07.12.2011

Jón Kalman Stefánsson: Himmel und Hölle *****

Buch-CoverNachdem ich kürzlich den jüngsten Roman des isländischen Schriftstellers Jón Kalman Stefánsson, »Der Schmerz der Engel« gelesen habe und dabei feststellte, dass mir einer seiner Romane, der die Vorgeschichte zu diesem Roman erzählt, entgangen war, habe ich nun auch diesen gelesen.

Jón Kalman Stefánsson versteht es wahrlich von Himmel und Hölle zu erzählen und von allem anderen, den elementaren Dingen des Lebens, die sich dazwischen zutragen.

In »Himmel und Hölle« ist es die Geschichte zweier Jungen, die zusammen ihr Geld beim winterlichen Kabeljaufang vor Islands Küste verdienen und dabei jedes Mal ihr Leben risikieren und in die Waagschale werfen. Einer von ihnen, Bár∂ur, liebt die Bücher und hat in einem Ort den erblindeten ehemaligen Kapitän Kolbeinn kennengelernt, der über eine große eigene Bibliothek verfügt, damals eine Rarität. Nicht nur das, er darf dort Bücher ausleihen. Seinen namenlosen Freund nimmt mit dort hin und leiht eines Tages Miltons »Das verlorene Paradies« aus, dieses große epische Gedicht, das ein anderer Isländer mühevoll in seine Sprache übersetzt hat. Bár∂ur ist hingerissen von dem, was er da liest und kann sich kaum davon losreißen und es gelingt ihm auch seinen Freund zu faszinieren. Noch kurz vor einem neuen Fischfang, prägt sich Bár∂ur einen weiteren Satz, der ihm gefällt, ein und vergisst dabei, seinen Anorak unter dass Ölzeug zu ziehen. Es ist ein Satz wie ein Menetekel »«Nichts ohne dich ist süß."

Bár∂ur Versäumnis rächt sich bitter, denn ein Eissturm kommt auf und Bardur ist diesem Eissturm zu lange und zu leicht bekleidet ausgesetzt. Alle Versuche seines Freundes, ihn zu retten, nutzen nichts. Als die Fischer schließlich mit ihrem Boot zurückkehren, ist Bardur tot. Das Buch, das er geliebt hat, hat ihn mit einem Satz getötet, so sieht es jedenfalls sein namenloser junger Freund, der am Boden zerstört ist. Er beschließt, zu Kapitän Kolbeinn zurückzukehren, das geliehene Buch im Namen seines Freundes Bardur zurückzugeben und die Nachricht seines Todes zu überbringen. Danach will er eigentlich nur noch selber sterben, denn ohne seinen Freund, scheint ihm das Leben sinnlos geworden zu sein. Doch im Ort begegnet er auch Geirpruthur, die schon den blinden Kolbeinn aufgenommen hat, und sie und viele andere im Ort helfen mit ihren eigenen Geschichten auch dem Jungen, seine Trauer zu und schließlich auch wieder loszulassen und sich neu auf das Leben zwischen Himmel und Hölle einzulassen.

Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass ich Stefánsson wirklich für einen der bedeutendsten lebenden isländischen Schriftsteller halte und auch dieser Roman ist ein leuchtendes Beispiel für seine Erzählkunst. Präzise und verdichtet, kann er ganze Schicksale, die grandiose isländische Natur und den Überlebenskampf des Menschen, Schuld und Sühne, Hass und Liebe - eben alles, zwischen Himmel und Hölle in Worte fassen. Wer das, was Stefánsson schreibt für Trivialliteratur, Allgemeinplätze und Binsenwahrheiten hält, der hat weder das Leben noch die Menschen verstanden.

Am Ende möchte ich auch den Übersetzer der Romane von Stefánsson einmal erwähnen. Karl-Ludwig Wetzig versteht es wunderbar, diese poetischen Romane ins Deutsche zu übertragen und für uns Leser hier zugänglich zu machen.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



03.12.2011

Jasper Fforde: Grau *****

Buch-CoverVor Jahren las ich den ersten Band von Jasper Ffordes Thursday-Next-Reihe, der mir gut gefiel. Irgendwie kam es dann aber immer nicht dazu, dass ich weitere Bände dieser Reihe gelesen hätte. Als ich dann vor kurzem mitbekam, dass Jasper Fforde eine neue Reihe begonnen hat, wollte ich den ersten Band dazu unbedingt lesen.

Dieser erste Band trägt den schlichten Titel »Grau« und ist der Auftaktband zur Eddie-Russett-Trilogie, die die Leser in eine fremde Welt entführt, die streng auf Regeln basiert, die ein gewisser Munsel vor hunderten Jahren aufgestellt hat. Schon das Nachdenken über eine Änderung von Regeln oder Vorschläge diese auch nur leicht abzuwandeln und vielleicht an die Gegebenheiten besser anzupassen, führt zu Problemen. Wer gegen die Regeln verstößt oder sonstwie unangenehm auffällt, wird bestraft und im schlimmsten Fall zum sog. »Reboot« geschickt. Es ist eine Diktatur entstanden, die es schafft, nicht sofort als solche zu erscheinen, so dass sich ihr die meisten Menschen willig unterwerfen.

Der Rang innerhalb dieser Gesellschaft und im Grunde auch der Lebensweg ist von Beginn des Lebens an so gut wie völlig festgelegt, denn er hängt von der eigenen Fähigkeit der Farbwahrnehmung ab. Diese Welt ist nämlich schwarz-weiß. Farben sind eine Kostbarkeit, die größtenteils synthetisch hergestellt werden. Die Bewohner dieser Welt können jeweils nur eine einzige Farbe in Abstufungen wahrnehmen. Wer eine hohe Farbwahrnehmung hat, steht in der Gesellschaft ganz oben, wer Farben nicht wahrnehmen kann, gehört zu den sog. Grauen, die ganz unten auf der Leiter stehen.

Und dann ist da besagter Eddie Russett, der kurz davor steht, den »Initationsritus« zur Aufnahme in die Welt der Erwachsenen bzw. vollgültigen Bürger der Gesellschaft, zu durchlaufen. Bei diesem Ritus, wird die Farbwahrnehmung jedes einzelnen Anwärters überprüft und festgeschrieben und zwar endgültig. Eine Wiederholung des Tests ist ausgeschlossen und das Ergebnis hat immense Auswirkungen auf die eigene Zukunft.

Eddie ist ein sog. »Roter«, denn er kann diese Farbe wahrnehmen und so wie es den Anschein hat, sogar zu einem recht hohen Prozentsatz, was seine Heiratsaussichten sprunghaft hat ansteigen lassen. Als potentielle Braut gilt die Tochter der Oxbloods, Erbin eines Bindfadenimperiums. Doch dann wird Eddie wegen ungebührlichen Verhaltens zur Strafe in die sog. Randzone geschickt, wo er zur Strafe eine Stuhlzählung vornehmen soll. Diese Reise wird für Eddie in vielerlei Hinsicht zu einem Wendepunkt und das nicht nur, weil er dort Jane, eine Graue, trifft, die ihm als erstes androht, ihn zu ermorden.

Mehr will ich hier über den Inhalt des Romans gar nicht verraten. Auf jeden Fall zählt »Grau« zu den unterhaltsamsten, phantasievollsten, intelligentesten Romanen, die ich dieses Jahr gelesen habe. Meisterlich hat Jasper Fforde hier eine Geschichte begonnen, die durch ihre vielen Ideen, Anspielungen, den manchmal schrägen Humor aber auch die unterschwelligen ernsten Themen zu bestechen weiß.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit Eddie Russett weitergeht und hoffe, dass sich Jasper Fforde nicht zuviel Zeit lässt, den Nachfolgeband zu schreiben und ich bin fest entschlossen, mich diesmal nicht davon abhalten zu lassen, Band zwei und drei auch zu lesen. Und in der Wartezeit auf die Nachfolgebände schaffe ich es vielleicht ja doch noch, die bisher erschienen Bände der Thursday-Next-Reihe endlich zu lesen.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



18.11.2011

Benedict Wells: Fast genial *****

Buch-CoverZufällig wurde ich auf den Roman »Fast genial« vom noch recht jungen deutschen Autor Benedict Wells, von dem ich bisher noch nie gehört hatte, aufmerksam gemacht. Ich war etwas zögerlich - junge Autoren werden ja in Deutschland gerne gehypt und nicht selten rechtfertigen sie die Vorschußlorbeeren nicht wirklich. Doch da der Roman bei Diogenes erschienen ist, was meist eine Garantie dafür ist, dass man nicht absoluten Schrott zu lesen bekommt, und nur knapp über 300 Seiten lang ist, beschloss ich die Lektüre zu riskieren.

Held des Romans ist der fast achtzehnjährige Francis Dean, der zusammen mit seiner schwer depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey lebt. Eines Tages findet er die Mutter nach einem Selbstmordversuch gerade noch rechtzeitig und die Mutter landet - wie schon zuvor - wieder in einer Psychiatrie.

Dort sieht Francis zufällig die junge Anne-May, die psychisch ebenfalls angeschlagen, dort gerade Patientin ist. Vorsichtig kommen sich die beiden näher. Dann unternimmt Francis Mutter einen weiteren Selbstmordversuch. Wieder findet Francis sie rechtzeitig, so dass sie gerettet werden kann. Francis findet auch einen Abschiedsbrief der Mutter, in dem sie ihm offenbart, dass er ein Retortenkind ist. Als junge Frau hat sie an einem Projekt teilgenommen, bei dem einige Wissenschaftler eine Samenbank angelegt haben, die nur von Nobelpreisträgern bzw. Spendern mit sehr hohem IQ »bestückt« wurde. Was von den Initatoren des wissenschaftlichen Projekts eigentlich nicht so gedacht bzw. geplant war: seine Mutter hat die Identität seines (Spender)Vaters herausgefunden.

Francis beschließt, seinen Vater zu suchen. Da bittet ihn Anne-May, sie mitzunehmen und auch seinen Freund, den Nerd Grover, nimmt er mit auf die Reise, denn der hat die Möglichkeit ein Auto zu beschaffen. Die Flucht von Anne-May aus der Klinik gelingt und schon sind die drei auf dem Weg und es entfaltet sich ein echtes Roadmovie, das die drei Freunde durch elf Staaten bis zur Westküste führen wird.

Mich hat Benedict Wells mit diesem Roman wirklich beeindruckt! Er erzählt diese Geschichte in einem so leichten Ton und führt seine Protagonisten trotzdem durch existentielle Themen und Fragen. Er setzt sich mit dem Thema In-vitro-Fertilisation auseinander und beleuchtet das Schicksal der Kinder, die mit Hilfe dieser Methode gezeugt wurden. Er stellt die Frage, was wichtiger ist für ein erfolgreiches glückliches Leben: Gene, Fleiß, Schicksal oder schlicht Glück oder ist es am Ende eine geglückte Mischung aus all dem.
Die drei Protagonisten wuchsen mir binnen kürzester Zeit ans Herz in ihrem Prozeß des Erwachsenwerdens und der Suche nach ihrem Weg durchs Leben. Ein Roman, der gleichermaßen Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann ziehen kann.

Und dann krönt Benedict Wells diesen Roman am Ende auch noch mit einem Showdown, der es in sich hat und die Spannung und den Puls der Leser in ungeahnte Höhen treibt. Alle Achtung Benedict Wells!

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



13.11.2011

Jón Kalman Stefánsson: Der Schmerz der Engel *****

Buch-CoverEndlich wieder ein neuer Roman des wunderbaren und sehr poetisch erzählenden isländischen Schriftstellers Jón Kalman Stefánsson. Leider habe ich zu spät mitbekommen, dass »Der Schmerz der Engel« eigentlich der Mittelteil einer Trilogie ist. Der erste Band trägt den Titel »Himmel und Hölle« und erzählt die Vorgeschichte zu »Der Schmerz der Engel«. Allerdings kann man »Der Schmerz der Engel« problemlos auch als einzelnen Band lesen. Ich werde auf jeden Fall schnellstmöglich auch noch den ersten Band der Trilogie lesen.

Held des Romans ist »der Junge«, den sein Schicksal allein und verwaist Ende des 19. Jahrhunderts in den Ort Vík (bezeichnet wohl das heutige Städtchen Bolungarvík) verschlägt, damals ein wichtiger Handelsposten für die Fischindustrie der Westfjorde. Dort nehmen ihn vor allem zwei Frauen unter ihre Fittiche und planen, ihm eine höhere Bildung angedeihen zu lassen. Doch vorher schicken sie den Jungen als Begleiter mit dem Postboten auf eine Art Himmelfahrtskommando zum absolut abseits gelegenen Handelsposten Sléttueyri. D.h. eigentlich schickt Sigurdur, einer der mächtigsten Männer am Ort, den Postboten mitten im Winter auf diese Tour und die Frauen geben dem Postboten den Jungen mit, weil sie wissen, dass der Postbote, ein fast unverwüstlicher verwegener Riese, sich furchtbar vor dem Meer fürchtet und das muss auf dem Weg zum Zielort zweimal überquert werden.

Der größte Teil des Romans schildert dann die Reise dieser beiden durch eine unwirtliche, man kann sagen menschenfeindliche, rauhe Landschaft, die zudem von Winterstürmen gepeitscht wird, die mit Unmengen von Schnee, alles überdecken so dass nur ein weißes Gleißen bleibt. Der Schnee liegt so hoch, dass man über eingeschneite Hütten, Bauernhöfe und Schafherden hinweglaufen kann, ohne es zu merken. Der Schnee wird vom Wind so verweht, dass man den Weg nicht mehr sieht und sich eigentlich nur verlaufen kann. Verlaufen bedeutet in einer solchen Gegend und Wetterlage aber fast unausweichlich den Tod.

Der Weg wird zu einem nackten Kampf um das Überleben und schildert auch die bitteren Lebensumstände der Menschen, die entlang dieses Weges fernab der Zivilisation, jeden Tag auf's neue diesen Kampf kämpfen müssen. Die Armut ist unglaublich ebenso aber auch die Träume, die Liebe und Gastfreundschaft.

Natürlich schweißen der Weg und der Kampf ums nackte Überleben den Postboten und den Jungen auch zusammen. Sie begreifen schnell, dass sie aufeinander angewiesen sind und retten sich gegenseitig mehrfach das Leben. Ein Schlüsselabsatz ist wohl der, in dem erklärt wird, dass Poesie tödlich sein kann, der Mensch aber ohne Träume verkümmert und erst recht ohne den Austausch über das Wort.

Der Junge ist ein Liebhaber der Worte und er hat auch das Bedürfnis zu sprechen, sich auszutauschen. Der Postbote hingegen ist ein Schweiger und auch auf der Reise spricht er meist nicht mehr als unbedingt nötig und beklagt sich bitter über den Jungen, der immer wieder versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Aber ohne Worte geht es nicht, ohne Worte gibt es kein Überleben.

Jón Kalman Stefánsson versteht es, mit wenigen aber perfekt gesetzten Worten, die Leser mit hineinzunehmen in die schroffe Landschaft, den lebensfeindlichen Winter, die heulenden Stürme, die über die Fjells ziehen. Während man den Roman liest, stellt sich ein Gefühl ein, als wäre man selbst plötzlich abgeschnitten von allem Äußeren und ganz hineingezogen in diese Geschichte, die so viele existentielle Fragen aufwirft.

Es finden sich so viele wunderbare Sätze in diesem Roman, dass man immer wieder innehält und ihnen nachsinnt. Irgendwann scheinen für einen selbst Zeit und Raum aufgehoben, man ahnt etwas von der Einsamkeit des Menschen, der sich durch eine solche Landschaft, durch ein solches Leben kämpft. Was ist es, dass uns in solchen existentiellen Kämpfen weiterträgt, dass uns nicht aufgeben lässt und auch noch den Schritt tun lässt, den wir eigentlich gar nicht mehr tun können? Was ist das Leben, was der Tod und wie beeinflussen die Antworten auf diese Fragen, wie wir leben?

Jón Kalman Stefánsson ist meiner Meinung nach mit Sicherheit einer der besten lebenden isländischen Literaten.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



11.11.2011

Jo Nesbø: Die Larve *****

Buch-CoverJo Nesbøs Krimiheld Harry Hole ist endgültig aus dem Polizeidienst ausgeschieden und ist nun schon seit drei Jahren weit weg von Oslo in Hongkong ansässig. Dort fühlt er sich inzwischen wohl, doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass Oleg, der Sohn seiner großen Liebe Rakel, des Mordes verdächtigt und verhaftet ist. Die Beweise sind erdrückend.

So macht sich Harry Hole doch wieder auf nach Oslo und versucht alles, um Olegs Unschuld zu beweisen. Seine Nachforschungen führen ihn mitten hinein ins Drogenmilieu und die Machtkämpfe die dort unter den Dealern toben. Vordergründig scheint es so, als sei die Drogensituation in Oslo in den letzten Jahren deutlich besser geworden doch dann kommt Harry Hole einer neuen Superdroge auf die Spur und macht sich auf die Suche des großen Unbekannten, der im Hintergrund die Fäden zieht und offenbar Kontakte bis in die Polizei und Politik hat, die ihn decken.

Gewohnt spannend, vielschichtig und raffiniert konstruiert Jo Nesbø diesen Fall und gibt ihm am Ende eine zumindest von mir völlig unerwartete Wendung. Mehr will ich hier nicht verraten, um niemandem die Spannung zu verderben. Jo Nesbø zählt mit recht zu den bedeutendsten norwegischen Krimiautoren.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



01.11.2011

Alex Capus: Léon und Louise *****

Buch-CoverEs ist der 16. April 1986 als sich in der Kathedrale von Notre-Dame die Familie Le Gall versammelt, um der Totenmesse für den Familienpatriarch Léon Le Gall beizuwohnen. So erzählt es sein Enkel, der im Folgenden die Lebensgeschichte des Großvaters und damit auch die Geschichte der Familie in den zurückliegenden 86 Jahren vor den Lesern ausbreitet.

1918 als Léon zarte siebzehn Jahre alt ist, lernt er die gleichaltrige Louise Janvier kennen, die seine große Liebe und doch nicht seine angeheiratete Frau werden wird. Doch so oft die Unbill des Lebens die beiden trennt, so oft führen die verschlungenen Lebenspfade sie auch wieder zueinander. Als dies zum ersten Mal geschieht, ist Léon aber bereits mit Yvonne verheiratet, hatte er doch gedacht, Louise sei im Krieg umgekommen. Sich von Yvonne zu trennen ist für Léon undenkbar und Louise selbst verlangt das auch nicht von ihm. Obwohl sie über Jahre beide in Paris leben, vermeiden sie den Kontakt zueinander. Nur hier und da kommt es zu zufälligen flüchtigen Begegnungen. Leon, der seiner Frau von Louise, seiner ersten großen und - wie er zu dem Zeitpunkt noch denkt - verlorenen Liebe, erzählt hat, wird vierfacher Vater, geht seinem Beruf nach und sorgt vorbildlich für seine Familie.

Dann kommt der zweite Weltkrieg und irgendwann stehen die Deutschen vor Paris. Louise, die als Buchhalterin für die Banque de France arbeitet, wird mit dem in der Bank eingelagerten Gold in letzter Sekunde per Bahn und dann Schiff fortgeschickt, um das Gold dem Zugriff der Deutschen zu entziehen. Während Louise in Frankreich auf das Ende des Krieges und die Befreiung Frankreichs wartet, um dann nach Paris zurückkehren zu können, bleibt Léon mit seiner Familie in Paris und schlägt sich so gut es geht durch die schwierigen Umstände. Der Kontakt zwischen Louise und Léon wird durch gelegentliche Briefe aufrechterhalten, d.h. nur Louises Briefe, in denen sie von ihrem Leben in Afrika berichtet, erreichen Léon, sie aber erhält keine Briefe von ihm - wobei offen bleibt, ob die Briefe auf dem Postweg verloren gegangen sind oder ob Léon auf ihre Briefe nicht geantwortet hat.

Als Louise endlich nach Paris heimkehrt führt sie ihr Weg so schnell es geht zu Léons Wohnung, die sie zuvor nie betreten hat. Dort trifft sie nur auf Yvonne, die ihr nach gemeinsamem Kaffeetrinken und Kuchenessen den Weg zu Léon weist, der sich in seiner Freizeit auf einem Boot aufhält. Mit dem Wissen von Yvonne leben Léon und Louise ihre Liebe zueinander auf dem Boot aus, wobei Léon aber seinen Pflichten als Familienvater gewissenhaft weiter nachkommt und immer wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt. Erst als die Kinder aus dem Haus sind, Yvonne schließlich verstirbt und das Trauerjahr vorüber ist, starten die inzwischen 62jährigen Liebenden in ein wirklich zweisames Leben.

Mit »Léon und Louise« hat Alex Capus einen wirklich wunderbar erzählten Roman veröffentlicht. Die Romanfiguren wachsen einem im Handumdrehen ans Herz und sind großartige Charaktere. Die Liebesgeschichte wirkt an keiner Stelle schwülstig oder künstlich und ist angenehm zu lesen. Eigentlich ist es ja eine Dreiecksgeschichte aber sie ist auf eine Art und Weise entwickelt und erzählt, dass deutlich wird, dass es keiner der drei Beteiligten absichtlich darauf angelegt hätte, sondern die Lebensumstände und Wirren der Zeit führen dorthin. Keiner macht dem anderen tiefgreifende Vorwürfe und alle Figuren bringen einander den höchsten Respekt entgegen, und gerade das ermöglicht es ihnen, dieses Konstellation zu leben, ohne das einer von ihnen dabei auf der Strecke bleibt.

Beim Lesen von Alex Capus Roman fühlte ich mich, was die Erzählweise oder den Erzählton angeht, hier und da ein wenig an die Familienromane des französischen Schriftstellers Jean Rouaud und die Romane der französischen Schriftstellerin Sylvie Germain erinnert. »Léon und Louise« ist von den Romanen, die ich bisher von Alex Capus gelesen habe, der beste. Dicke Lese-Empfehlung!

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



21.10.2011

Charles Lewinsky: Gerron *****

Buch-CoverDer Schriftsteller Charles Lewinskys war mir durch seinen 2006 erschienenen Roman »Melnitz« bekannt und jetzt habe ich seinen jüngsten Roman »Gerron« gelesen und bin ähnlich beeindruckt und erschüttert wie damals von »Melnitz«.

Im Roman erzählt Charles Lewinsky die Geschichte des jüdischen Schauspielers und Regisseurs Kurt Gerson auch genannt Kurt Gerron. Den hat es tatsächlich gegeben und die groben biographischen Linien seines Lebens hat Lewinsky für diesen Roman als Rahmen genommen. Die Leerstellen aber dann - wenn auch sehr gekonnt - fiktiv aufgefüllt.

Kurt Gerson/Gerron erlangte als Schauspieler und Regisseur einige Berühmtheit und gehörte zu den Juden in Deutschland, die die Zeichen der Zeit, als die Nazionalsozialisten an die Macht kommen, nicht rechtzeitig erkennt und zudem lange Zeit glaubt, durch seine Berühmtheit geschützt zu sein.

Als er dann Berufsverbot bekommt, ist es immer noch nur einem Freund zu verdanken, dass er mit seiner Familie - seinen Eltern und seiner Frau Olga - nach Paris geht. Von dort führt sein Weg über Österreich und Italien schließlich nach Amsterdam. Als die Deutschen die Niederlande besetzen ist seine Flucht zuende und er landet zunächst im niederländischen Durchgangslager Westerbork. Ende 1944 wird er zusammen mit seiner Frau ins KZ Theresienstadt deportiert.

Der Lagerkommandant erkennt Gerron und verlangt von ihm einen (angeblich) dokumentatorischen Film über Theresienstadt zu machen aber dabei Theresienstadt als eine Art Musterstadt für Juden darzustellen. Gerron erbittet sich drei Tage Bedenkzeit - eigentlich schon eine Ungeheuerlichkeit aus Sicht des Lagerkommandanten - und lässt in seinen Erinnerungen sein Leben an sich vorbeiziehen. Als er sich schließlich zur Entscheidung den Auftrag abzulehnen durchgerungen hat, hält ihn im letzten Moment ein Mitgefangener auf und überredet ihn den Auftrag doch anzunehmen und auf diese Weise wenigstens die am Film Beteiligten vor der Verschickung nach Ausschwitz oder andere Todeslager zu retten. Gerron ist aber sich selbst gegenüber auch ehrlich genug zuzugeben, dass es auch die Hoffnung ist, sich selbst und seine Frau retten zu können, die ihn letztlich dazu bringt, der »Bitte« des Lagerkommandanten nachzukommen.

In den Erinnerungen, die Gerron an sein Leben hat, lässt Lewinsky die Weimarer Republik und das Deutschland der 20er und 30er Jahre wieder auferstehen mit einem besonderen Schwergewicht auf dem Bereich des Kabaretts, Theaters und Films. Das ist ihm - so weit ich das beurteilen kann - sehr gut gelungen.

Was Gerron im Lager in Theresienstadt und bei den Vorbereitungen auf den Film bzw. seinen ersten Arbeiten am Film erlebt, ist erschüttert, denn immer nimmt man als Leser an seiner Gedankenwelt teil, an seinem Ringen um das Überleben aber auch um ein Stück »Normalität« im Wahnsinn des KZs. Sehr trocken, manchmal fast lakonisch und mit bitterem Humor »seziert« der studierte Mediziner Gerron nicht nur sich selbst und seine Motive sondern auch das, was er täglich vor Augen hat, was er erlebt und die Menschen um sich herum.

»Gerron« ist alles andere als eine angenehme Lektüre aber ganz sicher ein wichtiger Roman. Dieser Roman ist aber nicht nur eine Art »Geschichtserzählung« sondern er kommt dem Leser nah, denn wer ehrlich und offen diesen Roman liest, wird anfangen, sich Fragen zu stellen: Wie hätte ich mich verhalten? Wie lange hätte ich versucht, mir einzureden, dass es mich nicht betrifft, dass mein Leben einfach weitergehen kann wie gewohnt? Wo wäre bei mir der Punkt, wo ich resigniere, nachgeben, aufgebe, einknicke? Wie weit würde ich gehen, um mein Leben und oder das meiner Liebsten zu retten? Kann, darf man über einen Kurt Gerson den Stab brechen? Wohl kaum.

Der Roman endet mit den Zeilen:
Vieles in diesem Roman ist erfunden. Dieses leider nicht. Am 30. Oktober 1944 wurden Kurt Gerron und seine Frau Olga in Ausschwitz ermordet. Drei Tage später wurden die Vergasungen endgültig eingestellt.

Der Film über Theresienstadt wurde vom Kameramann Ivan Fric geschnitten und vertont.


# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



16.10.2011

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand *****

Buch-CoverZu Beginn dieses Romans begegnen die Leser Allan Karlsson, der just an diesem Tag seinen hundertsten Geburtstag feiert oder besser feiern könnte, wenn er denn wollte. Wenn jemand hundert wird, ist allen klar, viel kann danach nicht mehr kommen; eigentlich bleibt nur noch das Warten auf den Tod. Allan Karlsson aber hat es satt in dem Altersheim, in dem er die letzten Jahre zugebracht hat, weiter zu warten und auf die Geburtstagsfeier mit dem Stadtrat, der Presse, dem Pflegepersonal und all den anderen Bewohnern des Altersheims, hat er schon gar keine Lust. Stattdessen klettert er kurzerhand aus dem Fenster, in die Rabatte und begibt sich auf eine Reise, deren Weg und Ziel noch völlig offen ist.

So beginnt der schwedische Schriftsteller Jonas Jonasson seinen Debütroman, der bereits 2009 in Schweden erschienen ist und dort zum beliebtesten Roman des Jahres wurde. Und Jonasson fabuliert drauf los, dass einem Hören und Sehen vergehen. Ohne Erbarmen jagt er seinen Protagonisten in eine aberwitzige Geschichte voller überraschender Wendungen, liebenswerter Charaktere und einem Elefanten und das alles erzählt auf eine Art und Weise, die einen schwedischen Charakterzug spiegelt, nämlich mit einer gewissen Zurückhaltung und Nonchalance. So abenteuerlich die Geschichte sich entwickelt, so glaubwürdig wirkt sie durch den Erzählton, den Jonasson wählt und der echte Könner des Erzählens auszeichnet.

Ehe der Hundertjährige es sich versieht, ist er im Besitz eines mit Drogengeld gefüllten Koffers und hat die Drogenhändler an den Hacken, die natürlich das Geld zurück haben wollen. Und so schlurft und stolpert Allan Karlsson weiter, begegnet Menschen, die ihm helfen oder teils ungewollt zu »Komplizen« werden. Polizei, Presse, ja bald das ganze Land sind hinter Allan Karlsson und »seiner Bande« her aber er und seine Mitstreiter sind immer einen kleinen Schritt schneller oder gewitzter als ihre Verfolger. Ein humorvoller Unterton schwingt mit und hat mich hier und da auch an den finnischen Autor Arto Paasilinna erinnert, der ja in seinen Romanen und Erzählungen ebenfalls mit viel trockenem und manchmal auch krachendem Humor arbeitet oder auch an den amerikanischen Schriftsteller John Irving mit seinen Geschichten und seinem Figurenkanon.

Dieser Roman ist vieles in einem: Krimi, Roadmovie, Schelmenroman, Abenteuerroman, Münchhausengeschichte und alternative Geschichtserzählung, auch wenn sich für die Leser herausstellt, dass die Weltgeschichte im 20. Jahrhundert teils doch etwas anders verlaufen ist, als ihnen bisher bekannt war. Parallel zu diesem Roadtrip wird nämlich auch die Lebensgeschichte von Allan Karlsson erzählt und die führt ihn durch die ganze Welt und häufig ist es gerade er, der der Geschichte fast beiläufig den entscheidenden kleinen Stoß in die eine oder andere Richtung gibt. So dürften die Leser z.B. erstaunt sein, zu erfahren, wie es dazu kam, dass das russische Wladiwostock für Jahrzehnte zur militärischen Sperrzone wurde oder warum der heutige nordkoreanische Herrscher Kim-Jong-il keiner Menschenseele traut. In den Kapiteln des Romans die Allan Karlssons Leben erzählt, wirkt er wie eine schwedische Ausgabe von Forrest Gump und so dick dort auch manchmal aufgetragen wird, man kann nicht umhin, zu lachen und alle absurden Wendungen in Allans Leben mitzumachen.

Zwischen den beiden Buchdeckeln von »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« steckt echtes Lesevergnügen, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und einen Sinn für solche Geschichten hat. Wer Wert auf historische Genauigkeit, gründliche Recherche und einen literarisch anspruchsvollen Sprachgebrauch legt und lieber erst zweimal überlegt, ob er lachen will oder nicht, wird mit dem Roman wohl eher nicht auf seine Kosten kommen. Allen anderen kann ich es nur wärmstens ans Herz legen.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



10.10.2011

Wolfgang Schorlau: Die letzte Flucht *****

Buch-CoverAuf die Kriminalromane des Stuttgarter Krimiautors Wolfgang Schorlau warte ich immer besonders ungeduldig und gespannt. Seine Serie um den Privatermittler Georg Dengler ist nicht nur spannend sondern auch immer sehr aufklärend. Für jeden der bisher erschienen Bände hat sich Wolfgang Schorlau ein spezielles brisantes gesellschaftspolitisches Thema vorgenommen und dann gründlichst recherchiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dann im Krimi verarbeitet und so nicht nur eine spannende Kriminalgeschichte erzählt, sondern es springt für den aufnahmebereiten Leser auch noch eine Menge Information über aktuelle Themen dabei heraus.

Im neuesten Band bekommt Georg Dengler seinen sechsten großen Fall. Ein bekannter Arzt und Wissenschaftler von der Berliner Charité ist unter dringendem Tatverdacht verhaftet worden. Er soll ein kleines Mädchen mißbraucht und anschließend umgebracht haben. Die sichergestellten Beweise sind schier erdrückend. Trotzdem glauben weder seine Familie noch enge Kollegen, dass er die Tat wirklich begangen hat. Nach anfänglichem Widerstand übernimmt Dengler den Fall tatsächlich und wird Zeuge, wie der Verdächtige im Zusammenhang mit einer dringenden Untersuchung in der Charité flieht. Das spricht natürlich nicht gerade für den beschuldigten Arzt.

Im Wechsel mit den Kapiteln, die die Geschichte weiter erzählen, erfahren die Leser von einer Entführung, die keinem auffällt. Ein Top-Manager eines Pharmaunternehmens ist das Opfer und wird von seinem Entführer einer unangenehmen Befragung unterzogen. In diesem Erzählstrang enthüllen sich nach und nach die Machenschaften der Pharmariesen und wie sich das auf unsere Ärzteschaft, die Krankenkassen und letztlich uns als Patienten auswirkt. Wie langjährige Leser von Schorlau es gewohnt sind, belegt er alles was er hier behauptet mit entsprechenden Nachweisen, Dokumente, Artikel, Interviews, Webseiten etc.

Wer eine realistische Bestandsaufnahme der Pharma-Industrie und des Medizinbetriebs lesen möchte, sollte Schorlaus neuen Krimi auf jeden Fall lesen und dann auch die angegebenen Quellen, Buchempfehlungen und Links anschauen. Aufklärung, die angesichts eines korrumpierten und korrupten Systems dringend notwendig ist, für die Bürger, die für diese Machenschaften und den Profit einiger weniger einen viel zu hohen Preis zahlen, der längst nicht nur in Münzen zu zählen ist. Wer sich nicht länger betrügen und belügen lassen will, wer das korrupte System nicht unwissentlich mit unterstützen will aber auch wer Bescheid wissen will, was zu tun ist und wer bereits gegen diese Zustände aufsteht, wird die Lesezeit für diesen Krimi ganz sicher nicht bereuen.

Die Ermittlerin im Fall, in dem Dengler aktiv wird, ist eine toughe Kommissarin und bald richtet sich ihr Verdacht auch auf Dengler. Hat er dem Beschuldigten zur Flucht verholfen? Die weitere Entwicklung des Falles bringt Dengler schließlich selbst in ärgste Bedrängnis, bis er schließlich der Wahrheit auf die Spur kommt.

Am Rande der Geschichte, greift Wolfgang Schorlau übrigens auch die Stuttgart-21-Proteste auf und besonders die Vorkommnisse am »Schwarzen Donnerstag« im Stuttgarter Hofgarten und er widmet diesen Kriminalroman den Stuttgarter Jugendlichen, die sich am 30. September 2010 mit ihren Sitzblockaden gegen die Zerstörung ihrer Stadt gewehrt haben.

Wer den Krimi von Wolfgang Schorlau nicht lesen möchte aber an der Thematik interessiert, kann natürlich auch direkt auf die Homepage gehen und dort die recherchierten und verarbeiteten Materialien nachlesen.

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



08.10.2011

Tom Rob Smith: Agent 6 *****

Buch-CoverEndlich ist Tom Rob Smith dritter Roman um den Ex-KGB-Ermittler Leo Demidow »Agent 6« auch in Deutschland erschienen. Ich war schon sehr gespannt darauf, wie die Geschichte weitergeht.

Die Handlung setzt 1950 im berüchtigten Hauptquartier der Geheimpolizei, Lubjanka, ein und natürlich ist Leo damals noch ein erfolgreicher KGBler, der einen neuen Schüler hat, dem er die Feinheiten der Ermittlungsarbeit beizubringen hat. Der neue Schüler ist hochintelligent aber denkt - aus Sicht des Geheimdienstes - leider ein bisschen zu selbständig bzw. wagt es eigenmächtig zu agieren. Das kann natürlich nicht lange gut gehen.

Dann erfahren die Leser, wie Leo Demidow seine spätere Frau Raisa kennenlernt und von einem farbigen Protestsänger und Bürgerrechtler, der die UdSSR bewundert und sogar zu einem umjubelten Besuch kommt. Natürlich geben sich die Russen allergrößte Mühe, um dem Gast eine geschönte Version des sowjetischen Alltagslebens zu präsentieren. Leo Demidow und auch Raisa sind an dieser Aktion beteiligt, die wegen Leos Schüler beinahe in einem öffentlichen Desaster endet.

Dann gibt es wieder einen zeitlichen Sprung. Es ist 1965 und Leo ist nicht mehr beim KGB beschäftigt sondern arbeitet in einer Fabrik. Raisa ist eine erfolgreiche Lehrerin, die nun Karriere macht und ihre beiden Adoptivtöchter Soja und Elena sind fast erwachsen. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen der UdSSR und den USA und als Zeichen dafür, soll es in New York vor der UNO ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler geben, das die beginnende Völkerfreundschaft belegen soll. Raisa hat diese Konzertreise hauptverantwortlich vorbereitet und nimmt auch ihre beiden Töchter mit nach New York.

Das Konzert selbst wird ein voller Erfolg, doch es gibt noch andere Beteiligte, die das Konzert für ihre Zwecke nutzen wollen und Elena hat sich überzeugen lassen, dabei mitzuhelfen. Das ganze endet in einer absoluten Katastrophe, die Leo Demidow für Jahre völlig aus dem Gleis werfen wird und bis nach Afghanistan, Pakistan und schließlich auch in die USA führen wird. Immer auf der Suche nach der Wahrheit oder doch um Rache zu üben?

Mir hat Agent 6 sehr gut gefallen, wie schon die beiden Vorgängerbände. Tom Rob Smith hat es geschafft, mit Leo Demidow eine interessante Hauptfigur zu schaffen, die mit jedem Roman mehr Facetten und Brüche aber auch Geradlinigkeit zeigt. Smith schreibt präzise und knapp und versteht es einen spannenden Plot zu entwerfen. Das Roman endet im Dezember 1981 und ich hoffe sehr, dass wir noch mindestens einen weiteren Roman um Leo Demidow zu lesen bekommen werden, gerne auch mehr!

# ~ 5_Sterne ~ kein Kommentar



weiter