02.04.2010

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen *****

Buch-CoverAuf Jussi Adler Olsens Krimi »Erbarmen« bin ich eher zufällig gestoßen, als mir der Name des Autors ins Auge fiel. Er klingt ja hinreichend skandinavisch, dass ich neugierig wurde. ;o)

»Erbarmen« ist der Auftakt-Titel einer neuen Krimi-Reihe um den Spezialermittler Carl Mørck. Der hat gerade erst ein ziemlich traumatisches Erlebnis hinter sich, bei dem einer seiner Kollegen erschossen, ein weiterer schwer verletzt wurden, während er selbst mit leichten Blessuren aber traumatisiert davon gekommen ist.

Da er obendrein nicht gerade der umgänglichste Mensch ist, wird er von seinen Vorgesetzten quasi »fortgelobt«, d.h. er wird Chef des neu eingerichteten Sonderdezernats Q. Klingt zunächst gut, doch er ist der einzige Mitarbeiter dort und wird in den hintersten Winkel in den Keller »verbannt«. Letztlich aber kommt das seinem Naturell auch wieder entgegen und so unwohl fühlt er sich dort nicht, auch wenn sein Stolz natürlich einen empfindlichen Dämpfer davonträgt. Wenigstens kann er zusätzlich einen Dienstwagen für sich und eine Art »Mädchen für alles« bei seinem Chef herausschlagen.

Das »Mädchen für alles« ist ein Syrer namens Assad, der eigentlich nur putzen und Carl evtl. mal chauffieren soll. Doch schnell stellt sich heraus, dass Assad höchst interessiert ist an der Polizeiarbeit und sich als Assistent recht brauchbar anstellt. Und so macht sich dieses ungewöhnliche Gespann also an die Arbeit.

Das Sonderdezernat Q soll sich laut Vorgabe mit unaufgeklärten Fällen beschäftigen. Die Akten dieser Fälle werden Mørck stapelweise in sein »Büro« geliefert. Der erste Fall, dem er sich zuwendet ist der einer vor fünf Jahren verschwundenen jungen dänischen Politikerin namens Merete Lynggaard. Sie war in der Politik sehr erfolgreich und schien sich gerade anzuschicken eine Blitzkarriere hinzulegen, als sie auf einer Überfahrt mit der Fähre von Dänemark nach Deutschland spurlos verschwand. Der Verdacht fiel damals zunächst auf ihren seit einem schweren Unfall psychisch schwer geschädigten Bruder Uffe, doch letztlich konnte ihm nichts nachgewiesen werden.

Mørck macht sich daran, die alten Akten noch einmal Stück für Stück durchzugehen, alte Ermittlungsergebnisse zu überprüfen und kalte Spuren erneut aufzunehmen und stößt bald auf gravierende Fehler, die bei den Erstermittlungen gemacht wurden sowie immer größere Ungereimtheiten. Als sich schließlich nach und nach die wahre Geschichte herauskristallisiert, kommt er einem an Grausamkeit eigentlich nicht zu überbietenden Verbrechen auf die Spur.

Ich muss sagen, dass mich dieser Krimi von der ersten bis zur letzten Seite in Bann geschlagen hat. Eine ungewöhnliche Idee, ein dramatischer Fall und Wettlauf gegen die Zeit und dazu ein recht interessantes Ermittler-Duo. Das alles in einem rasanten Tempo und in gut lesbarem Stil geschrieben, was wünscht sich der Krimi-Fan mehr?

Ganz sicher wird das nicht der letzte Band dieser neuen Reihe sein, den ich gelesen habe - im Gegenteil, ich bin schon jetzt gespannt, wann der zweite Band erscheinen wird und hoffe, dass das nicht allzu lange dauern wird - wobei ich allerdings auch hoffe, dass man Jussi Adler Olsen, die nötige Zeit lässt und ihn nicht zu einer schnellen weiteren Veröffentlichung drängt, denn so ein Vorgehen hat schon manchen vielversprechenden skandinavischen Krimiautor »verbrannt«. Lieber warte ich ein wenig länger und bekomme einen Nachfolgeband, der qualitativ auf demselben Level bleibt als husch husch ein neuer Band auf den Markt geworfen, der dann aber nicht mithalten kann.

april meinte dazu am 03.04.2010:

Da hast du wohl eine „Entdeckung“ gemacht, die ich sofort in meine Bücherliste übernommen habe. 5 Sterne, das will was heißen. Danke für den guten Tipp.



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