24.06.2010

John Irving: Letzte Nacht in Twisted River ****

Buch-CoverIch habe mich auf John Irvings neuen Roman »Letzte Nacht in Twisted River« gefreut und bin nicht enttäuscht worden.

Die Protagonisten dieses Romans sind im Grunde alles Männer: Da sind der verwitwete Koch Dominic und sein Sohn Danny bzw. Daniel, deren Freund, der Holzarbeiter Ketchum, ein rachsüchtige brutaler Cop und noch viele weitere männliche Nebenfiguren. Doch, es gibt auch Frauen in dem Roman aber sie spielen eine eher untergeordnete Rolle oder stellen befristet Geliebte dar. Die meisten sind gestandene starke Frauen.

Alles beginnt in einem Flößer- und Holzfällercamp in den Wäldern New Hampshires im Jahr 1954. Als der 12jährige Danny aus Versehen eine Frau erschlägt, die er im Dunkeln für einen Bären gehalten hat, beschließt sein Vater mit ihm zu fliehen und ahnt nicht, dass er den Rest seines Lebens immer wieder neu auf die Flucht wird gehen müssen. Immer wenn Vater und Sohn irgendwo halbwegs heimisch und sesshaft geworden sind, eine neue Partnerin gefunden und einen neuen Freundeskreis aufgebaut haben, geschieht etwas, das sie zwingt weiter zu fliehen und alles hinter sich zu lassen. Quer durch Amerika führt ihre Flucht und schließlich sogar ins benachbarte Kanada.

Derweil wird Dominic immer älter und Danny reift zu einem Mann heran und wird schließlich sogar zu einem international bekannten Schriftsteller, der stark autobiographisch gefärbte Romane schreibt, sich aber zugleich in eine geheimnisvolle Aura hüllt. Das macht natürlich die Literaturbegeisterten und Medien erst recht auf ihn aufmerksam, was aber in seiner Lage eher kontraproduktiv ist, da er und sein Vater ja nach wie vor die Rache des Cops fürchten müssen und nicht auffallen dürfen.

Unterstützt durch ihren alten Freund Ketchum, der den Cop im Auge behält und sie bei Bedarf rechtzeitig warnt, schaffen sie es dennoch immer wieder ein paar Jahre am Stück ein halbwegs normales Leben zu führen. Doch die Flucht hinterläßt natürlich bei beiden tiefe Spuren, die ständigen Abschiede, Bindungsängste, Sehnsüchte, die Suche nach Sinn und der wahren Liebe im Leben, all das wird entscheidend mitbestimmt von der einmal vor Jahrzehnten getroffenen Entscheidung, die nicht mehr geändert werden kann. Die Konsequenzen müssen beide für den Rest ihres Lebens tragen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Für den Vater ist es vor allem das Kochen, das ihm den dazu nötigen Rahmen bietet, für den Sohn Danny wird es die Schriftstellerei und wiederum sein Sohn Joe.

Doch Ruhe ist den beiden noch immer nicht vergönnt und erst der alternde Danny findet am Ende doch noch wie durch ein Wunder seine große Liebe und scheint noch einmal ein neues glücklicheres Kapitel aufschlagen zu können.

Es ist John Irving wieder einmal gelungen, literarische Figuren zu schaffen, die den Lesern im Gedächtnis bleiben dürften. Ich würde »Letzte Nacht in Twisted River« zu seinen großen Roman zählen; für Irving-Fans ganz sicher wieder ein echter Volltreffer.


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