09.09.2010

Jonathan Safran Foer: Tiere essen ****

Buch-CoverJonathan Safran Foers neues Buch »Tiere essen« war schon deutlich vor dem tatsächlichen Erscheinungstermin im deutschsprachigen Raum in aller Munde und so habe auch ich gespannt auf dieses Buch gewartet. Das Buch ist die Essenz von jahrelangen Recherchen und Überlegungen zur Frage: Wie ernähren wir uns und unsere Kinder eigentlich? Dabei hat sich Foer vor allem auf die heute überwiegende Massenzucht von Geflügel, Schweinen, Rindern und das Massenfischen bezogen.

Foer ist sehr gründlich vorgegangen bei seinen Recherchen, was wiederum eine Fülle von Informationen und Fakten mit sich bringt. Die werden im Buch übersichtlich und überzeugend präsentiert. Foer bezieht zwar im Buch klar Stellung und lässt die Leser wissen, welche Konsequenzen er selber für sich und seine Familie gezogen hat aber gleichzeitig ist ihm das Kunststück gelungen, dies nun nicht diktatorisch als einzig wahre und richtige Entscheidung in den Raum zu stellen. Er lässt Menschen aus allen beteiligten »Lagern« zu Wort kommen, er wägt ab, lässt Sympathien erkennen, ringt selber mit der Thematik und appelliert letztlich an den klaren Menschenverstand, die Logik seiner Leser.

Wer nicht mit Scheuklappen durch das Leben geht, wird vermutlich schnell feststellen, dass er - was die Informationen und Fakten im Buch angeht - das alles so oder ähnlich schon mal gehört, gelesen oder gesehen hat. Das ist richtig aber wir Menschen verdrängen ja sehr gern und da ist es gut, dass Foer uns mit dem Buch wieder mal auf das Thema bringt und uns das Verdrängte ins Gedächtnis zurückruft. Sehr interessant fand ich auch seine philosophischen und kulturgeschichtlichen Überlegungen zum Thema.

Foers Buch informiert fundiert (er bezieht sich naturgemäß auf die amerikanischen Verhältnisse aber am Ende des Buches gibt es dann auch entsprechende Zahlen die verdeutlichen, dass es auch in Deutschland nicht viel anders aussieht), zeigt das Konfliktpotential, das im Thema liegt sowie die Probleme die noch alle mit an diesem Thema hängen, wie z.B. Umweltschutz, Industrialisierung, Antibiotika-Resistenzen, den Kampf, der noch halbwegs aufrechten Bauern, um die bloße Existenz gegen die großen Industrie-Betriebe, und vieles mehr.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Jonathan Safran Foer explizit darauf hinweist, dass die Entscheidung darüber, ob wir nun Fleisch/Fisch/Eier essen oder nicht, eine ganz individuelle ist und dass er auch nicht so tut, als ob so eine Entscheidung quasi »ein Klacks« ist. Er ist auch nicht der neue Vorkämpfer der vegetarischen Bewegung, der nun mit subtiler Brachialgewalt versucht seinen Lesern eine Entscheidung abzutrotzen. Das Gefühl, Stellung beziehen und eine Entscheidung treffen zu müssen, ergibt sich vielmehr daraus, dass die Fakten selbst so schlagend sind. Wer nicht innerlich schon total abgestumpft ist, der wird von den Schilderungen erschüttert werden und wer logisch denken kann, der wird begreifen, dass es so wie es ist, eigentlich nicht weitergehen kann bzw. wenn es so weitergeht, bedeutet das eine Katastrophe wenn nicht auf lange Sicht sogar den Untergang (ähnlich übrigens wie bei anderen Umweltthemen wie Klimawandel, Co2-Ausstoß etc, bei denen wir ja längst auch wissen, dass es so nicht weitergehen kann).

Ganz sicher wird man feststellen können, dass Jonathan Safran Foer mit seinem Buch entscheidend zur Diskussion dieser Thematik beiträgt und die Diskussion auch wieder neu anstösst. Wie durchschlagend das sein wird, muss die Zukunft zeigen.

Einen Teil meiner eigenen Gedanken und Reaktionen auf den Inhalt des Buches habe ich im Blogeintrag »Essen wir noch oder fressen wir schon« zusammengefasst.

Zu erwähnen und loben ist noch die Leistung der drei Übersetzer Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit. Interessant in diesem Zusammenhang ist außerdem ein Interview, das Isabel Bogdan mit sich selbst zu diesem Buch geführt hat.

Connie meinte dazu am 09.09.2010:

Dieses Buch zeigt, wie sehr dieser junge Autor und Familienvater im Leben steht und sich kümmert um das was mit uns geschieht.

Nun muss ich mich nur entscheiden, ob ich endlich sein zweites Buch, Extrem laut und unglaublich nah, oder gleich dieses „Sachbuch“ lese...

Dieser Autor lohnt sich immer.

Gruss, Connie



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