25.10.2008

Literatur kulinarisch: Tronds und Hillevis Hochzeitsmahl

Kerstin Ekman: Am schwarzen Wasser
Zuerst aßen sie Renzunge und gut gelagerten Ziegenkäse zum Appetitschnäpschen. Danach gab es Topinamburpüree mit gerösteten Brotscheiben. Dazu wurde Sherry gereicht. Dann kam der sogenannte erste Gang. Er bestand aus einem großen eingelegten Saibling mit Geleewürfeln. Der Fisch kam in mehreren Erscheinungsformen auf die Tische, und es gab Würzsauce und gekochte Mandelkartoffeln dazu. Der Wein stammte vom Rhein und war goldgelb.
Danach aßen sie Renbraten mit glacierten Zwiebeln und einer Sauce aus getrockneten Morcheln, die in Madeira eingeweicht worden waren. Ferner gab es Moosbeerengelee und eingemachte Hagebutten. Dazu wurde Kartoffelstampf aus einer Kartoffelsorte gereicht, die weißer als Mandeln war und sich sehr gut zum Pürieren eignete. Eine Hausdame behielt die Serviererinnen im Auge und beantwortete Hillevis Fragen zu den Gerichten. Zum Braten tranken sie Rotwein mit dunklem, erdigem Geschmack.
Auf den Renbraten folgte unvermutet Brot und Butter. Hillevi begriff, daß es wegen des zweiten Schnapses war. Danach kam das Geflügel. Am Haupttisch wurde Auerhahn serviert weiter unten Birkhahn. Zu trinken bekamen sie wieder von diesem dunklen roten Wein. Die Saucen waren von der geschabten Geflügelleber ganz grießig. Hillevi fand, daß sie sie ruhig durch ein Tuch hätten passieren können.
Zum Käse, der nach dem Gebratenen aufgetragen wurde, gab es erneut Schnaps. Es waren sowohl angemachter als auch grünschimmliger Käse, große Stücke von reifem Västerbotten und weicher Renkäse.
Zum Nachtisch gab es russische Charlotte, deren Cremefüllung nicht mit Himbeeren, sondern mit Moltebeeren gemacht war. Sie bekamen Mandelplätzchen dazu, und zum Kaffee wurde Blätterteiggebäck aufgetragen. Die Hochzeitstorte kam ganz zum Schluß, und anschneiden mußte Trond sie. Bevor er sich an die Sahneschichten machte, legte er Hillevi die rosa Marzipanrose vor und erhielt dafür Applaus und einen Tusch mit der Geige.



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