13.12.2011

Volker Harry Altwasser: Letzte Fischer ****

Buch-CoverOstsee, die Zweite! Von Volker Harry Altwasser und seinen Romanen hatte ich in den vergangenen Jahren öfter mal gehört bzw. gelesen und mein Interesse war geweckt worden. Leider erwies es sich bisher als für mich nicht möglich, an die Romane »Letzte Haut« und »Letztes Schweigen« zu gelangen. Die bilden die ersten beiden Bände einer inhaltlich zusammenhängenden Trilogie, deren letzter Band nun »Letzte Fischer« ist. Es ist übrigens kein Problem, die Romane einzeln für sich stehend zu lesen.

Mit einem Auszug aus »Letzte Fischer« hat Volker H. Altwasser übrigens dieses Jahr auch am Bachmannpreis-Wettbewerb teilgenommen, wo ich erneut auf ihn aufmerksam wurde.

In »Letzte Fischer« erzählt Altwasser von Robert, Mathilde und Luise Rösch. Robert und Mathilde sind verheiratet und leben an der Ostsee. Luise ist Mathildes Tochter. Robert ist Hochseefischer und immer fünf Monate am Stück auf See. Luise ist arbeitet für ein Sicherheitsunternehmen und schützt mit ihrem Spezial-Team Schiffe vor Piratenangriffen. Mathilde wünscht sich, dass Robert nicht mehr zur See fährt. Ihr schwebt vor, dass er zum Fischwirt an Land umsattelt.

Robert fährt zu einem Fisch-Tourn auf der Saudade in die somalischen Gewässer. Während des Tourns will er entscheiden, ob es sein letzter sein wird oder ob er bei der Hochseefischerei bleibt. Er ist einer von weltweit zehn Experten für das Enthäuten der sog. Kurznasen-Seefledermaus. Für diese Häute werden immense Summen bezahlt und mit seiner Fähigkeit trägt er dazu bei, dass den Seeleuten am Ende eines Tourns ein zusätzlicher Bonus gezahlt werden kann. Dementsprechen hoch ist sein Ansehen bei seinen Kollegen.

Luise wird beauftragt, mit ihrem Team den Walfänger Rimbaud mitsamt seiner Ladung sicher in den Hafen von Spitzbergen zu geleiten. Es wird befürchtet, dass Greenpeace Aktionen gegen die Walfänger startet. Auf der Rimbaud ist auch der gerade 18jährige Tommy, der als Schiffsjunge seine erste Fahrt erlebt. Zwischen Luise und Tommy kommt es zu einer Liason, was zu zusätzlichen Spannungen an Bord führt.

Während ich ja beim vorher gelesenen Roman bemängelt habe, dass die Ostsee kaum eine Rolle spielt, ist es in diesem Fall ganz anders. Volker Harry Altwasser nimmt seine Leser mit hinaus auf die See, die Ostsee und auch die See vor Somalia und er erzählt vom Leben der Fischer und ihrer Arbeit, wie sie heute auf den Schiffen stattfindet. Soviel über den modernen Walfang aber auch die Jagd auf andere Fische, wie in diesem Roman, habe ich bisher noch nirgendwo gelesen und gelernt. Altwasser erzählt von den Männerritualen auf den Booten, von den Piraten und was sie dazu hat werden lassen, von den Schutzmassnahmen gegen ihre Überfälle, von der Verarbeitung der Wale und anderer Fische, von der Problematik der Überfischung und den neuen Trend der sog. Fischfarmen, die heute oft weit weg von der Küste liegen.

Mich hat »Letzte Fischer« ziemlich in seinen Bann gezogen, es entwickelt trotz ruhiger Erzählweise eine ganz eigene Dynamik und Wucht und setzt den vielleicht bald »letzten Fischern« ein literarisches Denkmal. Es ist ein großartiger Roman über das Meer, die Fischer und ihr Leben.


Dein Kommentar:

(alle Felder müssen ausgefüllt sein, sonst wird der Kommentar nicht angenommen!)

weiter