30.11.2009

Bernard Cornwell: Das Zeichen des Sieges ****

Buch-CoverWährend ich gespannt auf den fünften Band von Bernard Cornwells Sachsen-Saga über Alfred den Großen und seine Zeit warte, habe ich zu einem weiteren seiner historischen Romane gegriffen.

In »Das Zeichen des Sieges« erzählt Cornwell von der legendären Schlacht von Azincourt während des Hundertjährigen Kriegs zwischen Engländern und Franzosen. Sein Protagonist ist diesmal Nicholas Hook, ein englischer Langbogenschütze. Bevor Nicholas Hook mit dem englischen König Henry V. (Heinrich V.), der Anspruch auch auf die französische Krone erhob, gegen England zieht, ist er Forstmann bei einem Adligen und in eine seit Generationen andauernde Familienfehde mit den Männern der Familie Perrill verstrickt. Als er einen Priester, der zur Familie Perrill gehört, schlägt wird er geächtet und flieht. Verschiedene Umstände führen dazu, dass er schließlich von König Heinrich V. als Langbogenschütze in Dienst genommen wird.

Bei einem ersten Aufenthalt in Frankreich ist Nicholas in der Stadt Soissons, die Widerstand gegen den französischen König Karl VI. leistete und schließlich von den Franzosen vollständig zerstört wird. Nicholas wird Zeuge des brutalen Gemetzels in der gefallenen Stadt und rettet die Französin Melisande. Zusammen mit ihr rettet er sich zurück nach England und die beiden sind von da an unzertrennlich.

Mit König Henry V. zieht er schließlich erneut gegen Frankreich und nimmt an der Belagerung der Stadt Harfleur teil, die erbitterten Widerstand leistet. Der unerwartet lange und heftige Kampf um die Stadt und widriges Wetter dezimieren das englische Heer sehr. Trotzdem zieht Henry V. nach dem Fall der Stadt weiter nach Calais, um seinen Anspruch auf die französische Krone zu bekräftigen. Doch Frankreich hat inzwischen ein riesiges Heer aufgeboten und so kommt es schließlich zu der Schlacht von Azincourt.

Die Zahlen über die Teilnehmer auf beiden Seiten der Front sind unter Gelehrten umstritten, unbestritten ist aber die drückende Überlegenheit der Franzosen. Der Sieg über die Engländer schien eine ausgemachte Sache. Doch am 25. Oktober 1415, am Tag des Heiligen Crispian, der auch für Nicholas Hook eine besondere Bedeutung hat, kommt es zu einem überraschenden Ausgang der Schlacht, was vor allem den zahlreichen englisch-walisischen Langbogenschützen, denen die Franzosen nichts entgegenzusetzen hatten, zu verdanken.

Bernard Cornwell erzählt diese Geschichte mit viel historischem und Detail-Wissen und vermittelt seinen Lesern auf diese Weise auch etwas vom Grauen der damaligen Schlachten, Mann gegen Mann. Er erzählt nicht nur von heroischem Mut sondern auch von den Ängsten und Leiden der einfachen Soldaten, von der seltsamen Vermischung von eigenem Machtinteresse und Religiosität bei den Herrschern, die beide glaubten Gott auf ihrer Seite zu haben sowie von den ritterlichen Tugenden und Regeln, die auch im wildesten Kampf galten und der Hoffnung der einfachen Soldaten auf Reichtum, den sie durch die Gefangennahme feindlicher Adliger, zu erringen versuchten.

Es ist teilweise wirklich heftig die Beschreibungen aus den Schlachten zu lesen, zumal die sich über diverse Seiten ziehen können und voller Dreck, Brutalität, Leid und Tod sind. Doch mit dieser ausführlichen Schilderung erreicht Cornwell zugleich, das eine Art Glorifizierung des Krieges, selbst wenn es sich um eine legendäre Schlacht handelt, gar nicht erst aufkommt und folgerichtig schließt er den Roman dann auch mit einem ausführlichen Nachwort und einem Zitat ab, das sich dagegen ausspricht, den Krieg zu rühmen und betont, dass der Frieden ein Schatz ist.

Hanjo meinte dazu am 30.11.2009:

Deinen letzten Satz, Liisa, kann ich nur unterstreichen: als ich Cornwell las , waren die Schilderungen des Grauens und der Unerbittlichkeit des Krieges das mich am stärksten Beeindruckende. Und im Nachsinnen ist es das Empfinden von Glück gewesen, dass wir (Europäer hier und heute) in Frieden leben (mit allen Mahnungen, die daraus erwachsen).



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