30.05.2009

Alexandre Dumas: Der Graf von Sainte-Hermine *****

Buch-CoverDer Name des französischen Schriftstellers Alexandre Dumas (dem Älteren) ist weltweit bekannt und berühmt. Seine Romane wie z.B. »Der Graf von Monte Christo« oder »Die drei Musketiere« zählen zu den französichen Klassikern. Der letzte von ihm verfaßte Roman trägt den Titel »Der Graf von Sainte-Hermine« und war lange verschollen, bis der Dumas-Forscher Claude Schopp 1990 eher zufällig in der Französischen Nationalbibliothek auf die Manuskripte stieß. Weitere Recherche brachte noch drei weitere Kapitel in Prag wieder ans Tageslicht. 2005 erschien dann die französische Ausgabe auf dem Buchmarkt, 135 Jahre nach Dumas Tod.

In diesem Jahr nun ist die deutsche Übersetzung bei Blanvalet erschienen. Der unvollendet gebliebene Roman umfaßt 941 Seiten, sowie noch einmal fast 100 Seiten, die ein Nachwort des Herausgebers, Anmerkungen und Erläuterungen, biographische Notizen zu Alexandre Dumas sowie eine Bibliographie der von ihm für den Roman verwendeten Quellen und eine Zeittafel enthalten. Die deutsche Übersetzung dieses umfangreichen Historienromans verdanken wir der schon mehrfach für ihre Übersetzungsarbeit ausgezeichneten Melanie Walz.

Wer die Buchdeckel von »Der Graf von Sainte-Hermine« öffnet, der begibt sich wahrhaftig auf eine Zeitreise zurück in die unmittelbare Zeit und politischen Wirren nach der Revolution und auf eine Abenteuerreise. An der Seite des Protagonisten, dem Grafen von Sainte-Hermine, erleben die Leser nicht nur die politischen Wirren rund um die französische Revolution bzw. der unmittelbaren Zeit danach, sie erleben einen Teil des Aufstiegs Napoleon Bonapartes mit, sie werden Zeugen einer großen Liebe, die ihre Erfüllung nicht findet, sie gehen mit französischen Kosaren auf Kaperfahrt, sie folgen dem Protagonisten bis ins ferne Birma und bestehen mit ihm auch dort manche Abenteuer, sie werden Zeugen der Schlacht von Trafalgar und und und. Dieser Roman ist so prall, so voll von Geschichte und Abenteuern, sein Held könnte mutiger, klüger und edler nicht sein - da schlägt der Romancier und Idealist Dumas voll durch.

Allerdings habe ich etwas gebraucht, um mich in den Roman hineinzulesen, denn zu Beginn geht es sehr viel um die Historie und erst wenn der eigentliche Held auftaucht, nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf und reißt einen in ihren Sog. Und am Ende habe ich zutiefst bedauert, dass es Alexandre Dumas nicht vergönnt war, diesen Roman selbst zu beenden. So bleibt das weitere Schicksal des Grafen von Sainte-Hermine offen und den Spekulationen der Leser überlassen. Welches Ende Dumas ihm gegönnt hätte, wer will das wissen. Sicher aber ist, dass die Leser dem Helden die Erfüllung seiner Träume und großen Liebe von Herzen gönnen würden.

Dieser Roman beweist noch einmal welch große Erzählgabe Alexandre Dumas bessessen hat, welche Erzählkraft. Selbst da, wo er immer wieder vom Haupterzählstrang der Geschichte abweicht und Exkursionen zu allen möglichen Themen unternimmt, bin ich immer gerne gefolgt, schlicht weil er so packend und interessant zu erzählen weiß. Unterhaltung auf höchstem Niveau bei der man auch noch eine Menge lernen kann.

Was für ein Glück, dass dieser Roman nicht auf ewig verschollen geblieben ist und wir jetzt - wenn wir wollen - die Gelegenheit haben ihn zu lesen.

tinius meinte dazu am 31.05.2009:

Ui, Du warst aber fix. Ich hab mir das Buch auch gleich besorgt, auch wenn mir eine vollständige und ungekürzte Musketiere - Trilogie eigentlich wichtiger gewesen wäre. Vielleicht läßt sich Blanvalet ja erweichen... LG tinius


Liisa meinte dazu am 02.06.2009:

Jaha! Da war ich fix! :) Hast Du den Roman schon durchgelesen oder bist Du noch dran und wenn Du ihn schon gelesen hast, wie hat er Dir gefallen?


tinius meinte dazu am 03.06.2009:

Nee, ich lese gerade ein anderes Monsterwerk - „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen, der Dumas darf noch ein wenig lagern. LG tinius


Liisa meinte dazu am 04.06.2009:

Ah ja, das ist wirklich auch ein ziemlicher Wälzer. Ich habe den Roman im Februar gelesen und fand ihn nicht übel. Mit Dumas Roman allerdings nicht im Entferntesten zu vergleichen. ;o)



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