18.12.2009

Stephen King: Die Arena

Buch-CoverVor Jahrzehnten habe ich bei einer Bekannten mal in »Es« hineingelesen und war nicht wirklich angefixt. Später kam mir der Name Stephen King natürlich immer mal wieder unter. Den Film »Misery« mit Kathy Bates und James Caan nach Kings Roman »Sie« habe ich gesehen und fand ihn recht gut. Also dachte ich mir, als ich nun mitbekam, dass es einen neuen Roman von ihm gibt, ich könnte es nochmal mit ihm versuchen.

Die Geschichte - eine unsichtbare »Kuppel« senkt sich über ein amerikanisches Städtchen und was sich dann innerhalb und außerhalb dieser »Kuppel« zuträgt - klang ausreichend interessant. Aber leider hat mich das Buch nicht gepackt, die Geschichte quält sich dahin, die Charaktere sind flach und meistens ziemlich unsympathisch, während die erträglicheren Charaktere z.T. ein schnelles und brutales Ende finden, wobei ob diese Charaktere wirklich erträglicher gewesen wären, kann man eigentlich kaum abschätzen, da sie ja nicht viel Zeit haben überhaupt in Erscheinung zu treten.

Bis Seite 349 habe ich durchgehalten und dann das Buch entschlossen zugeklappt, weil ich weder Zeit noch Nerv habe, mich die restlichen über 900 Seiten weiter durch Stephen Kings neuesten Roman zu quälen, das überlasse ich dann doch lieber seiner anscheinend recht großen Fan-Gemeinde.

Da Lektüre abgebrochen, auch keine abschließende Wertung.

# ~ Spezial ~ kein Kommentar



01.10.2009

Roberto Bolano: 2666

Buch-CoverManchmal kommt es anders, als man denkt. So ist es mir mit diesem Roman des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolano, der 2003 nur 50jährig in Barcelona verstorben ist, ergangen.

Ich war sehr gespannt auf diesen, seinen letzten, Roman, der ursprünglich in fünf einzelnen Bänden veröffentlicht werden sollte. Nach Bolanos Tod haben sich seine Erben und Verleger aber umentschieden und die fünf Teile zusammengefaßt in einem Roman von knapp 1100 Seiten veröffentlicht. Ich habe mich tapfer bis Seite 700 durch das Buch gequält und dann ebenso tapfer den Roman zugeschlagen - was ich höchst ungern tue aber inzwischen ist absehbar, dass die mir verbleibende Zeit zum Lesen in diesem Leben immer kürzer wird und die Liste der Bücher, die ich unbedingt noch lesen möchte länger ist als dass ich zu Lebezeiten noch an ihr Ende käme. Warum also dann kostbare Lebens- und Lesezeit mit einem Roman vertun, der mir überhaupt nicht zusagt? Eben!

Ich will nicht abstreiten, dass Roberto Bolano ein begabter Erzähler gewesen ist, der scheinbar aus einem großen Fundus an Wissen und Phantasie zu schöpfen wußte. Seine Erzählweise - zumindest in diesem Roman, die anderen habe ich ja nicht gelesen - mäandert ständig, ist voller Abzweigungen, Einschüben, Exkursen, kleine Details werden fast schmerzhaft bis ins allerletzte Kleinste beschrieben und untersucht, während an anderer Stelle plötzliche Themenabbrüche zu finden sind. Es ist, als ob man in einem reißenden (Erzähl)fluß steckt und sich immer wieder an darin treibenden Trümmerstücken festklammerte, die einem aber im nächsten Moment schon wieder entrissen werden können.

Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und die LIteraturwissenschaft, sowie Rückgriffe auf oder Anlehnung an andere literarische Werke. Die begreift natürlich nur, wer die entsprechenden Schriftsteller und Werke gut kennt oder selbst aus dem Literaturbetrieb bzw. der Literaturwissenschaft kommt.
Das trifft vor allem auf den ersten Teil des Romans zu, der von vier Literaturwissenschaftlern erzählt, die alle dadurch miteinander verbunden sind, dass sie als Koryphäen zu einem deutschen Schriftsteller namens Benno von Archimboldi und seinem literarisches Werk zählen. Der lebt äußerst zurückgezogen und wenig ist über ihn bekannt, wohl aber eine Menge Mythen und Gerüchte. Schließlich verlieren sich seine Spuren in einer mexikanischen Stadt namens Santa Teresa. Dort wiederum kommt es seit Jahren zu massenhaften Morden an Frauen. Die vier Forscher machen sich dorthin auf, um Archimboldi endlich einmal leibhaftig zu sehen vielleicht sogar zu treffen und werden mit der Gewalt in dieser Stadt konfrontiert, die schnell auch bei ihnen Auswirkungen zeigt.

Das eigentliche Motiv dieses Romans ist tatsächlich die Gewalt, die in jedem Menschen schlummert und durch die unterschiedlichsten Auslöser geweckt werden und zum Ausbruch kommen kann. Im vierten und umfassendsten Teil des Romans erzählt Bolano nun von den Frauenmorden. Auf über 300 Seiten wird ein Mord nach dem anderen berichtet, wird in das Leben der Opfer geblendet und vom Verlauf der Ermittlungen, als sie dann endlich stattfinden berichtet. Es ist der Blick in einen Abgrund und orientiert sich an der tatsächlichen mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez in der es seit Anfang der 90er Jahre zu diesen Frauenmorden kam und kommt ohne, dass sie je befriedigend aufgeklärt wurden. Hunderte von Frauen werden nach wie vor spurlos vermisst.

Nun könnte man behaupten, dass Bolano diesen für den Rest der Welt namen- und gesichtslosen Frauen eine Art literarisches Gesicht gibt. Ich weiß aber nicht, ob z.B. die im Roman beschriebenen Frauen und deren Schicksale den realen Frauen und deren Schicksal entsprechen oder ob Roberto Bolano die Namen der Frauen und ihre Schicksale erfunden hat. Der Roman an sich ist so voller sichtbarer und unterschwelliger Gewalt, häufig auch noch in Verbindung mit Wahnsinn, dass es einen wirklich schaudert. Und irgendwann wollte ich einfach nicht noch mehr davon lesen. Wir sind ja Tag um Tag von Gewalt umgeben, man denke nur an die Jugendlichen, die harmlose Passanten wegen 20 Cent oder irgendwelchen anderen Banalitäten totprügeln, an all die Kinder, die mißhandelt werden und an all die Gewalttaten, die uns täglich über die diversen Medien ins Haus geliefert werden.

Es ist unverkennbar, dass Bolano fasziniert war vom Thema Gewalt und allem, was damit zusammenhängt. Das ist für einen Schriftsteller natürlich legitim, auch dass er darüber schreibt. Genauso legitim ist es aber für die Leser, ihm darin nicht bis zur letzten Seite zu folgen, aus welchen Gründen auch immer. Literarisch kann ich nachvollziehen, dass viele Rezensenten Bolano für einen der begabtesten lateinamerikanischen Autoren der jüngeren Generation hielten und halten und über dieses nachgelassene Romanwerk jubeln.

Eine Wertung meinerseits entfällt für diesen Roman, da ich ihn zum einen abgebrochen habe und mich zum anderen nicht zu einem abschließenden Urteil habe durchringen können.

# ~ Spezial ~ ein Kommentar



18.07.2009

Aharon Appelfeld: Geschichte eines Lebens

Buch-CoverWieder einmal habe ich zu einem Buch des israelischen Schriftstellers Aharon Appelfeld gegriffen. Diesen Schriftsteller habe ich erst im letzten Jahr für mich entdeckt und seine stark autobiographisch geprägten Bücher ergreifen und bewegen mich jedesmal zutiefst.

So auch »Geschichte eines Lebens« in dem er diesmal offen autobiografisch aus seinem eigenen Leben berichtet. Von der geschützten frühen Kindheit bei den Eltern und Großeltern in der Bukowina, genauer in Czernowitz, vom Ausbruch des Krieges und dem zunehmenden Antisemitismus, vom Tod der Mutter und der Zeit mit dem Vater im Ghetto, vom Todesmarsch und seiner Flucht in die Wälder als Kind von wenigen Jahren. Sein Kampf ums Überleben, zunächst in den Wäldern, dann bei einer ukrainischen Bäuerin für die er arbeitete.

Nach dem Krieg wird er nach Israel geschickt und versucht dort das Erlebte zu verarbeiten, sich selbst zu finden und wie es von ihm gefordert wird, heimisch zu werden, die Sprache zu erlernen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch er trägt die tiefen Spuren des Erlebten an und in sich und tut sich schwer damit.

Berührend ist es zu lesen, wie er, der im Krieg das Schweigen gelernt hat, sich mühsam wieder aus diesem Schweigen herausarbeiten muß und mit dem Wort und der Sprache bzw. den Sprachen ringt. Kaum zu glauben, dass aus ihm so ein großartiger Schriftsteller geworden ist. Was mir schon in den anderen Büchern von ihm aufgefallen war, die ausdrucksstarke Kürze seiner Sätze, wie er gleichsam alles zu einer Essenz einschmilzt, die stärker wirkt als es lange Schachtelsätze oder ausschweifendes Erzählen könnten, bekommt hier eine Erklärung und Deutung.

Aharon Appelfeld erzählt, indem er Schlaglichter auf sein Leben fallen läßt, kleine und sehr prägende Erlebnisse, kurze Begegnungen mit Menschen oder langjährige Beziehungen, Momente des blitzartigen Erinnerns, Träume, die ihn über viele Jahre immer wieder quälen und aus all dem entsteht die Geschichte eines Lebens.

Dieses Buch nehme ich aus der sonst üblichen Wertung heraus, weil es ein Buch ist, dass sich nicht mit Sternen »bewerten« läßt. Es ist ein Buch, das ich zur Lektüre empfehle, weil es eine - von vielen - Lebensgeschichten erzählt, die nicht vergessen werden dürfen und die uns viel lehren können über das Leben und die Menschen, im Guten wie im Bösen.

# ~ Spezial ~ kein Kommentar



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