Archiv 2003
06.04.03 - 12.04.2003
12.4.03 8.4.03 7.4.03
Choral am Ende der Reise von Hansen hat mir sehr gut gefallen. Darum war ich natürlich nun auch auf seinen Roman "Momente der Geborgenheit" gespannt. Aber ich konnte damit nicht wirklich etwas anfangen. Unterschiedliche Geschichten werden erzählt, die scheinbar irgendwie zusammenhängen. Bis zum Ende des Buches wartet der Leser auf die Auflösungen, doch die kommen nicht. Vielmehr wird auf der letzten Seite darauf verwiesen, daß es sich bei dem Buch nur um den ersten Teil handelt. Der zweite wird wohl irgendwann erscheinen. So reizvoll fand ich persönlich aber den ersten Teil durchaus nicht, daß ich nun brennend auf den zweiten Teil warten würde. Sicher manches ist hübsch erzählt. Gerade die ersten beiden "Geschichten" konnten mich streckenweise packen, aber dann war es schon wieder vorbei. Nein, ich kann in die Lobeshymnen, die dieser Roman teilweise erfahren hat, wirklich nicht mit einstimmen.
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Nach ihrem Erstling "Der Gott der kleinen Dinge" hat Arundhati Roy durch politische Essays von sich Reden gemacht. Mit "Die Politik der Macht" liegt eine Sammlung dieser ihrer Essays vor. Leidenschaftlich äußert sich Roy zu politischen Themen wie den großen Staudammprojekten in Indien und deren Folgen für Natur und die Menschen, die davon betroffen sind, der Tatsache, daß Indien bzw. dessen herrschende Schicht, die Atombombe will, dem Thema der Globalisierung, dem Terrorismus und dem Krieg gegen den Terrorismus. Sie wagt es, Stellung zu beziehen, sich auf eine Seite zu stellen und macht sich damit selbstverständlich höchst angreifbar. Ich persönlich hege großen Respekt vor Roy und ihrem Mut. Ich hege Respekt dafür, daß sie hinschaut und nicht wegschaut, daß sie ihre Stimme erhebt - selbst auf die Gefahr hin, sich hier oder da zu irren. Hochinteressant finde ich es, zu erfahren, wie ein Mensch, der in einer mir fremden Kultur in der sog. Zwei-Drittel-Welt zuhause ist, diese Welt sieht und erlebt, seine Perspektive und seine Denkansätze. So etwas erweitert den eigenen Horizont, macht aber ebenso klar, daß wir tatsächlich viel weniger wissen von dieser Welt und wie sie "funktioniert", wer die Fäden wo warum wohin zieht, als wir gemeinhin annehmen. Ich würde mir wünschen, es gäbe mehr Stimmen wie die von Arundhati Roy. In klarem Stil, teilweise pointiert aber nie übertrieben zeigt sie Zusammenhänge auf, hinterfragt die gegenwärtigen Machtstrukturen dieser Welt und enttarnt scheinbare Wohltätigkeit, "Entwicklungshilfe" oder "zum-Wohl-des-Volkes/der Nation-Ideologien". Hier und da scheint die Resignation Überhand gewinnen zu wollen, aber nur scheinbar, hier schreibt ein Mensch, der die Hoffnung auf eine bessere Welt und Zukunft noch nicht aufgegeben hat, ja nicht aufgeben will, so aussichtslos diese Hoffnung auch erscheinen mag.
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Lieben. Geliebt werden. Nie vergessen, wie unwichtig man selbst ist. Sich nie an die unaussprechliche Gewalt und vulgäre Ungleichheit des Lebens um einen herum gewöhnen. Am traurigsten Ort nach Freude suchen. Der Schönheit in ihr Versteck folgen. Nie vereinfachen, was kompliziert ist, oder kompliziert machen, was einfach ist. Kraft achten, nie Macht. Vor allem beobachten. Zu verstehen versuchen. Nie wegsehen. Und nie, nie vergessen.
Aus: Arundhati Roy: Die Politik der Macht