Archiv 2003
15.06.03 - 21.06.2003


21.6.03

142.0 Willy Josefsson: Denn ihrer ist das Himmelreich  vier Sterne

Die schwedische Pastorin Eva Ström tut ihren Dienst in ihrer Gemeinde, arbeitet sogar in einem Krisenintervenierungsteam mit und findet auch noch Zeit für einen Kinderkirchenchor. Doch dann kommt ein kleiner Junge aus ihrem Chor auf furchtbare Weise ums Leben und ehe sie es sich versieht, wird sie in die folgenden Ereignisse verwickelt, ja immer tiefer hineingezogen. Vor allem die Sorge um ein weiteres Kind aus ihrem Chor treibt sie immer weiter unangenehme Fragen zu stellen und auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, nichts ahnend, daß sie sich selber damit in tödliche Gefahr begibt. Ein wirklich spannender Krimi, bei dem aber auch deutlich wird, daß das was geschehen ist, so furchtbar es ist und auch die Ermittlungen in Wirklichkeit nur an der Oberfläche eines viel tieferen Sumpfes kratzen, der letztendlich unangetastet bleibt. Sehr interessant ist die Figur der Pastorin angelegt. Nicht etwa wie mancher erwarten mag, festen unerschütterlichen Glaubens, sondern durchaus ein Mensch mit eigenen Brüchen, Zweifeln und Problemen. Hat mir gut gefallen.
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20.6.03

141.0 Käthe Fraedrich: Im Gulag der Frauen

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Frauen, die in der russischen Besatzungszone lebten, für Gerechtigkeit und Freiheit eintraten und dann von der Straße weg verhaftet und schließlich zu 25 Jahren Zwangsarbeit in Rußland verurteilt wurden. Ein bewegendes Buch, das aber nicht nur die grauenhaften Zustände im Gulag beschreibt, sondern zugleich auch ein Zeugnis dafür ablegt, daß Zusammenhalt, Freundschaft und Treue auch in solchen Zeiten und Umständen wachsen und gedeihen kann und einen durch eine solche Prüfung hindurchbringen kann. Mehr als einmal habe ich beim Lesen fassungslos den Kopf geschüttelt darüber, was Menschen Menschen antun können. Mehr als einmal habe ich gestaunt, was der Mensch an sich offenbar verkraften kann und wie stark Überlebenswille sein bzw. werden kann. Mehr als einmal habe ich mich beim Lesen gefragt, worüber wir uns heute eigentlich so oft beklagen. Es ist NICHTS im Vergleich zu dem, was diese Frauen durchgemacht haben. Kaum vorstellbar, Jahre der eigenen Lebenszeit auf diese Weise wirklich gestohlen zu bekommen, sie so fremdbestimmt leben zu müssen. Und die, die zurückkamen, wurden auch in der Heimat eher mit Mißtrauen empfangen und hatten Mühe sich im Deutschland des Wirtschaftswunders wieder einzuleben. Auf jeden Fall ist auch dieses Buch ein Zeugnis aus einer Zeit, die für die meisten von uns fern ist und die wir nicht selbst miterlebt haben, das nicht verloren gehen sollte. Lesenswert!
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17.6.03

140.0 Donna Leon: Die dunkle Stunde der Serenissima  drei Sterne

Ein neuer Kriminalroman von Donna Leon in der Commissario Brunetti-Serie, da mußte ich natürlich gleich zugreifen. Tatsächlich ist es bereits Commissario Brunettis elfter Fall, der ihn diesmal in die Geschichte der Stadt während der Mussolini-Zeit zurückführt. Das ist aber zunächst gar nicht absehbar, als eine Studentin seiner Frau ihn um eine Auskunft bittet. Doch kurz darauf ist die junge Studentin tot und es bleibt nicht bei einer Toten. Brunetti ermittelt und gerät in einen Sumpf von alten Beziehungen, Haß, Gier und es wird schnell deutlich, daß das Verdrängen von Geschichte eben nicht hilft, das Wunden abheilen könnten. Ein weiterer spannender Krimi und Brunetti ermittelt in gewohnt ruhig-souveräner Art. Als Leser leidet man mit ihm mit, wenn er sich durch den Sumpf kämpft und man fragt sich als Außenstehender, wie man unter solchen Umständen nicht verzweifeln kann. Alles in allem hat mir "Die dunkle Stunde der Serenissima" gut gefallen.
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16.6.03

139.0 Martha Schad: Frauen gegen Hitler

Ein wichtiges, hochinteressantes und informatives Sachbuch hat Martha Schad hier vorgelegt. Geschrieben in einem sehr flüssigen, schnörkellosen Stil der aber nicht einfach nur nackte Fakten aneinander reiht, sondern auch die Gefühlslage der beschriebenen und gewürdigten Frauen beschreibt. Viele Quellen und Zitate, die auf die Zeitzeuginnen zurückgehen, bereichern die einzelnen Kapitel. Bekannte, weniger bekannte und manchem auch völlig unbekannte Namen bzw. Frauen tauchen auf und der Leser bekommt auch einen Eindruck wie es sich im Widerstand zur damaligen Zeit lebte bzw. wie schlecht. Ich persönlich finde es mehr als erfreulich, daß sich jemand daran gemacht hat auch die Rolle von Frauen im aktiven Widerstand gegen Hitler zu beleuchten und einer größeren Öffentlichkeit auf diese Weise zugänglich zu machen. Das Zeugnis über diese tapferen Frauen, kann Ansporn sein auch in der heutigen Zeit, Stellung zu beziehen und gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei aufzubegehren. Ich kann und möchte dieses Buch nur wärmstens als Lektüre empfehlen.
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