10.10.2011

Wolfgang Schorlau: Die letzte Flucht *****

Buch-CoverAuf die Kriminalromane des Stuttgarter Krimiautors Wolfgang Schorlau warte ich immer besonders ungeduldig und gespannt. Seine Serie um den Privatermittler Georg Dengler ist nicht nur spannend sondern auch immer sehr aufklärend. Für jeden der bisher erschienen Bände hat sich Wolfgang Schorlau ein spezielles brisantes gesellschaftspolitisches Thema vorgenommen und dann gründlichst recherchiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dann im Krimi verarbeitet und so nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte erzählt, sondern es springt für den aufnahmebereiten Leser auch noch eine Menge Information über aktuelle Themen dabei heraus.

Im neuesten Band bekommt Georg Dengler seinen sechsten großen Fall. Ein bekannter Arzt und Wissenschaftler von der Berliner Charité ist unter dringendem Tatverdacht verhaftet worden. Er soll ein kleines Mädchen mißbraucht und anschließend umgebracht haben. Die sichergestellten Beweise sind schier erdrückend. Trotzdem glauben weder seine Familie noch enge Kollegen, dass er die Tat wirklich begangen hat. Nach anfänglichem Widerstand übernimmt Dengler den Fall tatsächlich und wird Zeuge, wie der Verdächtige im Zusammenhang mit einer dringenden Untersuchung in der Charité flieht. Das spricht natürlich nicht gerade für den beschuldigten Arzt.

Im Wechsel mit den Kapiteln, die die Geschichte weiter erzählen, erfahren die Leser von einer Entführung, die keinem auffällt. Ein Top-Manager eines Pharmaunternehmens ist das Opfer und wird von seinem Entführer einer unangenehmen Befragung unterzogen. In diesem Erzählstrang enthüllen sich nach und nach die Machenschaften der Pharmariesen und wie sich das auf unsere Ärzteschaft, die Krankenkassen und letztlich uns als Patienten auswirkt. Wie langjährige Leser von Schorlau es gewohnt sind, belegt er alles was er hier behauptet mit entsprechenden Nachweisen, Dokumente, Artikel, Interviews, Webseiten etc.

Wer eine realistische Bestandsaufnahme der Pharma-Industrie und des Medizinbetriebs lesen möchte, sollte Schorlaus neuen Krimi auf jeden Fall lesen und dann auch die angegebenen Quellen, Buchempfehlungen und Links anschauen. Aufklärung, die angesichts eines korrumpierten und korrupten Systems dringend notwendig ist, für die Bürger, die für diese Machenschaften und den Profit einiger weniger einen viel zu hohen Preis zahlen, der längst nicht nur in Münzen zu zählen ist. Wer sich nicht länger betrügen und belügen lassen will, wer das korrupte System nicht unwissentlich mit unterstützen will aber auch wer Bescheid wissen will, was zu tun ist und wer bereits gegen diese Zustände aufsteht, wird die Lesezeit für diesen Krimi ganz sicher nicht bereuen.

Die Ermittlerin im Fall, in dem Dengler aktiv wird, ist eine toughe Kommissarin und bald richtet sich ihr Verdacht auch auf Dengler. Hat er dem Beschuldigten zur Flucht verholfen? Die weitere Entwicklung des Falles bringt Dengler schließlich selbst in ärgste Bedrängnis, bis er schließlich der Wahrheit auf die Spur kommt.

Am Rande der Geschichte, greift Wolfgang Schorlau übrigens auch die Stuttgart-21-Proteste auf und besonders die Vorkommnisse am »Schwarzen Donnerstag« im Stuttgarter Hofgarten und er widmet diesen Kriminalroman den Stuttgarter Jugendlichen, die sich am 30. September 2010 mit ihren Sitzblockaden gegen die Zerstörung ihrer Stadt gewehrt haben.

Wer den Krimi von Wolfgang Schorlau nicht lesen möchte aber an der Thematik interessiert, kann natürlich auch direkt auf die Homepage gehen und dort die recherchierten und verarbeiteten Materialien nachlesen.


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