28.02.2007

David Mitchell: Der Wolkenatlas ****

Buch-CoverMein abschließendes Fazit über David Mitchells Roman »Der Wolkenatlas« fällt im Grunde ähnlich aus, wie schon mein Fazit zu seinem Roman »Chaos«.

In »Der Wolkenatlas« sind es sechs Geschichten, die erzählt werden, die Berührungspunkte miteinander haben und doch auch einzeln für sich stehen könnten. Eines kann man David Mitchell ganz sicher nicht absprechen, nämlich daß er zu erzählen weiß und mit den unterschiedlichsten Genres jonglieren kann. Und er versucht literarisch sozusagen etwas wirklich »eigenes« zu schaffen und nicht einfach »das Übliche« abzuliefern und das ist heutzutage ja schon bemerkenswert. Insgesamt gelingt ihm das denke ich auch recht gut.

Am besten hat mir persönlich noch die Geschichte, die in der Zukunft angesiedelt ist und von einem Klon erzählt, der verhört wird, weil er ein Mensch sein wollte, gefallen.
Statt diese sechs Geschichten, die irgendwo einsetzen und irgendwann aufhören, teils abrupt abbrechen, hätte ich z.B. gern diese Klon-Geschichte als richtigen für sich stehenden Roman gelesen. Es frustriert mich als Leser, wenn ich andauernd aus den Geschichten gerissen werden, weil schon wieder eine neue beginnt - zumindest wenn ich nicht von vornherein davon ausgehe, daß ich es mit Kurzgeschichten oder Erzählungen zu tun habe. Andere Leser mögen vielleicht gerade das an David Mitchells Romanen.

Ich bin wirklich hin und her gerissen was David Mitchell angeht - einerseits fasziniert er mit seinem Ideenreichtum und seinem Erzähltalent, andererseits gibt es meiner Ansicht nach doch noch deutliche Schwächen in der Umsetzung. Aber das ist letztlich kein Beinbruch, weil es die Hoffnung läßt, daß er das auch noch in den Griff bekommt und dann ist er nicht mehr nur auf dem Weg ein ganz Großer zu werden, dann ist er ein ganz Großer in der Welt der Erzähler.


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