30.01.2008

Jan Siebelink: Im Garten des Vaters *****

Buch-CoverDer Roman »Im Garten des Vaters« des holländischen Schriftstellers Jan Siebelink ist der erste seiner Romane, der ins Deutsche übersetzt wurde. In diesem Roman arbeitet Jan Siebelink die Beziehung zu seinem strengreligiösen Vater auf.

Ich muß sagen, es ist ein Roman, der regelrecht erschüttert und das in verschiedener Hinsicht. Geschildert wird das Leben von Hans Sievez. Der wächst in einer strengreligiösen Familie auf, verliert früh die Mutter, die noch als ein ausgleichendes Element in dieser Konstellation wirkte, und fürchtet seinen strengen und harten Vater. So früh wie möglich reißt Hans von zu Hause aus - er hat einen Traum, er will Gärtner werden - und stellt sich auf die eigenen Füße. Er erlernt seinen Traumberuf und heiratet schließlich seine Jugendliebe Margje, die seinen Traum teilt und ihn wo es nur geht beim Aufbau einer kleinen eigenen Gärtnerei unterstützt. Das erste Kind, ein Sohn, der den Namen Ruben erhält, wird geboren. Ein kleines Idyll will es scheinen, ein Traum verwirklicht, doch über diesem Idyll hängen schwarze Wolken.

In seiner Lehrzeit hat Hans Sievez die Bekanntschaft von Jozef Mieras gemacht. Der gehört strengcalvinistischen Kreisen an und versucht Hans für diese Religionsgemeinschaft zu gewinnen. Zunächst kann sich Hans gegen diese Versuche wehren. Doch zu einem späteren Zeitpunkt, als der Traum erreicht zu sein scheint, taucht Jozef wieder auf und diesmal läßt sich Hans auf ihn ein und kommt in Kontakt mit dieser Versammlung. Jozef Mieras und seine Mitbrüder wissen auf welcher Tastatur sie spielen müssen, um Hans zu packen und immer tiefer hineinzuziehen in ihre Gemeinschaft.

Zu Beginn bekommt Margje davon gar nichts mit, denn Hans verschweigt es ihr doch nach und nach kommt sie hinter diese Geschehnisse und ist alles andere als begeistert. Damit tut sich auch eine Kluft zwischen den Eheleuten auf auch wenn Margje alles in ihren Kräften stehende versucht, um diese Kluft nicht zu groß werden zu lassen.

Die Brüder, die als Wanderprediger unterwegs sind, übernehmen immer mehr die Kontrolle, tauchen wann immer ihnen danach ist bei Sievez auf und gehen schließlich auch im Haus der Familie ein und aus wie selbstverständlich. Hans gerät immer tiefer hinein in diese Art der Religiosität und damit auch in eine Isolation von allen, die nicht mit auf »demselben Weg« unterwegs sind. Er ist unfähig über das, was innerlich in ihm vorgeht, mit seiner Frau zu sprechen und so wird er ihr und auch den Söhnen, inzwischen wurde auch noch Tom geboren, immer fremder. Ruben, der Erstgeborene übernimmt häufig die Vermittlerrolle zwischen den Eltern aber auch zwischen Tom und dem Vater. Tom lehnt sich, als er älter ist, mit allem was ihm zu Gebote steht gegen seinen Vater, der ihn nie akzeptiert hat (Hans hatte eine Tochter gewollt) und ihn in seiner Religiosität schlichtweg beiseitegestoßen hat, auf.

Selbst als Hans sterbenskrank danieder liegt, sind es die Mitbrüder die wieder das Regiment übernehmen und ihn selbst auf dem Totenbett von seinen nächsten Angehörigen isolieren - angeblich nur um sein ewiges Seelenheil sicherzustellen.

Ist es schon bedrückend für die Leser mitzuerleben, wie Hans Sievez in diese Art der Frömmigkeit hineinrutscht wird es geradezu albtraumhaft in den Szenen am Sterbebett. Kein Wort des Trostes oder der Ermutigung für den Sterbenden sondern nur das Schüren der tiefsitzenden Ängste, das Drohen mit Hölle und Verdammnis. Unwillkürlich denkt man beim Lesen, wer solche Brüder hat, der braucht die Hölle eigentlich nicht mehr zu fürchten - viel schlimmer kann es dort auch nicht werden.

Wie gesagt die Lektüre ist schmerzhaft gerade weil Jan Siebelink genau weiß, wovon er schreibt und an keiner Stelle zurückgewichen ist, um das Ganze wenigstens etwas abzumildern.

In den Niederlanden war der Roman ein Bestseller, was sicher auch daran liegt, das der strengcalvinistische Glaube inklusive diverser Abspaltungen dort eine viel größere Rolle gespielt hat (und noch spielt) als hier in Deutschland und so viele Niederländer sich an eigene Erlebnisse erinnert gefühlt haben dürften.

Aber auch für deutsche Leser durchaus eine interessante Lektüre, die zeigt wie religiös motivierte Manipulation aussieht und funktioniert und wie weit diese Form der Religiosität von dem entfernt ist, was ursprünglich einmal gemeint war.

Elze meinte dazu am 01.02.2008:

Ich habe dieses Buch auf Holländisch gelesen, und fand es auch weltklasse! Gruß Elze


Jonas meinte dazu am 09.02.2008:

Religion, Opium oder Hölle? http://www.lesenblog.de/2007/12/19/gefangen-im-pietismus-der-alten/



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