des Geheimdienstes scheint es einen Verräter zu geben und irgendwann weiß keiner mehr so recht, wem er noch trauen kann und wem nicht.

Der Agententhriller »Das Herz des Jägers« ist ein spannender und interessanter Roman und die dort geschilderten Zustände im Südafrika nach der Apartheid erscheinen mir recht authentisch. Die Figur des Thobela ist sehr beeindruckend geschildert und entwickelt und trotz seiner Taten ist er eine sympathische Figur bzw. ein tragischer Held. Wie es an einer Stelle im Buch heißt: »Wir sind nicht alle nur böse oder nur gut.«

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Literaturnobelpreis für Jean-Marie Gustave Le Clézio

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio, der wohl in Frankreich als einer der bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller gilt.

Ich muß gestehen, ich kenne den Schriftsteller bisher überhaupt nicht, hatte selbst den Namen vorher noch nie gehört. In der Wikipedia heißt es über ihn u.a.:

Bekannt wurde le Clézio mit dem Erscheinen von Das Protokoll (Procès-verbal), für das er im Jahr 1963 den Prix Renaudot bekam, nachdem das Buch bereits für den Prix Goncourt nominiert gewesen war. Seitdem sind über dreißig Bücher von le Clézio erschienen, darunter Erzählungen, Romane, Essays, Novellen, zwei Übersetzungen indischer Mythologie. 1980 erhielt er für Wüste (Désert) als Erster den von der Académie Française ausgeschriebenen Prix Paul-Morand.

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08.10.2008

Sam Savage: Firmin - Ein Rattenleben **

Buch-CoverDie Kurzbeschreibung zu Sam Savages erstem Roman »Firmin: Ein Rattenleben« klang recht vielversprechend, konnte mich aber letztlich nicht wirklich überzeugen.

Firmin, jüngster (13!) in einem Wurf Ratten mit einer dem Alkoholismus verfallenen Mutter kommt wegen seiner Schwäche immer zu kurz bei der Fütterung, zumal die Mutter nur 12 Zitzen hat. Erst wenn die Geschwister satt und ebenfalls leicht alkoholisiert (über die Muttermilch) sind, kann er sich die letzten Tropfen reiner Milch beschaffen. Die Mutter hat die Rattenkinder in einer Buchhandlung zur Welt gebracht und da die Milch für Firmin nicht ausreicht, beginnt er das Papier der Bücher zu fressen um wenigstens den ärgsten Hunger zu stillen. Irgendwann begreift er, was er da frißt und fängt an zu lesen und ist begeistert von der Welt, die sich da vor ihm auftut.

Firmin wird immer mehr zum Einzelgänger, zumal er sich gegenüber den Geschwistern aufgrund seiner Bildung überlegen fühlt. Während sich die Geschwister aufmachen die Welt zu erobern, bleibt Firmin in der Buchhandlung und hofft die Freundschaft von Norman, dem Besitzer der Buchhandlung, zu gewinnen. Als Norman allerdings wegen der Ratten zu Rattengift greift, ist Firmin zutiefst enttäuscht.

Firmin flüchtet sich weiter in die literarische Welt und in das Kino, begreift allerdings nicht wirklich was er da auf der Leinwand sieht (Pornos!). Durch einen Zufall lernt er dann Jerry kennen, der wiederum selbst ein Einzelgänger ist und ein »rattenähnliches« Leben in seinem kleinen Einzimmer-Appartment führt. Eine für Firmin recht glückliche Zeit beginnt, die aber unverhofft ein Ende findet.

Hier und da finden sich nette Ideen und Sätze im Roman, insgesamt aber fand ich die Geschichte eher schwach und die Ideen tragen den Roman nicht bis zum Ende durch. Die Sprache ist recht einfach, es finden sich viele Erwähnungen von berühmten Büchern und Schriftstellern aber das ist es dann auch schon. Ich war ab dem ersten Drittel des Romans eher enttäuscht.

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07.10.2008

Orhan Pamuk: Das Museum der Unschuld ****

Buch-CoverRechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Türkei hat der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk seinen neuen Roman »Das Museum der Unschuld« auch auf deutsch vorgelegt. Sechs Jahre hat er an diesem Roman, der die Liebesgeschichte zwischen Kemal und Füsun erzählt, geschrieben. Das Besondere und bisher wohl auch Einzigartige in der Literatur in diesem Fall ist, dass Orhan Pamuk gleichzeitig ein Museum plant, zu dem der Roman quasi der Museumsführer ist. Im »Museum der Unschuld« will Orhan Pamuk eine (wilde) Sammlung türkischer Alltagskultur zeigen. Orhan Pamuk hat sich bereits bei diversen Gelegenheiten zu seinem neuen Roman geäußert und erklärt, was ihn beim Schreiben bewegt hat. Ich habe versucht diese Äußerungen nicht zu lesen bzw. anzuhören, weil ich mir lieber erstmal einen eigenen Eindruck von einem Roman mache und ihn nicht schon vorher vom Autor erklärt haben möchte.

Tatsächlich hat mich am Roman »Das Museum der Unschuld« die eigentliche Liebesgeschichte weniger gepackt als die Schilderung des alltäglichen Lebens in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, was vielleicht auch daran liegt, dass es Liebesgeschichten in der Regel schwer haben mich zu überzeugen und zu begeistern. Die Liebesgeschichte von Kemal und Füsun jedenfalls hat mich nicht wirklich überzeugt, was unter Umständen daran liegt, dass ich das was im Roman als »Liebe« bezeichnet wird nicht als Liebe bezeichnen würde. Verliebtheit ja, aber Liebe?

Kemal, der auch der Erzähler im Roman ist, steht kurz vor der Verlobung mit Sibel, als er sich in Füsun, die eine verarmte entfernte Verwandte von ihm ist, verliebt. Die Verlobung findet trotzdem statt, doch als Füsun dann die Beziehung zu Kemal abbricht, gerät der in die Krise, was schließlich auch zur Auflösung der Verlobung mit Sibel führt - allerdings ist es nicht Kemal, der die Verlobung löst, sondern Sibel schickt ihm schließlich den Ring über einen gemeinsamen Freund zurück.

Kemal kommt mir streckenweise vor wie ein kleiner Junge, der unbedingt etwas haben will und zwar mit möglichst wenig Einsatz. Sicher er »bemüht« sich über acht Jahre lang um Füsun, die zwischenzeitlich sogar selbst verheiratet ist - mit Feridun, der davon träumt einen Film mit Füsun in der Hauptrolle zu drehen - aber abgesehen davon, dass er mit den beiden durch Kinos, Restaurants und Bars tingelt, etwas Geld für die Gründung und Unterhaltung einer Filmagentur gibt und regelmäßig zum Abendessen und Fernsehgucken bei Füsuns Familie aufschlägt, tut er nicht viel mehr. Er »erkauft« sich damit zwar die Nähe zu Füsun aber wirklich weiter bringt ihn das lange nicht. Verantwortung zu übernehmen scheint ihm auch nicht zu liegen und andererseits kann er sich nicht von Füsun lösen sondern steigert sich immer mehr in seine »Liebe« oder Verliebtheit hinein. Das geht so weit, dass er anfängt Dinge zu sammeln, die Füsun in ihrem Besitz hatte oder berührt oder sonstwie benutzt hat - also eine Sammlung einer Art Ersatzfetische für die scheinbar unerreichbare Füsun.

Nebenbei analysiert sich Kemal ständig selber, seine Gedanken, seine Gefühle, seine Wünsche, seine Sehnsüchte was bei mir auf die Dauer ebenfalls einen eher negativen Beigeschmack ausgelöst hat, weil dem etwas so Egozentrisches anhaftet. Ich vermute, dass Pamuks Schilderung dieser Art von Liebe auf dem türkischen männlichen Verständis einer romantischen Liebe basiert, die mir aber letztlich fremd bleibt.

Allerdings kommt auch Füsun bei mir nicht wesentlich besser davon. Je länger je mehr habe ich mich gefragt, warum sie Kemal eigentlich in ihrer Nähe behält und ihn hier und da vielleicht sogar ermutigt - jedenfalls bildet sich Kemal das ein. Will sie ihn sich nur als Geldgeber warm halten? Gefällt es ihr so umworben zu werden - obwohl sie ja mit Feridun verheiratet ist? Als schließlich ihre Ehe in die Krise gerät und Füsuns Vater stirbt, sieht Kemal seine Chance gekommen und Füsun gibt seinem Werben schließlich nach.

Kemal glaubt sich am Ziel seiner Träume, sein Glück gefunden zu haben, doch er irrt. Wieder aufgrund eines sehr unreifen Verhaltens kommt es zu einem schweren Unfall, bei dem Füsun stirbt und Kemal schwer verletzt wird. Am Ende kauft Kemal das Wohnhaus von Füsuns Familie, in dem nur noch ihre Mutter lebt, um daraus das Museum der Unschuld, eine Art Erinnerungsschrein für Füsun und seine Liebe zu ihr zu machen und bereist europäische Museen und Sammlungen bis er schließlich auch stirbt. Füsun hat er nach deren Tod endgültig verklärt und auf ein Podest gehoben. Am Ende zieht er für sich die Bilanz ein glückliches Leben geführt zu haben.

Auf den letzten Seiten des Romans wird das Aufeinandertreffen von Orhan Pamuk und Kemal geschildert, wie es (angeblich) zum Roman kam und der Leser findet auch eine Eintrittskarte, die ihn zum einmaligen kostenlosen Besuch des Museums der Unschuld in Istanbul ermächtigt sowie einen Kartenausschnitt, der zeigt, wo das Museum der Unschuld zu finden sein wird.

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Olga Tokarczuk erhält Nike-Preis

Die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk hat den Nike-Literatur-Preis 2008 für ihren jüngsten Roman »Bieguni« erhalten. Darin erzählt Tokarczuk die Geschichte russisch-orthodoxer Altgläubiger (Anhänger älterer Riten und Vorstellungen vor dem Kirchenschisma im 17. Jahrhundert), die teilweise noch heute sehr zurückgezogen leben.

Der Nike-Preis ist die bedeutendste polnische Literaturauszeichnung und das Olga Tokarczuk den Preis (endlich!) erhalten hat, freut mich sehr.

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06.10.2008

Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen ****

Buch-CoverIlkka Remes ist mir durch seine Timo Nortamo-Reihe bekannt. Nun habe ich das erste Mal einen seiner Romane außerhalb der Reihe gelesen. In »Das Erbe des Bösen« beschäftigt er sich mit dem Thema Wissenschaft unter und nach den Nazis. Viele Wissenschaftler, die unter den Nazis geforscht und dabei gegen jegliche ethische Vorgaben verstoßen haben - bis hin zur Forschung an lebenden Menschen (Stichwort Dr. Mengele, Zwillingsforschung, Atomforschung) -, wurden nach dem Krieg von den Amerikanern »abgeworben« und für ihre eigenen wissenschaftlichen Bestrebungen eingespannt. Ohne diese Forscher wäre es den Amerikanern z.B. nicht oder nicht so schnell möglich gewesen, das Rennen zum Mond für sich zu entscheiden und viele Forschungsergebnisse nach dem Zweiten Weltkrieg fußen oder basieren auf den Forschungen, die unter den Nazis stattfanden.

Ilkka Remes packt diese historischen Tatsachen nun in die Geschichte eines Thrillers. Der Finne Erik Narva, selber Genetiker, stößt nach und nach auf das Geheimnis seiner Eltern, die beide als junge Wissenschaftler in Berlin für die Nazis arbeiteten - sein Vater als Atomwissenschaftler, seine Mutter als Biologin für die Rassenhygieneforschungen der Nazis - und Schuld auf sich geladen haben. Den Wissenschaftlern um seinen Vater war es gelungen angereichertes Uran herzustellen und gegen Kriegsende dieses Uran in einem thüringischen Wald zu verstecken. Nun versuchen verschiedene Parteien aus ganz unterschiedlichen Gründen dieses Uran in die Hände zu bekommen. Erik Narva kommt einer regelrechten Verschwörung auf die Spur und gerät dabei samt seiner Familie in größte Gefahr.

Der Thriller von Ilkka Remes ist - wie man es von ihm gewöhnt ist - gut geschrieben, logisch und beängstigend nah an der Realität. Spannende Unterhaltung mit ernstem Hintergrund.

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04.10.2008

Hjalmar Söderberg: Das ernsthafte Spiel ***

Buch-CoverHjalmar Söderberg gilt in Schweden als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, was erstaunlich ist, da er insgesamt nur vier Romane, drei Dramen und ein paar Bände mit Erzählungen sowie kleinere Arbeiten geschrieben hat. »Das ernsthafte Spiel« war der letzte Roman, den er schrieb und erschien erstmals 1912. Söderberg verarbeitet darin eigene Erlebnisse und Erfahrungen.

Protagonisten dieses Romans sind Arvid Stjärnblom und Lydia Stiller, die sich in jungen Jahren kennen- und liebenlernen, jedoch zunächst nicht zueinander finden. Arvid will seine Freiheit behalten und nicht in einer Ehe »gefesselt« sein. Trotzdem können sie nicht voneinander lassen und irgendwann bekennt Lydia, sie würde gerne, traue sich aber nicht. So trennen sich die Lebenswege zunächst.

Beide finden sich in aus Vernunftsgründen geschlossenen Ehen wieder, bekommen Kinder, werden aber nicht wirklich glücklich. Der Kontakt bricht nie völlig ab und schließlich werden die beiden ein heimliches Liebespaar. Vor allem Lydia aber wird nicht wirklich glücklich, immer in der Warteposition, wann Arvid sich einmal von seiner Arbeit bei einer Zeitschrift und oder der Familie loseisen und auf ein paar Stunden zu ihr eilen kann. In einem schwachen Moment, als sie sich allein und verlassen fühlt, läßt sie sich kurz mit einem anderen Mann ein, bekennt es Arvid aber gleich darauf. Der aber reagiert gekränkt und es kommt fast zum totalen Bruch.

Noch einmal finden Arvid und Lydia zueinander, doch es wird immer deutlicher, dass ihre Beziehung auf diese Weise keine Zukunft haben kann und als Arvid schließlich eher durch Zufall erfährt, dass Lydia einen neuen Liebhaber hat, zieht er endgültig Konsequenzen. Zwar löst er sich endlich aus seiner unbefriedigenden Ehe aber nicht, um mit Lydia zusammenzuleben sondern er bricht auf, um als Auslandsreporter zu arbeiten.

Hjalmar Söderberg schildert in »Das ernsthafte Spiel« eigentlich nichts Spektakuläres auch wenn es zur damaligen Zeit durchaus als skandalös und anstössig galt. Arvid selbst ist ein junger Mann, der sich seiner selbst und seiner Gefühle lange Zeit nicht sicher ist und vor allem keine Verantwortung übernehmen will. Dass er trotzdem in einer Ehe mit Dagmar, der letzten noch unverheirateten Tochter einer wohlhabenden Familie, landet, liegt mehr an ihr als an ihm. Man arrangiert sich miteinander und Dagmar fühlt sich in der Ehe so sicher, dass sie bis zum Schluß nichts von seiner Liebschaft ahnt.

Lydia, einzige Tochter eines Malers und relativ früh auf sich selbst gestellt, erklärt sich zur Ehe mit einem deutlich älteren wohlhabenden Mann bereit und erlebt dort so etwas wie das Leben im »goldenen Käfig«. Zunächst ist alles gut aber als sie den Kinderwunsch äußert ändert sich das, denn ihr Mann lehnt mit einer sehr skurilen Begründung ab, Kinder in die Welt zu setzen. Lydia trotz ihm zwar dann doch ein Kind, eine Tochter, ab aber es kommt während der Schwangerschaft zu einer starken Entfremdung und als sie schließlich bekennt, dass Sie einen anderen liebt, gibt sie ihr Mann ausgestattet mit Geld frei, allerdings unter der Bedingung, dass die Tochter bei ihm lebt. Lydia nimmt das Angebot an und geht zurück nach Stockholm, wo auch Arvid lebt.

Es ist die Unreife beider Hauptpersonen, die sie letztlich nicht zueinander kommen läßt, die Unfähigkeit zu erkennen, dass zur Liebe auch die Übernahme von Verantwortung gehört. Zugleich vertritt Söderberg eine seltsam phlegmatische oder passive Haltung. So schreibt er an einer Stelle »Man wählt sein Schicksal nicht. Und ebenso wenig wählt man seine Frau oder seine Geliebte oder seine Kinder. Man bekommt sie, und man hat sie, und es kommt vor, daß man sie verliert. Aber man wählt sie nicht.« Arvid und Lydia wollen alles und haben am Ende außer einigen Erfahrungen nichts. Beide sind am Ende des Romans weiter auf der Suche nach Liebe und Freiheit. Ob sie ihr Glück jemals finden werden bleibt offen.

Es ist schon beeindruckend wie genau Söderberg die inneren Abläufe und Gedankengänge seiner Protagonisten nachzeichnet andererseits auch wieder nicht, immerhin verarbeitet er ja Teile seiner eigenen Autobiographie und eigene Gefühle und Gedankengänge. Interessant ist der Roman auch noch insofern, dass er ein Porträt der damaligen schwedischen Gesellschaft liefert.

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Faye Kellerman: Das Hohelied des Todes ****

Buch-CoverEndlich habe ich den zweiten Band von Faye Kellermans Peter Decker und Rina Lazarus-Reihe in die Finger bekommen.

Peter Decker ist mit den beiden Söhnen seiner Freundin Rina für ein paar Tage im Urlaub als ausgerechnet einer der Jungen über zwei Leichen bzw. Skelette stolpert und da ja Peter Decker sowieso gerade vor Ort ist, wird ihm der Fall übertragen. Bald kann eine der Leichen identifiziert werden, ein Mädchen aus gutem Hause, die vor einigen Monaten spurlos verschwunden war. Bei der anderen Leiche handelt es sich um eine eher zwielichtige Person und so stellt sich die Frage, wie diese beiden nicht nur zusammengekommen sondern offenbar auch zusammen ermordet worden sind. Die Ermittlungen offenbaren eine wahren Albtraum für alle Beteiligten und bringt auch die Beziehung zwischen Peter Decker und Rina Lazarus in eine tiefe Krise.

Der Fall hat mir recht gut gefallen und die Charaktere Peter Decker und Rina Lazarus und wie deren Geschichte in diesem Band fortgeschrieben wird, gefallen mir bisher auch sehr gut. Ich freue mich also schon darauf hoffentlich bald einen weiteren Band der Serie lesen zu können.

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02.10.2008

Jón Kalman Stefánsson: Sommerlicht, und dann kommt die Nacht *****

Buch-CoverSchon im ersten Roman von Jon Kalman Stefansson den ich las »Das Knistern in den Sternen« hatte mich dessen wunderbare Sprache begeistert und so habe ich recht schnell auch zu seinem neuesten auf deutsch erschienen Roman »Sommerlicht, und dann kommt die Nacht« gegriffen und wieder hatte mich Stefansson binnen weniger Seiten völlig in seinen Bann gezogen.

Er erzählt von einem kleinen Ort im äußersten Westen Islands und dessen Bewohnern. Da sind die führenden Persönlichkeiten im Ort, wie die Schulleiterin, ebenso wie die skurilen Außenseiter und die ganz »normalen« Bewohner. Sie alle sind miteinander auf verschiedenste Weise verbunden. Äußerst liebevoll schildert Stefanssons sie mit ihren Stärken und Schwächen und zeigt, wie jeder seinen Platz im Ort hat oder findet. Da wird geliebt und betrogen, gesehnt und gehofft, geträumt und gehandelt. Um die Alten und Kranken wird sich gekümmert, den Spätzündern geholfen sich zu entwickeln und in der Not steht man zusammen und trotzdem gibt es auch Abgründe an deren Ende der Tod oder Selbstmord stehen.

Die Geschichten, die erzählt werden und die zusammen den Roman ergeben, sind voller ungewöhnlicher, einfallsreicher und berührender Details selbst da, wo es um ganz Alltägliches und Banales geht. Schlicht hinreißend, man muß Jon Kalman Stefansson lesen, um den Zauber seiner Erzählkunst zu verstehen.

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01.10.2008

Mo Hayder: Ritualmord ***

Buch-CoverNach »Der Vogelmann« und »Die Behandlung« hat Mo Hayder nun endlich mit »Ritualmord« ihre Jack-Caffery-Reihe fortgeschrieben.

Jack Caffery hat eine Art Schlußstrich unter seine eigene Geschichte gezogen und ist auch von London weggegangen. Nun arbeitet er in Bristol, wo er u.a. auf die Polizeitaucherin Phoebe (Flea) Marley trifft, die selber eine Familientragödie erlebt hat.

Gemeinsam arbeiten sie an einem Fall, der mit einer im Hafenbecken gefunden einzelnen Hand beginnt. Auf der Suche nach demjenigen, dem diese Hand gehört haben muß, stoßen sie bald auf einige Afrikaner und es entsteht der Verdacht, dass afrikanische Magie eine Rolle spielen könnte. Irgendjemand scheint heimlich eine Art Geschäft damit zu betreiben und auch vor Mord nicht zurückzuschrecken.

Wie von Mo Hayder gewohnt, geht es teilweise recht heftig zur Sache. Allerdings hat mich die Story von »Ritualmord« nicht wirklich überzeugt. Schade, nachdem die beiden ersten Bände der Serie überzeugender waren und die Leser so lange auf einen neuen Band warten mußten.

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