16.01.2009
Santiago Roncagliolo: Roter April ****

Santiago Roncagliolo wurde 1975 in Lima, Peru, geboren, verbrachte aber seine Kindheit und Jugend in Mexiko, wohin seinen Eltern mit ihm ins Exil gegangen waren. In den 80er Jahren kehrte er nach Peru zurück und erlebte dort genau die Zeit, in der die Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Angehörigen des sog. »Leuchtenden Pfads« ihren Höhepunkt erreichten und das Land von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissen wurde.
In seinem Kriminalroman »Roter April« führt er die Leser zurück in diese Zeit. Der Staatsanwalt Félix Chacaltana ist erst vor kurzem in die abgelegene Andenstadt Ayacucho gekommen und versucht dort Fuß zu fassen und die Machtverhältnisse vor Ort zu entschlüsseln. Zu Beginn der Karwoche wird eine Leiche gefunden, die fast völlig verkohlt ist und der ein Arm fehlt. Chacaltana bekommt den Fall auf den Schreibtisch, während ihm der Militärkommandant vor Ort sehr deutlich macht, dass sich keiner für Aufklärung interessiert.
Normalerweise ist Chacaltana ein Bürokrat, der sich an Weisungen hält aber diesmal kann er nicht anders, als der Sache nachzugehen, zumal es bei der einen Leiche nicht bleibt. Schnell kommt der Verdacht auf, eine Zelle des Leuchten Pfads könnte die äußerst brutalen Morde begangen haben. Je mehr Opfer, desto näher stehen sie Chacaltana und in der sich immer weiter aufheizenden Atmosphäre der Karwoche in der Feierlichkeiten, Religion und Aberglaube eine schwer zu trennende Melange eingehen, hat er selbst das Gefühl immer tiefer in einen albtraumhaften Strudel gezogen zu werden.
Es ist schon recht heftige Kost, die Santiago Roncagliolo, den Lesern zumutet, erst recht, wenn man weiß oder am Ende des Buches erfährt, dass die brutalen Foltermaßnahmen und Mordmethoden keinesfalls reine Erfindung sind. Es gelingt ihm den Lesern auch eine Ahnung von der Atmosphäre der Angst, des Mißtrauens, der Bespitzelung und Denunziation der damaligen Zeit zu vermitteln und wie schwierig es war und ist zu entscheiden, wer die jeweils Schuldigen waren.
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