08.11.2009

Chufo Lloréns: Das Vermächtnis des Marti Barbany *****

Buch-CoverChufo Lloréns ist ein 1931 in Barcelona geborener Schriftsteller. Ursprünglich studierte er Jura und arbeitete später lange am Theater, bis er begann historische Romane zu schreiben, die ihm in Spanien bereits ein großes Publikum und Literaturpreise einbrachten. Nun ist sein Roman »Das Vermächtnis des Marti Barbany« ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht worden. Dieser Roman war im vergangenen Jahr einer der meistverkauften Romane in Spanien.

Auf 700 Seiten entführt Chufo Lloréns seine Leser ins mittelalterliche Barcelona, wo sie den Abenteuern des Marti Barbany, eines einfachen jungen Mannes der versucht, sich mit Aufrichtigkeit, Mut und Risikobereitschaft in Barcelona zu etablieren. Sein Vater hat ihm überraschend ein großes Erbe hinterlassen, das ihm die Ausgangsbasis dafür bietet. Mit Hilfe des Juden Baruch Benvenist erwirbt Marti das nötige Wissen und die nötigen Kontakte, um sein Vermögen mit Hilfe des Handels weiter zu vergrößern.

In Barcelona herrscht Graf Ramón Berenguers I. zusammen mit seiner Geliebten und späteren Gemahlin Almodis de la Marche. Ihretwegen kam es zu einem Zerwürfnis mit seiner Großmutter Ermesenda von Carcassonne und zeitweise wurde sogar der Bann über den Grafen und Barcelona vom Papst verhängt.

Einer der einflußreichsten Ratgeber des Grafen ist Bernat Montcusí, ein listiger und habgieriger Mann, der nicht davor zurückschreckt alle Mittel, die ihm nötig erscheinen, einzusetzen, um seine Stellung und seinen Reichtum zu wahren. Er lebt in einem großen Haus zusammen mit seiner Stieftochter Laia.

Zufällig kommt es zu einer kurzen Begegnung zwischen Marti und Laia und die reicht aus, dass die beiden sich unsterblich ineinander verlieben. Doch Bernat Montcusí hat andere Pläne mit seiner Stieftochter und es kommt für ihn überhaupt nicht in Frage sie Marti Barbany, der noch nicht einmal das Bürgerrecht in Barcelona hat, zur Frau zu geben. Das wird ein weiterer Ansporn für Marti sich hochzuarbeiten, denn er hofft, wenn er erst einmal das Bürgerrecht errungen hat, doch noch Bernat Montcusis Zustimmung zu erhalten.

Marti geht auf eine längere Reise, um neue Kontakte zu knüpfen und zu entscheiden, von wo er welche Waren einkaufen will, um damit in Barcelona zu handeln. Unterwegs erhält er dann eines Tages einen Brief von Laia, die ihm darin mitteilt, dass sie die Beziehung zu ihm beendet. Marti kann es nicht fassen und entdeckt Hinweise, die ihn mißtrauisch werden lassen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht.

Als er schließlich nach Barcelona zurückkehrt erwarten ihn einige böse Überraschungen, die in einen Kampf auf Leben und Tod zwischen ihm und Bernat Montcusi münden. Noch einmal muß Marti Barbany mit Unterstützung seiner Freunde alles wagen, um seine Zukunft zu sichern.

Chufo Lloréns hat einige Jahre in seiner Heimatstadt für diesen Roman recherchiert, um das mittelalterliche Barcelona möglichst wahrheitsgetreu abbilden zu können. Das Ergebnis dieser Recherchen ist wirklich ein sehr vielseitiges und sinnenfrohes Stadtpanorama, in das seine Leser eintauchen können. Die Geschichte selbst ist bis zum Ende spannend und voller überraschender Wendungen.

Ich habe mich bei der Lektüre stellenweise an den im vergangenen Jahr hier bei uns in Übersetzung erschienenen Roman »Die Kathedrale des Meeres« von Ildefonos Falcones erinnert gefühlt. Falcones lebt ja ebenfalls in Barcelona und auch sein Roman spielt in der Stadt, allerdings 300 Jahre später als Chufo Lloréns Roman. Wer »Die Kathedrale des Meeres« gelesen und gemocht hat, wird auch mit Chufo Llorens »Das Vermächtnis des Marti Barbany« glücklich werden und ebenfalls alle, die einen guten Historienschmöker zu schätzen wissen.


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