18.09.2011

Derek Meister: Rungholts Sünde ****

Buch-CoverKürzlich habe ich ja den gewichtigen und kantigen Kaufmann Rungholt aus dem mittelalterlichen Lübeck kennengelernt und da ich die Bekanntschaft weiter ausbauen wollte, habe ich nun den zweiten Band der Mittelalter-Krimi-Serie »Rungholts Sünde« von Derek Meister gelesen.

Bei Brunnenbauarbeiten wird eine verschüttete Leiche gefunden, die geradezu ausgeweidet wurde. Rungholt wird hinzugezogen und stellt fest, dass dem Toten das Herz entnommen und stattdessen ein Stein in den Brustkorb gelegt wurde. Doch der Tote scheint nicht aus Lübeck zu stammen. Eigentlich hat Rungholt ganz andere Probleme. Es ist die Fastenzeit vor Ostern, was für ihn, der gerne und viel isst, natürlich die reinste Qual ist. Außerdem verzweifelt er an den angeheuerten Handwerkern, die seine neue Brauerei bauen sollen und seine Tochter Mirke, die in zwischen mit seinem Lehrjugen Daniel verheiratet ist, erwartet ihr erstes Kind und erlebt eine schwere Schwangerschaft. Doch Kerkering, der Rychtevoghede bietet ihm im Gegenzug sich dafür einzusetzen, dass Rungholt - wenn die Brauerei erst einmal in Betrieb ist-, zweierlei Sorten Bier brauen darf.

Also macht sich Rungholt wieder zusammen mit seinem Kapitän Marek daran zu ermitteln. Marek wiederum ist gerade frisch verliebt - ausgerechnet in die Heilerin Sinje, mit der Rungholt schon im ersten Band der Serie eine eher unerfreuliche Begegnung hatte und die Rungholt durch ihre Schönheit und ihr selbstbewußtes Auftreten völlig irritiert und auf die Palme bringt. Dafür ist sie aber sehr klug und trägt bei den Ermittlungen wichtige Ideen und Informationen bei.

Tatsächlich bleibt es nicht bei dem Brunnen-Toten sondern kurz darauf werden auch noch ein Soldat der Stadtwache und einer der Bürgermeister der Stadt Opfer des unheimlichen Mörders. Kerkering und die anderen Ratsherren sind überaus ungeduldig und angespannt. Rungholt soll den Mörder endlich fassen und dem Morden ein Ende machen, doch noch immer sucht er verzweifelt nach einem Muster und dem Motiv für die Morde.

Auch die Bevölkerung der Stadt ist aufgebracht, denn zeitgleich ist der »Judas« von Visby, Conrad van der Hune auf Anordnung von Kerkering in die Stadt gebracht worden, um dort den Prozeß gemacht zu bekommen. Der ist ein wahrer »Teufel« und brandgefährlich. Er bietet Kerkering an, den Mörder für ihn zu finden, wenn er dafür sorgt, dass van der Hune enthauptet wird und nicht aufs Rad kommt. Kerkering lässt sich schließlich ehrgeizig wie er ist - schließlich will er Bürgermeister werden - vordergründig auf diesen Handel ein.

Schon im ersten Band der Reihe gab es Andeutungen, dass Rungholt aus seiner Vergangenheit einen großen dunklen Fleck hat und nun im zweiten Band erfahren die Leser, was es damit auf sich hat, denn Rungholts Vergangenheit spielt im weiteren Verlauf der Geschichte eine bedeutsame Rolle.

Im Gegensatz zum ersten Band der Serie hat sich Derek Meister mit der Verwendung mittelalterlicher Begriffe etwas mehr zurückgehalten, so dass ich sie in diesem Fall nicht mehr als den Lesefluss so hemmend empfunden habe. Es gibt am Ende des Bandes auch wieder ein kleines Glossar, was hilfreich ist. Mit »Rungholts Sünde« ist Meister eine gute Fortsetzung der Reihe gelungen. Der Krimi ist spannend und verwickelt und zeichnet ein wohl recht realistisches Bild des mittelalterlichen Lebens und Lübecks. Den nächsten Band der Serie werde ich gleich im Anschluß lesen.


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