22.12.2009
Wolfgang Schorlau: Das München-Komplott ****

Kurz vorm Jahresende erfreut Wolfgang Schorlau die Fans seines Privatermittlers Georg Dengler mit einem neuen Band der Serie. Es ist bereits Denglers fünfter Fall. Von seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem BKA, wird er gebeten, noch einmal die Ermittlungsakten der Sonderkommission Theresienwiese über den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 zu überprüfen.
Es dauert nicht lange und Georg Dengler stößt auf Ungereimtheiten, seltsame Vorgehensweisen der damaligen Ermittler, stellt fest, dass wichtige Zeugen von damals auf verdächtige Weise gestorben sind und gerät plötzlich führen seine Nachforschungen ihn an Abgründe, die ihn zutiefst in seinem Rechtsempfinden erschüttern.
Was hatte der deutsche Verfassungsschutz mit dem Anschlag damals zu tun? Warum verfolgten die Ermittler damals nicht die Hinweise, dass es sich um mehrere Täter gehandelt haben muss? Was hat es mit dem einzelnen abgerissenen Finger auf sich, der immer noch in der Asservatenkammer liegt und noch keinem Opfer zugeordnet werden konnte? Welche Rolle spielten der offizielle Täter und die Neo-Nazis und was hat der Amerikanische Militärgeheimdienst mit der ganzen Angelegenheit zu schaffen. Dengler erhält einen Hinweis auf ein »Field Manual« dieses Geheimdienstes, dass offenbar hoch geheim ist und als es ihm trotzdem gelingt den Text in seine Hände zu bekommen, schweben er selbst und seine Freunde plötzlich in höchster Lebensgefahr.
Wolfgang Schorlau hat wieder eine Geschichte aufgetan, die sich hervorragend für einen Krimi dieser Reihe eignet und allein, wie er auf diese Geschichte gestoßen ist, ist schon abenteuerlich genug und kann im Anhang nachgelesen werden, ebenso wie ein Abdruck des erwähnten »Field Manuals«. Wolfgang Schorlau wundert sich zu Recht, warum der Anschlag auf das Münchner Oktoberfest fast in Vergessenheit geraten ist, obwohl es sich dabei um den größten Terroranschlag in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg handelte und als Leser beschleicht einen zusammen mit seinem Ermittler Dengler ein wachsendes Unbehagen, bei dem, was da ans Tageslicht gefördert wird, gerade weil klar ist, dass es sich hier nicht um eine völlig erfundene Geschichte handelt und spätestens wenn man dann zunächst einen Ausschnitt, später das komplette Field Manual gelesen hat, wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass wirklich alles nur erfunden wäre. Tatsächlich aber eröffnet sich ein Blick auf Aspekte von Politik, heimischer und fremder Geheimdienste und deren Vorgehen, der es einen wirklich grausen läßt, selbst wenn man nicht völlig naiv durch die Welt läuft und sich nicht im Entferntesten vorstellen kann, wie da hinter den Kulissen Fäden gezogen werden, um bestimmte Ziele zu erreichen.
»Das München-Komplott« ist wieder ein spannender, lehrreicher und aufrüttelnder Krimi aus Schorlaus Feder, im Übrigen allen »aufrichtigen Bullen« gewidmet, »die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen und oft genug unter Vorgesetzten leiden, die ausschließlich an ihren persönlichen Vorteil und ihr persönliches Fortkommen denken«.
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