12.01.2006

Joseph Brodsky: Ufer der Verlorenen *****

Buch-CoverIn wenigen Tagen, am 28. Januar, jährt sich der Todestag des Nobelpreisträgers Joseph Brodsky zum zehnten Mal. Also fischte ich sein Buch »Ufer der Verlorenen«, das 1991 im Hanser Verlag erschienen ist, aus meinem SUB und begab mich auf Brodskys Spuren nach Venedig.

Für den in Petersburg - der Stadt am Meer - geborenen Joseph Brodsky war Venedig wohl so etwas wie das westliche Gegenstück zu dieser Stadt. Und mit 32 Jahren war es soweit, daß er seinen Traum, diese Stadt einmal zu besuchen wahr machen konnte. Es scheint so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen zu sein. Er kehrte bis zu seinem Tode jedes Jahr in der Winter- bzw. Weihnachtszeit wieder und als er 1996 in New York starb, hatte er verfügt, in Venedig beigesetzt zu werden. Heute befindet sich sein Grab auf der Friedhofsinsel San Michele nördlich von Venedig.

In »Ufer der Verlorenen« hält Joseph Brodsky einen Teil seiner Eindrücke von Venedig literarisch fest und es ist ein wahrer Genuß ihm bei seinem Streifzügen durch Venedig und seinen Gedankengängen zu folgen. Es ist nur ein schmaler Band - eine kleine Ausbeute all dieser Jahre, mag man denken - aber er ist gewichtig. Keine oberflächlichen touristischen Betrachtungen o.ä. sondern die Essenz dessen, was Venedig für Brodsky darstellte und war, was ihn ihmmer wieder an diesen Ort zurück zog. In zärtlich-poetischer Weise nähert er sich dieser Stadt, die sich ständig wandelt, zuweilen für Tage ganz im Nebel verschwindet und doch ewig erscheint, an der die Zeit nagt und scheinbar doch nicht vergeht. Er verklärt Venedig nicht, im Gegenteil, er nimmt auch seine dunklen problematischen Seiten wahr, aber auch sie werden für ihn Teil seiner großen Zuneigung zu dieser Stadt.

Jeder der Venedig liebt, sollte diese Ode an Venedig lesen, jeder der nach Venedig reist, sollte es ebenfalls lesen und jeder, der davon träumt, diese Stadt einmal zu besuchen es aber bisher nicht geschafft hat, sollte dieses Buch ebenfalls lesen und sich hineinträumen in das Venedig, das Joseph Brodsky so lieb war.

Zu erwähnen ist noch, daß diese Ausgabe Photographien aus Venedig von Peter-Andreas Hassiepen enthält.


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