Wilhelm Dichter: Das Pferd Gottes
Im Speisezimmer war für fünf Personen gedeckt. Die Porzellanteller und das silberne Besteck glänzten unter dem Luster. Allerdings etwas schwächer als früher, weil die nächste Glühbirne ausgbrannt war.
Wir setzten uns zu Tisch. Als Vorspeise gab es Karpfen in Aspik. (Bis gestern war er in der Wanne geschwommen. Getötet wurde er mit einem Schlag des Nudelwalkers. Jetzt lag er auf der Schüssel, garniert mit Petersilie und Karottenscheiben.) Wir aßen vorsichtig und legten die Gräten auf den Tellerrand. Michal bekam den Kopf, den hatte er am liebsten. Nach dem Karpfen trug Mutter eine Pilzsuppe auf. Zwischen den Steinpilzen schwammen hellgelbe Knödel. Zur Suppe reichte sie Bulbaniki, frisch aus dem Backrohr. Auf jedem Bulbanik zerging ein Stück Butter. Dann aßen wir Hühnerrisotto. (Den Reis hatte Nusia aus München geschickt. Im Paket war auch eine Karte mit der Nachricht gewesen, daß sie die amerikanischen Visa bekommen hatten.) Zum Dessert gab es eine Torte aus Nüssen, die im Fleischwolf gemahlen wurden.