09.08.2011

Eduard von Keyserling: Wellen *****

Buch-CoverWährend sich draußen - wie die meiste Zeit diesen Sommer - wieder mal das reinste Aprilwetter präsentiert, lese ich den kleinen Roman »Wellen« von Eduard von Keyserling (1855-1918), der erst in den letzten Jahren mehr oder weniger als bedeutender deutscher Erzähler »wiederentdeckt« und mit Fontane verglichen worden ist.

Der Roman spielt an der Kurischen Nehrung, wo die Generalin von Palikow ihre Familie in der Sommerfrische um sich versammelt. In der Nähe wohnt auch der Maler Hans Grill mit seiner neuen Gattin, der Gräfin Doralice. Sie hat entgegen allen Standesregeln ihren langweiligen Botschaftergatten verlassen und sich mit dem lebenslustigen Künstler zusammengetan. Dementsprechend ablehnend begegnet ihr die älteren aristokratischen Sommergäste.

Für die jüngeren Gäste hingegen ist sie eine faszinierende Figur und wird so auch bald zum wahren Mittelpunkt aller Geschehnisse, die sich dramatisch zuspitzen, als der junge Leutnant Hilmar, der mit einer Enkelin der Generalin verlobt ist, ebenfalls anreist und sich ausgerechnet in Doralice verliebt.

Die Geschichte an sich, mag nicht alle begeistern aber die Erzählweise von Eduard von Keyserling ist schlicht wunderbar. Mit präzisen Sätzen ohne unnötige Abschweifungen oder Ausschmückungen malt er dem Leser nicht nur die sommerliche Landschaft der Kurischen Nehrung regelrecht vor Augen, nein, er versteht es auch äußerst komplexe psychologische Konstellationen auf diese Weise darzustellen. Ich muss sagen, ich bin von Keyserlings Art zu erzählen absolut begeistert. Man meint, den Sommerwind auf der eigenen Haut zu spüren, das Meer vor Augen zu haben, die Stimmungen und später auch die Spannungen selbst zu empfinden und das alles auf gerade mal 176 Seiten. Für mich wird das ganz sicher nicht der letzte Roman gewesen sein, den ich von Eduard von Keyserling gelesen habe.

Der Roman »Wellen« ist übrigens dieses Jahr gerade in einer wunderbaren Ausgabe im Manesse Verlag neu erschienen.


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