13.09.2011

Astrid Rosenfeld: Adams Erbe *****

Buch-CoverAstrid Rosenfelds Debütroman »Adams Erbe« ist der zweite Roman, den ich vorbestellt hatte und der sich dann auf der Longlist der für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominierten Bücher fand.

Der Roman besteht aus drei Teilen. Er beginnt mit der Geschichte von Edward Cohen, der von seiner Kindheit und Jugend erzählt und von seinem verschollenen Großonkel Adam, dem schwarzen Schaf der Familie, dem er angeblich so ähnlich sieht. Dieser Teil hat mich von seinem Ton her und dem, was darin erzählt wird, hier und da an die Romane von John Irving erinnert. Zwar taucht kein Bär in diesem Teil auf, dafür aber eine Herde Elefanten, beherrscht von Elvis, dem King, der auch in Edwards Leben eine bedeutende Rolle spielt.

Im zweiten Teil des Romans, kommt dann der berühmt-berüchtigte Adam selbst zu Wort, denn Edward fällt durch Zufall ein Buch in die Hände, in dem Adam seine Geschichte aufgeschrieben hat und die Geschichte seiner Liebe zu Anna. Adam wächst im Berlin der 30er Jahre auf, von seiner Großmutter Edda mehr oder weniger erzogen. Auf alle Fälle aber rüstet sie ihn mit allem Wissen aus, das er benötigt, um durchs Leben zu kommen. Lange Zeit versteht es die Großmutter auch, die Folgen der politischen Entwicklungen von ihrem Haus und ihrer Familie und damit auch Adam fernzuhalten. Dann lernt Adam mit 18 Jahren die traurige Anna kennen und verliebt sich unsterblich in sie, doch sie reagiert zurückhaltend auf seine Liebeserklärung und -bezeugungen. Für die Familie Cohen wird es zunehmend gefährlich in Nazi-Deutschland und vor allem Adams Schwägerin, die tatkräftige Laura drängt die Familie sich nach England abzusetzen.

Doch dann verschwindet Anna in der Nacht des 9. November 1938, der sog. Reichskristiallnacht oder weniger beschönigend, der Reichspogromnacht. Adam ist untröstlich und kann sich schier nicht vorstellen, nach England zu gehen und Anna zurückzulassen. Mit Hilfe seiner Großmutter und eines befreundeten Sturmbannführers, der der Großmutter tief ergeben ist, verlässt Adam sein Zuhause und seine Familie und beginnt sein neues Leben als Anton Richter. Er wird Rosenzüchter für einen Nazischergen in Polen. Heimlich sucht der Sturmbannführer überall nach Anna aber dabei muss er äußerst vorsichtig vorgehen, um nicht Anna, Anton und sich selbst in tödliche Gefahr zu bringen.

Dann scheint es eine Spur von Anna zu geben, die nach Krakau führt. Anton reist zusammen mit dem Sturmbannführer dorthin doch die Spur läuft ins Leere. Anton ist verzweifelt aber der Sturmbannführer sucht weiter nach Anna. Dann wird er nach Russland versetzt, kehrt jedoch bald sterbenskrank von dort zurück und stirbt ohne Anna gefunden zu haben. Anton ist am Boden zerstört und erst da zieht er einen seiner polnischen Arbeitskollegen ins Vertrauen und offenbart sich ihm. Der wiederum hat Kontakte zum Widerstand und die Suche nach Anna beginnt erneut. Dann wird Anna tatsächlich gefunden. Sie ist im Warschauer Ghetto und Adam wird eine Möglichkeit geboten, Anna aus dem Ghetto zu holen. Er lässt sich auf einen unglaublichen Handel ein, dessen Preis nicht nur Annas sondern auch sein eigenes Leben ist.

Im dritten Teil des Romans schließlich macht sich Edward auf eine erneute Suche nach Anna, um ihr das Buch seines Großonkels Adams zu überbringen, so er sie denn finden sollte.

Astrid Rosenfelds Debüt ist ein berührender Roman, dessen Figuren liebevoll und detailliert gezeichnet werden. Während der erste Teil vom Ton her witzig-absurd-liebevoll daherkommt, ändert sich der Ton im zweiten Teil sehr aber das passt zum Inhalt und stört nicht. Die Geschichte einer großen Liebe wird hier ausgebreitet, ohne jemals in Kitsch abzugleiten, dazu sind die Begleitumstände viel zu dramatisch. Ich bin zutiefst beeindruckt von dieser Geschichte und dem Roman und hoffe, er wird viele Leser finden. Mir wird dieser Roman mit seinen Hauptfiguren auf jeden Fall lange im Gedächtnis bleiben.

Müsste ich zwischen Svenja Leibers »Schipino« und Astrid Rosenfelds »Adams Erbe« entscheiden, wer den Deutschen Buchpreis gewinnen soll, wäre es auf jeden Fall Astrid Rosenfeld, der ich diesen Preis zuerkennen würde. Ich fürchte allerdings, nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass keines der beiden Bücher es auch auf die Shortlist schaffen wird. Gelesen zu werden, verdienen beide Romane, Astrid Rosenfelds Roman ein wenig mehr.


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