18.11.2011

Benedict Wells: Fast genial *****

Buch-CoverZufällig wurde ich auf den Roman »Fast genial« vom noch recht jungen deutschen Autor Benedict Wells, von dem ich bisher noch nie gehört hatte, aufmerksam gemacht. Ich war etwas zögerlich - junge Autoren werden ja in Deutschland gerne gehypt und nicht selten rechtfertigen sie die Vorschußlorbeeren nicht wirklich. Doch da der Roman bei Diogenes erschienen ist, was meist eine Garantie dafür ist, dass man nicht absoluten Schrott zu lesen bekommt, und nur knapp über 300 Seiten lang ist, beschloss ich die Lektüre zu riskieren.

Held des Romans ist der fast achtzehnjährige Francis Dean, der zusammen mit seiner schwer depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey lebt. Eines Tages findet er die Mutter nach einem Selbstmordversuch gerade noch rechtzeitig und die Mutter landet - wie schon zuvor - wieder in einer Psychiatrie.

Dort sieht Francis zufällig die junge Anne-May, die psychisch ebenfalls angeschlagen, dort gerade Patientin ist. Vorsichtig kommen sich die beiden näher. Dann unternimmt Francis Mutter einen weiteren Selbstmordversuch. Wieder findet Francis sie rechtzeitig, so dass sie gerettet werden kann. Francis findet auch einen Abschiedsbrief der Mutter, in dem sie ihm offenbart, dass er ein Retortenkind ist. Als junge Frau hat sie an einem Projekt teilgenommen, bei dem einige Wissenschaftler eine Samenbank angelegt haben, die nur von Nobelpreisträgern bzw. Spendern mit sehr hohem IQ »bestückt« wurde. Was von den Initatoren des wissenschaftlichen Projekts eigentlich nicht so gedacht bzw. geplant war: seine Mutter hat die Identität seines (Spender)Vaters herausgefunden.

Francis beschließt, seinen Vater zu suchen. Da bittet ihn Anne-May, sie mitzunehmen und auch seinen Freund, den Nerd Grover, nimmt er mit auf die Reise, denn der hat die Möglichkeit ein Auto zu beschaffen. Die Flucht von Anne-May aus der Klinik gelingt und schon sind die drei auf dem Weg und es entfaltet sich ein echtes Roadmovie, das die drei Freunde durch elf Staaten bis zur Westküste führen wird.

Mich hat Benedict Wells mit diesem Roman wirklich beeindruckt! Er erzählt diese Geschichte in einem so leichten Ton und führt seine Protagonisten trotzdem durch existentielle Themen und Fragen. Er setzt sich mit dem Thema In-vitro-Fertilisation auseinander und beleuchtet das Schicksal der Kinder, die mit Hilfe dieser Methode gezeugt wurden. Er stellt die Frage, was wichtiger ist für ein erfolgreiches glückliches Leben: Gene, Fleiß, Schicksal oder schlicht Glück oder ist es am Ende eine geglückte Mischung aus all dem.
Die drei Protagonisten wuchsen mir binnen kürzester Zeit ans Herz in ihrem Prozeß des Erwachsenwerdens und der Suche nach ihrem Weg durchs Leben. Ein Roman, der gleichermaßen Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann ziehen kann.

Und dann krönt Benedict Wells diesen Roman am Ende auch noch mit einem Showdown, der es in sich hat und die Spannung und den Puls der Leser in ungeahnte Höhen treibt. Alle Achtung Benedict Wells!


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