Archiv 2003
28.12.03 - 03.01.2003


30.12.03

Meine literarischen Top-Five 2003
1. Neville, Katherine: Das Montglane-Spiel
2. Zafón, Carlos Ruiz: Der Schatten des Windes
3. Knox, Elizabeth: Der Engel mit den dunklen Flügeln
4. Brown, Dan: Illuminati
5. Politkovskaja, Anna: Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg
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28.12.03

221.0 J. M. Coetzee: Warten auf die Barbaren  zwei Sterne

Ich muß gestehen, daß mir Coetzee, bevor er dieses Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, nicht bekannt war. Seinen Roman "Schande", für den er den Nobelpreis erhielt, wollte ich nicht als erstes Buch von ihm lesen, weil ich von der Inhaltsangabe und einem ersten kurzen "Hineinlesen" her nicht so angetan war. Also hab ich mich für "Warten auf die Barbaren" entschieden. Leider hat mich dieser Roman auch nicht überzeugen können. Sicher, Coetzee schneidet darin grundlegende Fragen an, wie die, wie es sich unter einem Regime lebt, das eine Willkürherrschaft ausübt und sich gegen Minderheiten und ihre Fürsprecher wendet. Welche Verantwortung der Einzelne in einer solchen Situation trägt und wie damit umgegangen wird. Trotzdem blieb der Roman für mich unbefriedigend. Würde der Roman nicht vor dem Hintergrund interpretiert, daß Coetzee aus Südafrika kommt und dort das Apartheid-System miterlebt hat, wären diese Themen und Fragen unter Umständen gar nicht so deutlich wahrgenommen. Der Roman wirkte auf mich eher wie eine Mischung aus Märchen, Fabel und Abenteuerroman. Das muß nicht gleich gegen den Roman sprechen, aber in dem Fall tut es das doch. Ob ich "Schande" auch noch lesen werde, weiß ich nicht, auf jeden Fall aber wohl nicht so bald und ich habe ehrlich gesagt auch nicht viel Hoffnung, daß mich "Schande" mehr überzeugen wird. In "Warten auf die Barbaren" kann ich jedenfalls nicht die "Meisterschaft eines Erzählers" entdecken, die ich erwarte von einem Autor, der den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Und ja ich weiß, daß es wider besseres Wissen ist, weil nämlich der Nobelpreis für Literatur leider schon seit längerer Zeit aus ganz anderen Gründen verliehen wird. Aber hoffen wird man ja wohl dürfen, daß ab und an doch ein echter und guter Erzähler den Preis verliehen bekommt.
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