24.08.2011

Tom Finnek: Unter der Asche ****

Buch-CoverEin leichtes Leben hat der junge Geoff(rey) Ingram im London des 17. Jahrhunderts bisher wahrhaftig nicht gehabt. Kaum auf der Welt ist die Mutter auf und davon und er bleibt mit seinem älteren Bruder Edward und seiner Schwester Jez(ebel) beim Vater zurück.

In einem ärmlichen Zuhause im Stadtteil Southwark wächst er auf, der Vater ein notorischer Trinker. Nach einem furchtbaren Streit mit dem Vater ist sein Bruder Edward vor Jahren spurlos verschwunden. Jez arbeitet als Schankmädchen in einer heruntergekommenen Speklunke, wo Geoff ebenfalls als Abräumer etwas dazu verdient. Am Wochenende besucht er die Armenklasse von Master Gerrard, dem »Eremti von St. Olav«.

London hat gerade die große Pest überstanden und die Leute atmen auf, doch dann rafft es auch noch Geoffs Vater dahin. Zeitgleich verschwindet auch Jez spurlos und der arme Geoff muss sich erstmal alleine durchschlagen. Dann taucht sein Bruder Edward plötzlich wieder auf und Geoff erfährt nach und nach warum Jez verschwunden ist, wo Edward in den vergangenen zwei Jahren war und lernt dabei, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Immer mehr familiäre Verwicklungen und Geheimnisse kommen ans Tageslicht und am Ende erfahren die Leser auch noch, wie bzw. warum es zum großen Brand von London vom 2. bis 5. September 1666 kam, bei dem vier Fünftel der City of London, darunter die meisten mittelalterlichen Bauten, zerstört und etwa 100.000 Einwohner obdachlos wurden.

Tom Finnek schildert rund um Geoff Ingram und seiner Familie das Leben im London vor dem großen Brand und zwar vor allem das London der Bevölkerung, die man heute wohl als Prekariat bezeichnen würde. Eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten tauchen auf, so z.B. der berühmte böhmische Zeichner und Kupferstecher Wenceslaus (Wenzel) Hollar, der französische Uhrmacher Robert Hubert, der fälschlich der Brandstiftung angeklagt und hingerichtet wurde, Tom Farynor in dessen väterlicher Bäckerei das Feuer ausbrach, der Slasher (Jack the Ripper? oder zumindest an diesen angelehnt) oder Gerrard Winstanley, der Kopf der Bewegung der sog. Diggers, einer Art ländlicher anarchischer Kommune, die aber 1651 endgültig zerschlagen wurde sowie andere zeithistorische Figuren.

Es ist Finnek gelungen einen dichten und verwickelten Plot zu entwickeln und eine Reihe sehr eindrücklicher Charaktere zu schaffen und hier und da fühlte ich mich an Romane von Charles Dickens erinnert. Ein historischer Roman, der von Schuld und Sühne, Liebe und Hass erzählt und dabei Wahrheit und Phantasie auf gekonnte und überzeugende Weise vermischt.


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