14.02.2005
Dieser Roman war in Frankreich ein großer Erfolg und hat Philippe Claudel den Prix Renaudot eingebracht. Nun ist er ins Deutsche übersetzt worden und in unseren Buchhandlungen zu haben. Die zum Teil enthusiastischen Kritiken haben mich neugierig gemacht und voilá! "Die grauen Seelen" ist ein verstörender zugleich auch fesselnder Roman. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe mich einzulesen, einfach weil sich die Geschichte sehr langsam entfaltet und ich anfangs auch etwas Mühe mit den zum Teil recht ähnlichen Namen hatte. Das "grau" aus dem Titel zieht sich durch den ganzen Roman, nicht unbedingt als Farbe, eher als Stimmung, die zu einem guten Teil aber auch rabenschwarz ist. Der Mord an der kleinen Belle de Jour bildet den Ausgangspunkt und führt den Leser in wahre Abgründe des Wesens, das man Mensch nennt und das bezieht sich nicht nur auf den Täter sondern diese Abgründe tun sich an allen möglichen Enden und Ecken auf. Eines kann man Claudel wahrhaftig nicht absprechen, nämlich daß er zu beobachten und zu erzählen versteht. Trotzdem kann ich mich nicht der großen Begeisterung anschließen, das aber ist nicht unbedingt Claudel allein anzukreiden. Es ist vielmehr die Tatsache, daß diese Geschichte genauso trostlos endet, wie sie begonnen hat. Sie erklärt nichts, sie enthüllt, nur um noch tiefer in Verwirrung zu stoßen, sie zieht an und stößt zugleich ab, sie gewährt dem Leser keinen Ausweg, sie konfrontiert mit unangenehmen Wahrheiten. Eine Geschichte die schmerzt und nachhallt und auch den Leser in einer Grauzone zurückläßt.