23.06.2005
Bachmannpreis 2005 - 1. Tag live
So, jetzt lesen sie wieder um den
Bachmannpreis zu gewinnen und da ich gerade zuviel Zeit habe und es draußen dermaßen schwül ist, daß ich mich heute lieber drin im Schatten aufgehalten habe, hab ich mir die Lesungen angeschaut. Als ganz normale Leserin hier meine persönlichen Eindrücke und "Bewertungen".
Gut gefallen hat mir "Plug In" von Nikolai Vogel. Eine Alltagsgeschichte, interessant geschrieben aber nie langweilig und von Sympathie für die Figuren getragen.
Julia Schoch hat für meine Begriffe wirklich erzählerisches Talent, auch wenn mich ihr Wettbewerbsbeitrag "Der Ritt durch den Feind" nicht so gepackt hat.
Mit dem Text "Die Frage wer anfängt" von Susanne Heinrich konnte ich wenig anfangen, sowohl vom Stil her wie auch inhaltlich - alles wirkte auf mich zu gewollt, zu künstlich und getragen von der heutzutage vielerorts so inbrünstig zelebrierten gelangweilten Traurigkeit, die sich doch nur um sich selber dreht.
Am besten gefallen hat mir bisher "Was wir im Keller spielen ..." von Sasa Stanisic, der zu meiner Überraschung, bei den Juroren teils nicht so gut wegkam. Die Geschichte ist während der Zeit der jüngeren Balkankriege angesiedelt und beschreibt einige Geschehnisse aus der Perspektive eines Kindes und auf ein Haus verdichtet. Keine gekünstelte Sprache aber durchaus kunstvoll eingesetzt ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren, dazu eine glaubhafte Geschichte, die sich nicht auf eine der beteiligten Seiten schlägt. Außerdem hat mir die Einstellung des Autors zum Prozeß der Schriftstellerei, wie er sie im Kurzportrait beschrieben hat, sehr gut.
Auf Kristof Magnusson bzw. dessen Text war ich sehr gespannt. Wie schon im vorstellenden Kurzportrait über ihn, von ihm selber angekündigt, sehr "nett" ... wobei dieses "nett" für mich in diesem Fall "zu nett" heißt. Sicher manche Dialoge waren ganz witzig, aber irgendwie plätscherte die Geschichte einfach nur langweilig vor sich hin. Selbst als Kurzgeschichte wäre es für meinen Geschmack schon hart an der Grenze, aber es handelt sich wohl um den Auszug zu einem ganzen Roman und dann schaudert es mich wirklich.
Es folgte Helmut Kuhn mit einem Auszug aus "Der Savant" (Arbeitstitel) und geht überraschend auf der ganzen Linie unter. Schlecht recherchiert, überladen, effektheischend, wie eine grobe Holzschnitzerei kommt sein Text daher und das sehen auch die meisten Juroren so. Mich verwundert, daß er als der bisher älteste Teilnehmer und dazu für diverse renommierte Zeitschriften schreibend so sehr baden geht.
Schließlich, als letzte für heute, die Autorin Natalie Balkow mit "Oben, wo nichts mehr ist". Sie trägt den Text ungeheuer schnell vor, was inhaltlich nicht so recht zum Text paßt. Eine weibliche Hauptfigur namens Isabell, der "das bell schon frühzeitig abhanden gekommen" ist, eine Aneinanderreihung alltäglicher Geschehnisse und Handlungen, dazu natürlich obligatorisch auch noch ein männlicher Gegenpart (ein Nachbar). Trotzdem auf mich wirkt der Text aseptisch, kühl, unpersönlich. Keine Lektüre, die ich mir länger antun würde - denn vom beschriebenen Alltag habe ich selber mehr als genug. Die Juroren sind größtenteils sehr angetan, was sich aber wohl hauptsächlich auf die handwerklichen Aspekte zu beziehen scheint. "Die Sachlichkeit der jungen deutschsprachigen Autoren" wird begrüßt und positiv gewertet, mir ist häufig der Sachlichkeit zuviel, weil sie eben nur beschreibt und abbildet, was wir sowieso schon vor Augen haben.
Ansonsten finde ich es immer wieder faszinierend was die Juroren so in Texte hineininterpretieren oder lesen und bei manchen der heute angetretenen Bewerber hätte ich mir gewünscht am Ende zu hören, was sie selber sich dabei gedacht haben, bzw. was sie tatsächlich ausdrücken wollten.
Auch andere bloggen über bzw. zu Klagenfurt und den Bachmannpreis, z.B.
Andrea,
Paperback Fighter, die
Chronistin und
Melody
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