26.01.2010

Wally Lamb: Die Stunde, in der ich zu glauben begann ***

Buch-CoverDer Roman »Die Stunde, in der ich zu glauben begann« wurde mir wärmstens empfohlen und da die kurze Inhaltsangabe recht interessant klang, habe ich mich entschlossen, der Empfehlung zu folgen.

Wally Lamb erzählt darin von Caelum und Maureen Quirk. Eine Ehekrise hat dazu geführt, dass sie nach Colorado gezogen sind, was auch einen Neuanfang in der Ehe markieren soll. Caelum unterrichtet kreatives Schreiben und arbeitet in einem Donut-Shop. Maureen ist Schulkrankenschwester an der Columbine Highschool. Dann erleidet Caelums Tante Lolly einen Hirnschlag und er reist auf Anraten Maureens zu seiner Tante.

Während Caelum fern von zuhause Abschied von der sterbenden Tante nimmt, laufen zwei Schüler in der Columbine Highschool Amok und erschießen Lehrer und Schüler. Auch Maureen gerät in Lebensgefahr und glaubt ihr letztes Stündlein sei gekommen. Als Caelum von dem Amoklauf erfährt, reist er so schnell er kann zurück nach Hause, fürchtet er doch Maureen könnte unter den Toten sein. Doch Maureen überlebt wie durch ein Wunder äußerlich unverletzt. Doch die Erfahrung der unmittelbaren Bedrohung und Todesangst haben sie zutiefst traumatisiert.

Wally Lamb schildert nun sehr eindrucksvoll, mit welchen Problemen die Überlebenden eines so gravierenden Ereignisses zu kämpfen haben. Maureen zeigt alle Symptome einer posttraumatischen Störung und je mehr Caelum versucht ihr zu helfen, desto schlimmer wird es und die sowieso schon kriselnde Ehe gerät erneut schwer ins Trudeln.

Maureen wird drogenabhängig und als sie schließlich unter Drogen stehend einen jungen Mann totfährt, kommt sie für mehrere Jahre in ein Frauengefängnis, das zufällig hundert Jahre zuvor von Caelums Großmutter als erstes reines Frauengefängnis des Landes gegründet wurde. Auch Caelum kann sie vor dieser Gefängniszeit nicht bewahren. Er versucht aber das nötige Geld für Anwälte, etc. zusammenzubekommen und die Farm irgendwie über Wasser zu halten.

Zufällig geraten ihm Briefe seiner Großmutter und weiterer Vorfahren in die Hände, die unerwartete Einblicke geben und Fragen aufwerfen und dann stößt Caelum auch noch auf ein dunkles Familiengeheimnis, vor dem ihn seine weiblichen Verwandten immer beschützen wollten. Erst als er sich mit diesem Geheimnis und den Folgen auseinandersetzt, findet er die Kraft dessen Kräfte zu überwinden und zu einem neuen Leben und Glauben zu finden.

Wie gesagt, im Grunde eine interessante Geschichte und gerade in den Schilderungen der Auswirkungen auf die Protagonisten auch sehr erschütternd und überzeugend. Was mich allerdings etwas gestört hat, ist der zweite große Erzählstrang über Caelums Familiengeschichte. Diese Geschichte ist zwar auch interessant und durchaus spannend aber ich glaube, mir hätte es besser gefallen, wenn sich Wally Lamb ganz auf eines der Themen konzentriert hätte oder besser, zwei Romane daraus gemacht hätte anstatt alles zusammen zu mischen. Aber das ist natürlich Geschmackssache und andere mögen das durchaus anders empfinden. Ich habe Teile dieser Familiengeschichte eher als unnötige Längen empfunden.

# ~ 3_Sterne ~ ein Kommentar



09.01.2010

David Benioff: Stadt der Diebe *****

Buch-CoverDavid Benioff hat mit »Stadt der Diebe« einen tollen Roman geschrieben, in dem er Erinnerungen seines russischen Großvaters an die Zeit der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg verarbeitet hat.

Der siebzehnjährige Halbjude Lew (die literarische Figur, die seinem Großvater nachempfunden ist) ist im von den Deutschen belagerten Leningrad der »Kommandeur« eines kleinen Feuertrupps und bewacht mit einigen anderen Jugendlichen nachts die Dächer seines Wohnkomplexes. Sein Vater war ein Dichter und wurde eines Tages als Lew noch klein war vom NKWD abgeholt und kehrte nie zurück. Seiner Mutter und Schwester ist es gelungen aus Leningrad zu fliehen, bevor sich der Belagerungsring schloss.

Eines Nachts beobachten der introvertierte und schüchterne Lew und seine Freunde, wie ein toter deutscher Fallschirmspringer »landet«. Sie durchsuchen den Toten und nehmen ihm einige Dinge ab. Da tauchen Soldaten auf und verfolgen die Gruppe. Lew wird schließlich gestellt und landet im berühmt-berüchtigten Kresty-Gefängnis. Auf Plünderung stand damals die Todesstrafe. Ertappte Plünderer wurden häufig an Ort und Stelle erschossen. Doch Lew landet im Gefängnis und lernt dort in der ersten Nacht Kolja, einen Soldaten kennen, der fern seiner Truppe aufgegriffen und wegen Fahnenflucht ins Gefängnis geworfen wird. Kolja sieht blendend aus und ist ein Charmeur erster Güte mit einem schier endlosen Optimismus.

Am nächsten Morgen werden beide einem Oberst vorgeführt und der macht einen Handel mit ihnen. Für die Hochzeit seiner Tochter will er eine Hochzeitstorte und verlangt von Lew und Kolja ihm binnen einer Woche ein dutzend frische Hühnereier zu besorgen. Im ausgehungerten Leningrad schier ein Ding der Unmöglichkeit aber Lew und Kolja lassen sich auf den Handel ein und begeben sich auf eine abenteuerliche Tour, zunächst durch Leningrad und später zu einer Geflügelfarm hinter den feindlichen Linien, wo sie hoffen, die Eier zu bekommen.

Doch natürlich ist das ein wahnwitziges Unternehmen und so dauert es nicht lange, bis die beiden sich fortgesetzten Gefahren ausgesetzt sehen. Feindlichen deutschen Soldaten müssen sie aus dem Weg gehen und gleichzeitig aufpassen, nicht von russischen Soldaten oder Partisanen erschossen zu werden, bevor sie ihren Passierschein, den ihnen der Oberst ausgestellt hat, vorzeigen zu können.

Während Lew immer wieder der Mut sinkt und die Kraft auszugehen droht, ist Kolja immer guter Dinge und muntert Lew auf und versorgt ihn gleich noch mit einer Menge Lebensweisheiten. Obendrein lernen sie unterwegs die Partisanin und Scharfschützin Vika kennen, die Lew ungeheuer beeindruckt. Sie hat es auf einen Deutschen Oberst abgesehen, der ungeheuer grausam gegen Russen vorgeht. Die drei machen sich gemeinsam daran, diesen Oberst aus dem Weg zu räumen und plötzlich findet sich Lew, der eher ängstlich ist, in einer Situation wieder, in der der Erfolg aller Unternehmungen von ihm und seinem Schachtalent abhängen.

David Benioff hat hier eine Geschichte erfunden, die mir sicher lange im Gedächtnis bleiben wird und eine interessante Balance zwischen Kriegsgrauen, Hunger und Grausamkeiten sowie Freundschaft, Treue und Humor hält und während der Lew Dank seiner Freunde zu einem selbstbewussten jungen Mann heranreift.

Ob Lew und Kolja das Dutzend Eier wirklich noch aufgetrieben haben, verrate ich natürlich hier nicht. Dazu müßt Ihr schon das Buch lesen.

# ~ 5_Sterne ~ ein Kommentar



06.01.2010

Benjamin Black: Der silberne Schwan **

Buch-Cover»Der silberne Schwan« ist der zweite Band der Quirke-Reihe, die Benjamin Black alias John Banville schreibt. Nachdem mir der erste Band »Nicht frei von Sünde« recht gut gefallen hat, war ich froh, den zweiten Band in die Hände zu bekommen. Leider fällt der neue Krimi aber deutlich gegen den Auftaktband der Serie ab.

Quirke, Pathologe von Beruf, verwitwet mit einer schon erwachsenen Tochter, die aber lange glaubte, nur seine Nichte zu sein, erhält eines Tages einen Anruf von einem Mann, der zu seiner Zeit an derselben Universität studiert hat. Dessen Frau Deidre ist, scheinbar nach einem Selbstmord, tot aus einem Fluß gezogen worden und er bittet Quirke darum, den Fall zu übernehmen und eine Autopsie zu unterlassen.

Quirke verspricht das, kann aber seiner Neugierde doch nicht widerstehen und schaut sich die Leiche wenigstens gründlich an, macht Bluttests etc. Was er dabei findet bzw. entdeckt, läßt ihn weiter nachforschen, was es mit der Frau auf sich hatte. Er erfährt, dass Sie unter dem Namen Laura Swan einen »Schönheitssalon« geführt hat, zusammen mit dem zwielichtigen Leslie White. Je weiter Quirke forscht, desto verworrener wird alles.

In Rückblenden erzählt Black die Geschichte von Deidre, die den deutlich älteren Billy Hunt heiratete, dann eines Tages auf einen ziemlich dubiosen indischen Geistheiler trifft und über diesen Leslie White kennenlernt und durch diese Bekanntschaft in einen zerstörerischen Strudel gerät. Obwohl sie die Gefahr ahnt, kann sie doch nicht widerstehen und begibt sich immer tiefer in den Sumpf, in den Leslie White sie führt.

Quirke wiederum ist höchst alarmiert, als seine Tochter Phoebe ausgerechnet Leslie White kennenlernt und sich offenbar mit ihm einläßt. Aber auch Billy Hunt hat Leslie White, den ehemaligen Geschäftspartner seiner Frau im Blick und behält so auch Phoebe mit ihm Auge.

Alles in allem, fand ich diesen Krimi zu behäbig und auch langweilig. Die Richtung in die die Geschichte läuft hat mir ebensowenig zugesagt, eher habe ich den Verdacht, dass der Autor sein Vergnügen hatte, sich in diese Richtung zu begeben und dann ordentlich auszuwalzen. Männliche Leser mögen das anders empfinden aber ich fand die Lektüre eher ermüdend und unbefriedigend. Daher von mir für den zweiten Band lediglich zwei Sterne. Ob ich den nächsten Band der Serie lesen werde, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht gebe ich Benjamin Black nochmal eine Chance aber wenn der dritte Band dann auch wieder auf dem Niveau sein sollte, wie der zweite, werde ich diese Serie wohl nicht weiter verfolgen.

# ~ 2_Sterne ~ kein Kommentar



03.01.2010

Halldór Laxness: Das Fischkonzert *****

Buch-CoverMit einem Roman des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness habe ich dieses Lesejahr begonnen. Tatsächlich ist »Das Fischkonzert« der erste Roman, den Laxness nach der Verleihung des Literaturnobelpreises an ihn veröffentlicht hat.

Sein Protagonist oder besser Erzähler ist Alfgrimmur, der bei Pflegeeltern, die er Großeltern nennt, aufwächst, nachdem seine Mutter, die auf dem Weg nach Amerika war, ihn in deren kleinen Haus geboren und einfach dort zurückgelassen hat.

Es ist eine ärmliche bodenständige Welt in der Alfgrimmur aufwächst aber es ist eine glückliche Kindheit die er verlebt und ihm werden Grundsätze und Ideale vermittelt, die ihn für sein späteres Leben tüchtig machen.

Zur Familie gehört auch noch Kristin, die mit der Großmutter verwandt ist und als Hauswirtschafterin für den Küster arbeitet. Sie hat einen Sohn, der ein berühmter isländischer Sänger und ständig in der Welt unterwegs ist. Dieser abwesende Gardar Holm fasziniert den kleinen Alfgrimmur, gerade auch weil zuhause kaum über ihn gesprochen wird. Umso mehr reden die Isländer über ihn und verfolgen seine Triumphe im Ausland ganz genau.
Eines Tages kehrt Gardar Holm zurück nach Island und endlich kommt es zu der ersehnten Begegnung zwischen Alfgrimmur und diesem fernen faszinierenden Verwandten. Natürlich hoffen alle Isländer, endlich auch einmal den berühmten Sänger zu hören. Doch kurz vor dem anberaumten Konzert verläßt Gardar Holm die Insel, angeblich weil er dringend zu einem Konzert ins Ausland muss.

Wieder gehen Jahre ins Land. Alfgrimmur wächst weiter heran, besucht die Grundschule und wird anschließend sogar auf die weiterführende Schule geschickt, wo er Abitur macht. Dann taucht Gardar Holm das zweite Mal auf der Insel auf und Alfgrimmur realisiert, dass irgendetwas seltsam ist mit diesem Verwandten, doch die alte Faszination bleibt bestehen. Wieder hoffen die Isländer auf ein Konzert ihres Volkshelden, doch es geschieht dasselbe wie beim ersten Mal. Bevor es dazu kommt, verschwindet Holm wieder ins Ausland.

Er wird noch ein drittes Mal heimkehren und diesmal ist er bereit ein Konzert zu geben aber in ganz eigener Regie, weil er es will, nicht weil es von ihm erwartet wird und dieses Konzert wird so gänzlich anders verlaufen, dass es für Alfgrimmur zu einem Schlüsselerlebnis wird.

Mir hat dieser Roman sehr sehr gut gefallen. Halldór Laxness ist einfach ein großartiger Erzähler mit einer großen Menschenkenntnis und wie er die Personen lebendig werden läßt und die Geschichte zu ihrem Höhepunkt führt ist große Erzählklasse.

# ~ 5_Sterne ~ ein Kommentar



Literatur kulinarisch: Saurer Wal

Halldór Laxness: Das Fischkonzert
Karamelisierte Kartoffeln wurden als erstes Gericht hereingebracht und auf einen großen Tisch im mittleren Zimmer gestellt; hierauf folgten allerlei Marmeladen und Soßen, die so dick waren, daß sie kaum vom Löffel fielen; dann kamen nach und nach so unterschiedliche Sachen wie gebackenes Weißbrot und Rauchfleisch, saurer Wal und Sardinen; und plötzlich kam, wie aus heiterem Himmel, warme Blutwurst. Es schlossen sich gesengte Schafsköpfe und Heidelbeeren, die mit leuchtend roten Steinbeeren gemischt waren, an; dann kamen andere Speisen, die man gar nicht alle aufzählen kann. Es war fast so, als ob man in einen Lebensmittelladen eingebrochen wäre. Hier konnte ein jeder nach Herzenslust essen, im Einklang mit den Lehren und Idealen, denen er in bezug auf die Ernährung anhing, und es verfuhr auch ein jeder nach seinem Gutdünken, manche fingen mit gebackenem Weißbrot an und hörten mit saurem Wal auf, andere begannen mit einer Steinbeere und endeten mit einem Schafskopf oder saurer Molke - denn es wurden auch Getränke aufgetragen, Kuhmilch und französischer Rotwein, nebst der schon genannten Flüssigkeit. Den Abschluß bildete eine Suppenschüssel mit dickem Haferbrei, die vor das Familienoberhaupt, den alten Jon Gudmundsson, auf den Tisch gestellt wurde; diese Speise galt nämlich damals aufgrund einer Theorie aus Schottland als besonders bekömmlich für den Magen.


# ~ Literatur_kulinarisch ~ kein Kommentar



31.12.2009

Juli Zeh: Corpus Delicti ****

Buch-CoverMit dem Roman »Corpus Delicti von Juli Zeh wollte ich das Lesejahr 2009 abschließen und Dank der Feiertage ist das nun auch gelungen.

Was die deutsche Autorin Juli Zeh angeht, bin ich ziemlich «ambivalent». Einerseits imponiert mir, wie sie sich ohne Scheu zu politischen Themen äußert und das kompromisslos und eindeutig, was heutzutage ja nicht mehr so selbstverständlich ist. Andererseits bin ich mir aber über ihre Motive manchmal nicht ganz sicher gewesen, was mich eher zurückhaltend bzw. noch abwartend bleiben läßt. Doch gerade im letzten Jahr habe ich einiges von ihr gehört, dem ich vorbehaltlos zustimme und was mich vermuten läßt, dass sie tatsächlich unter den jüngeren deutschsprachigen Autoren jemand ist, der auch politisch wirklich etwas zu sagen hat.

Warum ich nun ausgerechnet zu «Corpus Delicti» gegriffen habe, liegt daran, dass ich zum einen sehr interessant fand, was ich im Vorfeld über diesen Roman hörte und Juli Zeh sich darin mit einer Thematik auseinandersetzt, die auch mich zunehmend bewegt und in der ich ein ebenso großes Gefahrenpotential sehe, wie sie offenbar auch.

«Corpus Delicti» spielt in der Mitte des 21. Jahrhunderts und erzählt von den Geschwistern Moritz und Mia, die in einer Art Gesundheitsdiktatur leben. Es existiert eine Methode der totalen Gesundheitsüberwachung, körperliches Training ist für alle Bürger selbstverständlich, alle medizinischen Daten werden per Chip ständig überwacht, alle Gesundheitsdaten sind jederzeit abrufbar und können im Zweifelsfalle auch gegen einen Bürger verwendet werden, Früherkennung ist ein wichtiger Bestandteil des Systems.

Mia, eine Naturwissenschaftlerin, hat sich mehr oder weniger mit diesem System arrangiert. Ihr Bruder Moritz ist freiheitsliebender und bricht immer wieder aus dem engen Überwachungskorsett aus und begeht Ordnungswidrigkeiten bzw. Straftaten, z.B. indem er raucht, etc. Dann wird Moritz einer Vergewaltigung mit anschließendem Mord angeklagt und da seine DNA im Opfer gefunden wurde auch verurteilt obwohl er bis zuletzt seine Unschuld beteuert hat. Moritz begeht mit Mias Hilfe im Gefängnis Selbstmord.

Mia selbst kommt aber darüber nicht hinweg und ist überzeugt davon, dass ihr Bruder wirklich unschuldig war, auch wenn der DNA-Fund gegen ihn spricht. In ihrer Trauer beginnt sie Dinge zu hinterfragen und Fragen zu stellen und obendrein «vernachlässigt» sie sich selbst, was natürlich bei der Überwachung gleich auffällt.

Mias Verhalten wird vom Staat als das Gemeinwohl gefährdend eingestuft und ehe sie es sich versieht, findet sie sich selbst vor Gericht wieder. In einem aufsehenerregenden Schauprozess wird sie zur Anführerin einer terroristischen Gruppe erklärt und schließlich zum sog. «Scheintod» (die Verurteilten werden quasi eingefroren) verurteilt. Für Mia ist die Hinnahme dieses Urteils ein Akt der Freiheit, doch noch hat das diktatorische System sein Spiel mit ihr noch nicht beendet.

Mir hat «Corpus Delicti" wirklich gut gefallen. Die Geschichte ist plausibel, die Gefahren die Juli Zeh anhand der Geschichte aufzeigt, durchaus nicht so weit hergeholt und auch die Art und Weise, wie sie diese Geschichte erzählt hat mir zugesagt.

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Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme ****

Buch-CoverIm November las ich den Sammelband »Risse in der Mauer«, der fünf Romane des schwedischen Schriftstellers Lars Gustafsson enthält. Nachdem ich mein Fazit dazu gezogen hatte, bekam ich Gustafssons jüngsten Roman »Frau Sorgedahls schöne weiße Arme« gleich von mehreren Lesern wärmstens ans Herz gelegt und nun kurz vor Jahresschluß habe ich es geschafft, diesen Roman noch zu lesen.

Und ich bin dankbar, dass mir diese Lektüre so eindringlich empfohlen wurde, denn es ist ein wunderbares Buches. Tatsächlich ist es der Roman, der mir bisher von Gustafsson am besten gefallen hat.

Man schlägt den Buchdeckel auf und hat das Gefühl als säße man mit seinem Großvater zusammen, und der beginnt von seiner Kinder- und Jugendzeit zu erzählen. Und es ist ein Großvater, der sehr gut erzählen kann, mit einer wunderbaren manchmal poetischen Sprache, der einen Blick für die Natur hat und obendrein weiß er auch noch sehr interessante und anregende philosophische Überlegungen mit einfließen zu lassen.

Dieser Roman entwickelt einen ganz eigenen Sog und Zauber auf den ich mich nur zu gerne eingelassen habe. Auch von mir daher eine dicke Leseempfehlung an alle, die den Roman noch nicht gelesen haben.

# ~ 4_Sterne ~ 2 Kommentare



Literatur kulinarisch: Hechtpasteten

Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme
Einen solchen Hecht, darüber waren sie sich ja klar, bekommt man nicht in den Ofen. Schon gar nicht in die Bratpfanne. Was macht man mit ihm? Man schneidet ihn in dicke Scheiben, die durch den Fleischwolf gedreht werden. Dazu gibt man Semmelbrösel und Eigelb. Und dann macht man Hechtpasteten, die schön gelb gebräunt aus dem Ofen kommen, mit knuspriger Kruste und einem leicht nach Kräutern duftenden, porösen und flockigen Inhalt.


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30.12.2009

Monica Ali: Hotel Imperial **

Buch-Cover2005 las ich Monica Alis hochgelobten Roman »Brick Lane« und war reichlich enttäuscht davon. Nun habe ich beschlossen es ein zweites Mal mit einem Roman von ihr zu wagen und griff zu »Hotel Imperial«, das dieses Jahr erschienen ist. Leider leider hat sich mein Ersteindruck bestätigt, denn auch dieser Roman hat mich an keiner Stelle emotional irgendwie packen können.

Erzählt wird von Gabriel Lightfoot, der von allen nur Gabe genannt wird und Küchenchef im etwas heruntergekommenen Hotel Imperial ist. Er hofft, wenn er dort erfolgreich ist, einen großen Karrieresprung machen zu können und außerdem plant er dann seine Freundin zu heiraten.

Monica Ali nimmt die Leser mit in die Hotelküche und läßt sie einen Blick hinter die Kulissen tun und was sich da offenbart, ist alles andere als schön. Die Köche und Küchenhilfen sind eine mulitkulturelle Truppe, die sich halb zu Tode schuften und dabei so ihre Päckchen zu tragen haben und auch nicht alle verfügen über gültige Papiere, etc. Dann wird auch noch eine Leiche in der Katakomben des Hotels gefunden und über Gabe bricht obendrein die Nachricht herein, dass sein Vater schwer an Krebs erkrankt ist.

Die weiteren Entwicklungen in der Geschichte zwingen Gabe, sich den Tatsachen wenigstens etwas mehr zu stellen und endlich hinzuschauen, was um ihn herum eigentlich passiert.

Sicher, man kann Monica Ali nicht absprechen, dass sie hier eine realistische Schilderung der Lebensumstände vieler Einwanderer und Immigranten und der Probleme einer multikulturellen Gesellschaft abbildet ebenso wie die Trostlosigkeit und Egozentrik die das Leben der sog. »Privilegierten« häufig kennzeichnet aber wie gesagt, mich hat der Roman nicht wirklich berührt oder mitgerissen. Auch diesmal von mir also nur zwei Sterne für Monica Ali und ich schätze, das war dann auch der letzte Roman von ihr, den ich gelesen habe.

# ~ 2_Sterne ~ 2 Kommentare



Lesejahr-Bilanz

Das (Lese)Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu und das habe ich zum Anlass genommen, hier mal ein wenig aufzuräumen, vor allem auf das Layout bezogen. Der Bücher-Jongleur ist in den wohlverdienten Ruhestand geschickt worden, einiges auf den neuesten Stand gebracht und vor allem habe ich die Schrift hier im Weblog geändert und auch vergrößert. Das vor allem der besseren Lesbarkeit wegen auch für Besucher, deren Augen schon etwas nachlassen. *räusper* Es soll ja für meine regelmäßigen für sporadischen Leser auch weiterhin ein Vergnügen bleiben.

Dieses Lesejahr war für mich ein eher durchwachsenes. Die Hälfte der gelesenen Bücher war gut, die andere eher naja ...

Der Leseflop-Monat des Jahres für mich ist allerdings dieser Monat. Ich habe tatsächlich schon lange nicht mehr einen so miesen Lese-Monat gehabt wie den Dezember. Nicht nur, dass ich für meine Verhältnisse sehr wenig gelesen habe - und zwar deshalb, weil ich für die Bücher, die ich gelesen haben, so elend lang gebraucht habe, weil ich mich durch so viele eher durchgequält habe, sondern weil eben auch ein Flop nach dem anderen hier aufschlug!

Naja, dann kann es ja im neuen Jahr eigentlich nur noch aufwärts gehen. ;o) Wir werden sehen und ich hoffe, Ihr bleibt mir auch weiterhin gewogen und könnt auch zukünftig die ein oder andere Lese-Anregung für Euch von hier mitnehmen.

Hier nun noch meine Top-10-Bücher 2009 in alphabetischer Reihenfolge:

Top Ten Bücher 2009

Ackroyd, Peter
Die Themse - Biographie eines Flusses

Rezension

Cather, Willa
Schatten auf dem Fels

Rezension

Claudel, Philippe
Brodecks Bericht

Rezension

De Robertis, Carolina
Die unsichtbaren Stimmen

Rezension

Dumas, Alexandre
Der Graf von Sainte Hermine

Rezension

Ekman, Kerstin
Der Wald. Eine literarische Wanderung

Rezension

Krechel, Ursula
Shanghai fern von wo

Rezension

Llorens, Chufo
Das Vermächtnis des Marti Barbany

Rezension

Müller, Herta
Atemschaukel

Rezension

Vargas, Fred
Der verbotene Ort

Rezension

P.S. Ach ja, Liisas Litblog bleibt natürlich auch weiterhin werbefrei!

# ~ Sonstiges ~ kein Kommentar



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