07.08.2011

Yrsa Sigurdardottir: Die eisblaue Spur **

Buch-CoverNach dem Mittelalter in Lübeck ging es im nächsten Krimi nach Island bzw. Grönland. Yrsa Sigurdardottir hat ihre Krimi-Serie um die Anwältin Dora Gudmundsdottir mit »Die eisblaue Spur« fortgesetzt. Darin wird Dora Gudmundsdottir gebeten, als Anwältin für eine Bank, ein Ermittlungsteam zu begleiten, das herausfinden soll, was in dem Camp einer isländischen Bergbaufirma vorgefallen ist. Dort ist der Kontakt zu zwei vor Ort verbliebenen Mitarbeitern abgerissen und die anderen Mitarbeiter, die im Urlaub waren, weigern sich nun, ins Camp zurückzukehren und die Arbeiten fortzusetzen. Außerdem ist eine weitere Mitarbeiterin im letzten Arbeitsterm spurlos verschwunden.

Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Ermittlungsteams macht sich Dora Gudmundsdottir also auf nach Grönland und erlebt dort am eigenen Leib, wie es ist quasi abgeschnitten vom Rest der Welt mit einer kleinen Gruppe sehr unterschiedlicher und nicht immer einfacher Menschen auf Gedeih und Verderb zusammenarbeiten zu müssen. Was sie vor Ort herausfinden, trägt auch nicht gerade zu einem harmonischen Miteinander bei und nimmt Züge eines Horrorthrillers an. Die einheimischen Grönländer erweisen sich als äußerst verschlossen und ablehnend. Hat einer von ihnen die vermissten Mitarbeiter auf dem Gewissen? Und was hat es mit dem Gebiet auf sich, das die Inuit meiden wie die Pest?

Ich muss sagen, dass dieser Band der Krimiserie mich leider nicht wirklich überzeugen konnte. Die Idee an sich ist zwar nicht schlecht aber ich habe beim Lesen bald selber eine Art »Koller« bekommen, weil sich alles sehr langatmig entwickelt. Spannung kam zumindest bei mir nicht wirklich auf. Natürlich habe ich mich auch gefragt, wie alles zusammenhängen mag und was passiert ist aber Spannung, nein, die kam an keiner Stelle auf.

»Die Eisblaue Spur« ist sicher einer der schwächeren Bände dieser Serie und ich hoffe sehr, dass das nur ein »Ausrutscher« war, denn der nächste und jüngste Band der Serie liegt schon hier und wird gleich als nächstes gelesen und ich wäre froh, wenn der wieder weniger langweilig ausfallen würde.

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17.11.2010

Titus Müller: Die Jesuitin von Lissabon **

Buch-CoverMir war mal wieder danach, einen guten historischen Roman zu lesen. Dann kam mir der jüngste Roman von Titus Müller unter, von dem ich ja schon anderes gelesen habe, was soweit gut war.

Der neue Roman mit dem Titel »Die Jesuitin von Lissabon«, setzt kurz vor dem verheerenden Erdbeben ein, das 1755 Lissabon fast komplett in Schutt und Asche legte. Der Held des Romans Antero Moreira de Mendonca kehrt nach Lissabon zurück, doch noch ehe er einen Fuß an Land setzen kann, sind schon die Häscher der Jesuiten hinter ihm her. Ihr Führer Gabriel Malagrida, der vielen als Prophet gilt und der einst große Hoffnungen in seinen Zögling setzte, versucht nun Antero in seine Gewalt zu bringen, um ihn aus dem Weg zu räumen.

Als das Erdbeben die Stadt heimsucht, sind es Malagrida und seine Jesuiten, die darin Gottes Strafgericht sehen und die Menschen zur Buße und Umkehr aufrufen. Antero wiederum, sucht fieberhaft nach einer natürlichen wissenschaftlichen Erklärung für das Erdbeben. Obendrein gerät er in die sich zuspitzenden machtpolitischen Auseinandersetzungen in der Stadt.

Während Malagrida versucht seine Machtstellung weiter auszubauen und sich dazu Teilen des Adels bedient, steht Antero auf der Seite des Premierministers Sebastian de Carvalho, der sich mit der fast unlösbaren Aufgabe konfrontiert sieht, die vom Erdbeben getroffenen Bürger Lissabons zu versorgen und die Stadt neu aufzubauen und zugleich seinen Widersacher Malagrida und die Machtgelüste des Jesuitenordens abzuwehren.

Der König José I. steht zu seinem Premierminister auch wenn er es kaum wagt sich gegen den vom Papst geschützten Malagrida durchzusetzen - jedenfalls nicht ohne handfeste Gründe und Beweise. Und dann ist da noch Leonor, Tochter eines deutschstämmigen Kaufmanns, verwöhnt und trotz ihrer Jugend schon mittendrin im Intrigen- und Machtkampf, der in Lissabon tobt. Als sie begreift, dass ihr Förderer Malagrida und ihr Geliebter Antero im Grunde Todfeinde sind, muss sie sich entscheiden, auf wessen Seite sie sich stellt.

Soweit kurz umrissen, worum es in dem Roman geht. Titus Müller greift durchaus spannende Themen auf: das Erdbeben, dass Lissabon zerstörte, der Zwiespalt zwischen Glaube und Wissenschaft, alte und neue Zeit, die Thematik des Umgangs mit den sog. Neuchristen, die Jesuiten und ihre machtpolitischen Züge aber auch bahnbrechenden wissenschaftlichen Erfolge. Das alles hätte einen spannenden historischen Roman ergeben können aber leider ist das meiner Meinung nach überhaupt nicht der Fall.

Zum Roman gibt es noch einen Anhang, in dem weitere Informationen zum Erdbeben und der dadurch wieder neu aufgebrochenen Frage nach Gottes Gerechtigkeit, über die Jesuiten und da besonders Gabriel Malagrida und über Sebastian de Carvalho und Portugal im 18. Jahrhundert gegeben werden. Außerdem findet sich noch ein Interview mit Titus Müller auf den letzten Seiten des Buches. Darin sagt er u.a. seine Grundangst beim Schreiben sei es, Leute zu langweilen; Langeweile dürfe nicht sein. Leider muss ich aber sagen, dass ich mich beim Lesen durchaus gelangweilt habe und ich über diesen Roman regelrecht enttäuscht bin. Daraus hätte man so viel mehr machen können und Titus Müller verschenkt diese Chance ohne echte Not. Die Figur der Leonor, bleibt für mich eine Nebenfigur, eine Staffage und es hat sich mir nicht wirklich erschlossen, warum der Roman den Titel trägt, den er hat. Dafür hätte die Figur der Leonor viel stärker herausgearbeitet sein müssen und eine viel wichtigere Rolle spielen müssen, als das tatsächlich der Fall ist. Bei mir fällt dieser Roman leider mit Pauken und Trompeten durch.

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05.08.2010

Jo Nesbø: Headhunter **

Buch-CoverEigentlich mag ich die Krimis und Thriller, die der Norweger Jo Nesbø schreibt. Sieben der acht Bücher, die ich bisher von ihm gelesen haben, bekamen die vollen fünf Sterne in meiner Wertung. Der achte erhielt vier Sterne, was auch noch deutlich über dem Durchschnitt ist. Das hat bisher kaum ein Autor bei mir geschafft. Klar, war ich da freudig überrascht, als es hieß, es gäbe ein neues Buch von Nesbø und das, obwohl im Januar dieses Jahres bereits sein Krimi »Leopard« erschienen ist. Ein bisschen wunderte ich mich über die Schnelligkeit aber als es dann weiter hieß, damit schicke Nesbø einen neuen Protagonisten ins Rennen, verstummten meine inneren Befürchtungen, dass er seiner Serie um Harry Hole vielleicht einen eher mittelmäßigen weiteren Band hinzufügen würde. Ich ließ mich also unvoreingenommen auf »Headhunter« ein.

In Headhunter erzählt Jo Nesbø von Roger Brown, der sich nach oben gearbeitet hat und heute in der Branche als der Top-Headhunter gilt. Renomee ist alles, das ist Roger Browns Devise und er tut alles, sein Renomee weiter auszubauen und zu festigen. Entsprechend ist sein Auftreten und wenn er sich einen potentiellen Kandidaten (Bewerber) vorknöpft, hat der wenig zu lachen und Brown seziert ihn geradezu mit FBI-Methoden und zwar gnadenlos.

Emotional scheint Roger Brown allerdings ziemlich minderbemittelt. Wenn er überhaupt zu etwas wie positiven Emotionen fähig ist, dann gegenüber seiner Frau Diana, die er zu lieben behauptet aber eher wie eine Trophäe oder einen Besitz ansieht. Diana wünscht sich nichts mehr als ein Kind von ihm, aber Roger will kein Kind, weil er einen zukünftigen Konkurrenten um Dianas Liebe sieht. Er »zwingt« sie zu einer Abtreibung. Als »Buße« schenkt er ihr ihre eigene Kunstgalerie in der sich die Reichen und Schönen samt der Künstler gerne ein Stelldichein geben. Ein tolles Haus und Auto etc. gehören natürlich für Roger auch dazu, um sein Renomee zu untermauern. Leider bringt ihn das alles finanziell in Schieflage. Da ist es gut, dass er über Kontakte verfügt, die es ihm ermöglichen in die Häuser reicher Kunden oder Bewerber einzusteigen und dort teuere Kunstwerke zu rauben, die er mit Hilfe eines Komplizen dann verkauft.

Eines Tages macht ihn seine Frau mit einem Mann bekannt, der im wie der Traumkandidat für einen Job erscheint, für den er auf der Suche nach einem passenden Bewerber ist. Es gelingt ihm den zunächst eher gleichgültigen Traumkandidaten Clas Greve für den Job zu interessieren. Im Laufe des Gesprächs erfährt er, dass Greve zufällig auf ein seit dem 2. Weltkrieg verschollenes Gemälde gestoßen ist. Bei Roger Brown klingeln alle Glocken und er beschließt, das Gemälde zu stehlen, denn wenn es ihm gelingt, dieses Gemälde zu verkaufen, würde ihn das bis ans Ende seiner Tage finanziell absichern.

Alles scheint zunächst gut zu gehen und in der Euphorie beschließt Brown, dass nun auch der Zeitpunkt gekommen ist, seiner Frau ihren Herzenswunsch nach einem Kind zu erfüllen. Noch am Tatort versucht er sie telefonisch zu erreichen und hört das Klingeln des Handys seiner Frau aus einem Nebenzimmer. Zu seinem Entsetzen findet er dort tatsächlich das Handy unter einem Bett und hat somit den unwiderbringlichen Beweis, dass sie ihn mit dem Traumkandidaten offenbar betrügt.

Roger Brown will nur noch Rache, doch er hat Clas Greve gründlich unterschätzt, denn der macht nun seinerseits Jagd auf Roger. Ein brutaler Kampf auf Leben und Tod entbrennt zwischen den beiden Männern und als Kollateralschaden gibt es eine Menge Tote. Eines ist klar, es kann nur einen Sieger geben bei diesem Kampf und natürlich will keiner der beiden Männer der Verlierer sein.

Klingt alles spannend, rasant und toll aber mich hat dieser Thriller nicht überzeugt. Mal ganz abgesehen davon, dass mir der Protagonist Roger Brown sowas von unsympathisch ist, dass ich bis zur letzten Seite auch nicht das kleinste Fünkchen Sympathie in mir hervorbringen konnte. Ja, Jo Nesbø weiß, wie man eine Geschichte spannend weiter vorantreibt aber diese Geschichte hat auf mich zu durchkonstruiert und kalt oder besser steril gewirkt. Als würde mir der Autor ständig zwischendrin zurufen: schau nur, wie geschickt ich es verstehe, diese Geschichte zu erzählen, wie gut ich diese Geschichte durchkalkuliert habe. Ja, die Geschichte ist (fast) perfekt aber mich hat sie nicht gepackt und sehr unzufrieden zurückgelassen. Gerade weil ich weiß, dass Jo Nesbø das viel viel viel besser kann bzw. gekonnt hätte. Eine Botschaft, die dieser Thriller beeinhaltet lautet obendrein Rücksichtslosigkeit zahlt sich aus und auch wenn das (leider) wahr ist, bin ich von der Art und Weise, wie mir diese unschöne Wahrheit präsentiert wird, abgestoßen.

Streckenweise hatte ich das Gefühl, eigentlich ist das hier eine Art Drehbuch für einen Hollywood Action Thriller. Harte schnelle Schnitte, holzschnittartige Figuren, Action, Spannung - was will man mehr. Ja, ich will mehr, ich will auch etwas Seele - selbst in einem Krimi und der hier wirkt auf mich absolut seelenlos. Bei einer schnellen Recherche habe ich eben die Bestätigung im Internet bekommen: die Filmrechte sind bereits verkauft, die Arbeit am Drehbuch läuft schon.

Immer wieder habe ich mich gefragt, ob er vielleicht selber in finanziellen Nöten ist und es deshalb nötig hatte, diesen Thriller schnell zu schreiben und zu veröffentlichen. Nach der Lektüre habe ich dann entdeckt, dass das nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Jo Nesbø will mit dem Geld sogar etwas Gutes tun. Sämtliche Einnahmen aus diesem Roman fließen in eine von Jo Nesbø gegründete Stiftung, die gegen Analphabetismus bei Kinder kämpft. Das ist natürlich überaus ehren- und lobenswert und man könnte sogar vermuten, dass es ein geschickter Schachzug ist, den Protagonisten im Headhunter-Milieu anzusiedeln. Die engen Verbindungen zum Top-Management, könnten zu vielen Lesern aus diesen Bereichen führen und da ist vielleicht der ein oder andere gerne bereit sich über die Stiftung informieren zu lassen und dafür zu spenden. Ich weiß es nicht und letztlich ist es auch egal.

Am Ende bleibt mir nur das Fazit zu ziehen, dass ein perfekter Thriller manchmal doch keine fünf Sterne wert ist. Ich habe mich während der Lektüre fortwährend geärgert über das, was mir hier serviert wurde, sei es noch so rasant erzählt und schlägt die Geschichte auch noch so überraschende Haken. Von mir gibt es daher nur zwei Sterne.

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24.02.2010

Mo Hayder: Haut **

Buch-CoverMit »Haut« hat die britische Krimiautorin Mo Hayder einen weiteren Band in ihrer Jack-Caffery-Reihe geschrieben, der zudem die nahtlose Fortsetzung des Vorgängerbandes »Ritualmord« bildet.

Die traumatisierenden Erlebnisse wirken bei Jack Caffery und der Polizeitaucherin Phoebe (Flea) Marley noch nach. Jack Caffery hat das Gefühl, als würde ihn jemand verfolgen und fragt sich, ob es vielleicht ein Tokoloshe sein könnte. Während er einerseits mit der Suche nach einer verschwundenen Frau und dann nach und nach mit immer mehr Toten, bei denen nicht klar ist, ob es sich um Selbstmorde oder Morde handelt, findet sich auch Flea in einem Albtraum wieder, als sie in ihrem Kofferraum eine schon verwesende Leiche entdeckt und sich herausstellt, dass ihr Bruder Thom offenbar mit deren Tod zu tun hat. Hin und her gerissen zwischen ihrer Loyalität zu ihrem Bruder und ihrer Verantwortung als Polizistin, versucht Flea ihrem Bruder so gut es geht zu helfen.

Qualitativ ist »Haut« etwa auf dem gleichen Level angesiedelt wie der unmittelbare Vorgängerband »Ritualmord«, nur dass ich »Haut« als noch düsterer und deprimierender empfunden habe. Helden im klassischen Sinne, sind Jack Caffery und Flea Marley ganz bestimmt nicht und sie schrecken beide auch nicht eine Sekunde davor zurück, die feine Grenze zwischen gut und böse zu überschreiten. Auch die meisten anderen Figuren im Krimi, sind alles andere als liebenswerte Charaktere. Im besten Falle sind sie schlicht dumm, im schlimmsten Fall pervers und völlig gestört. Logisch ist die Story hinten und vorne nicht wirklich, was aber bei Mo Hayder auch nicht unbedingt etwas Neues ist.

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06.01.2010

Benjamin Black: Der silberne Schwan **

Buch-Cover»Der silberne Schwan« ist der zweite Band der Quirke-Reihe, die Benjamin Black alias John Banville schreibt. Nachdem mir der erste Band »Nicht frei von Sünde« recht gut gefallen hat, war ich froh, den zweiten Band in die Hände zu bekommen. Leider fällt der neue Krimi aber deutlich gegen den Auftaktband der Serie ab.

Quirke, Pathologe von Beruf, verwitwet mit einer schon erwachsenen Tochter, die aber lange glaubte, nur seine Nichte zu sein, erhält eines Tages einen Anruf von einem Mann, der zu seiner Zeit an derselben Universität studiert hat. Dessen Frau Deidre ist, scheinbar nach einem Selbstmord, tot aus einem Fluß gezogen worden und er bittet Quirke darum, den Fall zu übernehmen und eine Autopsie zu unterlassen.

Quirke verspricht das, kann aber seiner Neugierde doch nicht widerstehen und schaut sich die Leiche wenigstens gründlich an, macht Bluttests etc. Was er dabei findet bzw. entdeckt, läßt ihn weiter nachforschen, was es mit der Frau auf sich hatte. Er erfährt, dass Sie unter dem Namen Laura Swan einen »Schönheitssalon« geführt hat, zusammen mit dem zwielichtigen Leslie White. Je weiter Quirke forscht, desto verworrener wird alles.

In Rückblenden erzählt Black die Geschichte von Deidre, die den deutlich älteren Billy Hunt heiratete, dann eines Tages auf einen ziemlich dubiosen indischen Geistheiler trifft und über diesen Leslie White kennenlernt und durch diese Bekanntschaft in einen zerstörerischen Strudel gerät. Obwohl sie die Gefahr ahnt, kann sie doch nicht widerstehen und begibt sich immer tiefer in den Sumpf, in den Leslie White sie führt.

Quirke wiederum ist höchst alarmiert, als seine Tochter Phoebe ausgerechnet Leslie White kennenlernt und sich offenbar mit ihm einläßt. Aber auch Billy Hunt hat Leslie White, den ehemaligen Geschäftspartner seiner Frau im Blick und behält so auch Phoebe mit ihm Auge.

Alles in allem, fand ich diesen Krimi zu behäbig und auch langweilig. Die Richtung in die die Geschichte läuft hat mir ebensowenig zugesagt, eher habe ich den Verdacht, dass der Autor sein Vergnügen hatte, sich in diese Richtung zu begeben und dann ordentlich auszuwalzen. Männliche Leser mögen das anders empfinden aber ich fand die Lektüre eher ermüdend und unbefriedigend. Daher von mir für den zweiten Band lediglich zwei Sterne. Ob ich den nächsten Band der Serie lesen werde, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht gebe ich Benjamin Black nochmal eine Chance aber wenn der dritte Band dann auch wieder auf dem Niveau sein sollte, wie der zweite, werde ich diese Serie wohl nicht weiter verfolgen.

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30.12.2009

Monica Ali: Hotel Imperial **

Buch-Cover2005 las ich Monica Alis hochgelobten Roman »Brick Lane« und war reichlich enttäuscht davon. Nun habe ich beschlossen es ein zweites Mal mit einem Roman von ihr zu wagen und griff zu »Hotel Imperial«, das dieses Jahr erschienen ist. Leider leider hat sich mein Ersteindruck bestätigt, denn auch dieser Roman hat mich an keiner Stelle emotional irgendwie packen können.

Erzählt wird von Gabriel Lightfoot, der von allen nur Gabe genannt wird und Küchenchef im etwas heruntergekommenen Hotel Imperial ist. Er hofft, wenn er dort erfolgreich ist, einen großen Karrieresprung machen zu können und außerdem plant er dann seine Freundin zu heiraten.

Monica Ali nimmt die Leser mit in die Hotelküche und läßt sie einen Blick hinter die Kulissen tun und was sich da offenbart, ist alles andere als schön. Die Köche und Küchenhilfen sind eine mulitkulturelle Truppe, die sich halb zu Tode schuften und dabei so ihre Päckchen zu tragen haben und auch nicht alle verfügen über gültige Papiere, etc. Dann wird auch noch eine Leiche in der Katakomben des Hotels gefunden und über Gabe bricht obendrein die Nachricht herein, dass sein Vater schwer an Krebs erkrankt ist.

Die weiteren Entwicklungen in der Geschichte zwingen Gabe, sich den Tatsachen wenigstens etwas mehr zu stellen und endlich hinzuschauen, was um ihn herum eigentlich passiert.

Sicher, man kann Monica Ali nicht absprechen, dass sie hier eine realistische Schilderung der Lebensumstände vieler Einwanderer und Immigranten und der Probleme einer multikulturellen Gesellschaft abbildet ebenso wie die Trostlosigkeit und Egozentrik die das Leben der sog. »Privilegierten« häufig kennzeichnet aber wie gesagt, mich hat der Roman nicht wirklich berührt oder mitgerissen. Auch diesmal von mir also nur zwei Sterne für Monica Ali und ich schätze, das war dann auch der letzte Roman von ihr, den ich gelesen habe.

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09.11.2009

Bernhard Jaumann: Hörsturz **

Buch-CoverNachdem ich zunächst die Montesecco-Trilogie von Bernhard Jaumann gelesen habe, die ich recht unterhaltsam fand, wollte ich nun auch seine fünf Krimis lesen, die er je einem der menschlichen Sinne gewidmet hat. Diese Serie beginnt mit dem Krimi »Hörsturz«.

Die Rundfunkmoderatorin Ruth Strelecky in Wien moderiert eine Sendung, in der Hörer anrufen und sich zu jeweils vorgegebenen Themen äußern können. Da meldet sich eine Anruferin, die Anschläge gegen Veranstaltungen ankündigt, um den Musikwahnsinn der Tourismusindustrie zu stoppen.

Zunächst halten alle die Anruferin einfach für eine Spinnerin, doch am Abend deselben Tages wird das Geburtshaus von Franz Schubert völlig demoliert. Ruth Strelecky wiederum findet einen Anruf ihrer Schwester Miriam, die als Opernsängerin an der Kammeroper arbeitet, auf ihrem Anrufbeantworter vor. Miriam deutet an, dass sie die Stimme der seltsamen Anruferin evtl. erkannt hat. Sofort versucht Ruth ihre Schwester Miriam zu erreichen aber die bleibt unerreichbar.

Ruth macht sich am nächsten Abend in die Kammeroper auf, wo ihre Schwester in Mozarts Zauberflöte auftritt. Während der Aufführung kommt es zu einem Bühnenbrand und danach ist Miriam spurlos verschwunden.

Auf eigene Faust versucht Ruth sie zu finden und kommt einem raffinierten Plan auf die Spur. Mehr will ich über diese Geschichte nicht verraten.

Die Idee die Jaumann in diesem Krimi verarbeitet hat, ist eigentlich recht clever aber trotzdem hat mich »Hörsturz« nicht wirklich überzeugen können. Die Spannung fand ich mäßig, die Figuren alle recht oberflächlich gezeichnet und die ganze miefig wienerische Atmosphäre des Buches tat ein Übriges.

Mal sehen, ob der Folgeband dieser Serie besser wird, sonst überlege ich mir nochmal, ob ich die komplette Serie wirklich lesen werde. Die Montesecco-Trilogie jedenfalls ist deutlich besser geschrieben.

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18.10.2009

Dzevad Karahasan: Berichte aus der dunklen Welt **

Buch-CoverVor zwei Jahren las ich den Roman »Der nächtliche Rat« von Dzevad Karahasan und war sehr angetan. Nun habe ich endlich ein weiteres Buch von ihm gelesen.

In »Berichte aus der dunklen Welt« finden sich vier Prosastücke, die alle um Bosnien bzw. Sarajevo und seine Menschen kreisen. Vor allem sind es Menschen, die tief geprägt sind von den geschichtlichen und politischen Verwerfungen, die dieses Land erfahren hat. Es geht um ihre Erfahrungen, methaphysische und philosophische Gedankengänge, die Folgen der Kriege.

Brücken spielen bei Karahasan und in Bosnien ebenfalls eine große Rolle, so wie auch schon bei Ivo Andric, an dessen Erzählthemen und Erzählweise besonders das letzte Prosastück »Karl der Große und die traurigen Elefanten« erinnert. Für mich ist diese Erzählung auch die beste in diesem Band. Mit den anderen drei Erzählungen hatte ich etwas Probleme, vermutlich weil es mir schwer fällt mich mit den Lebenskrisen älterer Männer zu identifizieren und weil mir die theoretischen Überlegungen zu einem großen Teil einfach zu fern sind. Menschen mit demselben Hintergrund bzw. ähnlichen Erfahrungen wie Karahasan mögen das allerdings ganz anders beurteilen. Mein Fall ist es diesmal leider nicht.

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18.06.2009

Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten **

Buch-CoverChristian Kracht wird teilweise als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schweizer Schriftsteller gefeiert. Für mich war »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten« der erste Roman, den ich von ihm gelesen habe.

Ich bin sehr gespannt an dieses Buch gegangen. Auf rund 150 Seiten erzählt Kracht ein »Was wäre wenn«-Szenario. Lenin hat bei seiner Rückkehr aus dem Exil die Schweiz nicht Richtung Russland verlassen sondern ist dort geblieben und hat seine Ideen und politischen Ambitionen im Land der Eidgenossen verwirklicht.

Der Roman setzt 96 Jahre später ein. Die Welt liegt im Krieg und zwar schon so lange, dass es niemanden mehr gibt, der sich noch an den Frieden erinnern kann. Die Schweizer haben sich in unterirdische Bergfesten zurückgezogen und bilden Afrikaner als Offiziere aus, die für die Schweizer kämpfen. Auch in anderen Teilen der Welt herrschen Krieg und der Kampf um die Vorherrschaft. Ansonsten hat sich die Gesellschaft in eine Art archaische Gesellschaft zurückentwickelt allerdings mit teilweise wieder sehr science fiction-haften Einsprengseln. Insgesamt entwirft Kracht ein ziemlich apokalyptisches Szenario.

Erzähler ist ein afrikanischer Offizier bzw. Politkommisars der Schweizer, der sich auf die Jagd macht nach einem polnischen Offizier und diesem bis in das Réduit folgt, dort aber der seltsam schillernden Persönlichkeit verfällt und sich am Ende aufmacht, zurück nach Afrika. Dort wird er Zeuge davon, wie die Afrikaner in Massen die von den Schweizern erbauten Städte verlassen und sich wieder in die Savannen und Ebenen zurückziehen. Soweit also zum inhaltlichen des Romans.

Erzählerisch gelingt es Kracht einerseits aus einer seltsamen und zum Teil durchaus auch faszinierenden Mischung aus Bekanntem und Fremdem und der Mischung von schweizer und afrikanischen Elementen und Begriffen, eine andere Welt abzubilden. Andererseits aber sind dermaßen viele fremde Begriffe und Bezeichnungen verwendet, zu denen es keinerlei Erklärungen gibt, so dass man sich als Leser im Idealfall zwar zusammenreimen kann, was gemeint ist, im schlimmsten - und weitaus häufigeren Fall - aber im Dunkeln bleibt. Ich hatte den kleinen Vorteil, durch meine Afrikazeit zumindest die aus Afrika entlehnten Begriffe auf Anhieb zu verstehen aber das dürfte bei den allermeisten Lesern nicht der Fall sein. Die lesen also den Roman am besten gleich neben dem PC oder Laptop, um die entsprechenden Begriffe schnell klären zu können. So jedenfalls entsteht der Eindruck, dass der Schriftsteller hier mit seinem Wissen kokettiert bzw. angeben will (eigentlich eher unschweizerisch). Ein kleines Register am Ende des Buches, wäre die Lösung gewesen.

Nicht überzeugend ist auch die z.T. doch sehr abstruse und wirre Aneinanderreihung von Gedankengängen und Phantastereien. Ähnlich wie die beschriebene Welt sich in Auflösung befindet, scheint auch der Roman immer mehr auseinanderzufallen und man als Leser ähnlich orientierungslos durch die Seiten zu taumeln.

Insgesamt kommt mir der Roman vor wie ein vorgeblich funkelnder Edelstein, der aber in Wahrheit gar kein Edelstein ist. Was bleibt ist eher ein düsterer kalter Stein, dessen letztes falsches Funkeln mit den letzten Seiten des Romans verlischt. Mich hat Christian Kracht leider überhaupt nicht überzeugen können und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das mein erster und letzter gelesener Roman von ihm gewesen sein wird.

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03.06.2009

Stella Rimington: Beutezug **

Buch-Cover»Beutezug« ist der dritte Band der Liz Carlyle-Serie von Stella Rimington, der ehemaligen Chefin des britischen inländischen Geheimdienstes MI 5. Liz Carlyle wird getarnt als Kunstgeschichtsstudentin im Haus eines russischen Oligarchen, der in London im Exil lebt, eingesetzt. Dieser schwerreiche Kunstliebhaber und zudem Kremel-Kritiker scheint durch den russischen Geheimdienst bedroht zu sein. Nach dem Zusammenbruch der alten Sowjetunion ist London ein Ort geworden an dem sich russische Geheimagenten in Massen tummeln und so fürchten die Briten, dass es einen neuen Fall Litvinenko geben könnte. Die Ermittlungen bringen Liz Carlyle bald in höchste Gefahr.

Zum Zeitpunkt, als »Beutezug« in England erstveröffentlicht wurde (2007) war gerade erst Alexander Litvinenko in London umgebracht worden. Somit ist Stella Rimington da mit dem »Milieu« und Thema sehr aktuell. Leider aber ist das ganze so erzählt, dass zumindest bei mir Spannung wieder nicht wirklich aufkommen wollte. Recht bald haben mich auch die vielen bemühten Klischees wirklich ermüdet. Ich denke das wird der letzte Band aus dieser Serie sein, den ich gelesen habe.

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