20.02.2011

Christoph Marzi: Grimm *****

Buch-CoverWenn ich mitbekomme, dass wieder ein neues Buch von Christoph Marzi erschienen ist, werde ich hellhörig, denn er ist wirklich ein großartiger Geschichtenerzähler, wie es sie heute nicht mehr oft gibt.

Sein jüngster Roman trägt den schlichten Titel »Grimm«, was natürlich sofort an die Brüder Grimm denken lässt und die spielen neben anderen Literaten die Märchen in ihrem Werk erzählt haben und Wissenschaftlern und Malern in diesem Roman tatsächlich eine bedeutende Rolle.

Doch die Hauptfiguren sind drei junge Menschen, die alle schon in jungen Jahren tiefes Leid erfahren haben. Da ist Vesper Gold, deren Schwester Selbstmord beging und nur eine kurze Nachricht mit den Worten »Es ist alles wahr!« hinterließ. Vesper ist sehr eigenwillig und gestaltet ihr Leben größtenteils schon selbst und scheut auch nicht Konfrontationen. Da ist Leander Nachtsheim, ein junger Student, dessen Bruder entführt wurde und schließlich Jonathan Andersen, der seine große Liebe, Carlotta Siebenbürger, verloren hat.

Vesper Gold ist erst vor kurzem nach Hamburg gezogen, wo ihre Mutter eine berühmte Konzertpianistin wohnt und Vesper inzwischen in einer eigenen kleinen Wohnung lebt. Vespers Vater, Maxime Gold ist ein berühmter Filmregisseur und lebt in Berlin. Vesper Gold schafft es schnell auch in ihrer neuen Schule anzuecken, ihr droht ein Schulverweis, doch das alles wird plötzlich unwichtig, als sie die Nachricht erreicht, dass ihr Vater tot ist. Nachbarn haben zu Protokoll gegeben, sie hätten Wölfe in der Nähe gesehen.

Vesper ist zutiefst aufgewühlt und flüchtet sich am nächsten Morgen zunächst ins Museum, wo Caspar David Friedrichs Gemälde »Das Eismeer« hängt, das ihr Vater sehr geliebt hat. Dort begegnet Vesper zum ersten Mal Leander Nachtsheim. Als Vesper ihre Mutter in deren Haus aufsuchen will, trifft sie dort auf eine Art Wolfsmensch und andere unglaubliche Wesen und muss zu ihrem Entsetzen entdecken, dass ihre Mutter ebenfalls tot ist. Von ihrem Vater erreicht sie über einen Nachlassverwalter ein Päckchen, das einen geheimnisvollen Schlüssel und einen Ring enthält sowie den Hinweis einen alten Freund des Vaters aufzusuchen sowie die Mahnung, die er ihr als Kind auch schon immer gesagt hatte: Hüte Dich vor den Wölfen ...

Bei besagtem alten Freund begegnet Vesper schließlich auch Leander Nachtsheim wieder und sie erfährt von einer Art Geheimgesellschaft namens Bohemia, der ihre Eltern angeblich angehört haben sollen. Später stößt noch Jonathan Andersen zu den beiden. Auch seine Vorfahren gehörten der Geheimgesellschaft an, wurden aber ausgestoßen. Jonathan Andersen kann ihnen etwas mehr über die Geheimgesellschaft Bohemia erzählen und sie erfahren, dass die Mitglieder gegen die alten Mythen gekämpft haben.

Inzwischen geschehen in ganz Europa bedrohliche und erstaunliche Dinge. Alle Kinder fallen zunächst für je fünf Minuten in einen tiefen Schlaf, aus dem sie dann wieder erwachen. Doch beim dritten Mal erwachen sie nicht wieder und ihre Eltern werden von furchtbaren Träumen heimgesucht. Die Mythen scheinen zurückzukehren und immer schneller an Macht zu gewinnen. Märchen- und Legenden-Figuren, wie Meerjungfrauen und Zwerge, tauchen im Hier und Jetzt auf aber sie sind ganz anders als sie in den Märchen und Legenden immer dargestellt wurden und da sind die Wölfe, die die drei unter Führung des Wolfsmenschen unerbittlich jagen.

Nach und nach enträtseln die drei die Geschichte und was die Geheimgesellschaft wirklich getan hat und ihr Weg führt sie schließlich zum Brocken in den Harz, wo es zu einer alles entscheidenen Begegnung kommt und Vesper die wohl schwerste Prüfung auferlegt wird.

Großartig! Einfach nur großartig, ist dieser neue Roman von Christoph Marzi! Intelligent, voller Anspielungen und Bezüge auf die Welt der Märchen und Legenden, mit liebenswerten Hauptcharakteren, die zu echten Helden werden aber auch den Preis dafür zu zahlen haben. Eine Geschichte, wie ein altes Märchen, die einen mühelos in die eigenen Kindertage als man die ersten Märchen hörte, zurückversetzt, inklusive des Grusels, den manche dieser Märchen damals auslösten. Christoph Marzis Ideenreichtum, den er schon so oft vor allem in seiner Uralte Metropole-Trilogie unter Beweis gestellt hat, sprüht auch hier wieder die reinsten Funken und wie schon in der Trilogie versteht er es Altes und Erfundenes mit der Neuzeit zu einem spannenden Neuen zu verweben. Grimm ist ein Jugendbuch aber auch Erwachsene, die sich ein bisschen ihrer Kindheit in ihrem Herzen bewahrt haben, werden daran ihre Freude haben.

Michael meinte dazu am 22.05.2011:

Danke für die Empfehlung – das Buch ist wirklich großartig. Ich würde mir wünschen, dass der Autor die Geschichte zu einer Trilogie ausbaut.



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