02.08.2010

Katharina Raabe und Monika Sznajderman [Hrsg.]: Odessa Transfer *****

Buch-CoverAls ich das erste Mal las, dass Katharina Raabe und Monika Sznajderman nach ihrem grandiosen »Last & Lost: Ein Atlas des verschwindenden Europas« einen neuen Band diesmal zu den Anrainern des Schwarzen Meeres veröffentlichen würden, war ich hellauf erfreut. Das zu erwartende Buch wanderte sofort auf meine Weihnachtswunschliste und fand sich wie erhofft unter dem Weihnachtsbaum. Dass diverse vorher nicht abzusehende Faktoren dazu führen würden, dass ich erst jetzt dazu gekommen bin »Odessa Transfer: Nachrichten vom Schwarzen Meer« zu lesen, war dagegen eher frustrierend.

Ende Juli war es aber dann endlich soweit und in den vergangenen Tagen bin ich ganz in diesen Essays, literarischen Reiseberichten und Erzählungen versunken. Wieder ist es dem Herausgeber-Duo gelungen eine hochinteressante Mischung an Autoren für dieses Projekt zu gewinnen und interessierten Lesern eine auf- und anregende Lektüre zu verschaffen.

Dreizehn Autoren die dem Schwarzmeerraum auf unterschiedliche Weise verbunden sind, nehmen die Leser mit in die Geschichte und Vergangenheit dieses Raumes ebenso wie in das Hier und Heute und einige wagen gar den Blick in die Zukunft. Eigentlich wollten die Herausgeber, wie sie selbst sagten, ein Zukunftsbuch haben aber Zukunft ist ohne Vergangenheit eben nicht zu haben. So nähern sich mehrere der Autoren dem Hier und Jetzt bzw. der zu erwartenden Zukunft über die Mythen und die Vergangenheit, die überaus reich und vielschichtig sind. Mal sind es tatsächliche Orte, wie z.B. die Städte Batumi (Aka Morchiladze), Istanbul (Emine Sevgi Özdamar) oder Constanta (Mircea Cartarescu), mal sind es fiktive Orte, wie die »Insel der Glücklichen«, die von Sibylle Lewitscharoff entworfen wird.

Für die einen war das Schwarze Meer eine Art Abgrund, nicht zu überqueren oder zu bereisen, für die anderen Herausforderung und Abenteuer. Seine Landschaften und Städte für die einen Sehnsuchtsort und Paradies, für die anderen Verbannungsort mit dem dazugehörigen Leiden. Nicoleta Esinencu hat mit dem titelgebenden »Odessa Transfer: Von Chisinau zum Siebten Kilometer« einen Gedichtzyklus über die schwierige Identitätssuche der Republik Moldau hinzugefügt und der polnische Fotograf Andrzej Kramarz einen Foto-Essay, dessen Fotos die einzigartigen Stimmungen der Schwarzmeerküsten einfangen und zwischen den einzelnen Texten eingefügt sind.

Man kann allen an diesem Band Beteiligten nur höchstes Lob aussprechen. Neben den schon genannten sind dies noch Andrzej Stasiuk, Takis Theodoropoulos, Attila Bartis, Katja Lange-Müller, Karl-Markus Gauß, Serhij Zhadan, Katja Petrowskaja und der britische Historiker Neal Ascherson, der vor einigen Jahren mit seiner Kulturgeschichte »Schwarzes Meer« Furore machte. Zu danken hat man als Leser auch den vielen Übersetzern der Texte, ohne die wir diese literarischen Schätze nicht genießen könnten.

Abschließend hoffe ich, wie schon nach der Lektüre von »Last & Lost«, dass »Odessa Transfer« nicht das letzte Projekt der beiden Herausgeberinnen bleiben wird.

Connie meinte dazu am 02.08.2010:

Liebe Liisa,
da hast du mich an was erinnert ;=)

Das Buch hatte ich doch auch auf meiner Liste, hab diese aber irgendwie verbummelt, na, dann bestelle ich es mir gleich

Danke nochmal für diese Erinnerung,
Connie


Liisa meinte dazu am 05.08.2010:

Freut mich, dass ich das als Gedankenstütze fungieren konnte.



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