24.12.2011

Rafik Schami: Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte ***

Buch-CoverIn diesem schmalen Büchlein erzählt Rafik Schami aus seiner Kindheit, von seinem geliebten Großvater und wie er selbst zum Erzähler heranwuchs und reifte.

Darüber hinaus philosophiert er über die Kinder von heute bzw. ihre Kindheit im Vergleich zu seiner früher, über den Unterschied zwischen einem Erzähler und einem Schriftsteller, über die Wechselbeziehung zwischen Erzähler und Publikum, über Märchen und deren Bedeutung in der Literatur und für die Entwicklung des Menschen.

Unter anderem enthält das Buch auch die Vorlesung, die er zum Antritt seiner Brüder-Grimm-Professur an der Universität Kassel im Jahr 2010 gehalten hat. Auch da zeigt sich wieder, dass er durch und durch ein Erzähler ist, denn er führt einen Dialog mit Ibo Aristo, der die theoretischeren Teile des Vortrags »übernimmt« und erzählt von Don Quijote, der für ihn so eine Art heimlicher »Mentor« darstellt und verwebt auch noch Teile seiner eigenen Lebensgeschichte in diesen Vortrag.

Das ist durchaus interessant und aufschlußreich zu lesen aber ich war ehrlich gesagt doch ein bisschen enttäuscht, weil ich irgendwie darauf eingestellt war, hauptsächlich neue Erzählungen bzw. Geschichten/Märchen von Schami zu lesen. Das kommt davon, wenn man den Klappentext möglichst nicht vorab liest und dann nicht weiß, was man wirklich zu erwarten hat - wobei das kann einem auch nach Lektüre mancher Klappentexte passieren.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



09.12.2011

Veronika Peters: Das Meer in Gold und Grau ***

Buch-CoverIch liebe das Meer und besonders die Ostsee, so hat ein Roman, der an der Ostsee spielt bei mir schon mal einen Pluspunkt an sich. Veronika Peters Roman »Das Meer in Gold und Grau« spielt an der Ostsee, an ihrem westlichen Ende.

Katia, ihre Protagonistin und die Erzählerin im Roman, steht nicht nur kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag sondern auch vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Sonderlich erfolgreich war das bisher auch nicht aber sie hatte zumindest eine Arbeitsstelle und einen Freund. Dumm nur, dass er ein Kollge und auch verheiratet ist und er ihr als die Affaire auffliegt den Laufpass gibt, womit der Job gleich auch futsch ist.

Katia flüchtet sich an die Ostsee, wo eine ihr unbekannte Tante, die Halbschwester ihres Vaters, wohnt und ein kleines Strandhotel, namens »Palau«, betreibt. Tante Ruth nimmt sie auf und so lernt Katia auch Tante Ruths Mitstreiterin Elisabeth und den ganzen Rest der mehr oder weniger dauerhaften Bewohner des Hotels kennen. Den Koch Sergei, die polnischen Putzfrauen Anita und Bascha, den alten dozierenden Heinrich, den seine eigene Familie nicht aufnehmen wollte, Frank, den Nachbarn und den Doc. Ein kleiner Mikrokosmos, der sich da für Katia auftut.

Tante Ruth ist ein recht herber Charakter aber Katia ist trotzdem fasziniert von ihr und nach und nach wird sie zu einem Teil der »Palau-Familie« und trägt ihren Teil zur Aufrechterhaltung des Hotelbetriebs bei. Doch die Idylle an der Ostsee täuscht und nach und nach wird auch für Katia deutlich, dass hier ein Kampf ums Überleben stattfindet und das in mehrfacher Hinsicht. Für sich selbst stellt sich wieder einmal die Frage: Bleiben oder weglaufen.

Soweit so gut. Leider hat mich der Roman nicht wirklich überzeugen können. Die Figuren bleiben teils doch sehr holzschnittartig und wirklich neue Erkenntnisse hat mir der Roman auch nicht gebracht. Richtig unterhaltsam fand ich ihn leider auch nicht, was vermutlich daran liegt, dass man das alles so oder ähnlich schon öfter in anderen Romanen gelesen hat. Schade, man hätte mehr aus der Grundidee machen können und die Ostsee selber, das Meer in Gold und Grau, spielt nur eine kleine Nebenrolle.

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29.11.2011

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag ***

Buch-CoverDer italienische Universalgelehrte Umberto Eco, der vor allem durch seinen Roman »Der Name der Rose« weltbekannt wurde, hat mal wieder einen neuen Roman vorgelegt, in dem er sich mit Themen wie Weltverschwörungstheorien, Geheimlogen, Fälschern, realen Politik-Affären und Teilen der französischen und italienischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, sowie der Geschichte der berüchtigten Protokolle der Weisen von Zion, einem üblen antijüdischen Weltverschwörungs-Pamphlet, das schon viel Schaden angerichtet hat und bis heute wirkt, befasst und daraus ein Konglomerat macht, das einen als (normalen) Leser schwer herausfordert und ich denke teilweise auch schlicht überfordert.

Das ist natürlich eine meisterliche Leistung von ihm - wie übrigens auch die Übersetzung dieses Romans durch Burkhart Kroeber! -, der in diesen Materien zuhause ist, wie wohl kaum noch ein anderer.

Bis auf seinen Protagonisten Simone Simonini - einen widerlichen Antisemiten und wohl überhaupt Menschenhasser -, sind alle Figuren im Buch historisch belegt. Will man die Zusammenhänge verstehen, muss man allerdings öfter auch mal Google zu Rate ziehen und eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung hilft bei der Lektüre ganz sicher.

Die Geschichte selber fand ich jetzt nicht wirklich spannend und die Hauptfigur, eben jenen Simone Simonini, fand ich abstoßend und widerlich in seinen Ansichten, Taten und rassistischen wirren Theorien.

Interessant fand ich für mich die Erkenntnis, dass die »Protokolle der Weisen von Zion« im Grunde nicht mal nur eine Fälschung sind (was wissenschaftlich mehrfach und überzeugend nachgewiesen ist), sondern im Grunde auch ein Plagiat, denn sie speisen sich aus anderen antisemitischen Hetztexten und Vorlagen, die dort verwurstet wurden ohne dass es explizit erwähnt wurde. In der aktuellen Debatte um Plagiate gerade auch in der Wissenschaft und im Literaturbereich, ist es vielleicht ganz gut, wenn man sich daran erinnert, dass so tatsächlich übelste Machwerke entstehen können, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf Wissenschaft, Lehre, Politik und Geschichte haben können, wenn andere sie arglos oder bewußt übernehmen, weitertragen und/oder sogar noch weiter ausbauen.

Umberto Eco ist ganz sicher ein Schriftsteller in einer eigenen Kategorie und seine Romane - mal abgesehen von »Der Name der Rose« eher nicht massentauglich. Ich bin nun aber auch nicht wirklich ein Anhänger oder gar Bewunderer von Weltverschwörungstheorien oder rassistischen Bewegungen und Strömungen, geschweige denn von obskuren esoterischen u.ä. Unterströmungen im Laufe der Weltgeschichte und auch von daher hat mch der Roman nicht packen können.

Wer sich in diesen Bereichen sehr gut - sprich wissenschaftlich - auskennt, wird vermutlich in der Lage sein, diesen neuen Roman Umberto Ecos angemessen würdigen oder kritisieren zu können, alle anderen nur bruchstückhaft. Mit meinem Halb- oder eher nur Viertel-Wissen, was diese Themen angeht, und meinem Leser-Empfinden, vergebe ich drei Sterne für »Der Friedhof in Prag«.

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27.11.2011

Deon Meyer: Rote Spur ***

Buch-CoverNachdem mir die Krimi-Romane, die ich bisher vom südafrikanischen Autor Deon Meyer gelesen habe, alle recht gut gefallen haben, war ich natürlich auch auf seinen jüngsten Krimi »Rote Spur« gespannt.

Einer der südafrikanischen Geheimdienste bekommt Hinweise darauf, dass ein islamistischer Anschlag in Südafrika geplant sein und bald stattfinden könnte. Fieberhaft machen sich die Agenten daran, mehr herauszufinden und die Drahtzieher dingfest zu machen. Im Recherche-Team, das mit diesem Fall betraut ist, arbeitet die Hausfrau und Mutter Milla Strachan, die es nach Jahren in einer unglücklichen Ehe geschafft hat, sich aus dieser zu befreien. Im Laufe der Ermittlungen taucht ein Mann auf, der - zufällig oder geplant? - Kontakt zu Milla aufnimmt. Der Geheimdienst verdächtigt ihn bald, zur CIA zu gehören, die ebenfalls im Land aktiv ist. Oder gehört er zu den Planern des islamistischen Anschlags?

Dann ist da der Bodyguard Lemmer, der von einem alteingesessenen Karooer gebeten wird, einen heiklen Transport von Spitzmaulnashörnern, die aus Simbabwe kommen, zu begleiten. Die Tiere werden begleitet von der toughen und ehrgeizigen Cornél, die wie sich später herausstellt, noch ganz andere Pläne hat.

Und schließlich taucht auch noch Mat Joubert auf, der aus dem offiziellen Polizeidienst ausgeschieden ist und nun als Privatermittler für eine Agentur arbeitet. Sein erster Fall ist die Suche nach dem Ehemann einer jungen Frau, der spurlos verschwunden ist.

Zwischen diesen drei »Strängen«, gibt es mehr oder weniger viele Querverbindungen und am Ende bindet Deon Meyer den Sack auch irgendwie - mehr schlecht als recht, für meinen Geschmack - zu. Ich bin mit »Rote Spur« nicht warm geworden und habe mich ziemlich durchgequält, was vor allem daran lag, dass es sehr viele Figuren gibt und die Fäden der ersten beiden Stränge, irgendwann einfach hängengelassen werden. Im dritten Teil habe ich dann immer darauf gewartet, dass diese Stränge endlich wieder aufgenommen und weitergeführt bzw. mit dem dritten Teil verknüpft werden aber das geschieht erst ganz am Ende und auf für mich sehr unbefriedigende Art und Weise.

Meiner Ansicht nach, hätte Deon Meyer aus diesen drei Strängen lieber drei einzelne, dafür aber auserzählte getrennte Geschichten machen sollen, statt sie so zu »verwursten«. »Rote Spur« ist für mich ein Beispiel für: zu viel auf einmal gewollt und sich dabei leider verzettelt, bzw. verhoben.

Schade, dass mich dieser Krimi nicht überzeugen konnte. Da ich aber weiß, dass Deon Meyer es wesentlich besser kann, hoffe ich einfach auf zukünftige Veröffentlichungen.

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22.11.2011

Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg ***

Buch-CoverGanz ehrlich? Ich bin - wie ich schon befürchtet hatte - nicht fähig die Qualitäten des neuesten Romans von Sibylle Lewitscharoff wirklich zu erfassen und zu würdigen. Ihr Protagonist ist der Philosoph Hans Blumenberg (1920-1996), von dem ich vorher noch nie gehört hatte und dessen philosophisches Werk mir gänzlich unbekannt war und ist. Zwar habe ich mir zumindest einen sehr groben Eindruck von ihm verschafft aber wie gesagt, die Art und Weise, wie Sibylle Lewitscharoff, seine Thesen und Theorien in ihrem Roman mit einarbeitet, konnte ich nicht nachvollziehen, vermutlich manchmal nicht einmal bemerken, schlicht weil mir die entsprechende Vorbildung fehlt.

Unbestritten ist und das kann auch ich bestätigen, dass Sibylle Lewitscharoff wortmächtig ist und ihre ganz eigene literarische Sprache findet, deren Schönheit auch ein philosophischer Banause wie ich, durchaus zu würdigen fähig ist. Ihre Idee, den Philosophen mit einem alten Löwen zu konfrontieren, den außer ihm - und einer alten Nonne - niemand zu sehen vermag, ist soweit ich das verstanden habe, eng mit Blumenbergs These, dass die menschliche Fähigkeit zur Begriffsbildung (also »die Beschwörung des Abwesenden«) eine Überlebensnotwendigkeit der menschlichen Gattung ist, verknüpft und natürlich lädt die Figur des Löwen zu allerlei Gedankenspaziergängen und Deutungsmöglichkeiten ein.

Gefallen hat mir an Blumenberg auch, wie fein beobachtend Lewitscharoff, die Charaktere der auftretenden Personen beschreibt, nicht nur Blumenberg sondern vor allem auch einige seiner Studenten, denen ihre Bekanntschaft mit Blumenberg und seiner Philosophie allerdings nicht viel Glück bringt.

Ich habe zumindest den Eindruck gewonnen, dass Sibylle Lewitscharoff, die Philosophie von Hans Blumenberg sehr gut durchdrungen und durchdacht haben muss, so dass sie in der Lage gewesen ist, einen solchen Roman mit ihm als Protagonisten zu schreiben. Aber wie gesagt, meine Vorbildung hat in diesem Fall kläglich versagt und so ist mein Fazit zu diesem Roman ein sehr sehr subjektives, noch subjektiver als sonst schon. Ich fühlte mich durchaus unterhalten von diesem Roman und mir hat gefallen, dass ich durch die Geschichte angeregt wurde, über einige interessante Fragen nachzudenken. Schmerzlich war mir aber während der Lektüre, dass ich auch ständig empfunden habe, dass mir wahrscheinlich viele Schätze, die in diesem Roman stecken schlicht entgangen sind. Daher von mir drei subjektive Sterne mit dem Hinweis, dass Kenner der Materie mit Sicherheit mehr Sterne vergeben würden und das - so vermute ich - völlig zu recht.

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07.11.2011

Barbara Piazza: Die Tränen der Götter ***

Buch-CoverDaily Soap zwischen Buchdeckeln - so fällt kurzgefasst mein Fazit zu Barbara Piazzas »Die Tränen der Götter« aus. Kein Wunder, denn Barbara Piazza ist - wie ich lernte - wohl eine Grande Dame in der deutschen Branche der Fernsehserien: Serien- und Figurenkonzepte für die Lindenstraße, Forsthaus Falkenau und andere stammen aus ihrer Feder. Dann mit 65 Jahren kam sie auf die Idee, ihre Fähigkeiten für einen Roman zu nutzen und schrieb ihren Debüt-Roman, »Die Frauen der Pasqualinis«.

»Die Tränen der Götter« ist ihr zweiter Roman und entfaltet eine Geschichte rund um die Familie Assmann, die dick im Diamantengeschäft ist. Wie praktisch, dass Diamanten vor allem in Südafrika geschürft werden und so das nötige internationale oder exotische Flair in den Roman einfließen kann.

Kopf der Familie Assmann ist Heinrich, der selbstherrlich und egoistisch sein ganzes Umfeld beherrscht und für seine Zwecke manipuliert. Seine Frau Zita hat es geschafft sich halbwegs neben ihm zu behaupten und als starke Frau daherkommt. Dann gibt es die drei Söhne: den zuverlässigen guten Sohn Georg, den schlitzohrigen bösen Sohn Victor und den aus der Art geschlagenen »Versager« (aus Sicht des Vaters) Sohn Ludwig. Außerdem das treue Firmen-Faktotum Irene Wuttke.

Rund um diese Figuren entspinnt sich nun daily soap-artig eine Geschichte voller Intrigen, Machtkämpfe, Betrug, Liebe und was sonst noch so in eine Daily Soap gehört. Alles ist irgendwie vorhersagbar, die Figuren bleiben holzschnittartig aber es liest sich runter wie ein gemütlich vor sich hinfließender Fluß und ist unterhaltsam und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Irgendwie war ich aber auch froh, als ich den Roman zuklappen konnte - alles ist so gekonnt zusammengerührt, dass man sich bei zuviel davon auch den (Lese)Magen verderben könnte.

Ich bin sicher, es gibt viele Fans der Romane von Barbara Piazza, immerhin haben ihre Romane ja den »Vorteil«, dass man nicht warten muss wie es weitergeht, wie bei den Fernsehserien, sondern man kann die Geschichte in einem Rutsch durchlesen und so wie sie geschrieben sind, ist es wahrscheinlich auch nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kommt, sie mit den üblichen Fernseh-Filmstars aus Deutschland zu verfilmen.

Gut verkäuflich, leicht zu lesen, unterhaltsam - perfekte Ware für die Massen. Dass der Roman von mir trotzdem »nur« drei Sterne bekommt und damit in der Rubrik »mittelmäßig« landet, liegt daran, dass ich kein Daily Soap Fan bin und mich das perfekt zurechtgeschliffene diamantenfunkelnde Werk die ganze Zeit über doch irgendwie gelangweilt und nicht wirklich gepackt hat. Kann man zur Abwechslung - oder z.B. mal am Strand oder im Urlaub - lesen, aber ich wage mal die Prognose: ein Roman von Barbara Piazza und man hat sie im Prinzip alle (auch die evtl. zukünftigen) gelesen.

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04.11.2011

Arnaldur Indridason: Abgründe ***

Buch-CoverAuf Arnaldur Indridasons neuesten Krimi aus seiner Kommissar Erlendur-Reihe hatte ich schon sehnsüchtig gewartet. Doch wie schon im Vorgängerband »Frevelopfer« taucht er auch in »Abgründe« nur ganz am Rande auf. Er befindet sich offenbar immer noch irgendwo in den Ostfjorden, auch wenn Familienangehörige und Freunde anfangen sich zu wundern, wo er steckt.

Während in »Frevelopfer« Erlendurs Kollegin Kommissarin Elínborg im Mittelpunkt der Ermittlungen stand, ist es in »Abgründe« sein Kollege Kommissar Sigurdur Oli, der hauptsächlich ermittelt. Ein alter Schulfreund bittet ihn um Hilfe, weil sein Schwager und seine Schwägerin erpresst werden. Als Sigurdur Oli die Erpresserin aufsucht, überrascht er einen Mann, der die Erpresserin offenbar gerade brutal zusammengeprügelt hat. Obwohl Sigurdur Oli dem Täter noch nachsetzt, entkommt der Mann und Sigurdur Oli ist in Schwierigkeiten, weil er nun in einem Fall ermittelt, in den auch Freunde verwickelt sein könnten.

Dann ist da noch ein Penner namens Andrés, der in seiner Kindheit Furchtbares erlitten hat und nach Rache dürstet zugleich aber Kontakt zu Sigurdur Oli aufnimmt, um Verständnis zu finden.

Schließlich führen die Spuren aus den Ermittlungen auch noch ins Banken-Milieu und die Leser erfahren nebenbei gleich noch ein wenig darüber, wie die Isländer für einige Zeit mit ihren Finanzgeschäften das dicke Geld machten, bevor es dann zum großen Crash kam.

Ach ja, der arme Sigurdur Oli versucht privat auch noch im Auftrag seiner Mutter einen Zeitungsdieb auf frischer Tat zu überführen.

Ganz ehrlich? Der neue Krimi von Arnaldur Indridason hat mich nicht überzeugt. Mal abgesehen davon, dass mir Sigurdur Oli selbst als Figur nicht sonderlich sympathisch ist, fand ich die Geschichte in manchen Teilen als sehr langatmig und damit auch wenig spannend. Was die Geschichte von Andrés angeht, hab ich mich gefragt, wieso Arnaldur Indridason diesen Plot so lieblos neben dem eigentlichen Fall platziert und im Grunde verschenkt und obendrein damit auch die Konzentration auf den eigentlichen Fall stört. Insgesamt ist »Abgründe« für mich nur ein mittelmäßiger Krimi - Arnaldur Indridason kann es soviel besser! Ich hoffe jetzt sehr, dass Kommissar Erlendur im nächsten Band der Krimiserie endlich aus den Ostfjorden heimkehrt.

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28.10.2011

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts ***

Buch-CoverAls ich Eugen Ruges Debütroman »In Zeiten des abnehmenden Lichts« in meiner Bibliothek zur Ausleihe vorbestellte, geschah das aufgrund einer kleinen Leseprobe. Bis ich das Buch tatsächlich in Händen hielt, war der Roman gerade mit dem Deutschen Buchpreis 2011 ausgezeichnet worden. Entsprechend war meine Spannung gestiegen.

Erzählerisch gekonnt und geschickt breitet Ruge die Geschichte der Familie Umnitzer über vier Generationen aus. Alles beginnt mit Wilhelm und seiner Frau Charlotte die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zur kommunistischen Bewegung in Deutschland gehören. Als die Nazis an die Macht kommen, fliehen sie mit ihren beiden Söhnen nach Russland. Als die Söhne den Hitler-Stalin-Pakt kritisieren, landen sie in Lagerhaft wo einer umkommt und der andere, Kurt, erst nach schweren langen Jahren wieder entlassen wird und schließlich mit seiner russischen Frau nach Deutschland, bzw. die DDR heimkehrt.

Wilhelm samt Charlotte sind über Mexiko ebenfalls nach Deutschland zurückgekommen, wobei es Vermutungen und Gerüchte gibt, dass Wilhelm irgendwie in Agententätigkeiten verwickelt ist. Sowohl Wilhelm als auch Charlotte steigen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an die jeweils herrschende Parteilinie innerhalb des Parteiapparats auf und können schließlich im Alter gut versorgt und Wilhelm regelmäßig mit neuen Orden ausgezeichnet auf ihr Leben zurückblicken. Kurt, der überlebende Sohn findet ebenfalls sein Auskommen als Wissenschaftler - ausgerechnet als Historiker.

Der Höhepunkt des Romans ist auf den 1.Oktober 1989 (dem 90. Geburtstag von Wilhelm) datiert. Die Ereignisse dieses Tages werden mehrfach aus der Sicht verschiedener Familienmitglieder erzählt. Alexander, Kurts Sohn und Wilhelms Enkel, ist ausgerechnet kurz vor diesem Geburtstag in den Westen geflohen, was dem Großvater aber verschwiegen wird, wobei Wilhelm schon mit geistiger Umnachtung zu kämpfen hat und fraglich ist, ob er überhaupt noch tatsächlich verstanden hätte, was passiert ist.

Alexanders Sohn Markus wiederum fällt der Westen nach der Wende quasi in den Schoß und er zeigt keinerlei politisches Interesse, geschweige denn Engagement, mehr. Kritik an den politischen Verhältnissen der DDR kommt wenn überhaupt nach der Wende in der Familie nur sehr leise auf.

Eugen Ruge hat verschiedentlich klar gemacht, dass es ihm nicht um eine Abrechnung, sondern um eine Art Versöhnung mit der Großväter bzw. Vätergeneration geht. So hält er sich im Roman mit klar und deutlich formulierter Kritik auch zurück, schafft es aber durch die Schilderung durchaus die Problematik zu verdeutlichen und die geistige Anpassung und Stumpfheit, die sich bis in die Führungskader ausgebreitet hat, abzubilden. Je weiter der Verfall der DDR voranschreitet, je fremder werden sich auch die einzelnen Familienmitglieder, wenn sie denn jemals über etwas wie echte emotionale Verbundenheit verfügt haben. Es sind nur noch die wiederkehrenden Rituale und äußeren Formen, die so etwas wie ein Konstrukt von Familienleben aufrechterhalten.

Mir persönlich sind die vielen auftauchenden Romanfiguren insgesamt zu oberflächlich gezeichnet, als dass sie wirklich Format gewinnen könnten. Sie sind auch mir als Leserin fremd, ja größtenteils geradezu unsympathisch geblieben. Am ehesten konnte ich noch der Figur des Kurt und der russischen Großmutter etwas abgewinnen.

In einigen der Besprechungen bzw. Reaktionen auf die Verleihung des Deutschen Buchpreises für den Roman wurden Parallelen zu Uwe Tellkamps »Der Turm« oder gar Thomas Manns »Buddenbrooks« gezogen, was ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann. Uwe Tellkamps Roman war wessentlich erfolgreicher in der Darstellung der komplexen Gesellschaft und der Entwicklungen in der DDR und der Verfall der Familie in Ruges Roman kann wirklich nicht mit dem Verfall der Familie Buddenbrook verglichen werden.

Ich kann nicht beurteilen, wie Leser, die in der DDR aufgewachsen sind und gelebt haben, diesen Roman empfinden und wie stark sie sich mit den geschilderten Situationen identifizieren können aber für mich als Leserin, die im Westen aufgewachsen ist und dort gelebt hat, bleibt vieles einfach fremd und abstrakt und vermutlich auch manche Pointe verborgen. Auch irgendwelche Nostalgie-Gefühle können natürlich gar nicht erst entstehen, da ich mit Schilderungen aus dem Alltag der DDR-Bürger oder bei der Nennung von Ostprodukten, offenbar typischen Gerüchen von Treppenhäusern etc. keinerlei Erinnerunges-Verbindungen herstellen kann.

So muss ich sagen, dass mich der Roman nicht wirklich packen, geschweige denn überzeugen konnte. Dass ich nach der Lektüre behaupten könnte, ich verstünde die DDR und die von ihr geprägten Menschen jetzt etwas besser, ist auch nicht der Fall. Höchstens ist mir einmal mehr deutlich geworden, was für unterschiedliche Prägungen die Menschen in Ost- und West-Deutschland erhalten haben und welche tiefen Unterschiede seit der Wende überwunden werden müssen, um nicht nur auf dem Papier und in der Propagierung wieder zu »einem Volk« mit einheitlicher Prägung zu werden.

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05.10.2011

Anne Holt & Even Holt: Kammerflimmern ***

Buch-CoverDie bekannte norwegische Krimi-Autorin Anne Holt hat ihren neuesten Krimi zusammen mit ihrem Bruder Even geschrieben, wobei ich vermute, dass sie geschrieben hat und er mit Ideen und Fachkenntnis beigetragen hat. Er ist nämlich ein international anerkannter Herzspezialist und Chef der Kardiologie in einer Klinik bei Oslo. Das Buch wird als (Medizin)-»Thriller« angepriesen und ich war sehr gespannt darauf, denn Medizin finde ich ja auch immer recht spannend.

Sara Zuckerman ist eine anerkannte Herzchirurgin, die viele Jahre in den USA gearbeitet hat und dann nach Norwegen zurückgekehrt ist, um sich um ihre durch einen schweren Unfall verwaiste Nichte zu kümmern. Nun arbeitet sie als Chefärztin an einer Osloer Klinik und setzt u.a. Herzpatienten einen hochkomplizierten Mikro-Defibrillator ein, der im Falle von Unregelmäßigkeiten des Herzschlags oder eines Herzstillstands, elektrische Impulse also Elektroschocks abgibt und so das Herz wieder in den Rhythmus bzw. zum weiterschlagen bringt.

Soweit so gut. Dumm nur, das kurz hintereinander zwei ihrer Patienten, die den Mikro-Defibrillator eingesetzt bekamen, plötzlich sterben. Bei den Nachforschungen, die Sara Zuckerman und ihr Assistent Ola Farmen anstellen, finden sie heraus, dass offenbar irgendjemand die Mikro-Defibrillatoren manipuliert hat. Doch wer und warum, ist völlig offen und so beginnt ein Wettlauf und die Sorge steht im Raum, dass es nicht bei den zwei Toten bleiben könnte. Mehr will ich zum Plot nicht verraten.

Mich persönlich hat dieser Krimi leider nicht überzeugt, geschweige denn vom Hocker gerissen. Ziemlich durchkonstruiert, zwar alles wohl gründlich recherchiert und präsentiert aber irgendwie ... steril. Passt ja eigentlich zu einem Medizin-Thriller aber nein, mir war es zu glatt, zu kühl, zu steril. Die Charaktere wurden für mich nicht wirklich lebendig, wirkten teils holzschnittartig und das ständige Hin- und Hergespringe fand ich auch eher verwirrend als hilfreich, weil es ziemlich lange dauert, bis man als Leser verinnerlicht, wer wer ist und wo steckt und was tut. Für mich ist »Kammerflimmern« leider wieder eines der schwächeren Bücher von Anne Holt.

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27.09.2011

Gregor Weber: Feindberührung ***

Buch-CoverGregor Weber, einer der Tatort-Kommissare im Saarland, hat schon einige Sachbücher geschrieben. Mit »Feindberührung« wagt er sich nun erstmals an einen Kriminalroman und setzt dabei auch auf ein Ermittler-Duo.

Kurt Grewe ist glücklich verheiratet, hat mehrere Kinder und einen Hund. Seine Kollegin Therese Svoboda ist Single, macht Karriere aber hätte gegen einen Mann in ihrem Leben nichts einzuwenden. Als ein verdienter Afghanistan-Veteran ermordet in seiner Wohnung aufgefunden wird, müssen die beiden mit ihrem erweiterten Team an die Ermittlungen ran.

Lars »Bomber« Rems war Berufssoldat, hat mehrere Afghanistaneinsätze hinter sich. Beim letzten Einsatz ist er schwer verletzt worden und hat beide Beine verloren. Nach seiner körperlichen Genesung hat er sich von seiner Frau und seinem Sohn zurückgezogen, in einer Sozialwohnung gelebt und wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt, offenbar mit Drogen gedealt. Dabei waren ihm seine früheren Kontakte zu einer berüchtigten Rocker-Gang nützlich. Doch offenbar hat er Geschäfte auf eigene Rechnung gemacht. Es sieht so aus, als ob ihm das letztlich zum Verhängnis geworden ist.

Doch immer, wenn die Ermittler glauben, auf der richtigen Spur zu sein, zerschlagen sich ihre Beweise oder Verdächtige können hieb- und stichfeste Beweise beibringen. Führen die Spuren des Mörders doch in das Umfeld der Bundeswehr? Kommissar Grewe hat selbst gedient und war früher Fallschirmjäger in derselben Kompanie wie Rems. Bei den Ermittlungen stößt er schließlich auch auf einen alten Bekannten, mit dem ihm aber eher unerfreuliche Erfahrungen verbinden, die er mehr oder weniger verdrängt hat. Doch nun muss er sich diesen Erfahrungen stellen, um die Ermittlungen überhaupt führen zu können.

Ich war gespannt auf diesen Krimi von Gregor Weber, bin aber alles in allem nicht wirklich warm damit geworden. Zwar hat er zwei sympathische (aber irgendwie dadurch fast schon wieder langweilige) Ermittlercharaktere geschaffen aber irgendwie hatte ich die ganze Zeit den Eindruck, im Krimi einen belehrenden Zeigefinger gezeigt zu bekommen.

Auf mich wirkt der Krimi so, als ob Weber hier eine Lanze für die Bundeswehr bzw. vor allem für die Soldaten im Auslandseinsatz und die Rückkehrer brechen will. Teilweise deutlich, teilweise zwischen den Zeilen übermittelt er seine Botschaften, wie z.B. die, dass die deutsche Bevölkerung sich gefälligst mehr für ihre Soldaten interessieren sollte, etc. Einerseits ist das ja wahr und ist es auch lobenswert auf Mißstände hinzuweisen aber wie gesagt, bei mir ist das ganze eher unangenehm oberlehrerhaft angekommen.

Der Fall selber wirkt noch ziemlich hölzern konstruiert, zumal zumindest mir eigentlich ziemlich klar war, dass der eigentliche Täter wohl im Bundeswehr-Umfeld zu suchen sein würde. Da zog sich dann der lange Teil, in dem sich die Ermittler eher auf die Rocker-Gang konzentrieren doch etwas zäh. Auch da hatte ich wieder das Empfinden, hier will der Autor zeigen, wie gut er sich in dem Milieu auskennt oder aber wie toll er recherchiert hat.

Dito was die Ermittler und ihre Arbeit angeht. Weber kommt für mich wie ein Dozent rüber, der uns jetzt aber endlich mal mitteilt, wie Polizeiarbeit und Polizeialltag wirklich aussieht - muss er als Tatort-Kommissar ja schließlich wissen oder zumindest genügend Leute kennen, die wissen, was wirklich Sache ist. Auch die Auflösung des Falls habe ich dann als zu vorhersagbar empfunden, Spannung kam für mich an keiner Stelle auf. Für ein Debüt also ganz okay aber da ist noch viel Luft nach oben.

# ~ 3_Sterne ~ kein Kommentar



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