22.11.2011

Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg ***

Buch-CoverGanz ehrlich? Ich bin - wie ich schon befürchtet hatte - nicht fähig die Qualitäten des neuesten Romans von Sibylle Lewitscharoff wirklich zu erfassen und zu würdigen. Ihr Protagonist ist der Philosoph Hans Blumenberg (1920-1996), von dem ich vorher noch nie gehört hatte und dessen philosophisches Werk mir gänzlich unbekannt war und ist. Zwar habe ich mir zumindest einen sehr groben Eindruck von ihm verschafft aber wie gesagt, die Art und Weise, wie Sibylle Lewitscharoff, seine Thesen und Theorien in ihrem Roman mit einarbeitet, konnte ich nicht nachvollziehen, vermutlich manchmal nicht einmal bemerken, schlicht weil mir die entsprechende Vorbildung fehlt.

Unbestritten ist und das kann auch ich bestätigen, dass Sibylle Lewitscharoff wortmächtig ist und ihre ganz eigene literarische Sprache findet, deren Schönheit auch ein philosophischer Banause wie ich, durchaus zu würdigen fähig ist. Ihre Idee, den Philosophen mit einem alten Löwen zu konfrontieren, den außer ihm - und einer alten Nonne - niemand zu sehen vermag, ist soweit ich das verstanden habe, eng mit Blumenbergs These, dass die menschliche Fähigkeit zur Begriffsbildung (also »die Beschwörung des Abwesenden«) eine Überlebensnotwendigkeit der menschlichen Gattung ist, verknüpft und natürlich lädt die Figur des Löwen zu allerlei Gedankenspaziergängen und Deutungsmöglichkeiten ein.

Gefallen hat mir an Blumenberg auch, wie fein beobachtend Lewitscharoff, die Charaktere der auftretenden Personen beschreibt, nicht nur Blumenberg sondern vor allem auch einige seiner Studenten, denen ihre Bekanntschaft mit Blumenberg und seiner Philosophie allerdings nicht viel Glück bringt.

Ich habe zumindest den Eindruck gewonnen, dass Sibylle Lewitscharoff, die Philosophie von Hans Blumenberg sehr gut durchdrungen und durchdacht haben muss, so dass sie in der Lage gewesen ist, einen solchen Roman mit ihm als Protagonisten zu schreiben. Aber wie gesagt, meine Vorbildung hat in diesem Fall kläglich versagt und so ist mein Fazit zu diesem Roman ein sehr sehr subjektives, noch subjektiver als sonst schon. Ich fühlte mich durchaus unterhalten von diesem Roman und mir hat gefallen, dass ich durch die Geschichte angeregt wurde, über einige interessante Fragen nachzudenken. Schmerzlich war mir aber während der Lektüre, dass ich auch ständig empfunden habe, dass mir wahrscheinlich viele Schätze, die in diesem Roman stecken schlicht entgangen sind. Daher von mir drei subjektive Sterne mit dem Hinweis, dass Kenner der Materie mit Sicherheit mehr Sterne vergeben würden und das - so vermute ich - völlig zu recht.


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