27.09.2011

Gregor Weber: Feindberührung ***

Buch-CoverGregor Weber, einer der Tatort-Kommissare im Saarland, hat schon einige Sachbücher geschrieben. Mit »Feindberührung« wagt er sich nun erstmals an einen Kriminalroman und setzt dabei auch auf ein Ermittler-Duo.

Kurt Grewe ist glücklich verheiratet, hat mehrere Kinder und einen Hund. Seine Kollegin Therese Svoboda ist Single, macht Karriere aber hätte gegen einen Mann in ihrem Leben nichts einzuwenden. Als ein verdienter Afghanistan-Veteran ermordet in seiner Wohnung aufgefunden wird, müssen die beiden mit ihrem erweiterten Team an die Ermittlungen ran.

Lars »Bomber« Rems war Berufssoldat, hat mehrere Afghanistaneinsätze hinter sich. Beim letzten Einsatz ist er schwer verletzt worden und hat beide Beine verloren. Nach seiner körperlichen Genesung hat er sich von seiner Frau und seinem Sohn zurückgezogen, in einer Sozialwohnung gelebt und wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt, offenbar mit Drogen gedealt. Dabei waren ihm seine früheren Kontakte zu einer berüchtigten Rocker-Gang nützlich. Doch offenbar hat er Geschäfte auf eigene Rechnung gemacht. Es sieht so aus, als ob ihm das letztlich zum Verhängnis geworden ist.

Doch immer, wenn die Ermittler glauben, auf der richtigen Spur zu sein, zerschlagen sich ihre Beweise oder Verdächtige können hieb- und stichfeste Beweise beibringen. Führen die Spuren des Mörders doch in das Umfeld der Bundeswehr? Kommissar Grewe hat selbst gedient und war früher Fallschirmjäger in derselben Kompanie wie Rems. Bei den Ermittlungen stößt er schließlich auch auf einen alten Bekannten, mit dem ihm aber eher unerfreuliche Erfahrungen verbinden, die er mehr oder weniger verdrängt hat. Doch nun muss er sich diesen Erfahrungen stellen, um die Ermittlungen überhaupt führen zu können.

Ich war gespannt auf diesen Krimi von Gregor Weber, bin aber alles in allem nicht wirklich warm damit geworden. Zwar hat er zwei sympathische (aber irgendwie dadurch fast schon wieder langweilige) Ermittlercharaktere geschaffen aber irgendwie hatte ich die ganze Zeit den Eindruck, im Krimi einen belehrenden Zeigefinger gezeigt zu bekommen.

Auf mich wirkt der Krimi so, als ob Weber hier eine Lanze für die Bundeswehr bzw. vor allem für die Soldaten im Auslandseinsatz und die Rückkehrer brechen will. Teilweise deutlich, teilweise zwischen den Zeilen übermittelt er seine Botschaften, wie z.B. die, dass die deutsche Bevölkerung sich gefälligst mehr für ihre Soldaten interessieren sollte, etc. Einerseits ist das ja wahr und ist es auch lobenswert auf Mißstände hinzuweisen aber wie gesagt, bei mir ist das ganze eher unangenehm oberlehrerhaft angekommen.

Der Fall selber wirkt noch ziemlich hölzern konstruiert, zumal zumindest mir eigentlich ziemlich klar war, dass der eigentliche Täter wohl im Bundeswehr-Umfeld zu suchen sein würde. Da zog sich dann der lange Teil, in dem sich die Ermittler eher auf die Rocker-Gang konzentrieren doch etwas zäh. Auch da hatte ich wieder das Empfinden, hier will der Autor zeigen, wie gut er sich in dem Milieu auskennt oder aber wie toll er recherchiert hat.

Dito was die Ermittler und ihre Arbeit angeht. Weber kommt für mich wie ein Dozent rüber, der uns jetzt aber endlich mal mitteilt, wie Polizeiarbeit und Polizeialltag wirklich aussieht - muss er als Tatort-Kommissar ja schließlich wissen oder zumindest genügend Leute kennen, die wissen, was wirklich Sache ist. Auch die Auflösung des Falls habe ich dann als zu vorhersagbar empfunden, Spannung kam für mich an keiner Stelle auf. Für ein Debüt also ganz okay aber da ist noch viel Luft nach oben.


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