03.01.2011

Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln *****

Buch-CoverZu Weihnachten hat mir eine liebe Leserin meiner Blogs dieses Buch, das schon lange auf meiner Wunschliste stand, geschenkt und mir damit eine große Freude gemacht.

Ich bin froh, dass ich gerade mit diesem Buch das neue Lesejahr starten konnte. In den vergangenen Tagen habe ich nämlich geradezu in diesem Atlas der abgelegenen Inseln geschwelgt. Was für ein grandioses Buch, eine wahre Wunderkammer! Wirklich, solche Bücher, findet man heutzutage nur noch selten und es ist dem mare Verlag zu danken, dass er sich dieses Buches angenommen und keine Mühen gescheut hat, ihn zu veröffentlichen.

Judith Schalansky wiederum hat hier etwas ganz besonderes geschaffen. Nicht nur, was sie an Informationen zusammengetragen hat sondern auch was die Gestaltung des Buches angeht. Wunderschön!

Der Titelzusatz lautet ja »Fünfzig Insel, auf denen ich nie war und niemals sein werde«. Im Vorwort erklärt Judith Schalansky diesen Titel, erklärt, warum sie sich damit begnügt, mit dem Finger im Altas diese Inselreisen zu absolvieren.

Und dann werden die 50 Inseln vorgestellt, jeweils eine Doppelseite pro Insel. Rechts in zartem Wasserblau die Karte der Insel, links die Basis-Informationen wie Name, politische Zugehörigkeit, Größe, Einwohnerzahl, Entfernungen zu den nächsten Inseln, bzw. zum nächstgelegenen Festland sowie die historisch herausragenden Daten, wie das Datum der Entdeckung, die Errichtung von Forschungsstationen, Expedition oder anderes. Schließlich folgt noch jeweils ein kurzer Text über die jeweilige Insel, der ein bedeutsames Ereignis aufgreift, von der Entdeckung erzählt, den Strapazen des Überlebens der Einheimischen, von Flora und Fauna oder von anderen bedeutsamen Dingen oder Dramen, die sich auf den teilweise winzigen Eiländern zugetragen haben. Diese Geschichten sind faszinierend, teilweise so phantastisch, dass man kaum glauben mag, dass sie wahr sind.

Sehr schnell hat sich bei mir der Effekt eingestellt, die Koffer packen zu wollen und mich aufzumachen zu diesen Inseln, sie mit eigenen Augen sehen zu wollen. Irgendwann setzte der Verstand wieder ein und es wurde umso klarer, warum Judith Schalansky im Zusatztitel hinzufügte »... und niemals sein werde«. Aber das Kopfkino, das lief in den zurückliegenden Tagen bei mir geradezu heiß.

Was waren das für Menschen, die unglaubliche Strapazen auf sich nahmen, um diese Inseln überhaupt zu entdecken oder im Zuge einer Odysee zufällig auf sie stießen? Was sind das für Menschen, die für ein Jahr auf einer windumtosten Insel in absoluter Abgeschiedenheit Meteo-Daten erheben oder ihren Forschungen nachgehen? Wie organisieren sich »Gesellschaften«, die lange in großer Abgeschiedenheit nur auf sich selbst gestellt sind? Was für Dramen haben sich fernab der Zivilisation auf manchen dieser »Paradiese« tatsächlich abgespielt und das Üblste im Menschen hervorgebracht aber eben oft genug auch das Beste im Menschen?

Die Leser erfahren Geschichten, wie z.B. die der Insel der Farbenblinden, oder von dem französischen Jungen, der in seinen Träumen eine unbekannte Sprache lernt, die niemand versteht. Schließlich werden Forscher auf ihn aufmerksam und versuchen das Rätsel zu lösen. Durch einen Zufall finden sie heraus, welche Sprache der inzwischen zum Mann gewordene Junge spricht. Es ist die einer weit entlegenen Insel und eine Frau von dieser Insel lebt zufällig in der Nähe. Mit ihr geht er schließlich auf diese Insel und stirbt dort hochverehrt. Oder die Geschichte, der Sklaven, die nach einem Schiffbruch allein auf einem winzigen Eiland zurückbleiben - frei und doch die unfreisten der Welt und dem Untergang geweiht.

So reiht sich eine Geschichte an die nächste und versetzt einen als Leser geradezu in einen Rausch. Viel zu schnell kommt dann das Ende des Buches und mit einem wehmütigen Lächeln, vielen neuen Geschichten und Informationen klappt man dieses Kleinod zu, das übrigens ganz zu recht 2009 den 1. Preis der Stiftung Buchkunst erhielt. Dieses Buch ist jeden Euro zweimal wert und wem es in der gebundenen Form tatsächlich noch zu teuer ist, für den gibt es die gute Nachricht, dass die Taschenbuchausgabe im August bei Fischer erscheinen soll.

Joachim meinte dazu am 04.01.2011:

Ich stimme Dir voll zu, Liisa. Dies ist ein Buch zum Träumen, glänzend recherchiert und wundervoll erzählt. Es zählte zu meinen absoluten Favoriten 2009.


Jörn meinte dazu am 21.01.2011:

Hallo Liisa, danke für diese begeisterte Buchvorstellung, jetzt bin ich bestärkt, mir das Buch auch wirklich zu besorgen.. Es ist schon mehrmals in meinem Radar aufgetaucht, aber bisher hatte es sich noch nicht aufgedrängt ;-)

LG

Jörn



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