29.11.2011

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag ***

Buch-CoverDer italienische Universalgelehrte Umberto Eco, der vor allem durch seinen Roman »Der Name der Rose« weltbekannt wurde, hat mal wieder einen neuen Roman vorgelegt, in dem er sich mit Themen wie Weltverschwörungstheorien, Geheimlogen, Fälschern, realen Politik-Affären und Teilen der französischen und italienischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, sowie der Geschichte der berüchtigten Protokolle der Weisen von Zion, einem üblen antijüdischen Weltverschwörungs-Pamphlet, das schon viel Schaden angerichtet hat und bis heute wirkt, befasst und daraus ein Konglomerat macht, das einen als (normalen) Leser schwer herausfordert und ich denke teilweise auch schlicht überfordert.

Das ist natürlich eine meisterliche Leistung von ihm - wie übrigens auch die Übersetzung dieses Romans durch Burkhart Kroeber! -, der in diesen Materien zuhause ist, wie wohl kaum noch ein anderer.

Bis auf seinen Protagonisten Simone Simonini - einen widerlichen Antisemiten und wohl überhaupt Menschenhasser -, sind alle Figuren im Buch historisch belegt. Will man die Zusammenhänge verstehen, muss man allerdings öfter auch mal Google zu Rate ziehen und eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung hilft bei der Lektüre ganz sicher.

Die Geschichte selber fand ich jetzt nicht wirklich spannend und die Hauptfigur, eben jenen Simone Simonini, fand ich abstoßend und widerlich in seinen Ansichten, Taten und rassistischen wirren Theorien.

Interessant fand ich für mich die Erkenntnis, dass die »Protokolle der Weisen von Zion« im Grunde nicht mal nur eine Fälschung sind (was wissenschaftlich mehrfach und überzeugend nachgewiesen ist), sondern im Grunde auch ein Plagiat, denn sie speisen sich aus anderen antisemitischen Hetztexten und Vorlagen, die dort verwurstet wurden ohne dass es explizit erwähnt wurde. In der aktuellen Debatte um Plagiate gerade auch in der Wissenschaft und im Literaturbereich, ist es vielleicht ganz gut, wenn man sich daran erinnert, dass so tatsächlich übelste Machwerke entstehen können, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf Wissenschaft, Lehre, Politik und Geschichte haben können, wenn andere sie arglos oder bewußt übernehmen, weitertragen und/oder sogar noch weiter ausbauen.

Umberto Eco ist ganz sicher ein Schriftsteller in einer eigenen Kategorie und seine Romane - mal abgesehen von »Der Name der Rose« eher nicht massentauglich. Ich bin nun aber auch nicht wirklich ein Anhänger oder gar Bewunderer von Weltverschwörungstheorien oder rassistischen Bewegungen und Strömungen, geschweige denn von obskuren esoterischen u.ä. Unterströmungen im Laufe der Weltgeschichte und auch von daher hat mch der Roman nicht packen können.

Wer sich in diesen Bereichen sehr gut - sprich wissenschaftlich - auskennt, wird vermutlich in der Lage sein, diesen neuen Roman Umberto Ecos angemessen würdigen oder kritisieren zu können, alle anderen nur bruchstückhaft. Mit meinem Halb- oder eher nur Viertel-Wissen, was diese Themen angeht, und meinem Leser-Empfinden, vergebe ich drei Sterne für »Der Friedhof in Prag«.


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