09.08.2009

Willa Cather: Schatten auf dem Fels *****

Buch-CoverIch muß gestehen, dass mir die amerikanische Schriftstellerin und Pulitzerpreisträgerin Willa Cather bisher völlig unbekannt war. Zufällig hörte ich dann eine Besprechung ihres Romans »Schatten auf dem Fels«, der dieses Jahr bei Manesse erneut veröffentlicht wurde und wurde neugierig.

In diesem Roman erzählt sie von den frühen französischen Pionieren, die sich im kanadischen Quebec niedergelassen haben. Die französische Apothekerfamilie Auclair wandert Ende des 17. Jahrhunderts nach Kanada aus. Die Mutter erträgt diese Auswanderung in die »Wildnis« nur indem sie versucht, ihre alte Welt 1:1 in der neuen Welt wiedererstehen zu lassen. Der Vater ist Apotheker im Dienst des Grafen Frontenac, der zweimal vom französischen König als Gouverneur von Kanada eingesetzt wurde und seinen Apotheker mit in die neue Welt nahm. Zur Familie Auclair gehört auch noch die kleine Tochter Cécile. Die Mutter stirbt bald nach der Ankunft in Kanada und fortan übernimmt die kleine Cécile es ihrem Vater den Haushalt zu führen und müht sich redlich den haushälterischen Idealen ihrer Mutter nachzueifern. Rund um Vater und Tochter erzählt Willa Cather nun etwa zwei Jahre sehr dicht und läßt das Quebec der damaligen Zeit überaus lebendig noch einmal auferstehen.

Der Vater, der Graf und auch der alte Bischof Laval sowie der jüngere neue Bischof de Sait-Vallier stehen für die »alte« Welt, Cécile, ihr jüngerer Gefährte Jacques Gaux und der Waldläufer Pierre Charron stehen für das im Werden begriffene neue Kanada. Zwar ist Cécile noch im alten Frankreich geboren, doch so jung nach Kanada gekommen, dass sie schon zu den »neuen Kanadiern« gezählt wird. Willa Cather erzählt vom Zusammenhalt der französischen Siedler, ihren Mühen und Kämpfen beim Aufbau der neuen Heimat und Nation. Sie erzählt vom Stolz der französischen Siedler auf ihre Herkunft und Kultur - in Abgrenzung zu Siedlern mit nichtfranzösischem Hintergrund in Kanada - und von der Bedeutung des katholischen Glaubens im Alltagsleben der Siedler.

Am Ende des Buches in einem Epilog, der dreizehn Jahre später angesiedelt ist, erzählt Willa Cather noch kurz von der weiteren Entwicklung Quebecs und ihrer Protagonisten und bringt den Roman damit zum Abschluß.

Mir hat sehr gut gefallen, wie Willa Cather diese Geschichte erzählt, ihre Sprache, Personen- und Landschaftsbeschreibungen sind wirklich sehr schön. »Schatten auf dem Fels« wird mit Sicherheit nicht der letzte Roman sein, den ich von Willa Cather gelesen haben werde. Schön, dass der Knaus Verlag und der Manesse-Verlag ihre Romane neu auflegen. Hier ist eine in Deutschland bisher noch weitgehend unentdeckte amerikanische Schriftstellerin, die es zu entdecken gilt.

Joachim meinte dazu am 15.08.2009:

Willa Cather ist wirklich eine Entdeckung, eine Frau, die sich im wüsten wilden Westen durchgesetzt hat. Einer der stärksten Romane ist „Meine Antonia“ (http://www.lesenblog.de/2008/03/25/397/) - wirklich ein Schatz, den Knaus und Manesse da gerade heben.



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