20.08.2009

Peter Ackroyd: Die Clerkenwell-Erzählungen *

Buch-CoverDer Brite Peter Ackroyd hat sich mit seinen umfangreichen und äußerst fundierten Biographien über London und Shakespeare international einen Namen gemacht. Außerdem schreibt er ab und an kleinere Romane.

Letztes Jahr las ich seinen Roman »Wie es uns gefällt« und kam zu dem Schluß, dass er wohl besser doch bei den Sachbüchern bleibt. Um ihm nicht Unrecht zu tun, wollte ich aber noch einen zweiten Versuch mit einem seiner Romane versuchen und entschied mich für »Die Clerkenwell-Erzählungen«, einen historischen Roman, der im London des Jahres 1399 spielt.

Das Jahrhundert neigt sich langsam dem Ende zu und natürlich gibt es auch jede Menge Endzeitängste. Dort hinein meldet sich die Nonne Clarissa mit seltsamen Visionen zu Wort und beschwört so ein Untergangsszenario. Empfängt sie wirklich göttliche Botschaften oder ist sie vom Teufel besessen oder einfach nur verrückt? Auch andere religiöse Gruppen tummeln sich in der Stadt. Geheimbünde und politische Wirren tragen das ihre dazu bei, dass London ein brodelnder Kessel ist.

Ackroyd hat die Kapitel des Romans nach den darin hauptsächlich auftretenden Figuren benannt und die wiederum sind an Personen aus den berühmten »Canterbury-Erzählungen“ von Geoffrey Chaucer angelehnt, worauf Ackroyd zu Beginn kurz hinweist.

Man kann Peter Ackroyd nicht seine immenses historisches Wissen und seine Genauigkeit absprechen. Es gelingt ihm mittels dieser Unterfütterung das mittelalterliche London lebendig werden zu lassen. So erfahren die Leser viel über die Lebensumstände der Menschen, über Glaube und Aberglaube zur damaligen Zeit oder über die Vorgehensweise mittelalterlicher «Ärzte» und Heiler. Das ist teilweise recht interessant und drastisch zu lesen. Die Geschichte selbst aber wirkt insgesamt sehr verworren und selbst mit guten Kenntnissen in Geschichte und Kirchengeschichte, ist es sehr mühsam der Geschichte zu folgen, Bezüge herzustellen und zu verstehen, worum es überhaupt geht.

Während «Wie es uns gefällt" von mir noch drei Sterne erhielt, vergebe ich für die Clerkenwell-Erzählungen nur noch einen Stern, denn der Unterhaltungswert geht gegen Null und das ist für einen Roman ein bisschen wenig und in diesem Fall bin ich dankbar, dass Ackroyds Romane deutlich weniger umfangreich ausfallen als seine Sachbücher. Dafür freue ich mich aber schon jetzt auf Ackroyds neues Sachbuch über die Themse, das ich bald zu lesen hoffe und das sicher wieder ein solcher Knüller wie die London-Biographie ist.

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22.10.2008

Hans Pleschinski: Ludwigshöhe *

Buch-CoverIn einem Radiobeitrag hörte ich von Hans Pleschinskis Roman »Ludwigshöhe« und was ich dort hörte, ließ mich denken, das könnte eine interessante Lektüre sein.

Drei Geschwister - Monika, Clarissa und Ulrich - erben von einem Onkel. Doch das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft: sie sollen die Villa Ludwigshöhe des Onkels am Starnberger See ein Jahr lang für Lebensmüde öffnen aber nicht, um sie ins Leben zurückzuführen, sondern um ihnen mit Rat und Tat dabei beizustehen ihr Vorhaben zu realisieren. Die Geschwister, allesamt aus meiner Perspektive keine sympathischen Charaktere, lassen sich aus Geldgier auf diese Bedingung ein. In der ganzen Stadt verteilen sie verklausulierte Flyer bzw. Karten, die Interessenten anlocken soll und bald füllt sich die Villa mit recht unterschiedlichen Menschen.

Zum Entsetzen der Geschwister geschieht jedoch etwas anderes als das Erwünschte, die Lebensmüden wagen den letzten Schritt eben doch nicht und fangen nach und nach an doch wieder Geschmack am Leben zu finden, werden aktiv, helfen sich gegenseitig und denken gar nicht daran, das zu tun, was sie ursprünglich vorhatten, nämlich sich das Leben zu nehmen.

Vor Jahren las ich das Buch »Der wunderbare Massenselbstmord« des finnischen Autors Arto Paasilinna, indem es um die gleiche Thematik geht. Aber Hans Pleschinskis Roman kann meiner Meinung nach in keiner Weise mit Arto Paasilinnas Roman mithalten. Ich habe mich durch »Ludwigshöhe« gequält und nur selten sprang mal ein kleines Fünkchen über. Am Anfang ist alles so verklausuliert angelegt, dass wenn ich nicht vorher den Beitrag zum Buch gehört hätte, ich überhaupt nicht kapiert hätte, worum es eigentlich geht. Viele Fragen bleiben offen und ich stolperte ziemlich orientierungslos durch die Seiten, immer auf erklärende bzw. erhellende Sätze hoffend. Die auftretenden Figuren vermochten es auch nicht, bei mir große Sympathien zu wecken. Ellenlange Dialoge werden ausgebreitet über bundesdeutsche Alltagsthemen von Call-Center über Ich-AGs bis hin zu Ehrenmorden ohne wirklich substantiell etwas Neues beizutragen und der Autor hat auch nicht vergessen viele Zitate aus der Weltliteratur mit einzustreuen, vielleicht um damit seinen literarischen Anspruch zu beweisen. Obwohl diese Themen ja tatsächlich den heutigen Menschen bewegen, bleiben sie in den Diskussionen blutleer und irgendwie theoretisch und plakativ.

Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, wie es Hans Pleschinski mit Ludwigshöhe allen Ernstes auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat.

# ~ 1_Stern ~ ein Kommentar



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