30.10.2009

Carolina De Robertis: Die unsichtbaren Stimmen *****

Buch-CoverDie 1975 geborene Carolina De Robertis ist uruguayischer Abstammung, selbst aber in England, der Schweiz und Amerika aufgewachsen, wo sie auch heute noch lebt und bisher als Übersetzerin gearbeitet hat. Nun hat sie ihren Debütroman »Die unsichtbaren Stimmen« vorgelegt, der zum größten Teil in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, spielt.

Erzählt wird eine große Familiensaga, die ihren Ausgang nimmt mit der Geburt eines Kindes, eines kleinen Mädchens, das später den Namen Pajarita (Kleiner Vogel) erhält, weil es erst spurlos verschwunden ist und dann wie ein Wunder aus einem Baum fällt. Allein diese Geschichte gleich zu Beginn des Romans zieht einen als Leser schon in ihren Bann ist aber erst der Auftakt zu einem prallen Roman, dessen drei Teile jeweils einer starken Frauenfigur aus dieser Familie gewidmet sind, zum einen Pajarita, dann ihrer Tochter Eva und schließlich ihrer Enkelin Salomé.

Pajarita stammt aus einem armen Dorf und lernt Ignazio kennen, der ursprünglich aus einer venezianischen Gondelbauerfamilie stammt aber nach Uruguay ausgewandert ist. Die beiden werden ein Paar und bekommen vier Kinder, darunter ihre Tochter Eva.

Eva wird später Dichterin, geht nach Argentinien wo sie heiratet und zwei Kinder bekommt, bevor sie mit ihrem Mann während der argentinischen Diktatur das Land verlassen und nach Uruguay zurückkehren muss. Es kommt zum Bruch mit ihrem Mann, der nach Argentinien zurückkehrt, während sie ihre Kinder alleine in Uruguay aufzieht.

Ihre Tochter Salomé schließlich geht in den Widerstand als sich auch in Uruguay eine Diktatur bildet und zahlt einen hohen Preis dafür, der sie bis in die Folterkammern der Machthaber und für viele Jahre ins Gefängnis führt, wo sie wiederum eine Tochter bekommt, die das Ergebnis einer Vergewaltigung durch die Folterer ist.

Ich muss sagen, dass ich von diesem Romandebüt wirklich sehr sehr beeindruckt bin. Carolina De Robertis erzählt diese Geschichte wunderbar und ich mochte das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und war bis zur letzten Seite gefesselt.

Es wäre diesem Roman sehr zu wünschen, dass er eine große Leserschaft findet und den Namen Carolina De Robertis sollte man sich auf jeden Fall merken. Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf ihren nächsten Roman, der hoffentlich bald erscheinen wird.

edda meinte dazu am 30.10.2009:

ich habe von diesem Buch erst durch Deinen Blog erfahren, vielen Dank. Nach dem, was ich bei Dir lese, erinnert mich der Inhalt ein bisschen an „Das Geisterhaus“. Finden sich in diesem Buch auch Momente das magischen Realismus, wie bei Garcia Marques oder Allende?


Liisa meinte dazu am 30.10.2009:

Hallo Edda! Freut mich, dass ich Dich durch diese Besprechung auf das Buch aufmerksam machen konnte. Die Antwort auf Deine Frage lautet: Ja, es finden sich auch in diesem Roman Momente des magischen Realismus aber nicht zu viel.



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