24.09.2004
Der neue Roman von Rafik Schami "Die dunkle Seite der Liebe" ist ein Roman, der in langen Jahren herangereift ist und das merkt man. Wie ein Mosaik setzt sich die Geschichte, die ein Jahrhundert syrischer Geschichte, vor allem aber die Familiengeschichte zweier miteinander verfeindeter Clans, umspannt, zusammen. Daß Rafik Schami ein begnadeter Erzähler ist, ist längst bekannt, daß er dies auch über einen fast 900seitigen Roman durchhalten kann, die Erkenntnis die man nach der Lektüre dieses Romans gewinnen kann. Im Grunde hat er mit diesem Roman auch seiner Heimatstadt Damaskus ein literarisches Denkmal gesetzt, das Denkmal eines Mannes im Exil. Für den westlichen Leser ist es interessant zu lesen, wie die Politik Einfluß nimmt auf das Leben des Einzelnen - sogar, wenn er sich politisch gar nicht engagiert. Es ist eine uns fremde Welt - auch wenn wir heutzutage schon viele Bilder und Berichte aus diesem Teil der Welt sehen - die uns Schami eröffnet und man bekommt zumindest ein wenig eine Ahnung davon, wie Menschen unter diesen Bedingungen leben. Für Rafik-Schami-Fans auf jeden Fall zu empfehlen aber auch für alle anderen, die bisher vielleicht eher einen Bogen um seine Bücher gemacht haben, weil sie meinten ein "Märchenschreiber" könne nicht gut schreiben.