05.04.2008

Edvard Hoem: Die Geschichte von Mutter und Vater ***

Buch-CoverDas Buch enthält genau das, was der Titel sagt: »Die Geschichte von Mutter und Vater«. Erzählt wird sie vom Sohn Edvard Hoem, einem norwegischen Schriftsteller, Theaterregisseur und Shakespeare-Übersetzer.

Die Eltern stammen beide aus bäuerlichen Familien, geprägt vom harten arbeitssamen Leben in der rauhen Natur und von tiefer Religiosität. Der Vater empfängt früh »den Ruf« und wird Reiseprediger der Inneren Mission, was bald darauf ein Problem wird, da er zugleich - nach dem Tod des ältesten Bruders und dem Wahnsinn des nächstälteren Bruders - der Hoferbe ist.

Die Mutter lernt früh hart zu arbeiten, träumt aber von einem anderen Leben. Als der zweite Weltkrieg kommt und die Deutschen Norwegen besetzen, lernt sie einen deutschen Soldaten kennen und verliebt sich unsterblich in ihn. Von seiner Seite ist es keine echte Liebe und so bleibt die Mutter als junge Frau, schwanger allein zurück als die Deutschen sich auf dem Rückzug befinden. Obendrein gilt sie vielen als »Deutschenflittchen«.

Der Vater wiederum hat ebenfalls eine aufgelöste Verlobung hinter sich und reist weiterhin als Wanderprediger durch das Land. Als er in die Gegend kommt, in der die Mutter lebt, lernt er sie kennen und zeigt Menschlichkeit ihr und ihrer Lage gegenüber, ja er kann sich vorstellen sie zu heiraten.

Die Mutter trauert immer noch ihrer großen Liebe hinterher und kann sich absolut nicht vorstellen, diesen seltsamen Wanderprediger zu heiraten.

Es dauert seine Zeit, bis die beiden gegen innere und äußere Widerstände zueinander finden. Die Mutter darf das uneheliche Kind schließlich mit auf den Hof bringen und zusammen bekommen sie weitere Kinder. Während sie auf dem Hof die wachsende Kinderschar und die alternden Eltern ihres Mannes versorgt und die Landwirtschaft mit Hilfe des Schwiegervaters und später ihrer Brüder führt, reist ihr Mann den Großteil des Jahres weiterhin als Wanderprediger durch das Land - insgesamt an die 40 Jahre. Trotzdem wächst zwischen Mutter und Vater eine tiefe Verbundenheit und Liebe, die die Mutter später in dem Satz: »Ich hatte Vater nicht lieb, als ich mit ihm zusammenkam, aber ich habe ihn liebgewonnen, weil er beständig war, beständig und treu, und das ist genauso wichtig wie Liebe.«

In Norwegen, war das kleine Büchlein mit dieser schlichten Lebensgeschichte ein Bestseller, was sicher daran liegt, dass darin ein Leben beschrieben wird, das für viele Norweger Erinnerungen an die eigene Kindheit, Jugendzeit und das eigene Leben enthält. Dieser Punkt trifft auf die Masse der deutschen Leser natürlich nicht zu, diese norwegische Lebenswelt kennen sie nicht aus eigener Erfahrung. Insofern wird der Roman vermutlich keine begeisterte breite Aufnahme finden.

Es ist die Lebensgeschichte zweier Menschen, mit den Aufs und Abs, Siegen und Niederlagen, die so ein Leben zwangsläufig mit sich bringt. Wer sich für Menschen und ihr Leben interessiert, wird auch den Roman gerne lesen. Wer sicher dafür eher nicht interessiert und »Entertainment« erwartet, wird den Roman vermutlich nicht lesen. Es ist einfach die Lebensgeschichte zweier Menschen, die das Leben zusammengeführt hat, erzählt vom eigenen Sohn, mit dem Interesse, das Kinder dem Leben und den Geheimnissen der Eltern gegenüber, häufig empfinden. Für einige Menschen bedeutsam und für andere schlicht eine von vielen menschlichen Geschichten, nichts Besonderes und doch besonders in ihrer individuellen Einzigartigkeit.


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