Archiv 2003
04.05.03 - 10.05.2003


9.5.03

129.0 Elçin: Das weiße Kamel  drei Sterne

Oftmals fühlte ich mich beim Lesen von "Das weiße Kamel" von Elçin an den Erzähler Rafik Schami erinnert. Er erzählt aus der Sicht des sich an seine Kindheit erinnernden Schriftsteller Alekber vom Leben in den 40er Jahren in einem Altstadtviertel Bakus, der Hauptstadt Aserbaidschans. Lebendig werden die Figuren im Roman und deren Schicksale. Der Leser wird Zeuge, wie diese Welt langsam verschwindet und einer neuen Zeit Platz macht. Elçin schafft es dies auf eine Art und Weise zu erzählen, die einen hineinzieht in diese vergangene Welt, einem die Figuren liebmacht und an ein orientalisches Märchen erinnert. Auch dieser Roman war ein echtes Lesevergnügen für mich.
Noch einige kurze Informationen zu Elçin: Geboren wurde er 1943 als Sohn des Schriftstellers Ilyas Efendiyev in Baku, Aserbaidschan. Ende der fünfziger Jahre wurde er mit Erzählungen, Novellen und literturkritischen Arbeiten bekannt. Sein erster Erzählband, "Eine von tausend Nächten", erschien 1966. Nach der Veröffentlichung weiterer Erzählungen (u.a. "Der Zug. Picasso. Latour. 1968", "Hotel Bristol", "Ein Autounfall in Paris") erhielt er während der Breschnew-Ära zwei Jahre Schreibverbot. Er übersetzte außerdem klassische und moderne Weltliteratur ins Aserbaidschanische. Die aserbaidschanische Originalausgabe von "Das weiße Kamel" erschien 1984 unter dem Titel "Ak Deve". Die deutsche Erstausgabe erschien 1989 im Dagyeli Verlag, Frankfurt a.M.. Die Ausgabe vom Unionsverlag erfolgte dann 1992.
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7.5.03

128.0 Uri Adelman: Gleichung mit einem Unbekannten  drei Sterne

Mit diesem Roman von Uri Adelman habe ich mal wieder einen richtiger Thriller-Schinken gelesen. Gil Sadeh in Amerika findet einen beunruhigenden Anruf seines im Gefängnis sitzenden jüngeren Bruders Juval in Israel auf seinem Anrufbeantworter vor und fliegt postwendend nach Israel. Kaum in seiner Wohnung angekommen, findet er die Leiche einer ihm unbekannten junge Frau vor und sein Bruder Juval ist, wie er erfährt, kurz vor seiner Entlassung nach zwei Jahren Haft aus dem Gefängnis geflohen. Gil macht sich auf die Suche nach seinem Bruder und gerät in einen wahren Albtraum, in dem sich die Leichen häufen, jemand ihm selber nach dem Leben trachtet und er bald feststellt, daß alles mit der Vergangenheit seines Vaters zu tun. Solide geschriebene Thrillerkost, die sich gut lesen läßt. Die Spannung hielt sich für mich trotz der sich teilweise überschlagenden Ereignisse aber in Grenzen. Den Krimi zu lesen lohnt sich aber allemal.
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4.5.03

127.0 Rafik Schami: Eine Hand voller Sterne  drei Sterne

Ein Buch, das ich ungern aus der Hand gelegt habe. Mit großer Leichtigkeit erzählt Rafik Schami über das Leben junger Menschen in Damaskus. Als Form hat er ein Tagebuch gewählt, das von einem Bäckersjungen über drei Jahre geführt wird. Sein Übergang vom Kind zum Erwachsenen, sein Leben in der Geborgenheit der Familie, Freunde und Nachbarn, sein glühender Wunsch zur Schule zu gehen bzw. später Journalist zu werden, dem der Wunsch seines Vater ihn als Nachfolger in der Bäckerei zu haben, das Entdecken der politischen Wirklichkeit im eigenen Land, die erste Liebe, Verrat und Freundestreue, all diese Themen finden sich in diesem kleinen Büchlein phantastisch aufbereitet. Ein echtes Lesevergnügen.
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