28.12.2009

Rebecca Gablé: Hiobs Brüder ****

Buch-CoverNach langer Zeit wollte ich mal wieder ein Buch von Rebecca Gablé lesen und griff zu ihrem jüngsten Roman »Hiobs Brüder«. Darin erzählt sie eine im 12. Jahrhundert angesiedelte Geschichte um eine eingeschworene Gruppe von Männern, die sich auf einer umtosten Insel begegnet sind, auf der sie aufgrund von psychischen und körperlichen Gebrechen eingesperrt waren. Für die sog. Gesunden der damaligen Zeit galt zum Beispiel jemand, der an Epilepsie litt schnell als von Dämonen besessen.

So kommt der junge Simon de Clare auf die Insel. Anführer der Männer dort ist Losian, ein Mann, der sein Gedächtnis verloren hat und nicht weiß, wer er eigentlich ist. Dann ist dort der Heilige Edmund, ein Mann, der von sich selbst glaubt eine Art Reinkarnation des ehemaligen englischen Königs Edmund zu sein. Luke ist ein alter Mann, der glaubt in seinem Innern lebe eine Schlange, die nur darauf warte ihn von innen heraus aufzufressen. Oswald ist mit Down-Syndrom geboren und dann sind da auch noch die Siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric. Von den anderen wegen seiner wirklichen Gefährlichkeit abgesondert und angekettet befindet sich auch noch Reggy auf der Insel. Er ist ein mehrfacher Mörder und äußerst durchtrieben.

Bei einem furchtbaren Sturm kommen andere bedauernswürdige Insassen dieses Insel-Gefängnisses ums Leben aber dem kleinen Trupp gelingt die Flucht von der Insel. Gemeinsam machen sie sich auf, um entweder ihr altes Leben zurückzuerobern oder einen Neuanfang zu wagen. Bald merken sie aber, dass das so einfach nicht geht. Ihnen schlagen Ablehnung, Mißtrauen und Mißgunst entgegen. Erst als der kleine Trupp auf den jüdischen Arzt Josua ben Isaac, der ihnen hilft, stößt, beginnt sich das Blatt langsam zu wenden.

Als Losian eines Tages eine Burg betritt, stellt sich heraus, dass es seine Heimatburg ist und er selbst drei Jahre spurlos verschwunden war. Mithilfe seiner Familie und vor allem wieder Josua ben Isaacs gelingt es ihm endlich sein Gedächtnis wiederzufinden. Doch er und auch seine Umgebung stellen fest, dass er nicht mehr der Mann ist, der er vor den Ereignissen war.

Derweil versinkt England in Terror und Anarchie, weil der Kampf zwischen König Stephen und Kaiserin Maud um die Herrschaft in England das Land verheert. Doch da ist auch noch der junge Henry Plantagenet, der zufällig auf den Trupp gestoßen ist und der älteste Sohn von Kaiserin Maud ist. Er scheint das Potential zu einem König für England zu haben und die Protagonisten des Romans müssen sich entscheiden, ob sie ihn unterstützen wollen oder nicht.

Mir hat dieser historische Roman recht gut gefallen. Der kleine Trupp vom Leben geschlagener Männer wächst einem während der Lektüre ans Herz und es gelingt Rebecca Gablé, zu vermitteln in was für eine schwierigen Situation Menschen mit Behinderungen gleich welcher Art, in der damaligen Zeit waren. Nur zusammen können diese Männer ihr Schicksal meistern und erweisen sich je länger je mehr als »die besseren Menschen«, ja wachsen über sich hinaus.

Ein guter historischer Roman zum wegschmökern.


Dein Kommentar:

(alle Felder müssen ausgefüllt sein, sonst wird der Kommentar nicht angenommen!)



(wird nicht angezeigt)









weiter