27.11.2011

Literatur kulinarisch: Cótes de veau Foyot

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag
Zum Beispiel Cótes de veau Foyot - das Fleisch mindestens vier Zentimeter dick, doppelte Portion, versteht sich, zwei mittelgroße Zwiebeln, fünfzig Gramm Brosamen, fünfundsiebzig Gramm geriebenen Gruyère, fünfzig Gramm Butter, die Brosamen zu Paniermehl zerreiben und mit dem Gruyère vermischen, die Zwiebeln schälen und klein hacken, vierzig Gramm Butter in einer kleinen Kasserolle schmelzen lassen, während in einer anderen bei kleiner Hitze die Zwiebeln in der restlichen Butter brutzeln, den Boden eines Topfes mit der Hälfte der Zwiebeln bedecken, das Fleisch salzen und pfeffern und auf die Zwiebeln legen, dann oben mit dem Rest der Zwiebeln garnieren, das Ganze mit einer ersten Schicht Paniermehl und Käse bedecken und dabei das Fleisch gut auf den Boden der Pfanne drücken, die geschmolzene Butter darübergießen und leicht mit der Hand eindrücken, dann eine zweite Schicht Paniermehl mit Käse draufpacken, bis eine Art Kuppel entsteht, erneut geschmolzene Butter dazugeben und alles mit Weißwein und Brühe übergießen, bis etwa die mittlere Höhe des Fleisches erreicht wird. Das Ganze nun etwa eine halbe Stunde brutzeln lassen und nach Bedarf weiter mit Wein und Brühe anfeuchten. Mit geröstetem Blumenkohl anrichten.


# ~ Literatur_kulinarisch ~ kein Kommentar



Deon Meyer: Rote Spur ***

Buch-CoverNachdem mir die Krimi-Romane, die ich bisher vom südafrikanischen Autor Deon Meyer gelesen habe, alle recht gut gefallen haben, war ich natürlich auch auf seinen jüngsten Krimi »Rote Spur« gespannt.

Einer der südafrikanischen Geheimdienste bekommt Hinweise darauf, dass ein islamistischer Anschlag in Südafrika geplant sein und bald stattfinden könnte. Fieberhaft machen sich die Agenten daran, mehr herauszufinden und die Drahtzieher dingfest zu machen. Im Recherche-Team, das mit diesem Fall betraut ist, arbeitet die Hausfrau und Mutter Milla Strachan, die es nach Jahren in einer unglücklichen Ehe geschafft hat, sich aus dieser zu befreien. Im Laufe der Ermittlungen taucht ein Mann auf, der - zufällig oder geplant? - Kontakt zu Milla aufnimmt. Der Geheimdienst verdächtigt ihn bald, zur CIA zu gehören, die ebenfalls im Land aktiv ist. Oder gehört er zu den Planern des islamistischen Anschlags?

Dann ist da der Bodyguard Lemmer, der von einem alteingesessenen Karooer gebeten wird, einen heiklen Transport von Spitzmaulnashörnern, die aus Simbabwe kommen, zu begleiten. Die Tiere werden begleitet von der toughen und ehrgeizigen Cornél, die wie sich später herausstellt, noch ganz andere Pläne hat.

Und schließlich taucht auch noch Mat Joubert auf, der aus dem offiziellen Polizeidienst ausgeschieden ist und nun als Privatermittler für eine Agentur arbeitet. Sein erster Fall ist die Suche nach dem Ehemann einer jungen Frau, der spurlos verschwunden ist.

Zwischen diesen drei »Strängen«, gibt es mehr oder weniger viele Querverbindungen und am Ende bindet Deon Meyer den Sack auch irgendwie - mehr schlecht als recht, für meinen Geschmack - zu. Ich bin mit »Rote Spur« nicht warm geworden und habe mich ziemlich durchgequält, was vor allem daran lag, dass es sehr viele Figuren gibt und die Fäden der ersten beiden Stränge, irgendwann einfach hängengelassen werden. Im dritten Teil habe ich dann immer darauf gewartet, dass diese Stränge endlich wieder aufgenommen und weitergeführt bzw. mit dem dritten Teil verknüpft werden aber das geschieht erst ganz am Ende und auf für mich sehr unbefriedigende Art und Weise.

Meiner Ansicht nach, hätte Deon Meyer aus diesen drei Strängen lieber drei einzelne, dafür aber auserzählte getrennte Geschichten machen sollen, statt sie so zu »verwursten«. »Rote Spur« ist für mich ein Beispiel für: zu viel auf einmal gewollt und sich dabei leider verzettelt, bzw. verhoben.

Schade, dass mich dieser Krimi nicht überzeugen konnte. Da ich aber weiß, dass Deon Meyer es wesentlich besser kann, hoffe ich einfach auf zukünftige Veröffentlichungen.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



22.11.2011

Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg ***

Buch-CoverGanz ehrlich? Ich bin - wie ich schon befürchtet hatte - nicht fähig die Qualitäten des neuesten Romans von Sibylle Lewitscharoff wirklich zu erfassen und zu würdigen. Ihr Protagonist ist der Philosoph Hans Blumenberg (1920-1996), von dem ich vorher noch nie gehört hatte und dessen philosophisches Werk mir gänzlich unbekannt war und ist. Zwar habe ich mir zumindest einen sehr groben Eindruck von ihm verschafft aber wie gesagt, die Art und Weise, wie Sibylle Lewitscharoff, seine Thesen und Theorien in ihrem Roman mit einarbeitet, konnte ich nicht nachvollziehen, vermutlich manchmal nicht einmal bemerken, schlicht weil mir die entsprechende Vorbildung fehlt.

Unbestritten ist und das kann auch ich bestätigen, dass Sibylle Lewitscharoff wortmächtig ist und ihre ganz eigene literarische Sprache findet, deren Schönheit auch ein philosophischer Banause wie ich, durchaus zu würdigen fähig ist. Ihre Idee, den Philosophen mit einem alten Löwen zu konfrontieren, den außer ihm - und einer alten Nonne - niemand zu sehen vermag, ist soweit ich das verstanden habe, eng mit Blumenbergs These, dass die menschliche Fähigkeit zur Begriffsbildung (also »die Beschwörung des Abwesenden«) eine Überlebensnotwendigkeit der menschlichen Gattung ist, verknüpft und natürlich lädt die Figur des Löwen zu allerlei Gedankenspaziergängen und Deutungsmöglichkeiten ein.

Gefallen hat mir an Blumenberg auch, wie fein beobachtend Lewitscharoff, die Charaktere der auftretenden Personen beschreibt, nicht nur Blumenberg sondern vor allem auch einige seiner Studenten, denen ihre Bekanntschaft mit Blumenberg und seiner Philosophie allerdings nicht viel Glück bringt.

Ich habe zumindest den Eindruck gewonnen, dass Sibylle Lewitscharoff, die Philosophie von Hans Blumenberg sehr gut durchdrungen und durchdacht haben muss, so dass sie in der Lage gewesen ist, einen solchen Roman mit ihm als Protagonisten zu schreiben. Aber wie gesagt, meine Vorbildung hat in diesem Fall kläglich versagt und so ist mein Fazit zu diesem Roman ein sehr sehr subjektives, noch subjektiver als sonst schon. Ich fühlte mich durchaus unterhalten von diesem Roman und mir hat gefallen, dass ich durch die Geschichte angeregt wurde, über einige interessante Fragen nachzudenken. Schmerzlich war mir aber während der Lektüre, dass ich auch ständig empfunden habe, dass mir wahrscheinlich viele Schätze, die in diesem Roman stecken schlicht entgangen sind. Daher von mir drei subjektive Sterne mit dem Hinweis, dass Kenner der Materie mit Sicherheit mehr Sterne vergeben würden und das - so vermute ich - völlig zu recht.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



18.11.2011

Benedict Wells: Fast genial *****

Buch-CoverZufällig wurde ich auf den Roman »Fast genial« vom noch recht jungen deutschen Autor Benedict Wells, von dem ich bisher noch nie gehört hatte, aufmerksam gemacht. Ich war etwas zögerlich - junge Autoren werden ja in Deutschland gerne gehypt und nicht selten rechtfertigen sie die Vorschußlorbeeren nicht wirklich. Doch da der Roman bei Diogenes erschienen ist, was meist eine Garantie dafür ist, dass man nicht absoluten Schrott zu lesen bekommt, und nur knapp über 300 Seiten lang ist, beschloss ich die Lektüre zu riskieren.

Held des Romans ist der fast achtzehnjährige Francis Dean, der zusammen mit seiner schwer depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey lebt. Eines Tages findet er die Mutter nach einem Selbstmordversuch gerade noch rechtzeitig und die Mutter landet - wie schon zuvor - wieder in einer Psychiatrie.

Dort sieht Francis zufällig die junge Anne-May, die psychisch ebenfalls angeschlagen, dort gerade Patientin ist. Vorsichtig kommen sich die beiden näher. Dann unternimmt Francis Mutter einen weiteren Selbstmordversuch. Wieder findet Francis sie rechtzeitig, so dass sie gerettet werden kann. Francis findet auch einen Abschiedsbrief der Mutter, in dem sie ihm offenbart, dass er ein Retortenkind ist. Als junge Frau hat sie an einem Projekt teilgenommen, bei dem einige Wissenschaftler eine Samenbank angelegt haben, die nur von Nobelpreisträgern bzw. Spendern mit sehr hohem IQ »bestückt« wurde. Was von den Initatoren des wissenschaftlichen Projekts eigentlich nicht so gedacht bzw. geplant war: seine Mutter hat die Identität seines (Spender)Vaters herausgefunden.

Francis beschließt, seinen Vater zu suchen. Da bittet ihn Anne-May, sie mitzunehmen und auch seinen Freund, den Nerd Grover, nimmt er mit auf die Reise, denn der hat die Möglichkeit ein Auto zu beschaffen. Die Flucht von Anne-May aus der Klinik gelingt und schon sind die drei auf dem Weg und es entfaltet sich ein echtes Roadmovie, das die drei Freunde durch elf Staaten bis zur Westküste führen wird.

Mich hat Benedict Wells mit diesem Roman wirklich beeindruckt! Er erzählt diese Geschichte in einem so leichten Ton und führt seine Protagonisten trotzdem durch existentielle Themen und Fragen. Er setzt sich mit dem Thema In-vitro-Fertilisation auseinander und beleuchtet das Schicksal der Kinder, die mit Hilfe dieser Methode gezeugt wurden. Er stellt die Frage, was wichtiger ist für ein erfolgreiches glückliches Leben: Gene, Fleiß, Schicksal oder schlicht Glück oder ist es am Ende eine geglückte Mischung aus all dem.
Die drei Protagonisten wuchsen mir binnen kürzester Zeit ans Herz in ihrem Prozeß des Erwachsenwerdens und der Suche nach ihrem Weg durchs Leben. Ein Roman, der gleichermaßen Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann ziehen kann.

Und dann krönt Benedict Wells diesen Roman am Ende auch noch mit einem Showdown, der es in sich hat und die Spannung und den Puls der Leser in ungeahnte Höhen treibt. Alle Achtung Benedict Wells!

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz ****

Buch-CoverEndlich hat Ilkka Remes mal wieder einen neuen Band für seine Timo Nortamo-Reihe geschrieben und liefert gewohnt routiniert einen Spannungs-Politkrimi ab.

In Stockholm findet die berühmt-berüchtigte Bilderberg-Konferenz statt und ein Frachter transportiert Atommüll zu einem Endlager. Da gelingt es Umweltaktivisten, die gegen den Bau der russisch-deutschen Gaspipeline durch die Ostsee protestieren in einem Handstreich das Schiff samt Atommüllkontainer in ihre Gewalt zu bringen.

Fast gleichzeitig wird die Bilderberg-Konferenz überfallen. Schwerbewaffnete Männer entführen die hochrangigen Teilnehmer. Höchster Alarm in Schweden, gleich zwei Krisenherde müssen behoben werden. Doch dann bringen die Entführer der Bilderberg-Geiseln diese ausgerechnet auf den gekaperten Atommülltransporter und stellen brisante Forderungen und sie wollen zunächst nach Helsinki.

Ebenfalls beteiligt sind der Finne Patrick Vasama, eigentlich ein Geologe und Atomkraft-Experte und die belgische Ärztin Sandrine Denaux. Doch mit dem, was tatsächlich passiert ist, haben auch sie beide nicht gerechnet. Sie sind getäuscht worden und finden sich in einem Strudel wieder, die nicht nur das Leben der Geiseln sondern auch ihr eigenes bedroht.

Vorsichtig versuchen Patrick und Sandrine das Schlimmste zu verhindern. Zugleich werden verschiedene Geheimdienste aktiv und Timo Nortamo trägt die Hauptverantwortung für das ganze Szenario, was sich aber zunehmend als überaus schwierig erweist, denn die Geheimdienste sind nicht wirklich zu einer Zusammenarbeit bereit, sondern verschweigen wichtige Informationen. Doch auch die Entführer scheinen sich untereinander nicht wirklich einig zu sein, was sie eigentlich wollen.

Rasant, wendungsreich und spannend ist »Ein Schlag ins Herz«, ein Polit-Thriller, der sich gut und schnell lesen lässt.

# ~ 4_Sterne ~ kein Kommentar



13.11.2011

Jón Kalman Stefánsson: Der Schmerz der Engel *****

Buch-CoverEndlich wieder ein neuer Roman des wunderbaren und sehr poetisch erzählenden isländischen Schriftstellers Jón Kalman Stefánsson. Leider habe ich zu spät mitbekommen, dass »Der Schmerz der Engel« eigentlich der Mittelteil einer Trilogie ist. Der erste Band trägt den Titel »Himmel und Hölle« und erzählt die Vorgeschichte zu »Der Schmerz der Engel«. Allerdings kann man »Der Schmerz der Engel« problemlos auch als einzelnen Band lesen. Ich werde auf jeden Fall schnellstmöglich auch noch den ersten Band der Trilogie lesen.

Held des Romans ist »der Junge«, den sein Schicksal allein und verwaist Ende des 19. Jahrhunderts in den Ort Vík (bezeichnet wohl das heutige Städtchen Bolungarvík) verschlägt, damals ein wichtiger Handelsposten für die Fischindustrie der Westfjorde. Dort nehmen ihn vor allem zwei Frauen unter ihre Fittiche und planen, ihm eine höhere Bildung angedeihen zu lassen. Doch vorher schicken sie den Jungen als Begleiter mit dem Postboten auf eine Art Himmelfahrtskommando zum absolut abseits gelegenen Handelsposten Sléttueyri. D.h. eigentlich schickt Sigurdur, einer der mächtigsten Männer am Ort, den Postboten mitten im Winter auf diese Tour und die Frauen geben dem Postboten den Jungen mit, weil sie wissen, dass der Postbote, ein fast unverwüstlicher verwegener Riese, sich furchtbar vor dem Meer fürchtet und das muss auf dem Weg zum Zielort zweimal überquert werden.

Der größte Teil des Romans schildert dann die Reise dieser beiden durch eine unwirtliche, man kann sagen menschenfeindliche, rauhe Landschaft, die zudem von Winterstürmen gepeitscht wird, die mit Unmengen von Schnee, alles überdecken so dass nur ein weißes Gleißen bleibt. Der Schnee liegt so hoch, dass man über eingeschneite Hütten, Bauernhöfe und Schafherden hinweglaufen kann, ohne es zu merken. Der Schnee wird vom Wind so verweht, dass man den Weg nicht mehr sieht und sich eigentlich nur verlaufen kann. Verlaufen bedeutet in einer solchen Gegend und Wetterlage aber fast unausweichlich den Tod.

Der Weg wird zu einem nackten Kampf um das Überleben und schildert auch die bitteren Lebensumstände der Menschen, die entlang dieses Weges fernab der Zivilisation, jeden Tag auf's neue diesen Kampf kämpfen müssen. Die Armut ist unglaublich ebenso aber auch die Träume, die Liebe und Gastfreundschaft.

Natürlich schweißen der Weg und der Kampf ums nackte Überleben den Postboten und den Jungen auch zusammen. Sie begreifen schnell, dass sie aufeinander angewiesen sind und retten sich gegenseitig mehrfach das Leben. Ein Schlüsselabsatz ist wohl der, in dem erklärt wird, dass Poesie tödlich sein kann, der Mensch aber ohne Träume verkümmert und erst recht ohne den Austausch über das Wort.

Der Junge ist ein Liebhaber der Worte und er hat auch das Bedürfnis zu sprechen, sich auszutauschen. Der Postbote hingegen ist ein Schweiger und auch auf der Reise spricht er meist nicht mehr als unbedingt nötig und beklagt sich bitter über den Jungen, der immer wieder versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ohne Worte geht es nicht, ohne Worte gibt es kein Überleben.

Jón Kalman Stefánsson versteht es, mit wenigen aber perfekt gesetzten Worten, die Leser mit hineinzunehmen in die schroffe Landschaft, den lebensfeindlichen Winter, die heulenden Stürme, die über die Fjells ziehen. Während man den Roman liest, stellt sich ein Gefühl ein, als wäre man selbst plötzlich abgeschnitten von allem Äußeren und ganz hineingezogen in diese Geschichte, die so viele existentielle Fragen aufwirft.

Es finden sich so viele wunderbare Sätze in diesem Roman, dass man immer wieder innehält und ihnen nachsinnt. Irgendwann scheinen für einen selbst Zeit und Raum aufgehoben, man ahnt etwas von der Einsamkeit des Menschen, der sich durch eine solche Landschaft, durch ein solches Leben kämpft. Was ist es, dass uns in solchen existentiellen Kämpfen weiterträgt, dass uns nicht aufgeben lässt und auch noch den Schritt tun lässt, den wir eigentlich gar nicht mehr tun können? Was ist das Leben, was der Tod und wie beeinflussen die Antworten auf diese Fragen, wie wir leben?

Jón Kalman Stefánsson ist meiner Meinung nach mit Sicherheit einer der besten lebenden isländischen Literaten.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



11.11.2011

Jo Nesbø: Die Larve *****

Buch-CoverJo Nesbøs Krimiheld Harry Hole ist endgültig aus dem Polizeidienst ausgeschieden und ist nun schon seit drei Jahren weit weg von Oslo in Hongkong ansässig. Dort fühlt er sich inzwischen wohl, doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass Oleg, der Sohn seiner großen Liebe Rakel, des Mordes verdächtigt und verhaftet ist. Die Beweise sind erdrückend.

So macht sich Harry Hole doch wieder auf nach Oslo und versucht alles, um Olegs Unschuld zu beweisen. Seine Nachforschungen führen ihn mitten hinein ins Drogenmilieu und die Machtkämpfe die dort unter den Dealern toben. Vordergründig scheint es so, als sei die Drogensituation in Oslo in den letzten Jahren deutlich besser geworden doch dann kommt Harry Hole einer neuen Superdroge auf die Spur und macht sich auf die Suche des großen Unbekannten, der im Hintergrund die Fäden zieht und offenbar Kontakte bis in die Polizei und Politik hat, die ihn decken.

Gewohnt spannend, vielschichtig und raffiniert konstruiert Jo Nesbø diesen Fall und gibt ihm am Ende eine zumindest von mir völlig unerwartete Wendung. Mehr will ich hier nicht verraten, um niemandem die Spannung zu verderben. Jo Nesbø zählt mit recht zu den bedeutendsten norwegischen Krimiautoren.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



07.11.2011

Barbara Piazza: Die Tränen der Götter ***

Buch-CoverDaily Soap zwischen Buchdeckeln - so fällt kurzgefasst mein Fazit zu Barbara Piazzas »Die Tränen der Götter« aus. Kein Wunder, denn Barbara Piazza ist - wie ich lernte - wohl eine Grande Dame in der deutschen Branche der Fernsehserien: Serien- und Figurenkonzepte für die Lindenstraße, Forsthaus Falkenau und andere stammen aus ihrer Feder. Dann mit 65 Jahren kam sie auf die Idee, ihre Fähigkeiten für einen Roman zu nutzen und schrieb ihren Debüt-Roman, »Die Frauen der Pasqualinis«.

»Die Tränen der Götter« ist ihr zweiter Roman und entfaltet eine Geschichte rund um die Familie Assmann, die dick im Diamantengeschäft ist. Wie praktisch, dass Diamanten vor allem in Südafrika geschürft werden und so das nötige internationale oder exotische Flair in den Roman einfließen kann.

Kopf der Familie Assmann ist Heinrich, der selbstherrlich und egoistisch sein ganzes Umfeld beherrscht und für seine Zwecke manipuliert. Seine Frau Zita hat es geschafft sich halbwegs neben ihm zu behaupten und als starke Frau daherkommt. Dann gibt es die drei Söhne: den zuverlässigen guten Sohn Georg, den schlitzohrigen bösen Sohn Victor und den aus der Art geschlagenen »Versager« (aus Sicht des Vaters) Sohn Ludwig. Außerdem das treue Firmen-Faktotum Irene Wuttke.

Rund um diese Figuren entspinnt sich nun daily soap-artig eine Geschichte voller Intrigen, Machtkämpfe, Betrug, Liebe und was sonst noch so in eine Daily Soap gehört. Alles ist irgendwie vorhersagbar, die Figuren bleiben holzschnittartig aber es liest sich runter wie ein gemütlich vor sich hinfließender Fluß und ist unterhaltsam und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Irgendwie war ich aber auch froh, als ich den Roman zuklappen konnte - alles ist so gekonnt zusammengerührt, dass man sich bei zuviel davon auch den (Lese)Magen verderben könnte.

Ich bin sicher, es gibt viele Fans der Romane von Barbara Piazza, immerhin haben ihre Romane ja den »Vorteil«, dass man nicht warten muss wie es weitergeht, wie bei den Fernsehserien, sondern man kann die Geschichte in einem Rutsch durchlesen und so wie sie geschrieben sind, ist es wahrscheinlich auch nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommt, sie mit den üblichen Fernseh-Filmstars aus Deutschland zu verfilmen.

Gut verkäuflich, leicht zu lesen, unterhaltsam - perfekte Ware für die Massen. Dass der Roman von mir trotzdem »nur« drei Sterne bekommt und damit in der Rubrik »mittelmäßig« landet, liegt daran, dass ich kein Daily Soap Fan bin und mich das perfekt zurechtgeschliffene diamantenfunkelnde Werk die ganze Zeit über doch irgendwie gelangweilt und nicht wirklich gepackt hat. Kann man zur Abwechslung - oder z.B. mal am Strand oder im Urlaub - lesen, aber ich wage mal die Prognose: ein Roman von Barbara Piazza und man hat sie im Prinzip alle (auch die evtl. zukünftigen) gelesen.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



04.11.2011

Arnaldur Indridason: Abgründe ***

Buch-CoverAuf Arnaldur Indridasons neuesten Krimi aus seiner Kommissar Erlendur-Reihe hatte ich schon sehnsüchtig gewartet. Doch wie schon im Vorgängerband »Frevelopfer« taucht er auch in »Abgründe« nur ganz am Rande auf. Er befindet sich offenbar immer noch irgendwo in den Ostfjorden, auch wenn Familienangehörige und Freunde anfangen sich zu wundern, wo er steckt.

Während in »Frevelopfer« Erlendurs Kollegin Kommissarin Elínborg im Mittelpunkt der Ermittlungen stand, ist es in »Abgründe« sein Kollege Kommissar Sigurdur Oli, der hauptsächlich ermittelt. Ein alter Schulfreund bittet ihn um Hilfe, weil sein Schwager und seine Schwägerin erpresst werden. Als Sigurdur Oli die Erpresserin aufsucht, überrascht er einen Mann, der die Erpresserin offenbar gerade brutal zusammengeprügelt hat. Obwohl Sigurdur Oli dem Täter noch nachsetzt, entkommt der Mann und Sigurdur Oli ist in Schwierigkeiten, weil er nun in einem Fall ermittelt, in den auch Freunde verwickelt sein könnten.

Dann ist da noch ein Penner namens Andrés, der in seiner Kindheit Furchtbares erlitten hat und nach Rache dürstet zugleich aber Kontakt zu Sigurdur Oli aufnimmt, um Verständnis zu finden.

Schließlich führen die Spuren aus den Ermittlungen auch noch ins Banken-Milieu und die Leser erfahren nebenbei gleich noch ein wenig darüber, wie die Isländer für einige Zeit mit ihren Finanzgeschäften das dicke Geld machten, bevor es dann zum großen Crash kam.

Ach ja, der arme Sigurdur Oli versucht privat auch noch im Auftrag seiner Mutter einen Zeitungsdieb auf frischer Tat zu überführen.

Ganz ehrlich? Der neue Krimi von Arnaldur Indridason hat mich nicht überzeugt. Mal abgesehen davon, dass mir Sigurdur Oli selbst als Figur nicht sonderlich sympathisch ist, fand ich die Geschichte in manchen Teilen als sehr langatmig und damit auch wenig spannend. Was die Geschichte von Andrés angeht, hab ich mich gefragt, wieso Arnaldur Indridason diesen Plot so lieblos neben dem eigentlichen Fall platziert und im Grunde verschenkt und obendrein damit auch die Konzentration auf den eigentlichen Fall stört. Insgesamt ist »Abgründe« für mich nur ein mittelmäßiger Krimi - Arnaldur Indridason kann es soviel besser! Ich hoffe jetzt sehr, dass Kommissar Erlendur im nächsten Band der Krimiserie endlich aus den Ostfjorden heimkehrt.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



01.11.2011

Alex Capus: Léon und Louise *****

Buch-CoverEs ist der 16. April 1986 als sich in der Kathedrale von Notre-Dame die Familie Le Gall versammelt, um der Totenmesse für den Familienpatriarch Léon Le Gall beizuwohnen. So erzählt es sein Enkel, der im Folgenden die Lebensgeschichte des Großvaters und damit auch die Geschichte der Familie in den zurückliegenden 86 Jahren vor den Lesern ausbreitet.

1918 als Léon zarte siebzehn Jahre alt ist, lernt er die gleichaltrige Louise Janvier kennen, die seine große Liebe und doch nicht seine angeheiratete Frau werden wird. Doch so oft die Unbill des Lebens die beiden trennt, so oft führen die verschlungenen Lebenspfade sie auch wieder zueinander. Als dies zum ersten Mal geschieht, ist Léon aber bereits mit Yvonne verheiratet, hatte er doch gedacht, Louise sei im Krieg umgekommen. Sich von Yvonne zu trennen ist für Léon undenkbar und Louise selbst verlangt das auch nicht von ihm. Obwohl sie über Jahre beide in Paris leben, vermeiden sie den Kontakt zueinander. Nur hier und da kommt es zu zufälligen flüchtigen Begegnungen. Leon, der seiner Frau von Louise, seiner ersten großen und - wie er zu dem Zeitpunkt noch denkt - verlorenen Liebe, erzählt hat, wird vierfacher Vater, geht seinem Beruf nach und sorgt vorbildlich für seine Familie.

Dann kommt der zweite Weltkrieg und irgendwann stehen die Deutschen vor Paris. Louise, die als Buchhalterin für die Banque de France arbeitet, wird mit dem in der Bank eingelagerten Gold in letzter Sekunde per Bahn und dann Schiff fortgeschickt, um das Gold dem Zugriff der Deutschen zu entziehen. Während Louise in Frankreich auf das Ende des Krieges und die Befreiung Frankreichs wartet, um dann nach Paris zurückkehren zu können, bleibt Léon mit seiner Familie in Paris und schlägt sich so gut es geht durch die schwierigen Umstände. Der Kontakt zwischen Louise und Léon wird durch gelegentliche Briefe aufrechterhalten, d.h. nur Louises Briefe, in denen sie von ihrem Leben in Afrika berichtet, erreichen Léon, sie aber erhält keine Briefe von ihm - wobei offen bleibt, ob die Briefe auf dem Postweg verloren gegangen sind oder ob Léon auf ihre Briefe nicht geantwortet hat.

Als Louise endlich nach Paris heimkehrt führt sie ihr Weg so schnell es geht zu Léons Wohnung, die sie zuvor nie betreten hat. Dort trifft sie nur auf Yvonne, die ihr nach gemeinsamem Kaffeetrinken und Kuchenessen den Weg zu Léon weist, der sich in seiner Freizeit auf einem Boot aufhält. Mit dem Wissen von Yvonne leben Léon und Louise ihre Liebe zueinander auf dem Boot aus, wobei Léon aber seinen Pflichten als Familienvater gewissenhaft weiter nachkommt und immer wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt. Erst als die Kinder aus dem Haus sind, Yvonne schließlich verstirbt und das Trauerjahr vorüber ist, starten die inzwischen 62jährigen Liebenden in ein wirklich zweisames Leben.

Mit »Léon und Louise« hat Alex Capus einen wirklich wunderbar erzählten Roman veröffentlicht. Die Romanfiguren wachsen einem im Handumdrehen ans Herz und sind großartige Charaktere. Die Liebesgeschichte wirkt an keiner Stelle schwülstig oder künstlich und ist angenehm zu lesen. Eigentlich ist es ja eine Dreiecksgeschichte aber sie ist auf eine Art und Weise entwickelt und erzählt, dass deutlich wird, dass es keiner der drei Beteiligten absichtlich darauf angelegt hätte, sondern die Lebensumstände und Wirren der Zeit führen dorthin. Keiner macht dem anderen tiefgreifende Vorwürfe und alle Figuren bringen einander den höchsten Respekt entgegen, und gerade das ermöglicht es ihnen, dieses Konstellation zu leben, ohne das einer von ihnen dabei auf der Strecke bleibt.

Beim Lesen von Alex Capus Roman fühlte ich mich, was die Erzählweise oder den Erzählton angeht, hier und da ein wenig an die Familienromane des französischen Schriftstellers Jean Rouaud und die Romane der französischen Schriftstellerin Sylvie Germain erinnert. »Léon und Louise« ist von den Romanen, die ich bisher von Alex Capus gelesen habe, der beste. Dicke Lese-Empfehlung!

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



weiter