02.09.2011

Johan Theorin: Blutstein ***

Buch-CoverBlutstein ist der dritte Band der auf vier Bände angelegenen Jahreszeiten-Reihe, die auf dem schwedischen Öland spielt. Leider kann dieser Band, für mein Empfinden, nicht an die beiden Vorgängerbände anknüpfen. Gerade der unmittelbare Vorgänger »Nebelsturm« war wirklich spannend und vielschichtig.
Die Geschichte, die Theorin in »Blutstein« erzählt dreht sich in der Hauptsache um Per Mörner, dessen Vater sein Geld im Porno-Geschäft verdient hat, nun aber alt und nach einem Hirnschlag dement ist. Pers Tochter Nilla ist schwer krank und braucht eine sehr riskante Operation um zu überleben. Mit ihr und seinem Sohn Jesper, die beide sonst bei seiner geschiedenen Frau leben, fährt er zu einem Ferienhaus auf Öland, das er von einem Verwandten seiner Mutter geerbt hat.

Dann erreicht ihn ein Anruf seines Vaters, der offenbar in Schwierigkeiten steckt und sich bei seinem alten Filmstudio befindet. Per kommt gerade noch rechtzeitig, um seinem Vater das Leben zu retten. Für den geschäftlichen Partner seines Vaters, Hans Bremer und eine unbekannte Frau kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Jemand hat das Studio angezündet und beide gefesselt dort zurückgelassen.
Die Polizei beginnt zu ermitteln, während Per und sein Vater feststellen müssen, dass in der Zwischenzeit jemand in die Wohnung des Vaters eingebrochen ist und dann muss Per auch noch mit ansehen, wie jemand versucht seinen Vater zu überfahren. Pers Vater behauptet immer wieder sein Partner Hans Bremer sei der Täter aber das kann ja nicht sein, denn der ist schließlich bei dem Brand umgekommen.

Per versucht aus den wenigen Dingen, die er selber von den ehemaligen Geschäften seines Vater weiß und einigen Informationen, die er bekommt, zu rekonstruieren, was eigentlich vorgeht. Er ist sicher, der Grund für alle Geschehnisse liegt in der Vergangenheit seines Vaters.

Der alte Gerlof, der in allen drei Bänden als konstante Figur auftaucht, hat das Altenheim wieder verlassen und ist in sein Häuschen zurückgezogen, in die Nachbarschaft von Per Mörner und natürlich reizen ihn die Geheimnisse auch diesmal wieder. Allerdings spielt er in diesem Band eine eher zurückhaltende Rolle (immerhin ist er ja auch schon 84 Jahre alt). Der nahende Tod beschäftigt in sehr und die Tagebücher seiner längst verstorbenen Frau, auf die er in seinem Haus wieder stößt.

Und dann sind da noch weitere Nachbarn, die aber alle nur in Ferien oder zu Feiertagen zu ihren Häusern auf Öland angereist kommen. Vor allem Vendela spielt eine etwas größere Rolle. Sie ist in der Nähe aufgewachsen, ist inzwischen mit Max, einem Autor von Ratgeberbüchern verheiratet und alles andere als glücklich.

Wie gesagt, mich hat diese Geschichte nicht wirklich gepackt, die meisten Figuren blieben für mich entweder unsympathisch oder leblos. Öland selbst mit seiner Natur tritt in diesem Band eigentlich gar nicht groß in Erscheinung und spielt nicht wieder eine Hauptrolle wie noch in den Vorgängerbänden. Schade!

Ich hoffe, Johan Theorin findet für den abschließenden vierten Band wieder zur alten Form zurück und bin gespannt, wie er die Serie abschließen wird.

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17.07.2011

Donna Leon: Auf Treu und Glauben ***

Buch-CoverVenedig stöhnt unter der brutalen Hitze des Hochsommers und Commissario Brunetti hält nur noch die Aussicht auf den bevorstehenden Urlaub mit seiner Familie in der Nähe des in den Alpen (Vinschgau) liegenden südtirolerischen Städtchens Glurns aufrecht, wo es so kühl ist, dass man auch im Sommer unter Federbetten schlafen kann und Pullover trägt.

In Venedig selbst, scheinen auch die Verbrecher unter der Hitze zu leiden, denn es ist erstaunlich ruhig an dieser Front. Nur noch die letzten Arbeitstage durchhalten, ist die Devise. Brunettis langjähriger Kollege und Freund Vianello bittet ihn um Rat wegen einer seiner Tanten, die offenbar plötzlich einem dubiosen Betrüger in die Hände gefallen ist und das Familienvermögen aufs Spiel setzt. Brusca - ein anderer Freund - erzählt ihm von dubiosen Vorgängen am Tribunale und bittet ihn ebenfalls, doch mal nachzuforschen, was es damit auf sich hat.

Aus alter Freundschaft, rafft sich Brunetti noch einmal kurz vor Urlaubsbeginn auf und versucht die gewünschten Informationen herauszufinden und die Hilfestellungen, so weit wie es ihm möglich ist, zu leisten. Doch dann ist der Urlaub endlich da und Brunetti reist endlich gen Südtirol aber das Schicksal ist unerbittlich und so erreicht ihn noch im Zug ein Anruf aus der Questura. In Venedig hat es einen Mord gegeben und so bleibt ihm nichts anders übrig, als noch vor dem Erreichen des Urlaubsziels, den Zug zu verlassen und wieder nach Venedig zurückzukehren. Wenigstens hat er seinen getreuen Vianello, der ebenfalls aus dem Urlaub aus Kroatien zurückkehrt und sich mit Brunetti zusammen an die Ermittlungen macht.

Brunetti ist alarmiert, als er zurück in Venedig erfährt, dass der Tote jemand ist, auf den er schon durch seinen Freund Brusca aufmerksam geworden war. Der Tote - Araldo Fontana - war Gerichtsdiener am Tribunale und laut Aussagen aller »ein guter Mensch«, was Brunetti wiederum mißtrauisch sein lässt. Und tatsächlich - genauere Nachforschungen bringen zutage, dass Fontana offenbar ein Doppelleben geführt hat. Der Verdacht, dass ihn das das Leben gekostet haben könnte, liegt nahe. Brunetti und Vianello gelingt es eine Menge Material zusammenzutragen und Beweisstücke zu sammeln, doch es reicht am Ende nicht, um Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder zu erheben.

Und auch im Fall von Vianellos Tante ist das Ergebnis der Ermittlungen und Maßnahmen eher ernüchternd. Eine wichtige Zeugin, die den Betrüger hätte überführen können, stirbt ohne eine verwertbare Aussage gemacht zu haben und der Scharlatan verschwindet spurlos. Aber wenigstens kann Vianellos Tante am Ende überzeugt werden, dass es ein Betrüger und Scharlatan war, dem sie auf den Leim gegangen ist und das Schlimmste noch verhindert werden.

In gewohnter Manier erzählt Donna Leon den mittlerweile neunzehnten Fall des venezianischen Commissario und als langjährige Leser, folgt man ihr auf den verschlungenen aber kenntnisreichen Schilderungen über die Stadt und ihre Bewohner und man erfreut sich vor allem an den Schilderungen seiner Gespräche mit seiner Frau Paola und seinen Kindern Chiara und Raffi. Ansonsten kommt mir meine Beziehung zu dieser Krimi-Serie inzwischen vor, wie eine langjährige Ehe, in der es nichts wirklich überraschend Neues mehr gibt. Man ist sich in liebevoller Zuneigung verbunden, sieht daher über die ein oder andere Marotte des anderen hinweg und lebt sein Leben vor sich hin. D.h. großartige Höhepunkte erwartete ich als Leser eigentlich nicht mehr (würde mich aber gerne überraschen lassen), ich weiß, was ich zu erwarten habe, wenn ich einen neuen Brunetti in Händen halte und ich gebe mich aus Sympathie mit den Hauptfiguren damit zufrieden.

Im kommenden Jahr wird Donna Leon ihr siebzigstes Lebensjahr vollenden und diesmal habe ich mich während der Lektüre schon gefragt, wie viele Fälle sie ihren Commissario Brunetti noch wird lösen lassen. Immerhin nehmen seine Frustrationen im Beruf schon länger zu und so könnte es durchaus sein, dass Donna Leon die Serie mit dem nächsten, dem zwanzigsten Fall oder aber mit dem fünfundzwanzigsten Fall (wenn sie wie bisher jedes Jahr einen neuen Band veröffentlicht, wäre sie dann 75 bzw. 76 Jahre) enden lässt. Wer weiß also, wie viel Zeit uns Lesern mit Brunetti, seiner Familie und seinen Kollegen aber auch der Stadt Venedig, wie sie uns Donna Leon in dieser Serie vor Augen gemalt hat, und die zugleich eine heimliche Protagonistin dieser Krimis ist, noch bleibt.

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30.06.2011

Robert Louis Stevenson: St. Ives ***

Buch-CoverRobert Louis Stevenson ist vor allem durch seinen Abenteuerroman »Die Schatzinsel« und »Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde« bekannt geworden.

Der Roman »St. Ives« ist einer der letzten Romane, an denen Robert Louis Stevenson in seinem Leben geschrieben hat. Tatsächlich hat er den Roman nicht selbst fertigstellen können. Bis Kapitel 30 ist Stevenson selber gekommen, hatte aber den Rest des Romans schon so weit skizziert, dass der junge Schriftsteller Arthur Quiller-Couch, den Roman in weiteren sechs Kapiteln zu Ende führen konnte. So konnte »St. Ives« posthum 1896/97 doch noch publiziert werden. In Deutschland wurde der Roman unvollständig erstmals 1898 unter dem Titel »Flucht ins Abenteuer« veröffentlicht, erregte aber nicht viel Aufmerksamkeit, während er in England und Frankreich als eines der Hauptwerke von Stevenson gilt. Dieses Jahr ist nun die Neuausgabe mit dem Titel »St. Ives«, erstmals vollständig übersetzt von Andreas Nohl, erschienen.

Mit »St. Ives« ist nicht der gleichnamige Ort an der Küste von Cornwall gemeint, der wegen seines außergewöhnlichen Lichts vor allem viele Künstler anzog. Vielmehr erzählt »St. Ives« die abenteuerliche Geschichte des französischen Adeligen Anne Kéroual de Saint-Yves, der unter dem Namen Champdivers als einfacher Mannschaftsdienstgrad in Napoleons Armee dient und eigentlich ein Spion ist. 1813 gerät er in britische Kriegsgefangenschaft und wird auf der Festung von Edinburgh interniert. In Anlehnung an seinen französischen Adelsnamen nennt er sich dort »St. Ives« und dort setzt auch die Abenteuergeschichte ein.

Während St. Ives auf der Festung interniert ist, lernt er die junge Flora kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Als ihm mit einigen Kameraden schließlich die Flucht gelingt, wendet er sich an Flora, die ihm zusammen mit ihrem Bruder, zur weiteren Flucht verhilft. Doch die folgenden Entwicklungen und seine Liebe zu Flora führen dazu, dass St. Ives nach Edinburgh zurückkehrt obwohl er inzwischen fieberhaft gesucht wird, unter anderem auch von seinem Cousin Alain (ebenfalls Spion, vermutlich sogar ein Doppelagent), mit dem er wegen einer Erbschaftsangelegenheit in Zwist geraten ist.

St. Ives ist ein seltsamer Charakter. Einerseits sehr eitel und leichtsinnig, andererseits von großem Wagemut und Erfindungsreichtum und mit dem Herz am rechten Fleck. Mit dem jungen Rowely ist ihm ein treu ergebener und findiger Kammerdiener zur Seite gestellt.

Stevenson hat sich für die Flucht von St. Ives einiges einfallen lassen, unter anderem eine Ballonfahrt und eine Fahrt auf einem Kaperschiff, das ihn bis in amerikanische Gewässer führen wird, bevor er schließlich endgültig nach Edinburgh zurückkehrt und seine Flora heiraten wird.

Ich muss sagen, mich hat der Roman nicht richtig überzeugen können. Sicher ist Stevenson ein begabter und großer Schriftsteller gewesen aber die Geschichte, die er in »St. Ives« erzählt, hat mich nicht gepackt. Für mein Empfinden dauert es sehr lange, bis so etwas wie echte Spannung aufkommt, ja ich empfand vor allem den ersten Teil teilweise als langatmig. Erst in der zweiten Hälfte kommt etwas mehr Bewegung in die Geschichte und beginnen die richtigen Abenteuer, wobei selbst die recht kurz abgehandelt werden.

Beeindruckend finde ich, wie der junge Schriftsteller Arthur Quiller-Couch es geschafft hat, den Stil von Stevenson so perfekt aufzunehmen, als er nach dessen Tod am 3. Dezember 1894, gebeten wurde, den Roman anhand von Stevensons Skizzen fertigzuschreiben. Der Übergang vom einen Erzähler zum anderen ist kaum zu bemerken und es zeichnet Arthur Quiller-Couch aus, dass er das nicht zu unterschätzende Risiko eingegangen ist, diesen Roman fertigzustellen. Wäre es ihm nicht gut gelungen, hätte das vermutlich auch seine eigenen schriftstellerischen Ambitionen, wenn schon nicht zu einem Ende gebracht, so doch längerfristig ausgebremst.

Am Ende des Buches finden sich noch ein ausführliches Nachwort von Andreas Nohl über die Geschichte des Romans und ein autobiographischer Text über Robert Louis Stevenson, den seine Frau geschrieben hat und in dem sie vor allem vom gemeinsamen Leben auf Samoa und über die Schreibgewohnheiten ihres Mannes berichtet. Ein ausführlicher Teil mit Anmerkungen vor allem zum historischen Kontext des Romans, schließt das Buch schließlich ab.

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14.06.2011

Aris Fioretos: Der letzte Grieche ***

Buch-CoverVordergründiger Held des Romans ist der nordgriechische Bauer Jannis Georgiadis auch Supergrieche, Himmelsstürmer und schwedischer Herkules genannt. Als er in der Dorfkneipe quasi Haus und Hof verspielt, beschließt er seiner Jugendliebe Efi nach Schweden nachzureisen oder besser nach-auszuwandern. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts landet er dann schließlich in Schweden und vesucht dort sein Glück.

Rund um diesen Kern erzählt Aris Fioretos eine Familiengeschichte, die einsetzt mit der Vertreibung und Ermordung der griechischen Minderheit in Smyrna durch Attatürk im Jahr 1922 und die zugleich die Geschichte der in der Diaspora lebenden »Auslandsgriechen« widerspiegelt.

Die Erzählkunst kann man Aris Fioretos kaum absprechen, im Gegenteil, sein Erzählen ist phantasievoll, überbordend und sprudelnd. Wer einen der in den vergangenen Jahren so populär gewordenen Familienbiographie-Roman erwartet wird überrascht werden, denn der Ton und Aufbau von »Der letzte Grieche« ist anders oder sogar überraschend.

Im Vorwort lässt der Autor wissen, dass die Quelle seines Romans tatsächlich ein über Jahrzehnte gehüteter Zettelkasten ist und so wird auch wie von Zetteln abgelesen, erzählt. Das wiederum erfordert von den Lesern eine große Konzentration und Durchhaltevermögen. Ich muss gestehen, ich hatte mit der Fragmentierung so meine Mühe, was unter Umständen daran liegt, dass so vieles in unserem Leben inzwischen fragmentiert ist und ich mir, wenn es ans Lesen geht eher eine Art »roten Faden« wünsche, dem ich einigermaßen mühelos folgen kann.

So einfallsreich Aris Fioretos zu erzählen weiß, hat mir die Art und Weise wie er es letzlich sein Erzählen in Form gegossen hat, den Roman eher etwas verleidet. Das Potential zu einem Roman, dem ich vier oder gar fünf Sterne geben würde ist auf jeden Fall da. Für der letzte Grieche aber aus den angeführten Gründen von mir leider nur drei Sterne.

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08.06.2011

Robert Ludlum: Die Bourne Intrige ***

Buch-CoverDen vorläufig jünsten Band der Bourne-Reihe von Robert Ludlum, die seit seinem Tod von Eric van Lustbader fortgeschrieben wird, habe ich nun recht zeitnah zum Vorgängerband gelesen. Das machte Sinn, weil die Geschichte aus dem Vorgängerband nahtlos weitergeführt wird. Jason Bourne und Moira Trevor verbringen ihren gemeinsamen Urlaub auf Bali. Kurz vor dessen Ende, wird Jason Bourne Opfer eines Attentats, das ihn fast sein Leben kostet. Für die Welt gilt er als tot, nur Moira Trevor und Willard wissen, dass er noch lebt.

Während sich Jason auf Bali von dem Attentat erholt und versucht einen Teil seiner eigenen Geschichte und Identität zu rekonstruieren, wird eine amerikanische Linienmaschine über Ägypten abgeschossen. Die von den Experten gesicherten Spuren scheinen darauf hinzuweisen, dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Die Empörung in der Welt ist groß und die USA finden im Sicherheitsrat reichlich Unterstützung für das Vorhaben, gewaltsam gegen den Iran vorzugehen. Der dritte Weltkrieg scheint unmittelbar bevorzustehen.

Doch es gibt auch Unstimmigkeiten und offene Fragen, denen vor allem Soraya Moore, die Direktorin von Typhon, einer Spezialabteilung innerhalb des Geheimdienstes und ihr ägyptischer Kollege Amun Chalthoum, Chef des ägyptischen Geheimdienstes Mukhabarat nachgehen und die Spuren führen nach Khartoum im Sudan. Was hat die Sicherheitsfirma Black River mit den Geschehnissen zu tun und vor allem, wer hat sie beauftragt. Steckt der Verteidigungsminister Halliday hinter allem?

Derweil versucht Jason Bourne herauszufinden, wer versucht hat ihn umzubringen und erfährt schockierendes, was ihn ebenfalls auf die Spuren nach Khartoum bringt. Moira Tevor ist Zeugin geworden, wie Veronica Hart, Direktorin der CIA, Opfer eines Bombenanschlags auf ihr Auto wird. Zuvor hatte Moira Veronica um Hilfe gebeten wegen eines Datensticks, der offenbar hochbrisante Informationen enthält und bereits einen ihrer Mitarbeiter das Leben gekostet hat. Moira lässt sich nicht abbringen und forscht weiter und kommt einem unglaublichen Komplott auf die Spur.

Und dann sind da auch noch die Russen, die offenbar einen nicht geringen Part in der ganzen Geschichte spielen. Jason Bourne erreicht Khartoum buchstäblich im letzten Moment und versucht das Schlimmste zu verhindern. Dabei trifft er überraschend auf einen unerwarteten und tödlichen Feind.

Die Bourne Intrige ist wieder etwas spannender als der Vorgängerband aber wirklich vom Hocker gerissen hat mich auch dieser Band nicht. Kann man lesen, muss man aber nicht.

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04.06.2011

Robert Ludlum: Das Bourne-Attentat ***

Buch-CoverSchnell mal wieder einen Thriller aus der Bourne-Reihe runtergelesen. Keine große intellektuelle Herausforderung, sondern eher Popcorn-Literatur. Diese Fortschreibung der ursprünglich von Robert Ludlum erfundenen Geschichte um Jason Bourne durch Eric van Lustbader hat mich diesmal nicht wirklich vom Hocker gerissen.

Jason Bourne wird von einem Kollegen an der Universität gebeten, einen drohenden großen Anschlag zu verhindern. Und los geht die Hatz und wie üblich ist die NSA hinter ihm her und will ihn aus dem Verkehr ziehen. Überhaupt liegt ein Schwerpunkt dieses Bandes auf den Auseinandersetzungen und Machtkämpfen der verschiedenen Geheimdienste der USA.

Zum Glück gibt es ja Jason Bourne, der eher außerhalb des Systems steht und kämpft und noch den ein oder anderen geheimdienstlichen »Freigeist« und so kann das geplante Attentat am Ende natürlich verhindert werden. Vorher allerdings wird Jason Bourne noch mit einer Art »Zwilling« konfrontiert und muss sich in einem Kampf auf Leben und Tod gegen diesen durchsetzen.

»Das Bourne-Attentat« eher einer der schwächeren Bände der Serie.

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30.05.2011

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer ***

Buch-Cover»Der Schwimmer« ist der Debüt-Roman der seither von den Kritikern ziemlich gelobten Zsuzsa Bank. Im Roman erzählt Kata die Geschichte ihrer Familie, die eigentlich gar keine Familie mehr ist. Katas Mutter Katalin hat sich nämlich von Ungarn in den Westen abgesetzt.

Zurück bleiben Kálmán, ihr Mann, und die beiden Kinder Kata und Isti. Die Kinder begreifen nicht, warum die Mutter von heut auf morgen verschwunden ist und erst spät begreifen sie nach und nach - auch durch die Schilderungen ihrer Großmutter, was passiert ist.

Kálmán selbst wird mit der veränderten Situation nicht fertig, verkauft seinen Hof und zieht mit den Kindern durch Ungarn. Von Verwandten zu Freunden zu Verwandten. Einerseits ist das für die Kinder faszinierend und spannend, andererseits traumatisch, denn dadurch werden sie zu immer neuen teils traumatischen Trennungen gezwungen. Am Anfang hoffen sie noch auf die Rückkehr der Mutter. So plötzlich wie sie verschwand, könnte sie ja auch zurückkehren. Doch die Mutter kommt nicht zurück und die Kinder suchen nach einem Mutter-Ersatz oder nach so etwas wie einem Zuhause, einer Heimat. Natürlich gelingt das nicht.

Doch sie erleben auch glückliche Zeiten oder wenigstens Momente. Für einige Zeit leben sie am Plattensee, wo der Vater, ein guter Schwimmer, schließlich auch seinem Sohn Isti das Schwimmen beibringt. Damit ist der Grundstein gelegt zur abschließenden tragischen Entwicklung der Geschichte. Mehr möchte ich zum Inhalt des Buches nicht verraten.

Zsuzsa Banks große Stärke in diesem Roman ist sicher, dass es ihr gelingt mit ihrem Erzählen vor allem die Natur und einen bestimmten Sommer sehr lebendig werden zu lassen. Als Leser meint man die Szenen vor Augen zu haben, spürt die Hitze des Sommers, ahnt wie sehr alle diesen Sommer mit seinen kleinen Freunden genießen.

Zsuzsa Bank ist eine interessante Erzählerin, die sich die Zeit nimmt, diese Geschichte in ruhigem Tempo zu erzählen und sich entwickeln zu lassen. Manchmal könnte man diese Art des Erzählens auch als langatmig empfinden aber dadurch, dass sie alles so lebendig heraufbeschwört, wird man damit wieder versöhnt.

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21.05.2011

Einar Kárason: Versöhnung und Groll ***

Buch-CoverDie alten isländischen Sagas sind zahlreich und ebenso zahlreich ihre Nacherzählungen und die Romane, die einzelne Sagas ebenfalls nacherzählen, wenn auch hier und da mit entsprechenden Ausschmückungen.

Der in Island sehr bekannte Schriftsteller Einar Kárason hat sich mit seinem Roman »Versöhnung und Groll« ebenfalls des Saga-Steinbruchs angenommen. Er nimmt seine Leser mit in eine der kriegerischsten Zeiten, die das an Kriegen, Raubzügen und blutigen Fehden wahrlich nicht arme Island je erlebt hat, in die Mitte des 13. Jahrhunderts.

Der brutale Mord an Snorri Sturlusson, dem berühmten Dichter und Autor der Edda und der Egils-Saga, hat die Sippen tief entzweit. Die isländischen Sippen zerfleischen sich selbst, die Machtkämpfe sind an Brutalität kaum zu überbieten und jeder neue Tote zieht neue Schwüre der Blutrache nach sich. Keiner ist mehr wirklich sicher.

Es ist der norwegische König, der das gespaltene Land regiert, während sich die führenden Sippen unversöhnlich gegenüberstehen. Er hat einen der Haupt-Strippenzieher an seinen Hof beordert und zu Beginn des Romans, kehrt dieser nun in die alte Heimat zurück. Gissur Thorvaldsson, von den einen geliebt von den anderen zutiefst gehasst. Seine Feinde fürchten, dass die Auseinandersetzungen nun ein nie gekanntes Ausmaß annehmen werden, als ob nicht schon alles furchbar genug wäre.

Doch Gissur kehrt als ein anderer zurück und überrascht Freund und Feind damit, dass er dem Clan der Sturlungen die Hand zum Frieden reicht, ja sogar einen seiner Söhne, zur Festigung der nunmehr friedlichen Beziehungen, mit der Tochter eines bekannten Sturlungen-Führers verheiraten will. Mit Versöhnung und Freundlichkeit, will er das zerrissene Land heilen und die Einheit der Bevölkerung wieder herstellen.

Einar Kárason greift nun hier zu einem interessanten erzählerischen Mittel, denn er lässt eine Vielzahl von Stimmen aus beiden Lagern zu Wort kommen, die natürlich alle sehr subjektiv ihre Sicht der überraschenden Entwicklung schildern. Nach und nach enthüllt sich für die Leser auch, was in der Vergangenheit geschehen ist und welchen Anteil Gissur und alle anderen Beteiligten daran hatten.

Zunächst scheinen sich Gissurs Befriedungspläne auf das Beste zusammenzufügen. Der Clan der Sturlungen scheint bereit zu einem Frieden. Zu sehr haben alle im Land in den vergangenen Jahren gelitten, zuviel Blut ist geflossen. Die Zeit für eine Versöhnung, für Frieden scheint reif zu sein und Gissur, der Glückliche, der den »kairos« erkannt und ergriffen hat.

Aber sind Groll und Hass der über lange Zeit und teils über Generationen weitergegeben wurde, wirklich einfach so zu überwinden? Die Hochzeit des jungen Paares wird gefeiert, die vielen Festgäste genießen die Tage der Feierlichkeiten und viele bekommen eine Ahnung davon, wie sich ein Leben im Frieden anfühlen könnte. Ja, manche träumen und hoffen, dass nun alles besser wird. Doch das Leben spielt oft anders als wir es erwarten und so auch in diesem Fall. Einige von Gissurs alten Feinden sind nicht bereit zu einem Frieden und schon gar nicht, wenn es ausgerechnet Gissur ist, der diesen Frieden herbeiführt. Sie haben noch alte Rechnungen mit ihm und seinen Anhängern offen. Das wiederum stürzt manchen aus dem Clan der Sturlungen, der zu gerne an eine friedliche Zukunft geglaubt hat, in Gewissensqualen. Jeder muss sich überlegen, wo er steht und wofür: Versöhnung und Frieden oder Groll und Krieg.

Wie der Roman endet will ich hier offen lassen, um niemandem die Spannung zu nehmen.

Mir hat gefallen, dass Kárason nicht einfach nur eine der bekannten Sagas etwas romanhaft ausgeschmückt hat, sondern seine eigene Art gefunden hat, diesen alten Stoff packend zu erzählen. Gerade die vielen subjektiven Stimmen vermitteln dem heutigen Leser sehr gut, was die Menschen damals getrieben hat (und im Grunde wohl auch heute noch) und warum Geschichte häufig so verläuft, wie sie verläuft.

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20.05.2011

John Vermeulen: Der Maler des Verborgenen ***

Buch-CoverVor etlichen Jahren las ich den Roman »Die Elster auf dem Galgen« über den Maler Pieter Brueghel d.Ä. von John Vermeulen und war absolut begeistert. Kurz darauf las ich seinen Roman »Der Garten der Lüste« über den Maler Hieronymus Bosch. Mein Fazit fiel zwiegespalten aus, was zum einen mit der Übersetzung, zum anderen mit der teilweise doch etwas überbordenden Phantasie des Autors zu tun hatte.

Als ich nun erfuhr, dass Vermeulen einen neuen Roman über Leonardo da Vinci geschrieben hat, war auf jeden Fall klar, dass ich den auch lesen wollte. Ich hoffte auf ein ähnliches Leseerlebnis wie mit »Die Elster auf dem Galgen«. Das Leben des Leonardo da Vinci, bietet ja reichlich Stoff für einen spannenden Roman. Doch leider hat John Vermeulen mit diesem Roman nicht an »Die Elster auf dem Galgen« anknüpfen können. Zwar ist wieder ein durchaus lesenswerter Roman über einen Großen der Kunst daraus geworden aber mehr auch nicht und das ist wirklich schade.

Leonardo da Vinci wird bei Vermeulen als ewig Fragender und Wissbegieriger geschildert aber auch als ein zutiefst einsamer Mensch, der in seinem Leben nur sehr wenige wahre Freunde hatte. Die Theorie, dass da Vinci möglicherweise homosexuell war, greift Vermeulen auch dankbar auf, schildert da Vinci aber letztlich als jemanden, der seine Neigung in dem Fall nicht oder wenn, dann äußerst diskret auslebte. Zudem nimmt im Roman Leonardos Alterungsprozeß und sein (angebliches?) Hadern damit einen recht breiten Raum ein.

Ansonsten werden die biographischen und künstlerischen Eckdaten - wie ich fand - relativ lust- und lieblos nacherzählt. Kaum Neues und wirklich spannend ist der Roman auch nicht, was natürlich daran liegen könnte, dass über Leonardo da Vinci allgemein recht viel bekannt ist.

Was ich auch schon in meiner Rezension zu »Der Garten der Lüste« bemängelt hatte, war die Übersetzung von Hanni Ehlers (»Die Elster auf dem Galgen« wurde wunderbar von Susanne George übersetzt und ich bedauere sehr, dass sie nur diesen einen Roman von Vermeulen übersetzen durfte/konnte). Der Aufbau-Verlag hat jedenfalls mit diesem »Coup« den zweiten Flop dieses Jahres bei mir eingefahren. Gratulation!

Leider ist auch »Der Maler des Verborgenen« wieder von Hanni Ehlers übersetzt und hat dieselben »Macken«, die ich schon bei »Der Garten der Lüste« bemängelt hatte. Teilweise eine sehr seltsame Wortwahl in der Übersetzung und dann auch noch ständige Wiederholungen dieser Worte, die so gar nicht in den sonstigen sprachlichen Kontext passen. So wird im Roman gerne »enerviert« reagiert u.ä. Bitte, man verstehe mich nicht falsch: ich mag die deutsche Sprache und ich habe auch ein Herz für fast vergessene oder kaum noch verwendete Worte aber im Gesamtkonvolut und Ton der Übersetzungen, um die es hier geht, sind sie einfach fehl am Platz und stören eher, als dass sie bereichern würden. Mich wundert, dass diese seltsamen Wortwahlen von den zuständigen Lektoren beide Male offensichtlich durchgewunken wurden.

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08.05.2011

Sabrina Janesch: Katzenberge ***

Buch-CoverNele Leibert lebt in Berlin, hat gerade endlich einen Job als Journalistin gefunden und die Beziehung mit ihrem Freund Carsten ist so gut wie am Ende. Dann erhält sie auch noch die Nachricht das »Djadjo« gestorben ist, ihr geliebter Großvater, der in Schlesien im heutigen Polen gelebt hat.

Nele macht sich auf zur Beerdigung des Großvaters und erinnert sich an ihn und gemeinsam erlebtes. Auf der Beerdigung trifft sie auch ihre Eltern und ihren Bruder. Ihre Mutter schlägt ihr vor, sich noch einige Tage Urlaub zu nehmen und endlich einmal nach Galizien (in der heutigen Ukraine) zu fahren. Dort kam der Großvater ursprünglich her, bevor die Ukrainer sich gegen die Polen wandten und sie über den Bug vertrieben. Die Polen kamen nach Schlesien, wo gerade die Deutschen vertrieben worden waren und übernahmen deren Höfe und Land.

Neles Großvater gehörte zu den polnischen Pionieren in der Gegend und um ihn ranken sich Geschichten, teils fast schon Mythen und - wie Nele schließlich erfährt - offenbar auch ein dunkles Gerücht. Als Nele der in Schlesien lebenden Verwandtschaft eröffnet, dass sie plant, nach Galazien zu reisen, um den Spuren des Großvaters nachzugehen, reagiert diese zurückhaltend bis ablehnend.

Nele aber lässt sich von dem Vorhaben nicht abbringen und macht sich schließlich mit vielen Ratschlägen und einer großen Tüte Proviant versehen, auf die Reise. Nach und nach erfährt sie, was es mit dem dunklen Gerücht über den Großvater auf sich hat und ist erschüttert. Soll sie wirklich versuchen mehr herauszufinden oder die Reise doch lieber abbrechen? Nele beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und erst am Ende der Reise fallen die letzten Puzzlestücke des Rätsels an ihren Platz.

Sabrina Janesch erzählt in ihrem Roman »Katzenberge« nicht nur eine Familiengeschichte über drei Generationen, sondern auch ein Stück fast vergessener Geschichte. Die Vertreibung der Polen aus der Ukraine nach Schlesien und die Vertreibung der Deutschen aus Schlesien. Die Großeltern-Generation hat kaum über die damaligen Geschehnisse gesprochen, die Eltern-Generation nur geahnt, was geschehen sein mag und erst die Enkel-Generation wagt genauer nachzufragen bzw. nachzuforschen - und sei es nach dem Tod der Großeltern.

Ähnlich gelagerte Romane hat man in den letzten Jahren häufiger lesen können. Sabrina Janesch gelingen in ihrem Roman eindrückliche Schilderungen von Landschaft und Leuten in Schlesien bzw. dem heutigen Galizien aber für mein Empfinden bleibt vieles doch sehr oberflächlich, gerade was die Charaktere der Hauptpersonen angeht.

Für mich bleibt Nele trotz aller Neugier irgendwie seltsam distanziert in der Geschichte - eher wie eine Journalistin die einer Geschichte nachspürt als eine junge Frau, die der eigenen Familiengeschichte auf der Spur ist. Vielleicht liegt es daran, dass Nele schlicht noch »zu jung« ist, um wirklich das innere Bedürfnis zu haben, die eigene Familiengeschichte zu erkunden und zu verstehen. Sie unternimmt diese Reise ja nur auf den dringlichen Appell ihrer Mutter hin, weniger aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Die Krise ihrer Beziehung zu Carsten scheint eher Motivation zu sein, noch ein paar Tage mehr von Berlin weg zu sein und stattdessen die Reise zu unternehmen als das wirklich Wissen wollen. Und als sie dann schließlich wissen will, ist auch das wieder eher Neugier bzw.der unterschwellige Wunsch, den geliebten Großvater irgendwie von was auch immer reinwaschen zu können.

»Katzenberge« ist kein schlechter Roman aber er hätte, denke ich noch deutlich besser sein können. Das Potential dazu hätte die Geschichte allemal gehabt.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



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