21.03.2010

Abraham Verghese: Rückkehr nach Missing *****

Buch-Cover»Rückkehr nach Missing« ist beileibe nicht das erste Buch des indischstämmigen aber in Äthiopien geborenen und aufgewachsenen Arztes Abraham Verghese aber das erste Buch, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Es ist einerseits eine große Familiensaga - allerdings mit einer sehr sehr ungewöhnlichen »Familie«, die eher zufällig zueinander kommt und doch sehr eng miteinander verbunden ist, andererseits auch ein Arzt- oder Medizinroman.

Hauptfiguren sind die eineiigen Zwillinge Marion und Shiva Stone, deren Mutter bei der Geburt stirbt und deren Vater, traumatisiert durch dieses Erlebnis, außer Landes geht. Die Zwillinge bleiben in Äthiopien zurück, wo sie von einem Ärztepaar die am Missionshospital Missing arbeiten großgezogen werden. Mit ihnen wächst die nur wenig jüngere Genet auf, die Marions große Liebe ist. Doch Genet entzieht sich ihm immer wieder und die Tatsache, dass Marion von seinem Traum einer Verbindung mit ihr nicht lassen kann, zieht ungeahnte und zum Teil dramatische Folgen für alle Beteiligten nach sich. Letztlich wird es auch Genet sein, die zu einem tiefreichenden Zerwürfnis zwischen den Zwillingen beiträgt.

Beide Zwillinge werden Ärzte. Shiva wird ein anerkannter Fistel-Experte, wenn auch ohne offizielles Studium oder Ausbildung und Marion geht schließlich in die USA, um dort seine medizinische Ausbildung fortzusetzen. Dort trifft er zufällig auf seinen leiblichen Vater, der inzwischen zu einer Lebertransplantationskoryphäe geworden ist und dann taucht überraschend auch noch Genet auf, um ein letztes Mal alle in einen Strudel von Ereignissen zu reißen.

Mir hat der Roman »Rückkehr nach Missing« ausgesprochen gut gefallen. Vieles was beschrieben wurde, erinnerte mich bittersüß an meine eigene Zeit in Afrika. Die Geschichte ist absolut packend und nimmt viele überraschende Wendungen bis hin zu einem dramatischen Höhepunkt der schließlich in ein versöhnliches aber nicht etwa süßliches Ende mündet.

Zugleich erfahren die Leser einiges über Äthiopien während Kaiser Haile Selassies Herrschaft und der späteren Diktatur unter Major Mengistu Haile Mariam, den Befreiungskampf Eritreas sowie über das Leben, die Sitten und Gebräuche der Äthiopier und der Exilanten, die im beschriebenen Zeitraum das Land verlassen und nach Europa oder in die USA gehen mussten.

Mir persönlich hat auch der recht hohe Anteil des Romans der sich mit medizinischen Themen befasst sehr gut gefallen. Allerdings habe ich natürlich einen persönlichen Bezug dazu, weil ich ja - wenn auch in einem anderen afrikanischen Land - vor Ort mitbekommen haben, mit welchen Krankheiten die Menschen sich dort plagen, welche Folgen das oft für sie und ihre Familien hat, weil Aberglaube und Unwissenheit solche Erkrankungen ganz anders interpretieren, und wie Ärzte und medizinisches Personal oft unter unvorstellbaren Bedingungen großartige Arbeit leisten und zu improvisieren wissen, um den Kranken zu helfen und lebensgefährlich verletzte Menschen zu retten.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Leser die keinerlei medizinische Vorbildung haben bzw. sich für solche Themen nicht so interessieren, etwas Mühe mit dem Roman haben könnten, weil für sie die Teile, die sich mit diesen Themen befassen vermutlich schlicht zu spezifisch und umfangreich sind. Allerdings kann man diese Teile dann auch problemlos überspringen und dem Hauptstrang der Geschichte folgen.


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