04.06.2007
Mörderische Leidenschaft? Mein Krimi und ich
Manche mögen sie, andere verabscheuen sie: Krimis. Welche Beziehung hast Du zur Kriminalliteratur? Warum magst Du Krimis - oder warum nicht? Spannung oder Entspannung, literarisches Grauen oder Genuss - was bedeutet Kriminalliteratur für Dich? Mit diesen Worten wurde zum ersten
Krimi-Blog-Karneval aufgerufen und da die Beiträge bis zum 10. Juni gepostet sein sollen, wird es Zeit, was dazu beizutragen.
Meine ersten »Krimis«, die ich gelesen habe, waren wohl die 5 Freunde-Serie von Enid Blyton und Die drei ???-Serie von Marco Sonnleitner. Es folgte dann »Emil und die Detektive« von Erich Kästner und dann folgte erstmal lange nichts. Zwar hatte ich die Serie eifrig und mit roten Ohren verfolgt und auch Emil und die Detektive hatte mir sehr gut gefallen aber daß es ein »Genre Krimi« gibt, das war mir damals noch nicht klar. So wandte sich mein Interesse erstmal anderen Genres und Themen zu. Und tatsächlich kann ich weder Zeitpunkt noch Buch klar nennen, das mich dann letztlich wieder zum Krimi lesen zurückbrachte und diesmal dabei bleiben ließ.
Eine Zeit lang las ich also Krimis so vor mich hin, so wie ein Fastfood Junkie sich die Hamburger einverleibt. Doch irgendwann hatte ich das dann über und begann etwas genauer hinzuschauen und auszuwählen. Da ich schon früh zur skandinavischen Literatur orientiert war (lange bevor sie hier in Deutschland populär wurde), habe ich recht früh übersetzte Krimiliteratur von dort gelesen - das war allerdings damals längst nicht so viel wie heutzutage.
Irgendwann habe ich dann auch die Krimi-Serien wiederentdeckt. Da habe ich allerdings relativ schnell gelernt, daß nicht wirklich jede Serie die investierte Zeit wert ist und es waren diese Serien, die mir beigebracht haben, daß man beim Lesen nicht immer bis zum bitteren Ende durchhalten muß. Heute lese ich interessant klingende Krimi-Serien gerne an und allerspätestens nach dem 3. Band wird rigoros entschieden, ob die Serie weiter gelesen wird oder nicht. Meist reichen mir allerdings ein oder zwei Bände, um entscheiden zu können, ob ich eine Krimi-Serie weiterlesen will oder nicht.
Mein »Krimi-Geschmack« hat sich im Laufe der mittlerweile Jahrzehnte, die ich nun schon Krimis lese auch verfeinert bzw. heute weiß ich eher, was ich mag und was nicht. Es gibt bestimmte Krimi-Versatzstücke, die ich mittlerweile schon so oft gelesen habe, daß ich sie heute eher nicht mehr mag.
Offenbar im Gegensatz zur Mehrheit der Krimileser/innen von heute, mag ich es durchaus, wenn ich auch etwas mehr über den/die Ermittler und deren Privatleben erfahre, zumindest wenn es sich nicht ausschließlich als Besäufnisse und wehleidiges Lamentieren darstellt und glaubhaft erzählt wird. Inzwischen gibt es Krimiserien-Helden/Heldinnen die ich regelrecht ins Herz geschlossen haben.
Ein Krimi gewinnt bei mir, wenn ich lange - wenn möglich sogar bis zum Ende - keine Ahnung habe, wer der/die Täter sind oder was sich sonst abgespielt hat. Ich hasse es, wenn ich nach 50 Seiten schon genau weiß, wie alles weitergeht und wer der Täter ist - absoluter Frust! Auch Krimis, die seicht und oberflächlich runtergeschrieben worden sind, empfinde ich - sollte ich unglücklicherweise an ein solches Exemplar geraten sein, als echte Zeitkiller und bereue jede Minute, die sie mich davon abgehalten haben etwas besseres zu lesen. Andererseits, wer einen vielschichtigen und den Leser auf falsche Spuren führenden Krimi schreibt, sollte selber nicht verlorengehen und mich als Leser am Ende mit offenen Enden stehen lassen oder mit einem plumpen Ende abspeisen.
Ich mag Krimis, die aktuelle Gesellschaftsthemen aufgreifen und diese nicht nur als »Kulisse« oder »Mittel zum Zweck« benutzen sondern wirklich von verschiedenen Perspektiven her beleuchten und vielleicht auch neue Gedankenanstöße dazu geben. Bekomme ich aber den Eindruck, ein Autor ist nur reißerisch auf ein Thema aufgesprungen, fällt er bzw. sein Buch bei mir vom Regal bzw. landet dort zukünftig gar nicht mehr.
Krimis dürfen bei mir durchaus richtig blutig sein, wenn es in die Gesamtgeschichte paßt - Krimiautoren die meinen sie bräuchten nur eine möglichst brutale und blutige Szene an die andere reihen und das wär's dann, bekommen von mir dagegen den Daumen nach unten gezeigt.
Krimis aus Großbritannien sind ja bei eingefleischten Krimilesern häufig sehr geschätzt und ich war zwischenzeitlich fast etwas verzweifelt, weil ich mich (bisher) einfach nicht wirklich für die großen Namen der englischen Krimi-Szene erwärmen konnte. Seit Jahren schleiche ich z.B. um Ian Rankin und seine John Rebus-Reihe herum und frage mich, ob ich einen Versuch wagen soll oder lieber doch nicht.
Jahre lang stand ich Krimis aus deutschen Landen sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber, das hat sich in den letzten Jahren zu meiner freudigen Überraschung geändert. Inzwischen gibt es deutsche bzw. deutschsprachige Krimi-Autoren die überzeugende Geschichten schreiben und auch mich damit fesseln können.
Es gibt aber auch Krimi-Serien, die ich »zur Entspannung« lese, z.B. die Schwester Fidelma-Serie von Peter Tremayne. Leicht zu lesen und dabei lernt der Leser doch eine Menge über die alte keltische Welt und die Christianisierung Irlands.
Erst vor einigen Jahren habe ich angefangen, mich selbst zu fragen warum ich eigentlich gerne Krimis lese? Im wahren Leben verabscheue ich jegliche Gewalt und Mordtat absolut, warum also lese ich dann freiwillig Krimis? Die Zeit könnte ich ja auch gut in andere Lektüre investieren, wo auch noch Massen an Büchern warten, die ich gerne noch lesen würde, bevor mein letztes Stündlein schlägt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich auf eine mögliche Antwort auf diese Frage gekommen bin: Tatsächlich interessieren mich die eigentlichen »Bluttaten« weniger als vielmehr die psychologischen Eigenarten der Täter, Opfer und Ermittler. Wie ticken diese Menschen? Wie reagieren sie? etc. etc. Komischerweise verfolge ich das bei Charakteren in Krimis viel eher oder mehr als in der Belletristik, vielleicht dadurch angestoßen, daß man als Leser immer auch auf der Suche nach Hinweisen auf den Täter ist.
unlektoriert meinte dazu am
05.06.2007:
Eines meiner Probleme mit Krimis, insbesondere mit Krimireihen eines Autors, ist, daß sich so unendlich vieles wiederholt, daß der dritte, der vierte Band wie ein Ersatzteillager aus Versatzstücken aussehen, selbst bei vermeintlich literarischen Autoren wie Leo Malet.Mein Lieblingskrimi ist und bleibt „Aufruhr in Oxford“ von Dorothy Sayers. Weshalb ? Es gibt keinen Mord, es gibt eigentlich überhaupt kein Verbrechen. Unmittelbar danach folgt „Die schöne Hortense“ von Jacques Roubaud. LG unlektoriert
Liisa meinte dazu am
05.06.2007:
Also den Krimi von Dorothy Sayers hab ich mir gleich mal notiert! Danke für den Tip!
thomas meinte dazu am
06.06.2007:
oft stelle ich mir die frage, wenn ich bei dir auf dieser seite bin, wie schaffst du es, SO VIEL ZU LESEN?
Liisa meinte dazu am
06.06.2007:
Hallo Thomas, das frage ich mich manchmal auch. ;o) Nein, im Ernst jetzt: Einerseits lese ich einfach sehr schnell, das war schon immer so und zum anderen nutze ich wirklich jede freie Minute, um zu lesen. Andere sehen dafür stundenlang fern oder surfen stundenlang oder was weiß ich.
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