16.07.2010

Leonie Swann: Garou *****

Buch-CoverVor viereinhalb Jahren las ich Leonie Swanns Debüt-Krimi »Glennkill«, der es gleich zum Weltbestseller brachte und in dem eine Herde Schafe, die Hauptprotagonisten waren. »Zauberhaft« war das Prädikat, das ich diesem Schaf-Krimi nach der Lektüre anheftete. Die Geschichte selbst blieb gerade wegen ihrer Außergewöhnlichkeit frisch und lebendig in meinem Gedächtnis.

Nun hat Leonie Swann einen weiteren Schaf-Krimi (bzw. Schaf-Thriller, wie es etwas reißerisch auf dem Buchdeckel heißt) geschrieben und als ich davon hörte, war sofort klar, diesen neuen Band wollte ich auf jeden Fall auch lesen. Ein bisschen ängstlich war ich ja schon, ob es Leonie Swann wirklich gelingen würde, einen Folgeband auf Augenhöhe zu schreiben.

Der neue Band trägt den Titel »Garou« und die Schafherde hat es inzwischen mitsamt ihrer neuen Schäferin Rebecca von Irland nach Frankreich verschlagen, wo sie in der Nähe eines Schlosses weidet. Gleich auf der Nachbarweide gibt es eine Herde Ziegen und einen Ziegenhirten und Schafe und Ziegen beäugen sich zunächst recht mißtrauisch.

Eines Tages entdeckt Rebecca im nahegelegenen Wald ein abgeschlachtetes Reh und so erfährt sie - und so natürlich auch die Schafherde - vom sog. Garou, der in der Gegend sein Unwesen trieb und nun scheinbar erneut unterwegs ist. Der Garou soll eine Art Werwolf sein, ein Wolf im Menschen, der ab und an zutage tritt und dann seine Opfer sucht. Natürlich sind die Schafe alles andere als begeistert von diesen Aussichten und überhaupt, je länger sie vor Ort sind, desto mehr Dinge geschehen, die unheilvollen Charakter haben. Die Schafe beschließen herauszufinden, wer der Garou ist und ihn zur Strecke zu bringen. Dazu müssen sie wieder alle zusammen ihre Talente in die Wagschale werfen und schließlich sogar mit den Ziegen und dem »Ungeschorenen« einem fremden Schafbock zusammenarbeiten.

Verdächtige gibt es jede Menge und Rebecca, die Schäferin hat alle Hände voll zu tun, zum einen mit ihrer angereisten Mutter, die dem Alkohol und Nikotin nicht abgeneigt ist und zudem Tarot-Karten legt und sich bald einer wachsenden Besucherschar erfreuen kann, zum anderen ist da Zach, der in seiner eigenen Welt voller Geheimagenten und Geheimaufträge lebt und der Schloßbesitzer, der bald ein gewisses Interesse an Rebecca zeigt, was wiederum den Schafen gar nicht behagt. Nicht lange und wieder liegt ein Toter auf der Schafweide (wie schon im ersten Band als der alte Schäfer George so aufgefunden wurde) und die Schafe ahnen, dass sich die Schlinge des Garou langsam zuzieht und ihre Zeit ihn rechtzeitig bevor er noch mehr Untaten begehen kann, zur Strecke zu bringen.

Für mein Empfinden ist es Leonie Swann durchaus gelungen, auch den zweiten Roman um die ungewöhnliche Schafherde auf demselben hohen Niveau des Vorgängerbandes zu schreiben. Wieder ist es ein echtes Vergnügen, mitzuverfolgen, wie sich die Schafe die Welt der Menschen und die verschiedenen Zusammenhänge zu erklären versuchen und auf ihre eigene Art und Weise herauszufinden, was vor sich geht. Herrliche Wortspiele, Bilder, Ideen und (Schaf)Lebensweisheiten runden das Ganze ab und haben mich während der Lektüre erfreut.

Schön, dass Leonie Swann, dem sicher großen Druck nach dem überraschenden weltweiten Erfolg des ersten Krimis, widerstanden hat und sich die Zeit genommen und gelassen hat, den zweiten Krimi reifen und sich entwickeln zu lassen. Ich wage vorherzusagen, dass auch dieser zweite Krimi um die ungewöhnliche Schafherde weltweit wieder ein Erfolg werden dürfte.

Andrea meinte dazu am 22.07.2010:

Ich war auch gespannt, ob der Garou an seinen Vorgänger anschließen kann und ich kann nur sagen, ich bin begeistert.

Spannend, intelligente Wortspiele & viele Schafe, die wollen ;o)



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