09.08.2010

Nadeem Aslam: Das Haus der fünf Sinne *****

Buch-CoverDer gebürtige Pakistani Nadeem Aslam hat mit »Das Haus der fünf Sinne« einen erschütternden Afghanistan-Roman geschrieben.

Die drei Hauptprotagonisten sind ein Brite, der seit vielen Jahrzehnten im Land lebt und mit einer Afghanin verheiratet war, eine junge Russin, die auf der Suche nach ihrem Bruder ist, der als Soldat nach Afghanistan geschickt wurde und spurlos verschollen ist, sowie ein Amerikaner den seine Geschäfte einst nach Afghanistan und dann zum CIA führten.

Anhand dieser drei Personen erzählt Nadeem Aslam nun aus der jüngeren Geschichte Afghanistans, teilweise in sehr schönen Metaphern, die aber letztlich nur um so greller und erschütternder hervortreten lassen, wie sehr Afghanistan und seine Menschen unter den Konflikten der vergangenen Jahrzehnte litten und leiden.

Es ist ein zerrissenes Land, voller zerstörter Biographien, voller Gewalt und gleichzeitig voll Schönheit und Poesie. Die Gewalt der Russischen Besatzung, der Horror der Taliban-Zeit - vor allem für die Frauen - und der Terror des gegenwärtigen Konflikts, der von allen beteiligten Parteien ausgeübt wird, werden ebenso geschildert, wie die Sehnsucht nach Frieden, nach einem ganz normalen Leben.

Doch es herrschen allgegenwärtiges Misstrauen und Angst. Wem kann man trauen, wem sich offenbaren? Wer zieht die Fäden im Land oder auch nur in einem einzigen Ort? Es sind die waffenstarrenden lokalen »Herrscher«, die über das Leben der einfachen Menschen bestimmen. Islamische Fundamentalisten versuchen über das Leben der Menschen zu bestimmen und junge Leute für ihre Sache zu gewinnen. Die Amerikaner verfolgen ihre eigenen Ziele und schrecken ebenfalls vor fast nichts zurück, um diese Ziele zu erreichen. Die »Verteidigung der Heimat« scheint alles zu rechtfertigen.

Nadeem Aslam stellt viele Bezüge zur Geschichte Afghanistans und des Islams an sich her, um das Hier und Heute im Land zu verdeutlichen. Wer Afghanistan, seine Menschen und die aktuelle Situation etwas besser verstehen möchte, wird in diesem Roman vieles finden, das weiterhilft und neue Gedankenanstöße bekommen. Deutlich wird auch, dass Afghanistan tiefe Spuren hinterlässt, bei denen, die dort geboren sind und leben ebenso wie bei denen, die aus welchen Gründen auch immer dorthin gekommen sind und es wieder verlassen konnten.

Nicht verschweigen möchte ich, dass die Lektüre schmerzhaft ist, denn auch wenn der Autor am Ende des Buches darauf hinweist, dass alles in diesem Buch Fiktion ist, so ist doch genauso klar, dass diese Fiktion auf brutalen Fakten beruht und vieles, was man liest so oder ähnlich sehr wohl in diesem schönen schrecklichen Land geschehen ist und noch geschieht.

Die Übersetzung aus dem Englischen verdanken wir Bernhard Robben.


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